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Valentina Tereschkowa Die erste Frau im All - "zur Not auf einem Besen"

Eine gelernte Näherin fliegt ins All, als erste Frau der Welt - damit ging nicht nur ihr Traum, sondern auch der der russischen Regierung in Erfüllung. Am 16. Juni 1963 hob die 26-jährige Valentina Tereschkowa ab, um 49 Mal die Erde zu umrunden.

Stand: 07.03.2017

Mit Juri Gagarin landeten die Russen 1961 ihren großen Coup: Er war der erste Mann im All, jetzt sollte ihm eine Frau folgen. Dafür setzte sich Regierungschef Nikita Chruschtschow persönlich ein und ließ nach einer einfachen Arbeiterin suchen. Ihr Höhenflug sollte zeigen, dass im Sozialismus jedem alle Wege offen stehen - auch bis ganz nach oben, bis zu den Sternen. Aus Tausenden von Bewerberinnen wurde letztlich Valentina Tereschkowa ausgewählt, große Gagarin-Bewunderin und Funktionärin der Jugendorganisation der KPdSU.

Tereschkowa wollte früh hoch hinaus

"Ich habe schon als Kind von einer Reise zu den Sternen geträumt. Zur Not wäre ich auf einem Besen hingeflogen."

Valentina Tereschkowa

Damit ging nicht nur der Traum der Regierung, sondern auch ihr eigener in Erfüllung. Am 6. März 1937 war sie in einem Dorf bei Jaroslawl, rund 280 Kilometer nordöstlich von Moskau zur Welt gekommen, hatte erst in einem Reifenwerk, später als Näherin in einer Textilfabrik gearbeitet. Ab 1955 gab sie sich ihrer Sehnsucht nach Höherem hin: "Ich wollte dem Himmel nahe sein. Daher begann ich mit dem Fallschirmspringen." An einer Abendschule bildete sie sich als Technikerin fort und bewarb sich schließlich als Kosmonautin.

Valentina Tereschkowa, die kosmische First Lady

Am 16. Juni 1963 startete die gelernte Näherin ins All.

Obwohl ihre Trainingsleistungen nicht immer die besten waren, wird Tereschkowa am 16. Juni 1963 in einem Raumschiff von Baikonur in Kasachstan aus in den Weltraum katapultiert. Mit an Bord hat die erste Frau im All Zwiebeln, Brot - und eine gehörige Portion Nervosität, die sich während ihres Fluges in blankes Entsetzen umgewandelt haben dürfte: "Ich durfte lange Zeit nichts erzählen. Weder, wie ich mich während des Fluges fühlte, noch, dass es technische Probleme gab." Erst 2007 enthüllte sie, dass das Raumschiff wegen einer "Ungenauigkeit" im automatischen Programm immer höher gestiegen sei. Erst am zweiten Flugtag konnte der Fehler korrigiert und sie auf eine normale Flugbahn gebracht werden.

"Mir kommen keine Weiber mehr ins All"

Der Chefkonstrukteur war von Tereschkowas Leistung gar nicht begeistert, die Bevölkerung umso mehr.

Doch auch auf der Erde bereitete ihre Reise Bauchgrimmen: Die Kosmonautin soll Weisungen mehrfach missachtet und sich über den drückenden Helm sowie über die Kosmonautennahrung beschwert haben. Ihr Schlaf zu den unmöglichsten Zeiten ließ die Verantwortlichen fürchten, ihr sei etwas zugestoßen. Chefkonstrukteur Sergej Koroljow dachte schon darüber nach, den Flug zu verkürzen. "Mir kommen keine Weiber mehr ins All", soll er geflucht haben, sobald Tereschkowa wieder festen Boden unter den Füßen hatte.

Die Möwe landet mit Fallschirm

Schon gewusst?

19 Jahre lang blieb Valentina Tereschkowa die einzige Frau im All. Am 19. August 1982 folgte Swetlana Sawizkaja. Sie war die erste Frau, die einen Weltraumausstieg durchführte - am 25. Juli 1984.

Am 19. Juni 1963 wurden alle Beteiligten erlöst: Nach 71 Stunden und 49 Erdumrundungen katapultierte sich die 26-jährige Abenteurerin aus sieben Kilometern Höhe aus der Kapsel und landete mit ihrem Fallschirm bei Nowosibirsk. Dort wurde sie begeistert empfangen und ist seither auch unter ihrem selbstgewählten Funknamen "Tschaika", Möwe, bekannt.

Tereschkowas zweite Karriere in der Politik

Valentina Tereschkowa ist politisch aktiv und macht sich für Putin stark.

Im November 1963 heiratete die Kosmonautin ihren Raumfahrt-Kollegen Andrijan Nikolajew, angeblich auf Anordnung des Kremls. 1964 kam Tochter Jelena zur Welt. Ihre Ehe zerbrach 1982 und Tereschkowa heiratete erneut. Doch 1999 starb ihr zweiter Ehemann, ein Chirurg. Tereschkowa selbst machte Karriere in der Politik: Zu Sowjetzeiten war sie Parlamentsabgeordnete und Mitglied des KPdSU-Zentralkomitees. Nach dem Zerfall der UdSSR leitete sie von 1994 bis 2004 das Russische Zentrum für internationale kulturelle und wissenschaftliche Zusammenarbeit. Auch heute ist sie noch politisch aktiv, sitzt für Putins Partei "Geeintes Russland" im Parlament.

Der Weltraum lässt sie nicht los

Valentina Tereschkowa im Jahr 2016

"Trotz aller Rückschläge habe ich im Leben Glück gehabt", sagt Tereschkowa heute. Noch immer genießt sie hohes Ansehen in der russischen Bevölkerung. Bei gesellschaftlichen Anlässen sucht man sie dennoch vergeblich. "Ich spiele lieber mit meinem Enkel oder meiner Perserkatze", sagt die bescheidene Frau, die sich auch gerne mal ein Herrensakko passend schneidert. Und natürlich träumt sie noch immer von Weltraumabenteuern: "Ich würde gerne erleben, dass der Mensch auf dem Mars landet."

"Ein Flug zum Roten Planeten - das war der Traum der ersten Kosmonauten. Ach, wenn ich es doch machen könnte! Ich wäre bereit zu fliegen - auch ohne Rückkehr."

Valentina Tereschkowa


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