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Virtuelle Autopsie Leichenöffnung ohne Skalpell und Blut

Die Leichenöffnung mittels Skalpell in der Rechtsmedizin könnte bald ausgedient haben: Es gibt inzwischen die Möglichkeit, Tote im Computertomografen schichtweise zu untersuchen - unblutig und mit gewissen Vorteilen.

Stand: 16.05.2012
Digitale Leichenöffnung ohne Skalpell | Bild: UKE Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Die meisten Krimis lassen den Fernseh-Zuschauer Zeuge werden, wie es in der rechtsmedizinischen Abteilung zugeht. Kalte Seziertische aus Stahl zeigen Leichen, die meist eines unnatürlichen Todes gestorben sind. Der Rechtsmediziner bestimmt jetzt Todeszeitpunkt und Umstände des Todes. Dafür muss er die Leiche öffnen. Ganz klassisch mit Skalpell und Säge.

Digitale Verfügbarkeit auf Jahre

Die klassische Obduktion: Ein Eingriff, mit dem Angehörige des Toten häufig Probleme haben.

Diese Art der Obduktion könnte bald der Vergangenheit angehören. Denn die moderne Computertomografie bietet die Möglichkeit, einen Toten komplett in die Röhre zu schieben. Dabei wird der Verstorbene in Schichten dreidimensional aufgenommen. Die Bilder werden digital abgespeichert und stehen für neue Analysen auf Jahre zur Verfügung. Ein immenser Vorteil.

Mit Scannern den Körper erfassen

Zuerst wird die Körperoberfläche des Toten eingescannt. Ein Roboterarm führt dazu einen Laserscanner über die Leiche. Der Computer errechnet daraus die Form des Körpers. Es entsteht ein dreidimensionales Ebenbild, kleinste Verletzungen lassen sich so millimetergenau erfassen. Mit den Röntgenstrahlen des Computertomografen wird anschließend der Körper des Toten durchleuchtet. Bis zu einer halben Stunde dauert die Prozedur. Mithilfe der Computermaus beginnt anschließend die Suche nach der Todesursache.

Eindeutige Beweise für Tötungsdelikte

Bei der virtuellen Autopsie lässt sich der gescannte Körper am Bildschirm immer wieder analysieren.

Statt der herkömmlichen, letztlich subjektiven Protokolle werden die Verletzungen dreidimensional und maßstabgetreu dokumentiert und die Todesursache herausgefunden - ohne die Leiche zu öffnen. Ein Aspekt, der besonders Angehörigen eines Verstorbenen wichtig ist. Aber es gibt auch einen diagnostischen Zusatznutzen: Mithilfe des bildgebenden Verfahrens lassen sich Luft- und Gasansammlungen im Herz-Kreislaufsystem feststellen, die sie bei der klassischen Obduktion nicht sehen würden. So können die Rechtsmediziner Tötungsdelikten auf die Spur kommen.

Per Monitor zur Leichenschau

Dennoch hat die klassische Obduktion noch nicht gänzlich ausgedient: Sie ist zumindest im Moment noch kostengünstiger. Mit ihr lassen sich auch kleinste Verletzungen unter der Haut erkennen. Und vor Gericht ist die Virtopsy bislang nicht als alleiniges Beweismittel zugelassen. Doch wer weiß, vielleicht ändert sich das: In den Fernsehserien werden Rechtsmediziner dann die Toten auf dem Monitor untersuchen.


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