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Tag der ökologischen Überschuldung Seit 13. August lebt die Menschheit auf Pump

Seit 13. August haben wir alles aufgebraucht, was uns die Natur bis zum Ende des Jahres liefern kann. Jeden weiteren Tag des Jahres leben wir auf Pump. Und erhöhen täglich unsere Ökoschulden.

Stand: 14.08.2015

Heute ist der Welterschöpfungstag, der "World Overshoot Day", an dem wir alle Ressourcen aufgebraucht haben, die unsere Erde für das ganze Jahr zur Verfügung hätte. Wir überziehen unser Öko-Konto, als hätten wir eine globale Kreditkarte. | Bild: colourbox.com

Überziehen Sie jeden Monat Ihr Konto? Dann sind Sie vielleicht gar nicht geschockt von der Meldung: Mit dem heutigen Tag hat die Menschheit alles verbraucht, was die Natur ihr für dieses Jahr zur Verfügung stellen konnte. Schon morgen rutschen wir in den "Dispo". Mit dem kleinen, aber feinen Unterschied: Wir Menschen zahlen nie zurück, was wir bei der Natur an Schulden machen.

Rechenspiel mit ernstem Hintergrund

Schon klar: Der "Earth Overshoot Day" oder "Ecological Debt Day", manchmal auch als "Welterschöpfungstag" oder "Erdüberlastungstag" bezeichnet, ist ein rein symbolischer Tag. Wenn Sie morgen in den Wald gehen, stehen da immer noch die Bäume. Und wenn Sie den Wasserhahn öffnen, fließt immer noch Wasser. Aber jeder Tropfen kostet ab jetzt Mutter Erde mehr, als sie sich leisten kann. Ein statistisches Rechenspiel mit bitterbösem Ergebnis, mit dem The Global Footprint Network seit einigen Jahren zeigen will, wie groß unser Raubbau an der Natur ist.

Wir verbrauchen mehr, als die Natur hat

Dazu wird die Biokapazität unseres Planeten - die Fähigkeit der Natur, Rohstoffe jeder Art zu produzieren oder wieder herzustellen - mit dem ökologischen Fußabdruck der Menschheit verrechnet: Seit Mitte der 80er-Jahre ist unser jährlicher Verbrauch an natürlichen Ressourcen größer als die Regeneration in der Natur.

Der Aralsee: dem Durst der Menschen geopfert

Beispiel Aralsee: Dem früher riesigen See in Zentralasien wurde für Bewässerungssysteme in der Landwirtschaft so viel Wasser abgezapft, dass er inzwischen weitgehend ausgetrocknet ist – und ganze Landstriche für immer versalzen und verödet sind. Eine "Bad Bank" in der Natur. Dabei bezieht sich der ökologische Fußabdruck nicht allein auf unseren Verbrauch von Wasser, Holz oder anderen Rohstoffen. Mit eingerechnet werden beispielsweise auch Müll und Abgase. Etwa, wieviel Waldfläche es weltweit benötigt, um das von uns in einem Jahr produzierte CO2 abzubauen. Und CO2 macht im ökologischen Fußabdruck den größten Schuldenposten aus.

Gerechnet wird in einer eigenen Einheit: dem globalen Hektar Gha. Er gibt die Fläche an, die nötig wäre, um den jeweiligen Verbrauch zu "finanzieren". Derzeit bräuchten wir pro Person 2,7 Gha, 18 Milliarden Gha weltweit. Zur Verfügung stehen uns aber nur zwei Drittel, nämlich 12 Milliarden globale Hektar. Eingerechnet in dieses Flächenmaß ist die unterschiedliche Fruchtbarkeit der Böden. Denn ein Hektar Wüstensand entspricht nicht einem Hektar Amazonasdschungel.

Immer früher, immer teurer

Der Tag der ökologischen Überschuldung tritt immer früher ein

1987 haben wir unser Ökokonto nur leicht überzogen: Damals war der Earth Overshoot Day "erst" am 19. Dezember. Seither rutscht er im Kalender immer weiter nach vorne. 2011 hatten wir schon am 27. September alles aufgebraucht. 2012 kam ein ganzer Schuldenmonat dazu: Der 22. August war der Tag der Erderschöpfung. 2013 schon der 20. August und vergangenes Jahr der 19. August. Und in diesem Jahr sind wir wieder sechs Tag früher dran. Das wir von 2010 auf 2011 scheinbar ein wenig sparen gelernt haben, ist leider auch nur Statistik:

"Der Grund dafür ist leider nicht, dass wir weniger verbrauchen. Höchstens ein bisschen, wegen der Wirtschaftskrise. Nein, der eigentliche Grund ist, dass wir unsere Berechnungsmethode verändert haben."

Nicole Freeling, Pressesprechering von Global Footprint Network

Wann uns eine Erde nicht mehr reicht

Je früher der Tag erreicht ist, an dem die Erde von uns erschöpft ist, umso größer natürlich die Schuldenlast, die wir anhäufen: Im Jahr 2008 verbrauchte die Menschheit schon vierzig Prozent mehr, als die Natur sich leisten konnte. Unsere heutige Bilanz bräuchte anderthalb Erden, um ausgeglichen zu bleiben. Wenn wir so weitermachen, müssen wir schleunigst andere bewohnbare Planeten finden:

"Weitermachen wie bisher würde heißen, dass wir im Jahre 2030 schon zwei Erden bräuchten und vielleicht 2050 dann drei Erden."

Jürgen Knirsch, Experte für nachhaltigen Konsum bei Greenpeace

Schuldenland Deutschland

Und nicht, dass Sie denken, wir hier in Deutschland sind ja eh schon so ökologisch fortschrittlich. In Industrienationen ist der ökologische Fußabdruck noch deutlich höher als in ärmeren Ländern. Würden alle Länder so wirtschaften wie Deutschland, wären sogar 2,6 Planeten notwendig. Innerhalb der Industrienationen halten wir zwar noch einen "guten" Platz 30 hinter den Katar, Kuweit, den Vereinten Arabischen Emiraten, den USA, Belgien oder Australien. Aber im globalen Vergleich ist Deutschland weit vorn im Schuldenmachen: Im Jahr 2010 waren wir hierzulande ökologisch gesehen schon am 31. Mai pleite, fast drei Monate früher als der globale Durchschnitt. Würde die ganze Welt unseren Ökokonsum übernehmen, könnte der nur von zweieinhalb Erden befriedigt werden.

Was tun gegen die schlechte Ökobilanz?

Die fünf "F"s

Das können Sie tun, um Ihren eigenen ökologischen Fußabdruck ein wenig zu verkleinern:

  • weniger Fleisch
  • wohnen wie im Fass
  • weniger Fliegen
  • weniger Fahren
  • Forderungen stellen

Fleisch

Der größte Brocken in der schlechten Umweltbilanz des Menschen ist der Tierhaltung geschuldet. Je weniger Fleisch und andere tierische Produkte Sie verzehren, umso besser - für die Natur.

Fass

Ein etwas sperriges Bild, doch der Mathematiker Diogenes hat es in seiner Tonne vorgemacht: Ein etwas bescheidenerer Wohnstil rechnet sich - ökologisch. Denn unser Wohnen drückt kräftig auf die Ökobilanz. Achten Sie auf gute Isolierung, sinnvolles Lüften und behalten Sie Ihre Heiz- und Energiekosten im Auge.

Fliegen

Mit jeder Fernreise per Flugzeug hinterlassen Sie einen gewaltigen Fußabdruck. Der ist zwar nicht unbedingt größer, als wenn Sie alleine mit dem Auto verreisen. Aber ein Urlaub mit der Bahn oder in nähergelegene Ferienorte könnte eine Alternative sein.

Fahren

Bilden Sie Fahrgemeinschaften, nutzen Sie öffentliche Verkehrsmittel oder radeln Sie mehr.

Forderungen

Dieses "F" hat Greenpeace der Liste hinzugefügt: Stellen Sie Forderungen an den Staat! Denn der ist nicht nur Vorbild auch in Sachen Ökologie, er hat auch die Pflicht und Möglichkeit, den Rahmen zur Verfügung zu stellen, in dem nachhaltiger Konsum für Sie möglich wird.


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Kommentare

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Hartz GErhard, Freitag, 14.August, 18:24 Uhr

4. Overshout day

Der Mensch ist auf dem besten Weg sich selbst abzuschaffen, weil er seiner grenzenlosen Gier immer mehr und unwiederbringlich Ressourcen verbraucht. Nur ein radikales Umdenken und Umkehren kann unsere Erde noch retten.

Franziska, Donnerstag, 13.August, 13:22 Uhr

3.

Ich finde es jedes Mal wieder schockierend, wie ignorant die Menschheit ist. Wie deutlich muss das Problem, die Ursachen und die Folgen noch ausgesprochen werden?
Vermutlich könnte ich ebenfalls noch einiges in meinem Verhalten und Konsum verändern, womit ich mich in den nächsten Tagen definitiv noch auseinandersetzen werde, aber es übersteigt meinen Verstand, wie blind viele Menschen durch die Welt wandeln und sich das nehmen, was ihnen gefällt.
Die Welt hat so vieles zu bieten, was in der heutigen Kurzlebigkeit und Hektik völlig untergehen zu scheint!
Einzig alleine schöne Naturereignisse werden beachtet, wie z.B. die gestrige Nacht der Sternschnuppen.
Mit unschönen Dingen wurde sich noch nie gerne auseinandergesetzt, was eindeutig keine gute Eigenschaft der Menschheit ist.
Solange alles noch wie gewohnt nutzbar ist, "kann es ja noch nicht so schlimm sein". Meiner Meinung nach liegt das nicht nur in den Händen der Politik, sondern in den Händen jedes einzelnen Menschen!

Achim Wolf, Mittwoch, 20.August, 07:28 Uhr

2. Schuld ist die Überbevölkerung

Erklärung der Ursachen: http://www.change.org/p/weltweite-geburtenregelungen-verbindlich-einf%C3%BChren-introduce-obligatory-worldwide-birth-controls

  • Antwort von David Ehrgart, Donnerstag, 13.August, 16:44 Uhr

    Nun ja... wie viele Kinder sie bekommen dürfen, werden wir den Afrikanern hoffentlich nicht auch noch vorschreiben...

Kronberger Erhard, Dienstag, 19.August, 13:36 Uhr

1. wenn 4 F`s überdurchschnittlich erfüllt sind

ich grüsse Sie und bedanke mich für die geniale Idee.
Es mag nach Eigenlob klingen, aber: 4 der 5 F`s habe ich mit meiner Familie weit überproportional erfüllt. Eine ursprünglich vermutete "Ansteckung" Anderer durch`s "Vorleben" ist - abgesehen von wenigen Einzelfällen- nicht zu beobachten. Von daher scheint es mir zwingend notwendig, dass die nationale, europäische und im besten Fall globale Politik den RAHMEN schaffen muss, was bislang nur marginal erfolgt! Es darf trotz massiver Einwände von Lobbyisten kein Zweifel darüber bestehen, dass z.B. das Freihandelsabkommen, die staatliche Unterstützung der Erweiterung des Flugaufkommens, die weitere Verfechtung des Prinzips "Straße vor Schiene" uns weiter und tiefer in die verheerende ökologische (und in der _Folge auch ökonomische) Sackgasse führen.
in Kindergarten und Schulen wird nach wie vor viel zu wenig auf die Bedeutung ökologischen Denkens gelegt. Die Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge vor dem Hintergrund "notwendiger" Angleichung internationaler Standards ist nachvollziehbar, nicht nachvollziehbar ist die fehlende Umsetzung ökologischer Themen in Form von Pflichtfächern in ALLEN EUROPÄISCHEN SCHULEN. Das Rand-Dasein dieser essentiellen Themen wird die Erde schneller als Viele denken, an den Rand bringen, was die (Über-) Lebensbedingungen für uns Menschen anbelangt.

Mit freundlichen Grüssen; die Hoffnung nicht aufgebend.

Erhard Kronberger