Der Wolf (Canis lupus) ...
Wildtiere in Bayern Der Wolf - ein Ureinwohner Bayerns
Der Wolf streicht wieder durch Deutschland. Erste Spuren hat er auch schon in Bayern hinterlassen. Im Fichtelgebirge wurde 2011 ein Wolf fotografiert. Jetzt soll einer durch die Landkreise Ansbach und Weißenburg stromern.
Ein Schuss, der in die Geschichte eingehen sollte: Im Sommer 1882 wurde bei einer Treibjagd im Oberpfälzer Fichtelgebirge der letzte Wolf Bayerns erlegt. Damit war in unseren Wäldern ein für das Ökosystem wichtiges Mitglied ausgerottet. Jahrtausendelang hatte das große Raubtier den Rehwildbestand in einem für den Wald verkraftbaren Niveau gehalten. Heute übernehmen Jäger diese Aufgabe des Wolfs.
Der Wolf - Feind des Menschen?
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Einst wurde der Wolf vom Menschen geschätzt und verehrt. Als geschickter, ausdauernder und erfolgreicher Jäger wurde er bewundert. Mythen rankten sich um ihn, Märchen wurden ihm gewidmet. In Vornamen wie Wolfgang oder Wolfhart spiegelt sich noch heute diese Wertschätzung wieder.
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Doch mit der zunehmenden Besiedlung, der Ausweitung der Agrarflächen und der immer extensiver werdenden Weidewirtschaft kam es zum Konflikt. Der Lebensraum für den Wolf wurde kleiner, er riss Schafe und andere Nutztiere und wurde zum Nahrungskonkurrenten des Menschen. Er wurde zum "Isegrim" - zum gefürchteten und gehassten Feind, der in unserer Welt keinen Platz mehr hatte.
Wölfischer Hunger
"Der Ernährungsplan des Wolfes ist gut untersucht", sagt Markus Bathen, Wolfsexperte beim NABU. "Klar ist: Der Mensch gehört definitiv nicht zu seiner Beute. In den mehr als zwölf Jahren, in denen sich Menschen und Wölfe hierzulande die Wälder teilen, hat sich kein Wolf einem Menschen aggressiv genähert." Das Senckenberg-Forschungsinstitut in Görlitz untersucht seit zehn Jahren Kotproben von Wölfen aus der Lausitz. Aus mehr als 2.000 Proben schlossen sie auf deren Speiseplan: Wilde Huftiere machen mehr als 96 Prozent der Beutetiere aus. Dabei dominieren Rehe mit rund 52 Prozent, gefolgt von Rotwild mit 25 Prozent und Wildschweinen mit 16 Prozent. Einen geringen Anteil machen Hasen mit knapp drei Prozent aus. Nutztiere wie Schafe gehören nicht zu den bevorzugten Beutetieren, ihr Anteil macht insgesamt weniger als ein Prozent aus. "Solange Schafe gut geschützt sind, meiden Wölfe die Gefahr, mit Elektrozäunen oder Herdenschutzhunden in Kontakt zu kommen", erläutert Bathen.
Wende zum Positiven
Seit den 1970er-Jahren verbessert sich das Image des Meisters Isegrim allmählich. Mehr und mehr wird erkannt, dass der Wolf ein Ureinwohner unserer Wälder ist, und wir kein Recht haben, ihn zu verbannen. Mit wachsendem ökologischen Bewusstsein der Bevölkerung schwindet allmählich die Verteufelung als "blutrünstiges Raubtier". Mittlerweile ist der Wolf ein streng geschütztes Tier.
Keine Angst vorm bösen Wolf
"Wölfe sind äußerst zurückhaltend. Sie nehmen einen Menschen meist schon früh durch ihre feinen Sinne wahr und gehen ihm aus dem Weg", erklärt NABU-Wolfsexperte Markus Bathen. "Junge Wölfe sind allerdings etwas unbedarfter. Es ist gut möglich, dass sie länger brauchen, um eine Situation richtig einzuschätzen und sich zurückzuziehen." Was also empfiehlt der Fachmann bei einer Begegnung? "Keinesfalls weglaufen, sondern stehen bleiben und beobachten. Wer sich unwohl fühlt, kann einen Wolf leicht vertreiben, indem er ihn laut anspricht, in die Hände klatscht oder winkt. Und vor allem sollte man nicht versuchen, ihn anzufassen oder zu füttern." Hunde sollten in bekannten Wolfsgebieten möglichst nah am Menschen bleiben. Frei laufende Hunde könnten als Reviereindringling angesehen und vertrieben werden.
Wölfe auf dem Vormarsch?
Seit dem Jahr 2000 kehrt der Wolf nach Deutschland zurück. Laut einer NABU-Mitteilung vom März 2013 leben inzwischen wieder zwanzig Rudel im Bundesgebiet: in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Nach Einschätzung des NABU werden Wölfe langfristig in allen Flächenbundesländern vorkommen.
Studie belegt: Der Wolf kann überall auftauchen
Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) hat untersucht, wie sich der Wolf in Deutschland ausbreitet. Dazu statteten Forscher sechs Tiere mit GPS-Sendern aus und sammelten drei Jahre lang - bis 2010 - Funkdaten. Die Ergebnisse verblüfften selbst Fachleute: Die Wölfe legten zum Teil mehr als 70 Kilometer pro Tag zurück. Sie zeigen sich sehr anpassungsfähig und blieben nicht nur im Wald, sondern wagten sich auch auf offenes Gelände. Auch in der Nähe von Straßen hielten sie sich längere Zeit auf. Das BfN empfiehlt daher allen Bundesländern, sich auf das Erscheinen von Wölfen einzustellen und, sofern noch nicht geschehen, Pläne für ein Wolfsmanagement zu erarbeiten.
Streuner im Fichtelgebirge
In Bayern weiß man bislang nur von Einzeltieren: In der Nähe von Pöcking am Starnberger See war im Mai 2006 nachweisbar der erste wilde Wolf seit mehr als hundert Jahren auf bayerischem Territorium unterwegs. Doch das aus Italien stammende Tier hatte kein Glück - es wurde von einem Auto erfasst und getötet.
Im Winter 2009/2010 wurden im Mangfallgebirge bei Bayerischzell von einem Wolf gerissene Tiere gefunden - Rehe, Rotwild und Schafe. Doch mehr als diese Spuren waren von dem scheuen, vermutlich ebenfalls aus Italien stammenden Tier nicht zu sehen.
Am 30. Dezember 2011 wurde ein Wolf in einer ganz anderen Ecke Bayerns sogar bildlich festgehalten: Am Schneeberg im Fichtelgebirge war er in eine Fotofalle für Luchse getappt. Vermutlich stammt das Tier aus einer Wolfs-Population aus den östlichen Bundesländern.
Augenzeugin berichtet
Ende Februar 2013 berichteten mehrere Augenzeugen aus den Landkreisen Weißenburg und Ansbach, sie hätten "ein wolfsähnliches Tier" gesehen. Wegen der hohen Verwechslungsgefahr mit anderen Tieren gelten die Meldungen laut Landesamt für Umwelt jedoch nicht als echte Beweise.
Rückkehr in den Bayerischen Wald
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Fachleute halten es für denkbar, dass sich im Nationalpark Bayerischer Wald wieder Wölfe ansiedeln könnten. Man wird die Rückkehr der scheuen Raubtiere nicht gleich bemerken. Ein attraktiver Lebensraum wäre der Bayerische Wald für sie in jedem Fall: Zusammen mit dem angrenzenden Sumava-Nationalpark auf tschechischer Seite stünden ihnen rund 900 Quadratkilometer zur Verfügung.
Geschützt und doch erschossen
Noch ist es für uns Menschen nicht einfach, uns an die Rückkehr dieser Wildtiere zu gewöhnen: Im Frühjahr 2002 wurden in Bayern zwei Wölfe erlegt, die aus einem Gehege im Bayerischen Nationalpark ausgebrochen waren. Zwei Jahre darauf wurde im Landkreis Passau ein Wolf erschossen, der aus einem Tierpark im Bayerischen Wald geflohen war und einige Hühner erbeutet hatte. Mittlerweile gibt es einen offiziellen Managementplan für den Umgang mit wilden Wölfen, der hoffentlich mithilft, dass der Wolf nicht mehr als "Problemwolf" betrachtet wird.
Managementplan Wölfe in Bayern - Stufe 1
Der Managementplan des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz "beschreibt den Handlungsrahmen und regelt Zuständigkeiten, Kommunikationswege, das Monitoring und die Abwicklung von Ausgleichszahlungen, wenn Wölfe nach Bayern zuwandern."
Mehr Informationen zum Wolf:
Führungen im Nationalpark Bayerischer Wald
Im Nationalpark Bayerischer Wald gibt es regelmäßig Führungen unter fachkundlicher Leitung. Dabei lernen Sie Wölfe und andere Tiere in ihrer natürlichen Umgebung kennen - in ihren Freigehegen. Zudem haben wir einige Links für Sie herausgesucht, die Sie über Wölfe und ihren Schutz informieren:

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