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Evolution Tianyuan-Mensch verwandt mit heutigen Asiaten

Er lebte vor rund 40.000 Jahren in der Nähe des heutigen Peking: der sogenannte Tianyuan-Mensch. Doch wie eng ist er mit den heutigen Menschen verwandt? DNA-Tests aus den alten Knochen geben jetzt erste Hinweise.

Stand: 22.01.2013

Beinknochen des frühen modernen Menschen aus der Tianyuan-Höhle in Zhoukoudian, nahe Peking. | Bild: picture-alliance/dpa/Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie

Eine Höhle im Wald von Tianyuan, in der Nähe von Peking. Hier haben Forscherinnen und Forscher zwischen 2001 und 2003 urzeitliche Menschenknochen entdeckt, die rund 40.000 Jahre alt sind. Sein europäisches Pendant ist der Cro-Mangnon-Mensch, der frühe Homo Sapiens.

Knochensplitter analysiert

Die Tianyuan-Höhle in Zhoukoudian, nahe Peking.

Um herauszufinden, wie eng dieser Frühmensch mit uns modernen Menschen verwandt ist, haben Forscherinnen und Forscher des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie jetzt die DNA des Fossils analysiert. Dazu haben sie aus dem linken Oberschenkel- und dem rechten Schienbeinknochen etwa 100 Milligramm Knochenmaterial herausgefräst und aufbereitet.

Das Ergebnis: Die Tianyuan-Menschen aus der Gegend des heutigen Chinas sind eng verwandt mit den heutigen Asiaten und der amerikanischen indigenen Bevölkerung. Zum Zeitpunkt der Tianyuan-Menschen hatte sich die europäische Abstammungslinie offensichtlich schon abgetrennt.

Frühe Menschen erschienen erstmals von etwa 40.000 bis 50.000 Jahren in Asien und Europa. Ihr Körperbau ähnelte schon dem der heutigen Menschen. Zu dieser Zeit lebten auch die Neandertaler und die sogenannten Denisova-Menschen, die beide später ausstarben. Wie groß der Kontakt zwischen ihnen und den Tianyuan-Menschen war, lässt sich schwer rekonstruieren - in der untersuchten DNA zumindest lassen sich keine Hinweise finden.

"Diese Ergebnisse zeigen, dass dieser sehr frühe moderne Mensch, der zu Lebzeiten durchaus sowohl Neandertalern als auch Denisovanern begegnet sein könnte, nicht mehr DNA von Neandertalern oder Denisovanern in sich trug als Menschen in Peking heute. Die Vermischung mit den Neandertalern fand also früher als vor 40.000 Jahren statt, und die Vermischung mit den Denisovanern passierte nicht in dieser Gegend, sondern wahrscheinlich woanders in Südostasien."

Svante Pääbo, Studienleiter, Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig

Studien: Wie der Mensch zum Menschen wurde

Orrorin tugenensis - "Millennium Man" aus Kenia

Der Oberschenkelknochen eines vor sechs Millionen Jahren gestorbenen Homininen (Orrorin tugenensis femur). | Bild: David Alba/dpa-Bildfunk

Orrorin tugenensis ist eine ausgestorbene Menschenaffenart, die vor sechs Millionen Jahren in Kenia vorkam. Das beweist die Untersuchung eines gut erhaltenen Oberschenkelknochens. Wegen seiner Entdeckung im Jahr 2000 wird der Menschenaffe auch als "Millennium Man" bezeichnet. Da Orrorin tugenensis bereits aufrecht gehen konnte, wird er von seinen Entdeckern in die Reihe der Gattung Hominini gestellt. Forscher gehen derzeit davon aus, dass O. tugenensis zwar noch Bäume erklomm, sich am Boden aber vor allem auf zwei Beinen fortbewegte. Der moderne Mensch hat sich allerdings wohl nicht direkt aus ihm entwickelt, wie von den Entdeckern zunächst angenommen.

"Ardi" bedeutet übersetzt "Bodenaffe"

Zeichnung von "Ardi" | Bild: picture-alliance/dpa J.H. Matternes

Der Ardipithecus, kurz "Ardi", ist rund 4,4 Millionen Jahre alt und galt lange als ältester direkter Vorgänger des Menschen. Seine Knochen zeigen: Unsere frühen Vorfahren waren weniger affenähnlich als bisher vermutet. "Ardi" war etwa 1,20 Meter groß und wog rund 50 Kilogramm. Hände, Füße und Becken deuten darauf hin, dass er auf Bäume kletterte, aber auch auf zwei Beinen auf dem Boden lief. Sein Gehirn war noch klein wie das eines heutigen Schimpansen, die Schädelbasis ähnelte jedoch bereits der von späteren Vormenschen.

Australopithecus - der "Affenmensch"

Modell des Australopithecus Boisei  | Bild: picture-alliance/dpa, Wissenschaftliche Rekonstruktionen: W.Schnaubelt/N.Kieser (Wildlife Art) für Hessisches Landesmuseum Darmstadt)

Nach dem Ardipithecus kam der Australopithecus. Die Australopithecen waren etwa 1,20 Meter groß, fellbedeckt und anfangs reine Vegetarier. Ihr Gehirn war etwa so groß wie das heutiger Schimpansen. Als sich das Klima in Ostafrika änderte, entwickelte sich ein Zweig der grazilen Australopithecen zu robusten Nussknackern. Doch die einseitig auf hartfaserige Pflanzen ausgerichtete Speisekarte war eine Sackgasse: Als vor 1,2 Millionen Jahren das Klima erneut umschlug, starb dieser Zweig aus. Krisenfest waren nur diejenigen, die sich rechtzeitig zu Allesfressern gemausert hatten. Aus ihnen ging später die Gattung Homo hervor.

Australopithecus sediba - das Mischwesen

Australopithecus sediba (Mitte) im Vergleich zu Mensch (links) und Schimpanse (rechts) | Bild: Lee Berger / University of Witwatersand, Südafrika

2008 wurden in Südafrika rund zwei Millionen Jahre alte Fossilien des Australopithecus sediba entdeckt. Er besitzt sowohl Merkmale der Australopithecinen als auch späterer Menschenarten. Sedibas oberer Brustkorb war eng und ermöglichte die zum Klettern nötigen Bewegungen des Schulterblattes. Becken, Hände und Zähne ähnelten menschlichen Verwandten. Möglicherweise stammt Sediba nicht von der ostafrikanischen Australopithecus afarensis-Linie ab, sondern bildet mit Australopithecus africanus eine südafrikanische Schwestergruppe. Peter Schmid von der Universität Zürich meint: "Die zahlreichen Gemeinsamkeiten mit Homo erectus lassen vermuten, dass Sediba die geeignetste Vorform der Gattung Homo darstellt."

Homo habilis - der geschickte Ostafrikaner

Rekonstruktion eines Homo habilis | Bild: picture-alliance/dpa, Wissenschaftliche Rekonstruktionen: W.Schnaubelt/N.Kieser (Wildlife Art) für Hessisches Landesmuseum Darmstadt)

Er lebte vor 1,8 bis 1,4 Millionen Jahren in Afrikas Osten. Mit 650 Kubikzentimetern Volumen erreicht sein Hirn schon fast die halbe Größe unseres Gehirns. Seine Finger ähneln noch denen eines Schimpansen, doch sein Daumen ist dem modernen Menschen vergleichbar. Ob er aber wirklich schon zu den Hominiden zu zählen ist oder eigentlich noch ein Australopithecus ist, ist bis heute umstritten.

Homo rudolfensis

Kopfrekonstruktion von Homo rudolfensis | Bild: picture-alliance/dpa, Wissenschaftliche Rekonstruktionen: W.Schnaubelt/N.Kieser (Wildlife Art) für Hessisches Landesmuseum Darmstadt)

Der etwa 1,50 Meter große Homo rudolfensis gilt als das älteste eindeutig menschliche Wesen. Belegt ist, dass er von vor 2,5 bis vor 1,8 Millionen Jahren gelebt und Werkzeuge hergestellt hat. Mit den scharfkantigen Steinen schlitzte er anfangs wohl nur harte Schalen auf. Später nutzte er sie aber auch, um sich verendete Tiere in mundgerechte Happen zu säbeln.

Homo erectus

Eine Besucherin betrachtet die Nachbildung eines Homo erectus | Bild: picture-alliance/dpa

Der Homo erectus ist vor etwa zwei Millionen Jahren aufgetreten. Gekühlt von Schweißdrüsen war er bereits ein ausdauernder Läufer. Weil er keinen Pelz mehr hatte, war er wahrscheinlich dunkel pigmentiert, um vor der Sonne geschützt zu sein.

Homo erectus - erster Großwildjäger

Mitarbeiter des Naturkundemuseums Görlitz verrücken ein Modell von einem Säbelzahntiger | Bild: picture-alliance/dpa

Der Homo erectus gilt außerdem als erster Großwildjäger. Spätestens seit 1,2 Millionen Jahren jagen Menschen in Gruppen und brauchten schon allein deshalb keine Gegner mehr fürchten. Weil ihn seine Schweißdrüsen kühlten, konnte er auch in der Tageshitze aktiv sein. Damit schlug er den großen Pelztieren ein Schnippchen, die um diese Zeit ruhten - und dann entweder selbst zum Opfer oder zumindest um ihre Beutetiere beraubt wurden.

Homo erectus - Gehirnschmalz

2009 fanden Forscher um Matthew Bennet die ältesten Fußabdrücke in Kenia, die den modernen Gang belegen.  | Bild: picture-alliance/dpa; Prof. Matthew Bennett, Bournemouth University,

Der Homo erectus brachte es auf ein Gehirnvolumen von 950 Kubikzentimetern - doppelt so viel wie die Australopithecinen. Mit pflanzlicher Nahrung allein hätte das Gehirn gar nicht so schnell wachsen können. Auf das energiereiche Fleisch hatte sich auch der Verdauungsapparat des Homo erectus eingestellt: Er besaß bereits den kleinen, kurzen Dickdarm des heutigen Menschen.

Homo heidelbergensis

Kiefer des Homo heidelbergensis | Bild: picture-alliance/dpa, Uli Deck

Aus dem Homo erectus ging vor etwa 600.000 bis 200.000 Jahren der Homo heidelbergensis hervor. Benannt wurde dieser Typus nach seinem Fundort: Mauer bei Heidelberg. Dort wurde der fossile Unterkiefer 1907 entdeckt. Vor etwa 300.000 bis 150.000 Jahren war das Klima in Europa geprägt von einem Wechsel zwischen kurzen Warm- und langen Eiszeiten. Vor allem in den Kaltphasen war der Homo heidelbergensis von seinen Artgenossen in Asien und Afrika abgetrennt. In Europa entwickelte er sich um diese Zeit zu einer eigenen Menschenform: dem Neandertaler.
Anfang Dezember 2013 berichteten Forscher vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie von einer weiteren Verwandtschaftsbeziehung: Sie entzifferten das Erbgut eines rund 400.000 Jahre alten Homo heidelbergensis, der in einer nordspanischen Höhle gefunden wurde. Der Analyse zufolge ist er mit dem Denisova-Menschen verwandt, der vor rund 30.000 bis 80.000 Jahren in Asien lebte. Die Wissenschaftler schlussfolgern, dass der Homo heidelbergensis vor rund 700.000 Jahren einen gemeinsamen Vorfahren mit dem Denisova-Menschen gehabt habe. Die genetische Nähe zwischen den Homini aus Nordspanien und den Denisova-Menschen sei sogar größer als die zu Neandertalern. Weitere Studien sollen die Verwandtschaft zwischen den Homininen aus Nordspanien, den Denisova-Menschen und den Neandertalern klären.

Neandertaler

Tumor in einem Neandertalerknochen - 120.000 Jahre alt | Bild: PLOS ONE/dpa

Vor mehr als 200.000 Jahren hat sich in Europa der Neandertaler entwickelt: parallel zum Homo sapiens in Afrika, aus einem gemeinsamen afrikanischen Vorfahren der Gattung Homo. Untersuchungen der fossilen Neandertalerknochen und -zähne lassen spannende Schlüsse zu: Unter dem Mikroskop wiesen einige Knochen Löcher in der Knochensubstanz auf. Diese bilden sich, wenn ein verletzter Knochen nicht mehr richtig belastet wird, aber noch lebt. Ein Hinweis darauf, dass Neandertaler ihre Verwundeten gepflegt haben - viele scheinen sogar schwere Knochenbrüche überlebt zu haben. Nur selten finden Forscher hingegen Tumore in Fossilien. Vor allem, weil unsere Vorfahren sehr viel jünger starben als wir heute. US-Forscher aus Philadelphia erkannten jetzt in der Rippe eines 120.000 Jahren alten Neandertalers einen gutartigen Tumor.

Neandertaler-Spezialwerkzeuge

Spezialwerkzeuge aus Knochen | Bild: Abri Peyrony / dpa-Bildfunk

Die Neandertaler haben möglicherweise die ersten Spezialwerkzeuge aus Knochen in Europa geschaffen. In zwei altsteinzeitlichen Ausgrabungsstätten im Südwesten Frankreichs haben Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie Leipzig und der niederländischen Universität Leiden besondere Werkzeuge aus Knochen entdeckt: Sie wurden aus den Rippen von Rotwild hergestellt und ähneln sogenannten Lissoirs - Schleifgeräten, die noch heute zur Bearbeitung von Leder verwendet werden.

Für Shannon McPherron vom Leipziger Max-Planck-Institut beweisen die Werkzeuge, dass die Neandertaler über eine Technologie verfügten, die bislang dem modernen Menschen zugeschrieben wurde. Womöglich haben die modernen Menschen sogar von ihnen gelernt.

Erste Höhlenkunst

Fast 40.000 Jahre alte kreuzförmige Felsgravuren in der Gorham-Höhle in Gibraltar | Bild: The Gibraltar Museum/Clive Finlayson, dpa-Bildfunk

Neandertaler nutzten ihre Werkzeuge vermutlich auch, um Kunstwerke herzustellen. In einer Höhle in Gibraltar fanden Wissenschaftler kreuzförmige Einkerbungen, die fast 40.000 Jahre alt sind. Höhlenkunst wurde bisher dem modernen Menschen (Homo Sapiens) zugeschrieben. Der war zu dieser Zeit allerdings noch nicht in der Gegend angekommen.

Dass die Muster zufällig entstanden sind, schließen die Wissenschaftler um Ruth Blasco und Clive Finlayson aus. In einem Versuch zerschnitten die Forscher vom Gibraltar-Museum Schweinehaut auf Kalkstein, der auch am Boden der Höhle vorkommt. Die dabei entstandenen Rillen unterschieden sich allerdings deutlich von den gefundenen Felsgravuren. Außerdem schätzen die Wissenschaftler, dass über 300 Schläge nötig waren, um die Einkerbungen zu erstellen. Sie folgern daraus, dass es sich um ein absichtlich erstelltes Muster handelt, gemacht, um vom Neandertaler-Künstler und den anderen Höhlenbewohnern gesehen zu werden.

Neandertaler-Fortpflanzung

Pflanzten sich zwei Neandertaler fort, konnte es gut sein, dass sie eng miteinander verwandt waren. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig untersuchten aus einem 50.000 Jahre alten Zehenknochen gewonnene DNA. Sie fanden heraus, dass der Zeh einst einer Neandertalerfrau mit besonderen Eltern gehörte. "Wir führten verschiedene Inzuchtsszenarien am Computer durch und entdeckten, dass die Eltern dieser Frau entweder Halbgeschwister mütterlicherseits, Großcousin und Großcousine, Onkel und Nichte, Tante und Neffe, Großvater und Enkelin oder Großmutter und Enkel gewesen sein müssen", sagte Populationsgenetiker Montgomery Slatkin von der Universität von Kalifornien in Berkeley, der einen Teil der Genom-Analysen leitete. Inzucht sei möglicherweise häufiger vorgekommen, weil die Populationen der Neandertaler klein waren.

Das Neandertaler-Genom barg aber noch eine andere Überraschung: Ein Anteil von etwa 1,5 bis 2,1 Prozent im Genom von heute außerhalb Afrikas lebenden Menschen stammt vom Neandertaler.

Neandertaler-Kultur

So könnte der Neandertal ausgesehen haben | Bild: picture-alliance/dpa

Die Art, wie entdeckte Neandertalerknochen angeordnet waren, verrät etwas über ihre Kultur: 1908 wurde in Frankreich ein fast vollständig erhaltenes Skelett mit angewinkelten Beinen entdeckt. Forscher vermuten, dass der Tote bestattet wurde. Das legt nahe, dass die Urmenschen bereits Emotionen wie Trauer kannten und eine Vorstellung vom Jenseits hatten. Der Barium-Gehalt eines Kinderzahns zeigte, dass das Neandertaler-Kind gut sieben Monate lang voll gestillt wurde, dann eine Weile zusätzlich feste Nahrung bekam und mit rund eineinviertel Jahren vollständig abgestillt wurde. Barium ist in hoher Konzentration in Muttermilch vorhanden, in fester Nahrung ist der Gehalt geringer. Das chemische Element lagert sich im Körper unter anderem im Zahnschmelz ab. Die zeitliche Zuordnung ermöglichten die Wachstumsringe des Zahnes. Ein Rätsel aber bleibt, warum der Neandertaler vor rund 30.000 bis 40.000 Jahren von der Bildfläche verschwunden ist.

Wann genau ist der Neandertaler verschwunden?

Mit einer Wahrscheinlichkeit von 95,4 Prozent seien die Neandertaler vor 41.030 bis 39.260 Jahren aus Europa verschwunden. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest die Studie eines internationalen Forscherteams um Tom Higham von der englischen Universität Oxford aus dem August 2014. Diese Zeitspanne legten die Wissenschaftler anhand von fast 200 Analysedaten fest. Fundstücke aus rund vierzig Orten von Spanien bis Russland wurden ausgewertet.

Ihre Ergebnisse seien präziser als frühere Datierungen, weil sie mit einer verbesserten Radiocarbon-Methode mittels Beschleuniger-Massenspektrometrie gearbeitet hätten. Auch seien die Möglichkeiten verbessert worden, neuzeitliche Verunreinigungen von prähistorischen Proben zu entfernen. Der Studie zufolge bewohnten Neandertaler und der moderne Mensch 2.600 bis 5.400 Jahre lang gemeinsam dieselben Gegenden Europas. Untersuchungen weiterer Proben aus Europa sollen folgen.

Neandertaler-Ernährung

Nachbildung eines Neandertaler-Paares | Bild: picture-alliance/dpa

Die heutigen, anatomisch modernen Menschen verdrängten die Neandertaler in Europa. Einer Hypothese zufolge waren die Neandertaler in der Wahl ihrer Nahrung zu stark eingeschränkt. Aus Knochen isoliertes Kollagen lässt Rückschlüsse auf ihre Ernährung zu: Sie bestand demnach hauptsächlich aus Fleisch - große pflanzenfressende Tiere wie Pferde, Bisons, Mammuts oder Wollnashörner standen häufig auf dem Speiseplan. Der moderne Mensch nutzte dagegen ein breiteres Nahrungsangebot, darunter auch Fisch. Diese Flexibilität soll ihnen den entscheidenden Vorteil gegenüber den Neandertalern verschafft haben. Doch der Fund von rund 45.000 Jahre alten Lachsgräten in einer Höhle im Kaukasus belegt: Neandertaler hatten einen vielseitigeren Speiseplan als bisher angenommen. Anhand von Knochenanalysen konnten Hervé Bocherens von der Universität Tübingen und seine Kollegen im September 2013 zeigen, dass der Neandertaler der Lachs-Esser gewesen sein muss - und nicht Tiere wie Höhlenbär oder Höhlenlöwe. Damit kann ein zu enger Speiseplan der Neandertaler nicht der Hauptgrund für ihren Untergang gewesen sein.

Darüber hinaus brachte die Analyse von alten Kotresten im Juni 2014 heraus: Zumindest im heutigen Spanien machten Pflanzen einen größeren Teil der Nahrung von Neandertalern aus als bislang angenommen. Die Kotfunde in den Höhlen von El Salt im Osten Spaniens werden auf rund 50.000 Jahre datiert. Die Forscher um Ainara Sistiaga vom MIT in Cambridge hatten die menschlichen Hinterlassenschaften auf Stoffe untersucht, die für die Aufnahme von Fleisch bzw. Pflanzen typisch sind. Ein Großteil der Neandertalerkost bestand demnach tatsächlich aus Fleisch, der Anteil der pflanzlichen Nahrung sei aber höher gewesen als bisher angenommen.

Denisova-Mensch

Die Aufnahme zeigt eine Replik von einem Fingerknochenfragment eines Denisova-Menschen auf einer menschlichen Hand. | Bild: MPI für evolutionäre Anthropologie / picture-alliance/dpa

Bei einer ersten Untersuchung vom Denisova-Mensch analysierten die Forscher 2010 nur die Erbinformation der Mitochondrien in den Knochenzellen eines Fingerknochens aus der Denisova-Höhle. Diese lässt sich leichter isolieren und entziffern, da sie nur aus 16.500 Bausteinen besteht, nicht aus drei Milliarden wie die eigentliche menschliche DNS. Zudem gibt es in jeder Zelle 8.000 Mitochondrien - zahlreiche Kopien also, die Lesefehler verringern helfen. Die DNS der untersuchten Mitochondrien wich an 385 Stellen von der beim modernen Menschen ab. Neandertaler-Mitochondrien unterscheiden sich dagegen von unseren nur an rund 200 Stellen. Die von Schimpansen an knapp 1.500. Eine genauere DNS-Analyse ließ die Forscher schließen: Der Denisova-Mensch ist eine eigene Urmenschenform, neben dem Neandertaler aber der nächste Verwandte des Menschens. Da das Fundstück in einer Schicht gefunden wurde, die auf ein Alter von 30.000 bis 50.000 Jahre geschätzt wird, muss der Mensch damals gelebt haben. Weitere Forschungsergebnisse lassen vermuten, dass er in einem Gebiet zwischen Südostasien und Sibirien verbreitet war. Ein Ahnenporträt gibt es von ihm noch nicht.

Homo sapiens - Out of Africa

Wanderrouten des Out-of-Africa-Modells | Bild: Katerina Harvati/Universität Tübingen und Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment

Älteste Funde des Homo sapiens sind rund 160.000 Jahre alt. Von Afrika aus eroberte er die übrigen Kontinente: Hierfür nahm er wahrscheinlich schon vor mehr als 100.000 Jahren eine südliche Route über die Arabische Halbinsel in Richtung Asien. Das teilte die Universität Tübingen im April 2014 mit. In Zusammenarbeit mit Forschern vom Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment, der Universität von Ferrara in Italien und dem Nationalmuseum für Naturgeschichte in Frankreich überprüften die Wissenschaftler verschiedene Ausbreitungsszenarios, Schädelformen und Erbgutinformationen. "Sowohl die anatomischen Schädelvergleiche als auch die genetischen Daten sprechen für mehrfache Auswanderungswellen", berichtet Katerina Harvati vom Institut für Naturwissenschaftliche Archäologie der Universität Tübingen. Eine erste Gruppe unserer Vorfahren brach demnach vor rund 130.000 Jahren aus Afrika auf und wanderte an der Küste der Arabischen Halbinsel entlang bis nach Australien und in das Gebiet des Westpazifiks (grüner Pfeil). Eine zweite Ausbreitungswelle ins nördliche Eurasien erfolgte ihren Untersuchungen zufolge vor rund 50.000 Jahren (roter Pfeil). Bisherige Studien gingen von einer einzigen Wanderungsbewegung vor 50.000 bis 75.000 Jahren aus. Die Tübinger Forscher wollen ihre Ergebnisse durch weitere Feldstudien und Fortschritte in der Genetik weiter absichern.

Cro-Magnon-Mensch

Eine Museumsbesucherin betrachtet den 30.000 Jahre alten Schädel eines Homo Sapiens | Bild: picture-alliance/dpa, Jörg Carstensen

Mit dem Erscheinen des europäischen Homo sapiens - nach seinem Fundort in Frankreich auch Cro-Magnon-Mensch genannt - werden die Werkzeuge auffallend hoch entwickelt. Auch die Sprechfähigkeit könnte in diese Zeit fallen. Das Gehirn ist deutlich größer, das Skelett graziler geworden: Der Schädel ist abgerundeter, die Stirn höher, das Kinn prägnanter, es gibt keine Überaugenwülste mehr.

Homo sapiens in Asien

Beinknochen des frühen modernen Menschen aus der Tianyuan-Höhle in Zhoukoudian, nahe Peking. | Bild: picture-alliance/dpa/Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie

In China wurde 2003 der sogenannte Tianyuan-Mensch gefunden, benannt nach der Fundhöhle in der Nähe Pekings. Er ist das asiatische Pendant zum Cro-Magnon-Menschen. Untersuchungen des Erbguts des Tianyuan-Menschen zeigen, dass sich die europäische und die asiatische Linie dieser frühmodernen Menschen schon vor über 40.000 Jahren getrennt haben müssen. Mehrere Jahrtausende lebte der Homo sapiens parallel zum Neandertaler. Durchgesetzt hat sich schließlich der Homo sapiens.

Oder war es doch ganz anders?

Schädel eines Frühmenschen aus Georgien | Bild: Georgian National Museum/dpa-Bildfunk

Der Fund eines Schädels in Dmanisi in Georgien könnte dieser frühmenschlichen Artenvielfalt widersprechen. Er ist 1,8 Millionen Jahre alt und der intakteste Schädel eines Frühmenschen, der jemals gefunden wurde. Auch die Kombination aus einer kleinen Gehirnkammer, großen Zähnen und einem langgezogenen Gesicht ist bislang einmalig. Es wurden noch Überreste von vier anderen Frühmenschen entdeckt, die unterschiedlich groß waren, aber alle zur selben Zeit lebten. Diese Verschiedenheit stütze eine von zwei Theorien über unsere frühe Evolution: nämlich, dass ihr Verlauf eher einem Baum als einem Busch ähnelt. Seit Jahren vertreten einige Wissenschaftler die Theorie, dass sich die Menschen nur aus einer oder zwei Arten entwickelt haben, so wie die Äste aus einem Baumstamm. Andere gehen von mehreren Frühmenschen-Arten aus, wie bei einem Busch mit mehreren Seitenzweigen. Sogar Anhänger dieser Theorie sagen nun, dass die Funde auf eine einzige Frühmenschen-Art vor fast zwei Millionen Jahren in Georgien hinweisen. Dies erlaube jedoch nicht die gleiche Schlussfolgerung für andere Orte.
David Lordkipanidze, Direktor des Nationalmuseums von Georgien und leitender Autor der Studie, betont, dass "Danny DeVito, Michael Jordan und Shaquille O'Neal" auch zu einer Spezies gehören. Es sei wahrscheinlich, dass die zumeist als Bruchstücke an verschiedenen Orten in Afrika gefundenen Schädel auch nicht von verschiedenen Arten stammten, sondern es sich um Variationen einer Spezies handele. Weitere Entdeckungen und Untersuchungen werden es zeigen.

Bakterien-DNA verunreinigt die Proben

Ausgrabungsarbeiten in der Tianyuan-Höhle.

Das sich die europäischen Menschen schon früh abgespalten haben, vermutete die Forschung schon lange - jetzt konnte das erstmals durch die moderne Gentechnik auch im Erbgut gezeigt werden. Doch die Untersuchung der Knochenfragmente war nicht einfach - die Proben waren mit Bakterien-DNA verunreinigt.

"Wir sind sehr glücklich, über diese neue Methode, mit der man menschliches Genom aus dem bakteriellen Genom herausfischen kann. Wir hoffen, dass wir das jetzt für viele andere Fossilien auch anwenden können."

Svante Pääbo, Studienleiter, Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig


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