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Die Wildkatze Eine leise Jägerin schleicht durch Bayern

Völlig zu Unrecht galt sie als wilde Bestie, die Rehe und Hirschkälber angreift – und wurde deshalb bei uns fast ausgerottet. Dank umfangreicher Schutzmaßnahmen schleicht die Wildkatze jetzt wieder durch einige unserer Wälder.

Von: Anne-Kathrin Gebert Stand: 23.11.2012

Ursprünglich waren Wildkatzen in Deutschland weit verbreitet. Doch zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren sie bei uns bis auf wenige kleine Vorkommen ausgerottet. "Eine wilde Bestie, ein gnadenloser Räuber" - über Jahrhunderte dichtete man der Wildkatze furchteinflößende Eigenschaften an: Rehe und Hirschkälber könne sie erlegen und sogar Menschen angreifen. Für die Jäger war das ein Freibrief zur gnadenlosen Jagd. Tatsächlich muss sich niemand um die heimischen Rehbestände sorgen: Auf dem Speiseplan von Wildkatzen stehen Mäuse ganz oben.

Die Wildkatze kehrt zurück

Die Wildkatze breitet sich in deutschen Wäldern wieder aus. Das zeigt eine Studie des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und des Bundesamts für Naturschutz, die am 19. November 2012 bei Bonn vorgestellt wurde. Auch in Wäldern, die zuvor lange als unbesiedelt galten, leben wieder Wildkatzen. Dies konnte mit Hilfe von Haarproben festgestellt werden.
Der BUND setzt sich dafür ein, grüne Korridore zwischen isolierten Waldgebieten zu schaffen, um den Tieren mehr Lebensraum zu bieten. Nach Schätzungen der Umweltorganisation leben derzeit etwa 5.000 bis 7.000 Wildkatzen in Deutschland, vor allem in der Eifel, im Hunsrück und im Pfälzerwald.

Hilfe im letzten Moment

Wildkatzen sind keine verwilderten Haustiere. Die Pirschjäger haben eine andere genetische Herkunft als Hauskatzen. Sie sind massiger, haben einen buschigen Schwanz mit dunklen Ringen und meiden die Nähe von Menschen. Seit 1934 steht die Wildkatze in Deutschland unter strengem Schutz. 1984 startete der Bund Naturschutz (BN) in der Aufzucht- und Auswilderungsstation Wiesenfelden im Bayerischen Wald ein Projekt zur Wiedereinbürgerung der Wildkatze.

Aus dem Zoo in den Wald

In der Aufzuchtstation Wiesenfelden werden die Wildkatzen auf das Leben in der freien Wildbahn vorbereitet. Die meisten von ihnen sind überzählige Tiere aus den zoologischen Gärten Europas. Nach einem Jahr der Eingewöhnung werden sie an geeigneten Stellen ausgesetzt - dort, wo sie die besten Überlebenschancen haben. Das sind reich strukturierte Wälder mit kleinen Lichtungen, Auen und Bachläufen.

Die leise Jägerin ist zurück

Im Rahmen des Auswilderungsprojektes wurden bislang mehr als 600 Wildkatzen in ihren ehemaligen Verbreitungsgebieten in Bayern freigelassen. Obwohl die Sterblichkeitsrate hoch ist, ist das Projekt geglückt. Die kleine Raubkatze lebt heute wieder im Spessart, im Steigerwald, in der Rhön, in den Hassbergen und im Fichtelgebirge. Hier hat sie Lebensräume gefunden, die ihr ein Überleben ermöglichen.

Lebensräume vernetzen

Sie lebt ein Leben im Verborgenen: die Wildkatze.

Seit 2004 widmet sich das "Rettungsnetz Wildkatze" - ein Dreiländerprojekt des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Thüringen, Hessen und Bayern - der Vernetzung der Lebensräume der Wildkatze. Denn geeignete Wälder gäbe es genügend in Bayern und ganz Deutschland. Das Problem: Die einzelnen Populationen von Wildkatzen in den verschiedenen Waldgebieten liegen weit auseinander. Der Bestand kann sich durch die Zersiedelung der Landschaft nicht ausbreiten. Die meisten Wildkatzen sterben beim Überqueren einer Straße.

Verbreitung der Wildkatze

Europa:
Schottland, Balkan, Italien, Spanien, Ostfrankreich, Belgien, Luxemburg, Deutschland
Deutschland:
Eifel, Hunsrück, Taunus, Pfälzer Wald, Harz, Nordthüringen und im nördlichen Bayern
Bayern:
Spessart, Steigerwald, Rhön, Fichtelgebirge, Vorderer Bayerischer Wald

Schutzprojekte für die Wildkatze:

"Rettungsnetz Wildkatze" und "Wildkatze schützen. Kleiner Tiger in großer Gefahr" - Kostenlose Faltblätter des BUND. Anforderung per Email (info@bund.net) oder telefonisch beim BUND-Infoservice unter 030 / 27 586-469.

Aktuelle Informationen über die Projekte zur Auswilderung und Verbreitung der Wildkatze erhalten Sie beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) und dem Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN):


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