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Nutzen und Gefahren Der Tanz auf dem Vulkan

Vulkane und Menschen verbindet eine Hassliebe: Ihre Flanken werden gern besiedelt, viele ihrer Produkte sind hochgeschätzt. Doch die Feuerspucker können auch anders: Menschen töten und das Klima verändern.

Stand: 05.07.2016

Der Ätna in Italien, 29.05.2000 | Bild: picture-alliance/dpa

Nirgends zeigt sich das gespaltene Verhältnis des Menschen zu den Feuerbergen so deutlich wie an einem frisch mit Lava bedeckten Vulkanhang. Wenn der Boden mitsamt seiner Pflanzen von einer zentimeter- bis meterdicken Ascheschicht bedeckt ist, Gebäude zerstört, Menschen geflohen oder tot sind ... dann dauert es nicht lange, bis die Vulkanflanken erneut besiedelt werden und sich äußerst fruchtbarer Boden bildet. Und das ist längst nicht der einzige Nutzen, den wir aus Vulkanismus ziehen. Es sind aber auch noch nicht alle Gefahren genannt, die uns wegen ihm drohen.

Womit uns die Feuerspucker beschenken

So kehrt das Leben zurück

Wind trägt Insekten auf die frischen Lavafelder, sie bilden den Anfang einer Nahrungskette. Angewehter Humus setzt sich in Vertiefungen ab, Keimlinge folgen. Durch eine bis zu 30 Zentimeter dicke Ascheschicht können sich auch bedeckte Samenkörner kämpfen.

Ausschlaggebend ist die Wassermenge: Auf der Regenseite von Vulkanen erobert die Natur Lavaströme nach wenigen Jahren zurück. Im absoluten Regenschatten kann sie sich jahrhundertelang vergeblich mühen.

Ein Spiel mit dem Feuer

Doch bei heiklen Situationen spricht man nicht umsonst von einem "Tanz auf dem Vulkan": Bei all den positiven Seiten, die man dem Vulkanismus mit Recht abgewinnen kann, ist es doch ein Spiel mit dem Feuer. Ein Vulkan kann den Menschen - und nicht nur denen in seiner näheren Umgebung, sondern der ganzen Menschheit - richtig gefährlich werden.

Was die Feuerspucker anrichten können

Yellowstone, die Supergefahr

Die Ruhe vor dem Sturm im Yellowstone National Park?

Die wohl größte Gefahr wäre ein Ausbruch des Supervulkans im Yellowstone National Park im Westen der USA. Die tickende Zeitbombe befindet sich mit einer 50 Kilometer langen, 20 Kilometer breiten und 10 Kilometer dicken Magmakammer acht Kilometer unter der Erde.

Untersuchungen zeigen, dass der Vulkan alle 600.000 Jahre ausbricht. Sein letztes Mal ist allerdings schon 630.000 Jahre her. Er ist überfällig - und bereitet sich bereits vor: Ein Ufer des großen Sees im Park trocknet aus, das gegenüberliegende wird überflutet. Die Erdkruste bewegt sich, weil sich seine Magmakammer aufbläht.

Der Supervulkan hat jedoch keinen Schlot, durch den der Druck entweichen kann. Eine Explosion könnte Millionen von Menschen mit Glutwolken, Schlammlawinen, Lavafontänen und Steinhagel töten. Eine gigantische Aschewolke würde rund 50 Kilometer hoch steigen und sich um den Globus verteilen. Dann könnte sich das Klima dramatisch ändern - mit ungeahnten Folgen für die Menschheit.

Entscheidend ist die Bevölkerungsdichte

Jährlich brechen etwa 50 der rund 500 aktiven Vulkane aus. Seit dem Jahr 1700 haben die Feuerspucker fast 300.000 Menschen getötet und unzählige Städte und ganze Regionen verwüstet. Was sie anrichten, hängt weniger von der Magmamenge, vielmehr von der Besiedlungsdichte ab: 1912 hat der Katmai 13 Kubikkilometer ausgespuckt - aber in praktisch unbewohntem Gebiet in Alaska fast unbemerkt. Großstädte bei unruhigen Vulkanen sind dagegen höchst gefährdet: Tokio beim Fudschijama etwa, Mexico City beim Popocatépetl, Yogyakarta beim Merapi - und auch Neapel am Fuße des Vesuvs.

Zahl der Vulkanopfer steigt

Weil die Erdbevölkerung stetig wächst und vulkanische Böden so fruchtbar sind, wird die Besiedlungsdichte in der Nähe von Vulkanen künftig eher zu- als abnehmen. Dadurch wird aber auch die Zahl der von ihnen geforderten Todesopfer steigen: Allein in den 1980er-Jahren töteten die Feuerspucker mehr als 25.000 Menschen - fast ein Zehntel aller Opfer seit 1700. Und natürlich ist auch immer mehr, immer ausgefeiltere und mitunter lebenswichtige Infrastruktur betroffen. Umso dringender ist es deshalb, dass man die Feuerspucker unter Beobachtung stellt.

Die größten Ausbrüche der vergangenen 200 Jahre


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