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Mode-Mini-Hunde Grausames Geschäft mit den niedlichen Teacup-Hunden

Große Kulleraugen, winzige Körper, niedliches Kindchen-Schema: "Teacup Dogs" sind in sozialen Medien der Renner. Stars wie Paris Hilton haben die Mini-Hunde bekannt gemacht. Doch die Mini-Züchtungen sind eine Qual für Hund und Halter.

Von: Anja Bühling

Stand: 15.01.2018

Teacup-Dogs: Hunde, die so gezüchtet sind, dass sie in eine Teetasse passen | Bild: colourbox.com

Ein Hund für die Tasche mit einem winzigen Körper und großen Kulleraugen – eben ganz Welpe und das ein Leben lang: Das sind Teacup-Dogs, Teetassen-Hunde. Die Mini-Hunde, die das Kindchen-Schema voll erfüllen, sind derzeit ein modischer Renner. Es gibt sie unter anderem als Miniversion eines Chihuahua, Spitz, Yorkshire Terrier oder Pudel. Dabei handelt es sich jeweils nicht um eigene Rassen, sondern um spezielle Züchtungen einer Rasse, die wesentlich kleiner sind als das Original, viel weniger wiegen und selbst ausgewachsen in einen Tee-Pott passen. Doch diese Züchtungen bringen für die Tiere gravierende gesundheitliche und soziale Probleme mit sich, die ihr ganzes Hundeleben andauern.

Kleinste Welpen als Zuchttiere

Die These Darwins des "Surviving of the fittest", "Nur das am besten angepasste Lebewesen überlebt", ignorieren die Züchter von Teacup Dogs vollkommen: Sie paaren die sogenannten Kümmerlinge miteinander. Das sind die schwächsten und kleinsten Tiere eines Wurfs, so Andrea Irina Furler-Mihali, Spezialistin für Heimtiere bei der Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes in Neubiberg. Die Folge dieser Züchtungen sind zahlreiche Erkrankungen, denn nicht alle Organe oder auch das Gehirn lassen sich bei Hunden in gleichem Maße durch Zucht verkleinern.

Schlimme Krankheiten als Folgen des "Schrumpfens"

Eine Folge der Miniaturisierung kann sein, so die Spezialistin, dass die Fontanelle am Kopf der Tiere nicht zuwächst. Bei der Leber kann die Züchtung zu einem sogenannten Lebershunt führen. Das ist ein Blutgefäß, das das Blut um die Leber herum transportiert, sodass es nicht in der Leber entgiftet werden kann. Daran leidende Hunde müssen häufig kostspielige Operationen über sich ergehen lassen und teures Spezialfutter fressen. Auch einen Trachealkollaps erleiden Teacup Dogs früher. Dabei verursacht eine Instabilität im Halsbereich, dass die Luftröhre an einer Stelle zusammenklappt. Die Luftzufuhr wird gestört, der Hund bekommt zu wenig Sauerstoff und kann kaum atmen. Herzdefekte wie an der Herzwand, Kreislaufschwächen, Gebiss- und Kieferanomalien und fragile Knochen – die Mini-Hunde haben oftmals mit schweren Krankheiten zu kämpfen.

Ein kranker und teurer Modehund

Es ist geradezu absurd, dass Leute sich einen so krank gezüchteten Mini-Hund kaufen, der dann auch noch hohe Arztkosten verursachen kann, wie Furler-Mihali bestätigt. Dabei sind die meisten Exemplare schon in der Anschaffung teuer. Auf einer amerikanischen Webseite – der Modetrend kommt ursprünglich aus den USA – kostet Teapot-Yorkshire-Welpe Gwen, fotografiert mit rosa Schleifchen im Haar, stolze 8.500 US-Dollar. Auf der Auktionsplattform eBay können Erstangebote für Chihuahua-Exemplare ab 850 Euro abgegeben werden. Doch was bringt die Menschen dazu, einen degenerierten Hund zu kaufen?

Paris Hilton mit Tinkerbell als Mode-Accessoire

Paris Hilton mit ihrem Teacup Dog "Tinkerbell"

Diese Winzlinge sind eine Modeerscheinung, die ins Designertäschchen passen und mit dem die Besitzer auffallen möchten. Sie sind klein und handlich, können auch im Handgepäck mitreisen, brauchen in einer Wohnung kaum Platz und fressen nicht viel. Stars und Sternchen wie Paris Hilton machten die Mini-Züchtungen berühmt. Hilton ließ sich gern und oft mit ihrem Hund Tinkerbell fotografieren. Und so sorgten die süßen Bilder und Videos der Teacup Dogs vor allem in sozialen Medien für Furore.

Das Äußere der Kleinen trifft vor allem bei weiblichen Tierfreunden mitten ins Herz. Doch die sehen in einem Mini-Vierbeiner häufig nicht mehr einen Hund, sondern nur noch das Mode-Accessoire. Heimtier-Spezialistin Furler-Mihali ist es wichtig zu betonen, dass es sich aber tatsächlich um ein lebendes Tier handelt und eben nicht um ein Spielzeug – nicht umsonst findet man in den USA auch den Namen "Toy-Dog", "Spielzeug-Hund", für solche Klein-Züchtungen. Auch wenn die Mini-Züchtungen als modisches Accessoire gekauft werden: Sie bleiben Hunde, die regelmäßig Auslauf und Futter brauchen. Häufig werden die Hunde aber nur herumgetragen, haben keine sozialen Kontakte zu Artgenossen und sind nicht sozialisiert.

Als Qualzucht verbieten

Offizielle Zahlen, wie viele der Teacup Dogs es in Deutschland gibt, sind nicht zu bekommen, auch weil die meisten Tiere über das Internet gehandelt werden. Gegen ihre Zucht setzt sich auch der Internationale Hunde Verband (IHV) ein. Und auch der deutsche Tierschutzbund will, dass ihre Zucht und ihr Verkauf in Deutschland verboten werden. Für die Tierschützer fallen Teacup Dogs unter die sogenannte "Qualzucht". Doch bisher ist es rechtlich schwer, gegen Züchter oder Händler der Mini-Tiere vorzugehen, weil der Paragraph 11b des Tierschutzgesetzes, der das Verbot von Qualzuchten regelt, "sehr offen formuliert ist", erklärt Furler-Mihali.

Gesetz kann regeln, ...

Doch nicht nur der Tierschutzbund kritisiert diesen schwammig formulierten Paragraphen, der viel Interpretationsraum offen lässt. Auch Tierarztverbände und die Tierschutzbeauftragte einiger Länder wie Baden-Württemberg sowie Tierheime unterstützen die Kritik, der Paragraph müsse eindeutiger und differenzierter formuliert werden. Der deutsche Tierschutzbund hat deshalb im vergangenen Jahr einen Entwurf zur Heimtierschutzverordnung veröffentlicht. Der Vorschlag wurde aber laut Tierschutzbund von der Bundesregierung weder diskutiert noch angenommen.

... aber Kunde bestimmt

Am Ende mag eine Gesetzesänderung vielleicht dafür sorgen, dass Züchter oder Händler eher zur Rechenschaft gezogen werden. Dass Teacup Dogs nicht mehr gezüchtet werden, hängt aber vor allem von der Nachfrage ab. Und nur, wenn die Leute die Modehündchen nicht mehr kaufen, wird auch ihre Zucht nicht mehr rentabel sein und wahrscheinlich wieder eingestellt.

"Mops und Co. – Wie Hunde unter der Qualzucht leidern": in "W wie Wissen", ARD-alpha, 18.10.2017, um 19.30 Uhr


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