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Titanic in Gefahr Bakterien fressen das Wrack

Als der Luxusdampfer Titanic im April 1912 im Meer versank, starben rund 1.500 Passagiere und Besatzungsmitglieder. Bald schon könnte auch das Wrack nur mehr Geschichte sein. Bakterien nagen an dem Koloss in 3.800 Meter Tiefe.

Stand: 17.05.2017 | Archiv

Fotografie der Titanic  | Bild: picture alliance/Geisler-Fotopress

Der Untergang der Titanic ist die wohl bekannteste Katastrophe der Seefahrt: Nach der Kollision mit einem Eisberg auf seiner Jungfernfahrt von Southampton in England nach New York sank der Luxusdampfer in der Nacht vom 14. auf den 15. April 1912. Rund 1.500 der mehr als 2.200 Menschen an Bord kamen ums Leben.

Titanic in 15 bis 20 Jahren komplett verschwunden

Titanic | Bild: picture-alliance/dpa zur Bildergalerie mit Informationen Titanic Ihr doppelter Untergang

Zu spät wird der kalte Koloss am 14. April 1912 entdeckt: Die Titanic rammt einen Eisberg. Der "unsinkbare" Stahlgigant reißt rund 1.500 Menschen mit in den Tod. Seitdem schlummert das Schiff mitsamt seiner letzten Geheimnisse auf dem Grund des Atlantiks. Aber nicht mehr lange ... [mehr]

1985 wurde das Schiff in 3.800 Meter Tiefe auf dem Grund des Atlantischen Ozeans entdeckt. Inzwischen ist es in keinem guten Zustand mehr. Schon in 15 bis 20 Jahren könnten die Überreste komplett verschwunden sein, sagen Forscher. Die Ursache dafür ist bakterieller Eisenfraß.

Das Wrack ist von Biofilmen und Rost überzogen", erklärt Antje Boetius, Meeresbiologin am Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung. Forscher entdeckten vor einigen Jahren in den Rostflocken eine Bakterienart, die nach ihrem Fundort Halomonas titanicae genannt wurde. In der kalten Tiefsee müssten die Schiffsüberreste eigentlich geschützt sein. Tatsächlich aber zersetzen die Mikroben trotz der Kälte die Schiffswände.

"Eigentlich wächst dieses Bakterium gerne im Warmen bei über 30 Grad. Aber dort, wo das Wrack liegt, sind es vier Grad. Sie (die Bakterien) tragen dabei nicht langsam Millimeter für Millimeter die Oberfläche ab, sondern verursachen Lochfraß. Dadurch wird das Wrack instabil und fällt irgendwann zusammen."

Antje Boetius, Meeresbiologin am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung

Eisenfraß bedroht auch Bauwerke unter Wasser

Titanic | Bild: picture-alliance/dpa

Im Jahr 2010 wurde das Bakterium entdeckt und nach seinem Fundort "Halomonas titanicae" benannt.

Den Grund für die Zersetzung des Unesco-Weltkulturerbes kennen die Wissenschaftler: "Die Bakterien entziehen dem Eisen Elektronen als Energiequelle, um wachsen zu können", sagt die Professorin. "Sie leben also direkt vom Metall." Dieser Elektronenentzug führt dazu, dass das Metall rostet. "Ein faszinierender Prozess", findet Boetius. Auch für moderne Unterwasserbauwerke sind die Folgen des Eisenfraßes gefährlich, so Boetius. So könnten die Bakterien an Unterwasser-Ölpipelines ähnliche Schäden anrichten wie an der Titanic. "Das ist ein Problem im Meer, über das die Industrie nicht gerne spricht", sagt die Wissenschaftlerin.

Bug der Titanic bleibt

Der Bug der Titanic soll noch Jahrzehnte dem Eisenfraß standhalten.

Der Vorsitzende des "Deutschen Titanic-Vereins von 1997", Malte Fiebing-Petersen, sieht dem kompletten Zerfall der Titanic gelassen entgegen. "Die Natur holt sich das Schiff zurück. Das ist der Lauf der Dinge." Allerdings sei der Stahl nicht überall gleich dick. Die oberen Decks seien vermutlich tatsächlich in 10 bis 15 Jahren verschwunden. Die eigentliche Schiffshülle aber sei aus dickerem Stahl. "Den aufrecht stehenden Bug werden wir noch viele Jahrzehnte haben."


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