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Wetter-Trend Mehr Sturm und Hagel über Deutschland

Wenn im Sommer heiße und kalte Luftmassen in der Atmosphäre zusammenstoßen, können heftige Gewitter mit Sturm und Hagel entstehen. Das wird in Zukunft noch öfter als heute passieren, haben Klimaforscher jetzt herausgefunden.

Stand: 14.02.2013

In Deutschland herrschen immer häufiger beste Voraussetzungen für starke Gewitter und Hagelstürme, ebenso in Frankreich und Nordspanien. Aus einer Studie des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung der Universität Karlsruhe geht hervor: In diesen Gebieten hat das Gewitterpotenzial in den letzten Jahrzehnten signifikant zugenommen.

14 Hageltage mehr in München

Diese Hagelkörner prasselten am 30. Juni im Unterampfrach bei Feuchtwangen auf die Erde.

Besonders deutlich lässt sich das an der Zahl der potenziellen Hageltage während des Sommerhalbjahres ablesen. In Baden-Württemberg ist in den vergangenen dreißig Jahren die Zahl der Tage mit Hagelpotenzial um 16 gestiegen. In München sind es ungefähr 14 Tage. Ganz im Norden von Deutschland, in Schleswig, sind es deutlich weniger. Aber auch dort gibt es zwischen April und September fünf Tage mehr mit Hagelgefahr. Dass es im Süden deutlich häufiger hagelt, ist für Meteorologen keine Überraschung: Im Süden ist es wärmer und die Luft feuchter. Das erhöht das Gewitterpotenzial und die Gefahr von Hagelschlag.

Klimawandel erhöht "latente Energie"

Dass immer öfter ideale Bedingungen für starke Sommergewitter in Westeuropa herrschen, liegt an der Klimaerwärmung. Dadurch erhöht sich auch die Feuchtigkeit in den bodennahen Luftschichten. Höhere Temperaturen und mehr Verdunstung lassen gemeinsam die "latente Energie" anwachsen, die sich dann in heftigen Gewittern entladen kann.

Latente Energie

Latente Energie wird frei, wenn Stoffe schmelzen oder verdunsten. Weil man sie nicht direkt nachweisen kann, wird sie als versteckt oder latent bezeichnet.

Radarblick in die Wolken

Blitz über einem Feld | Bild: colourbox.com zur Bildergalerie Blitzlichtgewitter Schau mal, wie' s da blitzt!

Wenn es blitzt, sollte man sehen, dass man sich aus der Gefahrenzone begibt. Aber nichts spricht dagegen, von einem sicheren Standpunkt aus die faszinierenden Muster zu betrachten, die die Blitze am Himmel zeichnen. [mehr]

Die Karlsruher Meteorologen sprechen in ihren Forschungsarbeiten ganz bewusst nicht von Tagen mit Starkgewitter und Hagelschlag, sondern von Tagen mit einem Potenzial dafür. Zuverlässige Daten, wann und wo es Gewitter mit Sturm und Hagel gab, existieren nämlich nicht. Radargeräte können Gewitterwolken am Himmel zwar verfolgen. Sie können aber nicht unterscheiden, ob in ihrem Inneren Hagelkörner oder Wassertropfen stecken. Verlässliche Daten zur Zahl der Blitze in Deutschland gibt es erst seit etwas mehr als zehn Jahren. Deswegen mussten sich die Karlsruher Forscher bei ihren Prognosen anders behelfen.

Dreißig Jahre Daten durchsucht

Ein Gewitter über Nürnberg Anfang Juli

Die Meteorologen durchsuchten die Wetteraufzeichnungen der letzten dreißig Jahren nach bestimmten meteorologischen Kenngrößen, sogenannten "konvektiven Parametern". Das sind Maßzahlen, mit denen man das Potenzial der Atmosphäre für die Entstehung von Gewitterstürmen und damit auch von Hagel bestimmen kann, beispielsweise Temperaturen und Feuchtegehalte in verschiedenen Höhen. Daraus lässt sich errechnen, wie viel Energie einem Gewitter zur Verfügung steht und ob sich daraus ein Hagelsturm entwickeln kann.

In Zukunft noch mehr Gewitter

Starkgewitter mit Hagelschlag kommen besonders dann vor, wenn feuchte Luftmassen aus Südwesten heranströmen. Die Meteorologen aus Karlsruhe haben mithilfe von Klimasimulationen untersucht, wie groß in Zukunft die Wahrscheinlichkeit für solche Großwetterlagen ist und welche Konsequenzen sich daraus ergeben. Das Ergebnis lautet: Bis zum Jahr 2050 könnte die Zahl von Hagelwetter-Tagen in Deutschland um 10 bis 15 Prozent zunehmen.


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