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Extremwetter durch Klimawandel Mehr Starkregen, Dürren, Hitzewellen und Orkane

Extreme Wetterphänomene treten weltweit immer häufiger auf, auch in Deutschland. Wissenschaftler machen auch die Klimaerwärmung dafür verantwortlich. Und sie zeichnen nach dem globalen Hitzerekord 2016 auch für 2017 ein düsteres Szenario.

Stand: 26.07.2017

Forscher haben sich lange schwer getan, extreme Wetterverhältnisse in einen direkten Zusammenhang mit dem Klimawandel zu bringen. Doch neue Methoden der statistischen Auswertung, verfeinerte Klimamodelle und bessere Computertechnik machen Aussagen über Zusammenhänge heute eher möglich.

Starkregen und steigende Temperatur

Im Juni und Juli 2017 hat es Teile Deutschlands erwischt: Ausnahmezustand wegen sintflutartiger Regenfälle, die das Leben nicht nur in Berlin zeitweise lahm legten. Auch Niedersachsen und Thüringen machte extremer Dauerregen zu schaffen, in Hildesheim musste ein ganzes Wohngebiet evakuiert werden. Der Kieler Klimaforscher und Meteorologe Mojib Latif sieht auch den Klimawandel als Ursache für diese Wettextreme.

Latif betont immer wieder, dass seit 1881 die durchschnittliche Temperatur in Deutschland um 1,4 Grad angestiegen ist. Bei einer Erwärmung von einem Grad könnten sieben Prozent mehr Wasser von der Luft aufgenommen werden. Speziell Osteuropa, Osten Deutschlands und Teile Bayerns gerieten immer stärker unter Mittelmeereinfluss. Dabei sauge sich ein Tief über dem Mittelmeer wie ein Schwamm voll Wasser, ziehe östlich an den Alpen vorbei und regne sich in Mittel- und Osteuropa ab.

Weltweite Wetterextreme

WMO rechnet 2017 mit extremen Wetterphänomenen

Nach einem weltweiten Hitzerekord 2016 werden sich auch 2017 die extremen Wetterbedingungen und Klimaveränderungen fortsetzen. Das geht aus dem am 21. März 2017 in Genf vorgestellten Jahresbericht der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) hervor. Diese "extremen Wetterphänomene" werden vor allem als Folgen des Treibhausgasausstoßes gesehen: Der Anteil von Kohlendioxid in der Atmosphäre breche "immer neue Rekorde" und der Einfluss des Menschen auf das Klima werde dadurch "immer offensichtlicher", erklärte WMO-Chef Petteri Taalas. Er hob hervor, dass leistungsfähigere Computer und Langzeitdaten zur Klimaveränderung es ermöglichten, die Verbindung zwischen dem menschengemachten Klimawandel und extremen Wetterphänomenen "klar aufzuzeigen".
Hitzewellen, Regenstürme und Kälteeinbrüche seien auch "2017 weiter aktuell", heißt es in dem vorgestellten Jahresbericht. Neue Studien ließen sogar befürchten, dass die folgenschwere Erwärmung der Ozeane noch stärker ausfallen könnte als bislang prognostiziert.
Selbst wenn das derzeit außergewöhnlich starke Klimaphänomen El Niño ausgeklammert würde, das in Peru gerade verheerende Überschwemmungen anrichtet, werde es dieses Jahr "andere bemerkenswerte Veränderungen weltweit geben, die unser Verständnis des Klimasystems auf die Probe stellen", so der Leiter des Weltklima-Forschungsprogramms, David Carlson. Damit stießen Klimaforscher nun "auf unbekanntes Terrain" vor.
Die Arktis wurde dem Jahresbericht zufolge in diesem Winter bereits drei Mal von einer Wärmewelle erfasst, bei der starke Atlantikstürme warme, feuchte Luft brachten. Sogar auf dem Höhepunkt des arktischen Winters sei die Temperatur an einigen Tagen fast bis zum Gefrierpunkt gestiegen. Auch das Packeis in der Antarktis befinde sich auf einem "Rekordtiefstand", warnte die WMO.

2016 bricht wieder Temperaturrekord

Das Jahr 2016 hat nach 2014 und 2015 als drittes Jahr in Folge den globalen Temperaturrekord gebrochen. "Ein einziges Jahr ist eine Art Kuriosum", sagte Deke Arndt von der US-Klimabehörde NOAA bei der Bekanntgabe im Januar 2017. "Aber der Trend und die Tatsache, dass wir jetzt jedes Jahr an die Decke stoßen, das zeigt, dass wir wirklich große Veränderungen durchmachen", so Arndt weiter.

Die weltweite Durchschnittstemperatur hat nach Angaben der Weltwetterorganisation WMO in Genf etwa 1,1 Grad Celsius über der der vorindustriellen Zeit gelegen. Die NOAA ermittelte einen Durchschnittswert über Land- und Ozeanflächen, der um 0,94 Grad Celsius über dem Durchschnitt im 20. Jahrhundert lag. Bei der US-Raumfahrtbehörde NASA waren es durchschnittlich 0,99 Grad Celsius mehr. Die leicht unterschiedlichen Werte resultieren aus verschiedenen Mess-und Berechnungsmethoden der Organisationen.

Auch wenn die Werte leicht auseinandergehen: Einig sind sich alle Experten darüber, dass nun rasch gehandelt werden muss. Und sie schlagen Alarm. "Die Extreme nehmen zu. Mit der wärmeren Arktis bauen sich Hochdruckgebiete auf, die im Winter Kaltluft zu uns leiten", betonte Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, und warnt: "Viele glauben, nach dem Pariser Abkommen ist das Klima bereits gerettet. Doch die nationalen Ziele der Vertragsstaaten in dem Abkommen reichen bekanntlich noch nicht für die Begrenzung der Erderwärmung auf 2 Grad Celsius. Nach Paris hat bislang noch kein Land seine Klimaschutzambitionen deutlich erhöht.

2016: Extreme Temperaturveränderungen in der Arktis

Besonders warm war es 2016 unter anderem im Osten Russlands, in Alaska, im Westen Kanadas, in Zentralamerika sowie in Teilen Australiens und Asiens.

Extreme Temperaturveränderungen gab es auch in der Arktis, wo das Eis zudem auf neue Minimalrekorde zurückging. "Was in der Arktis passiert, ist beeindruckend. Dieses Jahr hat es alles bisher Dagewesene auf unglaubliche Art und Weise gesprengt", sagt Nasa-Manager Gavin Schmidt. Vielerorts wurden die warmen Temperaturen wie schon im Jahr zuvor vom Klimaphänomen El Niño beeinflusst.

"Die langfristigen Indikatoren für vom Menschen ausgelösten Klimawandel haben 2016 neue Höhen erreicht", erklärte WMO-Generalsekretär Petteri Taalas. "Die Konzentration von Kohlendioxid und Methangas ist in Rekordhöhe gestiegen. Beide tragen zum Klimawandel bei."

Für Deutschland war 2016 nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes mit einer Mitteltemperatur von 9,5 Grad Celsius zwar wieder ein sehr warmes Jahr, jedoch nicht das wärmste.

Ein Monats-Temperaturrekord jagt den nächsten

Im September 2016 verkündete die US-Klimabehörde NOAA wieder einen neuen weltweiten Monats-Temperaturrekord: Auch der August 2016 war der wärmste August seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1880. Er stellte damit zum 16. Mal in Folge einen globalen Temperaturrekord für den jeweiligen Monat auf.

Die Durchschnittstemperatur über Land- und Ozeanflächen habe im August um 0,92 Grad Celsius über dem Durchschnittswert des 20. Jahrhunderts von 15,6 Grad gelegen, teilte die NOAA mit. Damit übertraf der August 2016 den gleichen Monat des Vorjahres, der der bisherige Rekordhalter war, um 0,05 Grad Celsius. Besonders warm war es in Nordamerika, Spanien, Großbritannien, Bahrain und Teilen Kanadas.

2015 – Erderwärmung in Deutschland stärker als weltweit

Temperaturabweichung 2015 vom langjährigen Mittel

Seit 1881 hat sich Deutschland nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) um 1,4 Grad Celsius erwärmt. International habe der Wert bei etwas unter einem Grad gelegen. Als Grund für die höhere durchschnittliche Erwärmung nannte DWD-Experte Thomas Deutschländer am 8. März 2016 auch die geografische Lage Deutschlands: "Land erwärmt sich schneller als Wasser." So lag die Mitteltemperatur der vergangenen Jahre hierzulande mit 9,2 Grad Celsius genau ein Grad über dem Wert der internationalen Referenzperiode von 1961 bis 1990. "Das ist erlebter Klimawandel", so Deutschländer. 23 dieser 25 Jahre waren dem Meteorologen zufolge zu warm.

2015 – wärmstes je gemessenes Jahr weltweit

Dieses Ergebnis bestätigen auch die Datenauswertungen der US-Meteorologen der Nationalen Ozean- und Atmosphärenverwaltung (NOAA) und der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA. Niemals seit Beginn der systematische Erhebung globaler Temperaturdaten im Jahr 1881 waren die Temperaturen im weltweiten Durchschnitt so hoch wie im Jahr 2015. +0,9 Grad Celsius: Um fast ein Grad lag die globale Jahresdurchschnittstemperatur über dem Mittelwert des gesamten 20. Jahrhunderts.

Extremereignisse 2015

  • zweitwärmstes Jahr in Alaska (seit 1925), USA (seit 1895) und Afrika (seit 1910)
  • erstmalig traten im August 2015 drei große Orkane gleichzeitig in Nordostpazifik auf
  • Arktis: die bislang kleinste Eisausdehnung im arktischen Winter
  • Antarktis: viertkleinste Eisfläche im antarktischen Sommer
  • extreme Hitzewelle in Indien in Mai und Juni mit Temperaturen über 45° Celsius
  • Marokko: In einer einzigen Stunde fiel am 6. August 13-mal mehr Regen als sonst in einem ganzen Monat

Rekordtemperaturen seit 2001

Die Lufttemperaturen über Land waren 2015 sogar um 1,33 Grad höher als im langjährigen Mittel (die Lufttemperatur über Wasser lag "nur" 0,74 Grad über dem Mittelwert). 15 der 16 wärmsten Jahre seit 1880 fanden laut NASA erst im 21. Jahrhundert statt – jedes einzelne Jahr seit 2001 gehört zu den Top 16. Bisheriger Rekordhalter war 2014 – mit einer globalen Jahresdurchschnittstemperatur von 14,59 Grad Celsius um 0,69 Grad über dem Langzeitmittel. Auch wenn die Abweichung dieses Zahlenwertes so klein erscheint, so ist dies eine ganz signifikante Erwärmung.

Höchsttemperaturen in Europa

2015 war auch in Europa das wärmste je gemessene Jahr. Nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) war es auch 2014 in Europa ungewöhnlich warm. Im "Climate Status 2015" stellt die Weltorganisation fest, dass sich der über die vergangenen Dekaden bestätigte Trend zur Erderwärmung fortsetzte. Die 15 heißesten Rekordjahre fielen ins 21. Jahrhundert.

In Deutschland war 2015 das zweitwärmste Jahr nach dem derzeitigen Rekordhalter 2012. Es teilt sich den Platz nach Daten des Deutschen Wetterdienstes mit den Jahren 2000 und 2007.

2014 – Extremereignisse

  • Alaska und die USA erlebten das wärmste Jahr seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen 1916. Für Kanada war es das kälteste Jahr seit 1996.
  • Starkregen und Überschwemmungen trafen Bangladesch, Pakistan und Indien im August und September, Sri Lanka im Dezember.
  • In Afrika gingen in Marokko, Mozambik, Südafrika, Kenia, Äthiopien, Somalia und in der Vereinigten Republik Tansania ungewöhnlich starke Regenfälle nieder. Ebenso hatten in Südamerika Paraguay, Argentinien, Bolivien und einige Regionen Brasiliens mit Wassermassen zu kämpfen.
  • Dagegen litten Zentral- und Ostbrasilien, Honduras, Guatemala, El Salvador und Nicaragua unter Dürreperioden.
  • Zudem stiegen der Meeresspiegel und die durchschnittliche Temperatur der Ozeane zum Teil auf Rekordmaß an.

2013 – Rekordflut

Schon das Jahr 2013 ging als eines der wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in die Annalen ein. Dies zeigte der am 23. März 2014 veröffentlichte Bericht "WMO-Statement on the Status of the Global Climate in 2013" der WMO. Die Auswirkungen des Klimawandels seien überall auf der Welt spürbar gewesen – unter anderem auch durch die Starkregenfälle in Mitteleuropa, die zu Überschwemmungen führten wie in Deutschland.
So waren die Überflutungen an Donau und Elbe die schlimmsten seit mindestens 1950, so die WMO.
- In Passau sei der höchste Pegelstand seit dem Jahr 1501 gemessen worden.
- Deutschland habe 2013 zudem den viertwärmsten Winter seit Beginn der Aufzeichnungen erlebt – mit Temperaturen, die gut drei Grad über dem langjährigen Mittel lagen.

2013 – weltweite Beispiele für extreme Wetterereignisse

Der Bericht nennt viele Beispiele für weitere Wetterextreme:
- Der Nordosten Brasiliens hat die schlimmste Dürre der vergangenen 50 Jahre erlebt.
- Im US-Bundesstaat Oklahoma wurde der breiteste bisher beobachtete Tornado registriert.
- Im November wurden die Philippinen von Taifun "Jaiyan" verwüstet, mehr als 6.000 Menschen starben. Die Auswirkungen seien auch deshalb so extrem gewesen, weil der Meeresspiegel in der betroffenen Region in Folge der Erderwärmung gestiegen sei.
- Für Australien sei 2013 das wärmste, für Argentinien das zweitwärmste und für Neuseeland das drittwärmste Jahr seit Aufzeichnungsbeginn gewesen. In Vioolsdrift in Südafrika wurden am 4. März 2013 47,4 Grad gemessen – der WMO zufolge der höchste bisher gemessene März-Wert in Afrika. Auch in vielen asiatischen Städten gab es Hitzerekorde.

Ende Mai 2016: Sturzregen und Schlammlawinen

Vorsorge gefordert

Wie Experten des Deutschen Klima-Konsortiums am 12. September 2016 in Berlin erklärten, sind die Überschwemmungen des Frühsommers in Deutschland Vorboten für ähnliche Wetterkapriolen in den kommenden Jahren. Projektionen von Klimamodellen ließen "eine Zunahme solcher Starkregen auslösenden Wetterlagen für die Zukunft vermuten", so Paul Becker, Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Die Anpassung an den Klimawandel werde immer wichtiger. Dazu gehörten:
- noch bessere Wettervorhersagen,
- mehr Eigenvorsorge der Bürger,
- eine neue Kultur im Umgang mit Naturgefahren,
- eine bessere Warnung der Bevölkerung,
- hochaufgelöste Risikokarten für extreme Niederschläge
- staatliche Investitionen in die Vorsorge.

Schon bei der Stadtplanung müssten die Folgen des Klimawandels berücksichtigt werden. Etwa durch Abflussmöglichkeiten von Hochwassern, begrünte Dächer oder öffentliche Plätze, die kurzfristig geflutet werden könnten.

Mai/Juni 2016

Hochwasser in Niederbayern, außergewöhnlich heftige Unwetter in Mittelfranken. In der Unwetterregion sind nach DWD-Angaben innerhalb von weniger als sechs Stunden örtlich mehr als 100 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Das ist überdurchschnittlich viel, aber kein Spitzenwert. Der stammt vom 13. August 2002 beim Elbehochwasser. Damals fielen in Zinnwald im Erzgebirge innerhalb von 24 Stunden 312 Liter Regen pro Quadratmeter.

Sturzregen

Solchen Starkregen werde es in Zukunft häufiger geben, und die Heftigkeit werde noch zunehmen, so Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD). "Die Tendenz zu noch stärkeren Unwettern ist in den Klimamodellen erkennbar", erklärt der Meteorologe. Mengen von mehr als 150 Litern pro Quadratmeter innerhalb von sechs Stunden werden nach Überzeugung von Friedrich künftig alle zehn bis zwanzig Jahre vorkommen.

Risikomonat

Gerade der Mai bietet nach Angaben der Meteorologen hohes Unwetterpotenzial. Wegen der starken Sonneneinstrahlung habe sich der Kontinent bereits erwärmt, die feuchte Luft über dem Meer sei aber noch recht kalt. Die Temperaturgegensätze und die Luftfeuchtigkeit lassen Tiefdruckgebiete über Mitteleuropa entstehen.

Regionen

Im Prinzip kann es laut Friedrich überall in Deutschland zu extremen Unwettern, Sturzregen und Überschwemmungen kommen. Allerdings könne der Starkregen in bergigen Gegenden besonders heftig ausfallen. Deshalb sind das Erzgebirge, der Alpenrand oder der Schwarzwald besonders betroffen. Das liegt daran, dass sich dort Regen- und Gewitterwolken besonders stauen, der Niederschlag fällt dann, so der Meteorologe, noch intensiver aus als anderswo.

Folgen

In hügeligem Gelände drohten Schlammlawinen und Erdrutsche, im Flachland Überschwemmungen, wenn Hunderte Liter Wasser in wenigen Stunden herunterprasseln, so Friedrich. Hagel könne in Städten und Dörfern die Kanalisation verstopfen und so die Überschwemmungsgefahr steigern.

Vorhersage

"Das Unwetterpotenzial ist Tage vorher zu erkennen", erklärt Friedrich. Aber: Wo genau mehr als 100 Liter Regen pro Quadratmeter fallen, könne oft nur Minuten vorher gesagt werden. Feuerwehr und Katastrophenschutz seien direkt mit dem DWD vernetzt und erhielten über eigene, ausfallsichere Systeme ständig Informationen und könnten Warn-Meteorologen auf Hotlines erreichen. Wenn eine extreme Unwetterlage erkennbar sei, richte der DWD Extraschichten ein.

Klimawandel?

Solch eine mehrtätgige Gewitterlage mit Dauerregen in einer bestimmten Gegend ist ein Einzelereignis. Um Aussagen über den Klimwandel zu treffen, müssen Studien über wesentlich längere Zeiträume wie zehn oder 30 Jahre laufen. Doch es gibt laut DWD Studien, die besagen, dass die Großwetterlage "Tief Mitteleuropa", mit der wir es derzeit (Ende Mai/Anfang Juni 2016) zu tun haben, als Folge des Klimwandels 15 bis 20 Prozent häufiger als früher auftreten soll – damit könnte auch Starkregen häufiger werden. Der DWD sieht in der derzeitigen Großwetterlage ein Indiz für einen Klimawandel. Sie ist aber noch kein Beweis dafür.

Was ist Extremwetter?

Extremwetter ist kein meteorologischer Begriff. Das Phänomen beschreibt vielmehr ein außerordentliches Wetterereignis – sintflutartiger Regenfall, ein schweres Gewitter, Dürre, Sturm, ein Tornado, extremer Schneefall, Glätte, eine orkanartige Windböe – das statistisch selten in seiner Wiederkehr, Größe und/oder Dauer ist. Um solch ein Extremereignis zu erkennen, benötigt man valide Vergleichs- und Beobachtungsdaten und muss einen Vergleichszeitraum angeben. Diese klimatologische Normalperiode muss immer auf einen klar definierten geografischen Raum bezogen sein.

Extremwetter – natürlich oder menschengemacht?

Extremwetter: Sintflutartige Regenfälle gingen 2014 in Teilen Frankreichs nieder.

33 Forscherteams aus der ganzen Welt haben fast dreißig verschiedene extreme Wetterphänomene im Jahr 2014 untersucht: unter anderem die verheerende  Waldbrandsaison in Kalifornien, einen tropischen Zyklon auf Hawaii, die Hitzerekorde in Europa, die Hitzewelle in Argentinien, die Dürre in Ostafrika, sintflutartige Starkregen in Frankreich, Großbritannien sowie Asien und extreme Schneestürme in den USA und im Himalaya. Ihre Frage: Waren die extremen Wetterereignisse 2014 tatsächlich auf den Klimawandel und die menschengemachte Erderwärmung zurückzuführen oder waren sie die Folge natürlicher Schwankungen im Klimasystem? Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im Bulletin of the American Meteorological Society.

"Wir können demonstrieren, dass einzelne Ereignisse, wie Temperaturextreme, oft mit den von uns zusätzlich in die Atmosphäre gepumpten Treibhausgasen verknüpft sind. Andere Extreme, darunter Regenfälle, sind weniger eindeutig auf den Klimawandel und menschliche Einflüsse zurückzuführen."

Thomas Karl von der US National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA).    

Konkret zeigten die Analysen, dass die Hitzerekorde in Europa, in Argentinien, China und Korea sowie die Dürre in Ostafrika 2014 mit hoher Wahrscheinlichkeit durch den Klimawandel bedingt waren. Weniger eindeutig sei die Lage bei den Winterstürmen und starken Regenfällen im Winter 2013/14 in Großbritannien. Hier ließe sich der Klimawandel als entscheidender Faktor nicht belegen. Auch die kalten Winterstürme an der Ostküste der USA wurden natürlicher Variabilität zugeschrieben. Nach Ansicht der Autoren lieferten die Daten aber insgesamt erneut einen Beweis dafür, dass der Klimawandel durchaus Einfluss auf die Häufigkeit und Spannbreite von Wetterextremen nimmt.

"Wenn Sie in der bodennahen Atmosphäre mehr Energie haben, weil die Treibhausgas-Konzentrationen gestiegen sind und einen höheren Wärmegehalt in den unteren Atmosphärenschichten bedingen, dann sollten Sie alleine vom Standpunkt der physikalischen Plausibilität davon ausgehen, dass es in Zukunft mehr extreme Ereignisse gibt."

Prof. Heiko Paeth, Institut für Geographie und Geologie, Lehrstuhl für Physische Geographie, Julius-Maximilian-Universität Würzburg

Die Wettermaschine: Sonne, Wolken, Hochs, Tiefs, Jetstreams ...

Wetter ist ein chaotisches und sehr komplexes System. Verändert sich ein Parameter, wie die durchschnittliche Temperatur, so hat das gravierende Folgen.

Ein Beispiel ist der Zusammenhang zwischen schmelzendem arktischen Eis und Hitzewellen in Europa, wie eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung 2015 ergab. Besonders betroffen von der Klimaerwärmung ist die Arktis. Dort schrumpft wegen der weltweiten Erwärmung derzeit das arktische Meereis wesentlich schneller als durchschnittlich.  Die eisfreie dunkle Meeresoberfläche strahlt aber weniger Sonnenlicht ins All zurück als es das weiße Eis tun würde. Die Folge: Wasser und Luft erwärmen sich. Dadurch verringert sich der Temperatur-Unterschied zwischen der kalten Polarregion und dem wärmeren Rest der Nordhalbkugel. Der Temperatur-Unterschied treibt wiederum Luftströme in mehreren Kilometern Höhe an, die Jetstreams.

"Die Hitze-Extreme nehmen nicht einfach nur deshalb zu, weil wir den Planeten erwärmen, sondern weil der Klimawandel zusätzlich Luftströme stört, die wichtig sind für die Entstehung unseres Wetters. Die verringerten täglichen Schwankungen, die wir beobachten, führen zu länger anhaltenden Wetterlagen. Und diese lassen Extreme entstehen, die sich über Wochen erstrecken."

Dim Coumou, Potsdam Institut für Klimafolgenforschung

Extremwetter und Temperaturrekorde in Bayern

  • "Blitz, Sturm und Donner – wenn das Wetter verrückt spielt", W wie Wissen, ARD-alpha, 16.08.2017, 19.30 Uhr.
  • "Unwetter - Spielt das Wetter immer öfter verrückt?", Faszination Wissen, BR Fernsehen, 25.04.2017. 22.00 Uhr.
  • "Unwetterwarnungen - Bringen genaue Vorhersagen mehr Sicherheit?", IQ – Wissenschaft und Forschung, Bayern 2, 15.07.2016, 18.05 Uhr
  • "Hitze, Hagel, Hochwasser – Städte rüsten sich für Extremwetter", radioWissen, Bayern 2, 24.06.2016, um 9.05 Uhr und am 14.07.2016, um 15.05 Uhr.
  • "Hitze, Hagel, Hochwasser – Städte wappnen sich für Extremwetter", IQ – Wissenschaft und Forschung, Bayern 2, 21.05.2015, um 18.05 Uhr.
  • "Extremwetter: Hochwasser und Hitezewellen – Warum extreme Wetterereignisse zunehmen", IQ-Wissenschaft und Forschung, 25.09.2013, 18.05 Uhr.

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Kommentare

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Hertha K., Donnerstag, 17.August, 09:29 Uhr

12. Welt-Wetter

Die Ursache dafür kann man mit einem Wort auf den Punkt bringen : Egoismus. Ob es die gewinngeilen Konzerne sind, oder der einfache Bürger. Keiner will auf seine Annehmlichkeiten verzichten. Es gibt immer mehr Fliegerei, die einen Grossteil zum CO2 Ausstoss beiträgt. Die Tierfabriken sollen immer grösser werden. Alles ufert langsam aus, ohne die Folgen zu bedenken, die am Ende unser aller Nachteil werden. Ein Anfang wäre, wenn sich jeder einmal fragen würde, was nicht unbedingt sein muss. Das wäre schon ein Anfang, der sich in Summe gesehen auswirken würde. Aber nur , wenn dies weltweit geschieht, woran ich leider zweifeln muss.

Fräger, Mittwoch, 16.August, 23:39 Uhr

11. Erdgeschichte ist 4,5 Milliarden alt

Wieviele klimatische Veränderungen gab es in dieser Zeit? Wie lange gibt es Wetteraufzeichnungen? Sind die letzten 2 - 10.000 Jahre ein Wimpernschlag unseres Seins?
Welche Veränderungen sind natürlich? Wie wäre die Entwicklung ohne Menscheit oder menschgemachten Belastungen?
Wie zuverlässig sind die Prognosen?

Ulrich Denninger, Dienstag, 15.August, 20:07 Uhr

10. Wetter manipulationen

Wir lassen uns nicht für dumm verkaufen!!!! Was ist mit "Harp" und diesen "Chemtrails"???? Es ist doch bewiesen, dass da Kräfte am Werke sind, die diese Verbrechen begehen!! warum hatten wir schon längst keinen Tsunami mehr? Ihr wollt doch damit nur die Menschheit drangsalieren und vergiften??? Bringt alles Geld, weil die dummen Steuerzahler das auch noch finanzieren!!! o IHR guten und gutgläubigen "Staatsbürger"!!!!!

  • Antwort von Truderinger, Mittwoch, 16.August, 13:24 Uhr

    Es ist erwiesen, dass sowohl Haarp als auch Chemtrails in den Bereich völlig irrsinnige Verschwörungstheorien fallen!

  • Antwort von Leonia, Mittwoch, 16.August, 15:23 Uhr

    Ach schaut, ein Verschwörungstheoretiker, der an "Chemtrails" glaubt und "Harp" für was anderes hält, als eine Wetterforschungsstation. Und auch noch glaubt, dass dieser erlogene Unfug "bewiesen" sei! Vermutlich wurde der Beweis durch die "You-Tube-University" geführt?

    Bitte, wenn Sie Albträume haben, dann ist das bedauerlich und ich beneide Sie nicht darum. Aber machen Sie uns bitte nicht weiß, dass irgendwelche sinistren Gruppen (wahlweise Reptiloiden, Illuminaten, irgendeine Regierung oder sonstwer) weltweit nach Absprache agieren, um uns absichtlich zu vergiften.

  • Antwort von Josef, Mittwoch, 16.August, 20:26 Uhr

    @Truderinger und Leonia
    Erst informieren dann schreiben!

    sogar die Bundesregierung bestätigt "Chemtrailprojekte" leider laufen die schon über Jahre und die Bodenwerte an Barium und sonstige chemikalien sind rasant gestiegen. Auch sind die Wetterxperten zum Stillschweigen verpflichtet (sage nuir Ben Wettervogel). aber selbst könnte man viel beobachten wenn man nur die Augen öffnen würde aber leider geht fast jeder Blind durch die Welt und glaubt jeden sch.. .

Nino, Freitag, 30.Juni, 11:35 Uhr

9. Zusammenhänge sind klar! Die Macht der Konzerne gilt es zu brechen!

Es geht um Milliardengewinne der Konzerne. Der Schlüssel heißt nicht allein „Grüne Umwelttechnologie“ (die will die dt. Wirtschaft ja auch nur wieder in alle Welt exportieren), sondern wir müssen aufhören das zu konsumieren, was uns tagtäglich aufgeschwatzt wird. Die Wirtschaft muss umstrukturiert werden, um von sogenannten „Arbeitgebern“ nicht mehr erpressbar zu sein. Dabei werden ganze Berufsfelder wegfallen. Die Menschen müssen sich fragen was wirklich nötig ist. Luft zum Atmen, Wasser und Nahrung, und ein Dach über dem Kopf. Ein Gesundheitssystem.

Bsp.: In den Medien werden neuerdings Roboter für „Jedermann“ promotet. Keiner fragt, ob die Menschen das wollen. Wo sollen denn die Ressourcen und die Energie für die Herstellung herkommen? Wieviel Container werden mit diesen Apparaten gefüllt und über Ozeane und Straßen transportiert? Wieviel CO2-Emmisionen dürfen wir zu den bisherigen hinzu addieren? Wie lässt sich der Bedarf begründen, wo doch die Erdbevölkerung weiter wächst?

  • Antwort von Didier, Mittwoch, 16.August, 09:53 Uhr

    @ Nino: Propaganda, Merketing & Werbung nennt man das, wenn Menschen was aufgeschwatzt werden soll, was sie nicht wirklich brauchen. So massiv geht das schon seit mindestens 100 Jahren. Ich finde, man sollte als Erstes einfach der Werbeindustrie das Licht ausknipsen. Keine Werbung mehr. Grundsätzlich. Möglicherweise hätte das erstmal zur Folge, daß nur Notwendiges und wahrscheinlich Lokales bekannt ist.

  • Antwort von Anton, Donnerstag, 17.August, 09:59 Uhr

    Sie übersehen den Aktionär, Nino. Also den " Kleinen Mann ". Er ist die Triebfeder der Konzerne. Er will letztendlich Gewinn einstreichen, möglichst immer mehr. Es gibt also zwei Seiten der Medaille. Was glauben Sie, wer eher bereit ist, zurück zu stecken?

Wolfgang Schönfelder, Dienstag, 25.April, 15:49 Uhr

8. Ein Grund für Ende des Wachstumes und für Bevölkerungsrückgang!

Akzeptieren wir doch endlich die geringe Geburtenrate von ca. 1,5 Kindern je Frau.

Die Problemchen aus nicht voll genutzten Kläranlagen, Rentenberechnungen oder zu schliessenden Schulen sind geringer als was das weiterso mit Wachstum für ernste Probleme schaffen würde.

40 Mio hier im Land um das Jahr 2100 wären KEINE Katastrophe für die dann hier Lebenden.