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Bayerns Wälder in Gefahr Wald im Hitze-Stress

Nur ein Drittel aller Bäume in unseren Wäldern ist gesund, warnt der bayerische Waldbericht 2015. Wegen des heißen Sommers zeigten die Bäume deutliche Stresssymptome. Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz fordert, Bayerns Wälder zukunftsfähig zu machen.

Stand: 16.03.2017

Ein von Trockenheit und Hitze betroffener Wald im Sommer 2015. | Bild: picture-alliance/dpa

Keiner redet mehr vom "Waldsterben", das in den 1980er-Jahren unsere Aufmerksamkeit in die Baumwipfel lenkte. Dabei geht es vielen Bäumen in Bayern und im gesamten Bundesgebiet nach wie vor schlecht. Das geht aus dem Ende Januar 2016 erschienenen Waldzustandsbericht für Bayern hervor.

2015: Bäume im Trockenstress

Der "saure Regen" ist dafür kaum noch verantwortlich, inzwischen gibt es andere Krankheits- und Todesursachen. Vor allem der Klimawandel bekommt einigen Baumarten gar nicht gut. Zunehmende Dürre- und Hitzeperioden machen sich in Bayerns Wäldern konkret bemerkbar. So hat der heiße und trockene Sommer 2015 die Grundwasserspeicher in den Wäldern merklich abnehmen lassen. Alle Baumarten wachsen deshalb langsamer, die Fichten teilweise um 50 Prozent. Viele Bäume werden instabiler und ihr geschwächter Zustand macht sie anfälliger für die Folgen der durch die Trockenheit begünstigten Schädlinge, vor allem den Borkenkäfer.

Den Wald zukunftsfähig machen

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) betont in seinem Waldreport 2016 die Notwendigkeit, Bayerns Wälder für die Zukunft fit zu machen: Fast dreißig Prozent der bayerischen Wälder sind reine Nadelholzwälder, dazu finden sich in vielen warmen und trockenen Gebieten Bayerns nach wie vor Fichtenwälder, die dem Klimawandel wenig entgegenzusetzen haben. Der Umbau in stabile Laubmischwälder müsse daher vorangetrieben werden.

Waldumbau in Mittelfranken

Eichen und Buchen sollst du suchen ...

Ein positives Beispiel für einen solchen Waldumbau findet sich laut BUND im mittelfränkischen Landkreis Roth: Im "Projekt Zukunftswälder" ("Initiative Zukunftswald Roth") wurden in Zusammenarbeit mit rund sechzig privaten Waldbesitzern und mit der Unterstützung durch staatliche Fördergelder 500.000 Bäume gepflanzt - vor allem Buchen, Tannen und Eichen. Damit sei der Landkreis auf einem guten Weg, die reinen Kiefernwälder dort in Laubmischwälder umzugestalten.

Negativbeispiel: Naturschutzgebiet Pähler Schlucht am Ammersee

Allerdings bemängelt der Waldreport des BUND auch zahlreiche Mängel in der aktuellen Forstwirtschaft und prangert etliche Beispiele an, in denen gegen deutsche und europäische Richtlinien verstoßen wurde, Kahlschläge vorgenommen wurden oder Waldböden schwer geschädigt wurden.

Wälder in Zahlen und Fakten

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Mit 1.350 Quadratkilometern ist der Pfälzerwald das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands. Bayerischer Wald und Böhmischer Wald bilden zusammen das größe Waldgebiet Europas.

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Das weltweit größte zusammenhängende Waldgebiet bedeckt in Russland mit rund neun Millionen Quadratkilometern fast zwei Drittel des größten Landes der Erde.

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Deutschlands höchster Baum ist eine Douglasie im badischen Eberbach mit 62 Metern.

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Als ältester Baum der Welt gilt eine Fichte im schwedischen Bezirk Dalarna mit rund 9.550 Jahresringen.

5

Bis zu 16 Millionen Hektar Naturwald (die Fläche der Schweiz und Österreichs zusammen) werden nach WWF-Schätzung weltweit jährlich gerodet oder abgebrannt.

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Jeder fünfte gefällte Baum weltweit wird zu Papier verarbeitet.

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Allein für die in China jährlich hergestellten 45 Milliarden Essstäbchen fallen rund 25 Millionen Bäume - Jahr für Jahr.

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738 Tage saß die Umweltaktivistin Julia Hill in 60 Metern Höhe, um das Fällen von Redwood-Bäumen im nordkalifornischen Headwater Forest zu verhindern.

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In der Bundesrepublik lassen sich jährlich mehr als 20.000 Menschen in einem der 150 Bestattungswälder beerdigen.

Zur aktuellen Befindlichkeit des Waldes können regelmäßige Untersuchungen wie der Waldzustandsbericht Hinweise geben. Für die Veränderungen in der Waldstruktur sind aber auch genauere Erhebungen wie die Bundeswaldinventur entscheidend, deren Ergebnisse zuletzt im Oktober 2014 veröffentlicht worden sind.

Dritte Bundeswaldinventur

Zensus

Vermessung des Waldes

Alle zehn Jahre wird der deutsche Wald eingehend untersucht, für die große Waldinventur, die Bund und Länder gemeinsam vornehmen. Die aktuellen Daten wurden 2011/2012 erhoben, mit den Ergebnissen von 2002 verglichen und im Oktober 2014 veröffentlicht.

Inventur

Umfassende Inventur

Im Gegensatz zum Waldzustandsbericht, der jedes Jahr erscheint, hat die Bundeswaldinventur bisher nur 1986 und 2002 stattgefunden. Allein in Bayern wurden dafür rund 100.000 Bäume an 7.800 Messstationen von ausgebildeten Förstern und Waldarbeitern untersucht. Deutschlandweit wurden 420.000 Bäume unter die Lupe genommen. Für die Messungen werden jedes Mal die gleichen, gekennzeichneten Gebiete aufgesucht.

Messungen

Alter und Baumarten

Die Inventur dauert auch so lange, weil 150 unterschiedliche Messdaten erhoben werden müssen. Gefragt wird unter anderem: Wie hoch sind die Bäume, welchen Durchmesser haben sie? Wie sieht die Waldstruktur um den Kontrollpunkt aus? Welche Schäden und Arten gibt es? Liegen abgestorbene Äste und Stämme herum, in denen Pilze oder Insekten leben können? Damit sollen die Waldstruktur, die Nutzung des Waldes, Baumbestand und Alter ermittelt werden.

Ergebnisse

Auf einem guten Weg

Der deutsche Wald wird älter und vielfältiger: Knapp ein Viertel des Waldes ist älter als 100 Jahre und zwei Drittel der Wälder haben zwei Kronenschichten, also jüngere Bäume unter einem schützenden Schirm älterer Bäume. Zudem gibt es wieder mehr Laubbäume und Mischwälder. Solche Wälder gelten als besser geschützt gegen Stürme, Schädlinge und Klimaveränderungen.

Es gibt in den deutschen Wäldern so viel Holz wie schon seit Jahrhunderten nicht mehr, sagt das Ministerium, 3,7 Milliarden Kubikmeter. Am häufigsten ist immer noch die Fichte, gefolgt von Kiefer, Buche und Eiche. In den Wäldern liegt mittlerweile auch wieder mehr Totholz abgestorbener Bäume, in dem Pilze, Flechten, Insekten oder Vögel leben.

Bayern bleibt ein Waldland, mehr als ein Drittel des Freistaats ist mit Wäldern bedeckt, über 1,6 Milliarden Bäume, das entspricht gut einem Viertel der deutschen Holzvorräte. Vergangenes Jahr kam in Bayern eine Waldfläche von 270 Fußballfeldern dazu, Holz ist ein begehrter Brenn- und Baustoff.

Reaktionen

Umweltverbände freuen sich über die Ergebnisse der Waldinventur, warnen aber trotzdem. Der Wald müsse noch älter werden und es brauche mehr ungenutzte Flächen, in denen sich die Natur selbst überlassen sei. Darüber hinaus müsse noch mehr geforscht werden. Denn Laubhölzer seien in der Baubranche nicht beliebt, was Waldbesitzer abschrecken könnte, ihren Forst langfristig umzubauen.

Rückschlüsse

Wertvoll für das Klima

An den Daten der Erhebung lässt sich die Entwicklung des Waldes in den letzten zehn Jahren ablesen. Das ist nicht nur zur Kontrolle der Waldbewirtschaftung wichtig. Auch für den Erhalt der Biodiversität werden Daten gesammelt. Schließlich ist die Inventur auch ein wichtiger Indikator für den Klimawandel. Denn Bäume dienen als Kohlenstoffspeicher. Die Bundeswaldinventur liefert deswegen wichtige Daten, wie groß der Kohlenstoffspeicher in Deutschland ist.


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