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Es grünt so grün Warum wir wieder keine weiße Weihnacht haben

Haben wir es nicht kommen sehen? Wieder mal ist es nichts mit weißer Winterpracht zu Weihnachten. Dabei gab es die doch früher immer, oder? Nein, im Gegenteil: Typisch für Bayern ist die grüne Weihnacht.

Stand: 19.12.2014

Ein Plastik-Schneemann steht zwischen kläglichen Schneeresten in Ruhpolding | Bild: picture-alliance/dpa

Regen, Matsch und trüber Himmel auf dem Weihnachtsmarkt, Windböen in der Weihnachtsnacht, grüne Berghänge zwischen den Jahren - an all das sollten Sie längst gewöhnt sein. Denn die Wetterstatistik zeigt: In siebzig Prozent der Fälle ist Weihnachten bei uns in Deutschland grün. Normalerweise ist daran eine regelmäßige Ausnahme Schuld, das sogenannte Weihnachtstauwetter. Diesmal ist es allerdings selbst dafür zu warm: Eine recht stabile Wetterlage sorgt schon seit Wochen dafür, dass es gar nicht erst zum Winterfrost gekommen ist.

Weihnacht zu früh im Winter

Weihnachten liegt terminlich einfach etwas ungünstig: Zwei, drei Tage vor der Heiligen Nacht beginnt der Winter überhaupt erst, denn am Tag der Wintersonnwende ist astronomischer Winteranfang. Dass die Meteorologen immer den 1. Dezember als Winteranfang sehen, hat nur statistische Gründe: Es rechnet sich einfacher, wenn auch der Winter an einem Monatsersten beginnt. Doch der Tiefststand der Sonne über der Nordhalbkugel der Erde ist erst drei Wochen später erreicht, kurz vor Weihnachten. Flachere Sonneneinstrahlung über weniger Stunden am Tag lässt unsere Planetenhälfte abkühlen - die Ozeane recht langsam, die Kontinente etwas schneller. Die großen Landmassen Sibiriens kühlen am schnellsten ab, dort beginnt der Winter meist schon im November.

Hoch im Norden - weiß bei uns

Die besten Aussichten für weiße Weihnachten gibt es für uns, wenn den Russen die Sonne lacht: Ein Hochdruckgebiet über Sibirien, um das sich die Luftmassen im Uhrzeigersinn drehen, saugt die kalte Luft des Nordpols an und bläst sie zu uns, als eisige Ostwinde. Auch ein Hoch über den Rentieren Lapplands bringt die Polarluft zu uns. Das ist leider in diesem Jahr gar nicht mehr in Sicht. Nach jetzigem Stand wird es bis Silvester nichts werden mit dem Winterwunder, so der Meteorologe des Bayerischen Rundfunks.

Wo Winterluft auf Sommerwärme trifft

So entsteht das Weihnachtstauwetter

Aber auch das kühle Hoch über Sibirien bringt uns nicht immer Schnee. Denn wehe, die Winde zweigen vorher ab: Ziehen sie nördlich an England vorbei, dann ist es aus mit dem Wintertraum bei uns. Über dem Atlantik treffen die kalten Luftmassen auf den Sommer. Nicht nur auf den Rest von Sommerwärme, der im Ozean länger gespeichert bleibt, sondern auf ganz frischen Sommer aus weiter Ferne: Wintersonnwende bei uns ist zugleich Sommersonnwende auf der Südhalbkugel, dort scheint die Sonne hoch und heiß viele Stunden am Tag herab und wärmt ordentlich. Und die große, globale Warmwasserleitung, der Golfstrom, bringt diese Wärme schnurstracks in unsere Nähe.

Das Islandtief ist schuld

Polare Kaltluft von Osten trifft auf subtropische Warmluft aus Südwesten und schon ist es da, das leidige Islandtief. Gegen den Uhrzeigersinn dreht sich das Tiefdruckgebiet, schaufelt die Kaltluft weiter nach Norden und saugt die feuchtwarme Atlantikluft zu uns heran - mit regenreichen Westwinden. Und das ist es dann, unser typisches Weihnachtswetter. Vor allem den Südwesten Deutschlands erwischt die feuchtwarme Witterung, während der Nordosten Deutschlands noch eher Chancen auf die polare Kaltluft hat. Manchmal verläuft dann eine scharfe Trennlinie quer durch Deutschland. Wo die kalten und warmen Luftmassen aneinanderstoßen, wird es turbulent: Starke Schneefälle, Eisregen und Blitzeis treten dort auf - ein Grauen für alle, die zum familiären Weihnachtsfest das Land durchqueren.

Schneewahrscheinlichkeit

Das typisch miese Weihnachtswetter

Singularität

Als Singularität bezeichnen Meteorologen eine vom normalen Wetterverlauf abweichende Wetterlage, die aber zu bestimmten Jahreszeiten mit hoher Wahrscheinlichkeit auftritt.

Die globale Erwärmung ist nicht die Ursache für die grünen Weihnachten bei uns. Dieses typisch deutsche Nicht-Winterwetter hat sogar einen eigenen Namen: Es ist das Weihnachtstauwetter, das meist vom 24. Dezember bis Silvester herrscht. Es ist ein so typisches, regelhaftes Witterungsverhalten, dass Meteorologen es als "Singularität" bezeichnen, wie die Eisheiligen im Mai oder die Schafskälte im Juni. Angeblich sind schon im Mittelalter die Menschen zur Weihnachtszeit im südlichen Rhein schwimmen gegangen. In diesem Jahr kann man allerdings nicht von dieser Singularität sprechen, denn dazu hätte es zuvor kälter sein müssen.

Weihnachtswetter-Stichprobe

1953

Adventswetter in Hamburg | Bild: picture-alliance/dpa; Kurt Rohwedder

Kein Schnee in der Adventszeit? Da ist Hamburg 1953 keine Besonderheit. Auch an Weihnachten bleibt es in den meisten Orten grün und mild. Selbst in Oberstdorf sind es durchschnittlich 1,8 Grad. Nur 1 Zentimeter Schnee misst die Station des Deutschen Wetterdienstes. Neuer Schnee kommt bei der Wärme nicht dazu. Auch sonst fällt nur wenig Schnee, später Regen.

1962

Wintercamping 1962 zwischen Weihnachten und Neujahr im Schwarzwald | Bild: picture-alliance/dpa; Harry Flesch

Dieser Winter hat es sich. Auch an Heiligabend: In Erfurt-Weimar sinken die Temperaturen auf bis zu minus 16 Grad. In Nürnberg hat es durchschnittlich nur minus 10 Grad. Und selbst auf Helgoland zeigt das Thermometer nicht mal eine Null an. Neuen Schnee gibt es nicht oft. Zu kalt. Aber Altschnee: Wie hier zum Beispiel im Schwarzwald. In Nürnberg misst die DWD-Station immerhin 9 Zentimeter. Fast sibirisch ist Oberstdorf mit um die minus 20 Grad und 1 Meter Schnee.

1981

Costa Cordalis beim Langlaufen im Dezember 1981 in Kniebis | Bild: picture-alliance/dpa

Nicht nur Costa Cordalis geht zum Langlaufen. Ganz Deutschland liegt an den Weihnachtstagen unter einer Schneedecke. Sogar auf der milden Insel Helgoland ist es am 24. ein bisschen weiß: 3 Zentimeter Schnee. In Berlin sind es 20 Zentimeter, in Oberstdorf 77. Und es schneit weiter. Die Temperaturen knapp unter null Grad sorgen weiter dafür, dass nichts auftaut. Auf ein Comeback dieser gesamtdeutschen Winterlandschaft muss man allerdings bis 2010 warten.

1990

Weihnachtsmarkt 1990 in Rostock | Bild: picture-alliance/dpa

Einfach nur mild, dieses Weihnachtswetter. Die Rostocker tummeln sich bei 6,7 Grad auf dem Weihnachtsmarkt. Auch an den Messstationen in Köln-Bonn, Nürnberg, Helgoland, Hannover und Berlin steigen die Temperaturen auf ein paar Grad über Null. Schnee? Fehlanzeige. Natürlich mal wieder abgesehen von Oberstdorf und den höher gelegenen Gebieten. In Berlin ist statt Schnee ein bisschen Sprühregen angesagt.

2012

Jugendliche baden bei 18 Grad im Chiemsee am Heiligen Abend 2012 | Bild: picture-alliance/dpa; Diether Endlicher

Nur 1977 und 1983 war es in Deutschland ähnlich warm. Obwohl Anfang Dezember noch Schnee liegt, taut es pünktlich zum Fest gewaltig. Im Chiemsee kann man nicht nur als Eisschwimmer baden, in München steigt das Thermometer auf rekordverdächtige über 20 Grad. Während man sich im Süden sonnen kann, ist es im Norden eher bewölkt. 13,4 misst dort die Station in Köln-Bonn, in Hannover sind es maximal rund 13 Grad.

Müssen wir unser Bild vom Weihnachtsmann geraderücken?

Warum ist Weihnachten in unseren Köpfen überhaupt mit Schnee verknüpft? Der größte Teil der christlichen Welt feiert grüne Weihnachten. Auch die Ur-Weihnacht in Bethlehem war sicher schneefrei. Also trösten Sie sich: Weiße Weihnacht ist (meistens) nur ein Traum.


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