Wissen


20

Der Wald Naturnahe Mischwälder statt Fichtenforste

Geringere Anfälligkeit gegen Schädlinge, größere Artenvielfalt, mehr Schutz, angenehmere Spaziergänge: Der Mischwald hat viele Vorteile gegenüber der Monokultur. In bayerischen Nationalparks ist das bereits zu sehen. Doch der Umbau ist noch lange nicht abgeschlossen.

Stand: 16.03.2017

Mischwald | Bild: picture-alliance/dpa

Erst vor einigen Jahrzehnten dämmerte die Erkenntnis, dass es ein Fehler war, ursprüngliche Laubwälder durch standortfremde Nadelforsten zu ersetzen. Zwar mussten in den 1970er-Jahren immer noch viele Mischwälder trostlosen Fichten-Pflanzungen weichen, aber Agrarminister Eisenmanns "Waldfunktionsplan" zeigte doch Wirkung.

"Die Benutzung und Nutzung von Wäldern auf eine Weise und in einem Ausmaß, das deren biologische Vielfalt und Produktivität, Verjüngungsfähigkeit, Vitalität gewährleistet."

Helsinki-Resolution (1993)

Nationalparks und Kulturwälder

Fast zeitgleich mit seiner Veröffentlichung, 1970, wurde der Nationalpark Bayerischer Wald gegründet, acht Jahre später folgte der Nationalpark Berchtesgaden. 1985 legte man das "Reichswaldprogramm" in Nürnberg auf. Das waren die Anfänge - der Waldumbau ist noch längst nicht abgeschlossen.

Vom Einheits- zum naturnahen Wald

Nachteile der Monokultur

"Wie ein Regiment Soldaten"

Schon vor 100 Jahren wurde die geringe Ästhetik von Monokulturen kritisiert: "Wie wenig anmutend ist aber gerade der Anblick von durchsichtigen, unterholzlosen Wäldern, in denen womöglich noch die Bäume nach der Schnur gepflanzt sind und nun in geraden Linien und in wohlgemessenen Abständen wie ein Regiment Soldaten dastehen", beklagte 1910 der Zoologe Konrad Guenther im Pionierbuch "Der Naturschutz".

Dominante Fichten

Fichtenwälder langweilen aber nicht nur durch ihre Monotonie, sie bremsen zudem die restliche Flora. Denn wegen ihres dichten Kronendachs können diese immergrünen, schnell wachsenden Forste nicht für ausgewogene Lichtverhältnisse sorgen. Im Fichtenwald wachsen vor allem Fichten nach, Ahorne und Tannen können noch etwas dagegen halten, Buchen tun sich schon sehr schwer. Außerdem kommt zu wenig Regen und Schnee durch das Kronendach. All das benötigen aber Kräuter, Sträucher und andere Bäume - nebenbei auch Tiere als Nahrung und Lebensraum. Das vielfältige Nebeneinander eines Mischwaldes wird so verhindert.

Mangelnde Stabilität

In einer Monokultur gibt es ein Überangebot an bestimmter Nahrung. Darauf spezialisierte Insekten vermehren sich stark, haben aber zu wenig Fressfeinde in diesem einseitigen Lebensraum. Ein wenig abwechslungsreicher Forst ist jedoch nicht mehr stabil und daher anfällig für Schädlinge und extreme Wetterphänomene wie Stürme, aber auch für Schädlinge wie Borkenkäfer.

Vorteile des Mischwaldes

Biodiversität

Aus den Fehlern hat man gelernt. Förster bemühen sich inzwischen, mehr naturnahe Misch- und Bergwälder anzupflanzen. Damit kann das Gehölz auch besser seine Schutz- und Erholungsfunktionen erfüllen. Langfristig, so das Ziel, soll sich dadurch auch die Artenzusammensetzung der Wälder verändern - sowohl bei Flora als auch Fauna.

Katastrophenschutz

Ein gesunder Mischwald aus Nadel- und Laubbäumen kann Niederschläge zurückhalten, sein Boden Wasser speichern und damit das Risiko von Flutkatastrophen vermindern. Der Wald reinigt die Luft und liefert Trinkwasser. Bergmischwald schützt vor Lawinen- und Murenabgängen sowie vor Hangrutschungen.

Klimaschutz

Auch bei der Verminderung der Klima schädigenden Treibhausgase ist ein Mischwald effektiver. Mit den Blättern und Nadeln nehmen die Bäume Kohlendioxid aus der Luft auf und speichern es in Form von Kohlenstoff im Holz.

Erholung

Bäume verbessern die Luft. Vor allem in der Nähe großer Städte ist das von großer Bedeutung. Wald erhöht die Luftfeuchtigkeit und mildert Temperaturextreme. Zudem werden der Luft Schadstoffe entzogen, die sich an der Oberfläche der Blätter ablagern. Nicht nur deswegen gehören Spaziergänge im Wald zu den erholsamsten Freizeitbeschäftigungen.

Kritiker: Waldumbau zu langsam

Die Förderung von Mischwäldern ist inzwischen politisches Ziel in Bayern. 260.000 Hektar der besonders anfälligen Fichten- und Fichten-Kiefern-Wäldern sind in Körperschafts- oder Privatbesitz. Bis 2020 sollen laut Waldbericht 2015 zunächst 100.000 Hektar davon in robustere Mischwälder umgebaut werden. Im Staatswald sind es rund 172 000 Hektar bis zum Jahr 2033. Das sind auch für Naturschützer und Landtags-Grüne löbliche Beschlüsse. Es gibt aber auch die Kritik, dass der Umbau immer noch zu langsam voranschreite und dass die Politik der Staatsregierung, etwa mit der Forstreform, zum Teil kontraproduktiv dazu stehe.


20