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Waldbericht 2017 Wald in Bayern auf dem Weg der Besserung

Die bayerischen Wälder erholen sich langsam vom extrem trockenen und heißen Sommer 2015. Probleme machen den Bäumen aber weiterhin Stürme und Unwetter sowie der Befall mit Schädlingen.

Stand: 09.11.2017

Laubwald in Bayern | Bild: picture alliance / Prisma

Bayerns Forstminister Helmut Brunner hat den Waldbericht 2017 am 8. November im Agrarausschuss des Landtags vorgestellt. Die Ergebnisse der aktuellen Erhebung stimmten "vorsichtig optimistisch".Der durchschnittliche Nadel- und Blattverlust ging im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozentpunkte auf 20,7 Prozent zurück. Der Anteil deutlich geschädigter Bäume, die mehr als ein Viertel ihrer Blätter verloren haben, verringerte sich um 7,3 Prozentpunkte auf 24,6 Prozent. Damit liegen die Schäden wieder auf dem Niveau von 2015, also vor dem Hitzesommer.

Buchen stehen besser da

Buchen im Frühjahr im Nationalpark Bayerischer Wald

Insbesondere den Buchen geht es besser: 2016 hatten ihnen noch Frostschäden sowie ein Naturphänomen zu schaffen gemacht: Viele Bäume waren nur spärlich belaubt, weil sie außergewöhnlich viele Bucheckern produziert hatten. Heuer war davon laut Brunner nichts mehr zu spüren: Die mittleren Blattverluste haben bei den Buchen um 8,2, die deutlichen Schäden sogar um 25 Prozentpunkte abgenommen. Sie sind damit so gering wie seit vielen Jahren nicht mehr.

Pilz macht Eschen den Garaus

Der Stamm einer jungen Esche, die vom Pilz Hymenoscyphus fraxineus befallen ist

Anlass zur Sorge gibt aber der Zustand der Eschen: Fast zwei Drittel der untersuchten Bäume leiden am Eschentriebsterben. Das ist eine vor allem bei jungen Bäumen oft tödlich verlaufende Krankheit, als deren Hauptverursacher der aus Asien stammende Pilz Hymenoscyphus fraxineus gilt.

Schäden wegen Hitze, Trockenheit und Frost

Der Asiatische Laubholzbockkäfer befällt gesunde Bäume und kann sie bei starkem Befall zum Absterben bringen.

Laut Waldbericht haben Klimaphänomene wie Hitze, Trockenheit und Spätfröste einen großen Einfluss auf den Gesundheitszustand der Wälder in Bayern. Stürme hinterlassen zum Teil katastrophale Schäden in den Wäldern. Milde Winter und trockene Phasen sorgten dafür, dass sich der Borkenkäfer explosionsartig entwickeln konnte. Außerdem machen neue Schädlinge wie der Asiatische Laubholzbock den Wäldern zunehmend zu schaffen. All dies zeige, dass die Anpassung der Wälder an den Klimawandel "das absolute Gebot der Stunde" sei, mahnte der Forstminister. Ziel sei der Umbau von Nadelwäldern in widerstandsfähigere Mischwälder.

Waldzustand in Bayern

Die Daten zum Waldzustand in Bayern basieren auf einer jährlichen Erhebung durch speziell geschulte Försterinnen und Förster. Sie haben im Sommer an landesweit 266 Inventurpunkten rund 11.500 Waldbäume begutachtet.

Veränderungen in der Waldstruktur zeigen auch Erhebungen wie die Bundeswaldinventur. Deren Ergebnisse wurden zuletzt im Oktober 2014 veröffentlicht.

Dritte Bundeswaldinventur

Zensus

Vermessung des Waldes

Alle zehn Jahre wird der deutsche Wald eingehend untersucht, für die große Waldinventur, die Bund und Länder gemeinsam vornehmen. Die aktuellen Daten wurden 2011/2012 erhoben, mit den Ergebnissen von 2002 verglichen und im Oktober 2014 veröffentlicht.

Inventur

Umfassende Inventur

Im Gegensatz zum Waldzustandsbericht, der jedes Jahr erscheint, hat die Bundeswaldinventur bisher nur 1986 und 2002 stattgefunden. Allein in Bayern wurden dafür rund 100.000 Bäume an 7.800 Messstationen von ausgebildeten Förstern und Waldarbeitern untersucht. Deutschlandweit wurden 420.000 Bäume unter die Lupe genommen. Für die Messungen werden jedes Mal die gleichen, gekennzeichneten Gebiete aufgesucht.

Messungen

Alter und Baumarten

Die Inventur dauert auch so lange, weil 150 unterschiedliche Messdaten erhoben werden müssen. Gefragt wird unter anderem: Wie hoch sind die Bäume, welchen Durchmesser haben sie? Wie sieht die Waldstruktur um den Kontrollpunkt aus? Welche Schäden und Arten gibt es? Liegen abgestorbene Äste und Stämme herum, in denen Pilze oder Insekten leben können? Damit sollen die Waldstruktur, die Nutzung des Waldes, Baumbestand und Alter ermittelt werden.

Ergebnisse

Auf einem guten Weg

Der deutsche Wald wird älter und vielfältiger: Knapp ein Viertel des Waldes ist älter als 100 Jahre und zwei Drittel der Wälder haben zwei Kronenschichten, also jüngere Bäume unter einem schützenden Schirm älterer Bäume. Zudem gibt es wieder mehr Laubbäume und Mischwälder. Solche Wälder gelten als besser geschützt gegen Stürme, Schädlinge und Klimaveränderungen.

Es gibt in den deutschen Wäldern so viel Holz wie schon seit Jahrhunderten nicht mehr, sagt das Ministerium, 3,7 Milliarden Kubikmeter. Am häufigsten ist immer noch die Fichte, gefolgt von Kiefer, Buche und Eiche. In den Wäldern liegt mittlerweile auch wieder mehr Totholz abgestorbener Bäume, in dem Pilze, Flechten, Insekten oder Vögel leben.

Bayern bleibt ein Waldland, mehr als ein Drittel des Freistaats ist mit Wäldern bedeckt, über 1,6 Milliarden Bäume, das entspricht gut einem Viertel der deutschen Holzvorräte. Vergangenes Jahr kam in Bayern eine Waldfläche von 270 Fußballfeldern dazu, Holz ist ein begehrter Brenn- und Baustoff.

Reaktionen

Umweltverbände freuen sich über die Ergebnisse der Waldinventur, warnen aber trotzdem. Der Wald müsse noch älter werden und es brauche mehr ungenutzte Flächen, in denen sich die Natur selbst überlassen sei. Darüber hinaus müsse noch mehr geforscht werden. Denn Laubhölzer seien in der Baubranche nicht beliebt, was Waldbesitzer abschrecken könnte, ihren Forst langfristig umzubauen.

Rückschlüsse

Wertvoll für das Klima

An den Daten der Erhebung lässt sich die Entwicklung des Waldes in den letzten zehn Jahren ablesen. Das ist nicht nur zur Kontrolle der Waldbewirtschaftung wichtig. Auch für den Erhalt der Biodiversität werden Daten gesammelt. Schließlich ist die Inventur auch ein wichtiger Indikator für den Klimawandel. Denn Bäume dienen als Kohlenstoffspeicher. Die Bundeswaldinventur liefert deswegen wichtige Daten, wie groß der Kohlenstoffspeicher in Deutschland ist.

Wälder in Zahlen und Fakten

1

Mit 1.350 Quadratkilometern ist der Pfälzerwald das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands. Bayerischer Wald und Böhmischer Wald bilden zusammen das größe Waldgebiet Europas.

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Das weltweit größte zusammenhängende Waldgebiet bedeckt in Russland mit rund neun Millionen Quadratkilometern fast zwei Drittel des größten Landes der Erde.

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Deutschlands höchster Baum ist eine Douglasie im badischen Eberbach mit 62 Metern.

4

Als ältester Baum der Welt gilt eine Fichte im schwedischen Bezirk Dalarna mit rund 9.550 Jahresringen.

5

Bis zu 16 Millionen Hektar Naturwald (die Fläche der Schweiz und Österreichs zusammen) werden nach WWF-Schätzung weltweit jährlich gerodet oder abgebrannt.

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Jeder fünfte gefällte Baum weltweit wird zu Papier verarbeitet.

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Allein für die in China jährlich hergestellten 45 Milliarden Essstäbchen fallen rund 25 Millionen Bäume - Jahr für Jahr.

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738 Tage saß die Umweltaktivistin Julia Hill in 60 Metern Höhe, um das Fällen von Redwood-Bäumen im nordkalifornischen Headwater Forest zu verhindern.

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In der Bundesrepublik lassen sich jährlich mehr als 20.000 Menschen in einem der 150 Bestattungswälder beerdigen.


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