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Earth Overshoot Day 2017 Tag der ökologischen Überschuldung ist erreicht

Ab dem 2. August lebt die Menschheit auf Pump: Dann haben wir alles aufgebraucht, was uns die Natur bis zum Ende des Jahres 2017 liefern kann. Mit jedem weiteren Tag des Jahres erhöhen wir unsere Ökoschulden.

Stand: 02.08.2017

Heute ist der Welterschöpfungstag, der "World Overshoot Day", an dem wir alle Ressourcen aufgebraucht haben, die unsere Erde für das ganze Jahr zur Verfügung hätte. Wir überziehen unser Öko-Konto, als hätten wir eine globale Kreditkarte. | Bild: colourbox.com

Überziehen Sie jeden Monat Ihr Konto? Dann sind Sie vielleicht gar nicht geschockt von der Meldung: Ab dem 2. August hat die Menschheit alles verbraucht, was die Natur ihr für das Jahr 2017 zur Verfügung stellen konnte. Ab dann geht es in den "Dispo". Mit dem kleinen, aber feinen Unterschied: Wir Menschen zahlen nie zurück, was wir bei der Natur an Schulden machen.

Rechenspiel mit ernstem Hintergrund

Schon klar: Der "Earth Overshoot Day" oder "Ecological Debt Day", manchmal auch als "Welterschöpfungstag" oder "Erdüberlastungstag" bezeichnet, ist ein rein symbolischer Tag. Wenn Sie morgen in den Wald gehen, stehen da immer noch die Bäume. Und wenn Sie den Wasserhahn öffnen, fließt immer noch Wasser. Aber jeder Tropfen kostet ab jetzt Mutter Erde mehr, als sie sich leisten kann. Ein statistisches Rechenspiel mit bitterbösem Ergebnis, mit dem The Global Footprint Network seit einigen Jahren zeigen will, wie groß unser Raubbau an der Natur ist.

Wir verbrauchen mehr, als die Natur hat

Dazu wird die Biokapazität unseres Planeten - die Fähigkeit der Natur, Rohstoffe jeder Art zu produzieren oder wieder herzustellen - mit dem ökologischen Fußabdruck der Menschheit verrechnet: Seit Mitte der 80er-Jahre ist unser jährlicher Verbrauch an natürlichen Ressourcen größer als die Regeneration in der Natur.

Der Aralsee: dem Durst der Menschen geopfert

Beispiel Aralsee: Dem früher riesigen See in Zentralasien wurde für Bewässerungssysteme in der Landwirtschaft so viel Wasser abgezapft, dass er inzwischen weitgehend ausgetrocknet ist – und ganze Landstriche für immer versalzen und verödet sind. Eine "Bad Bank" in der Natur. Dabei bezieht sich der ökologische Fußabdruck nicht allein auf unseren Verbrauch von Wasser, Holz oder anderen Rohstoffen. Mit eingerechnet werden beispielsweise auch Müll und Abgase. Etwa, wieviel Waldfläche es weltweit benötigt, um das von uns in einem Jahr produzierte CO2 abzubauen. Und CO2 macht im ökologischen Fußabdruck den größten Schuldenposten aus.

Gerechnet wird in einer eigenen Einheit: dem globalen Hektar Gha. Er gibt die Fläche an, die nötig wäre, um den jeweiligen Verbrauch zu "finanzieren". Derzeit bräuchten wir pro Person 2,7 Gha, 18 Milliarden Gha weltweit. Zur Verfügung stehen uns aber nur zwei Drittel, nämlich 12 Milliarden globale Hektar. Eingerechnet in dieses Flächenmaß ist die unterschiedliche Fruchtbarkeit der Böden. Denn ein Hektar Wüstensand entspricht nicht einem Hektar Amazonasdschungel.

Immer früher, immer teurer

Der Earth Overshoot Day - immer früher

1987 haben wir unser Ökokonto nur leicht überzogen: Damals war der Earth Overshoot Day "erst" am 19. Dezember. Seither rutscht er im Kalender immer weiter nach vorne. 2011 hatten wir schon am 27. September alles aufgebraucht. 2012 kam ein ganzer Schuldenmonat dazu: Der 22. August war der Tag der Erderschöpfung. 2013 schon der 20. August und 2014 der 19. August. 2015 war es am 13. August, 2016 am 8. August so weit. Und heuer am 2. August. Das wir von 2010 auf 2011 scheinbar ein wenig sparen gelernt haben, ist leider auch nur Statistik:

"Der Grund dafür ist leider nicht, dass wir weniger verbrauchen. Höchstens ein bisschen, wegen der Wirtschaftskrise. Nein, der eigentliche Grund ist, dass wir unsere Berechnungsmethode verändert haben."

Nicole Freeling, Pressesprechering von Global Footprint Network

Wann uns eine Erde nicht mehr reicht

Je früher der Tag erreicht ist, an dem die Erde von uns erschöpft ist, umso größer natürlich die Schuldenlast, die wir anhäufen: Im Jahr 2008 verbrauchte die Menschheit schon vierzig Prozent mehr, als die Natur sich leisten konnte. Unsere heutige Bilanz bräuchte mehr als anderthalb Erden, um ausgeglichen zu bleiben. Wenn wir so weitermachen, müssen wir schleunigst andere bewohnbare Planeten finden:

"Weitermachen wie bisher würde heißen, dass wir im Jahre 2030 schon zwei Erden bräuchten und vielleicht 2050 dann drei Erden."

Jürgen Knirsch, Experte für nachhaltigen Konsum bei Greenpeace

Schuldenland Deutschland

Und nicht, dass Sie denken, wir hier in Deutschland sind ja eh schon so ökologisch fortschrittlich. In Industrienationen ist der ökologische Fußabdruck noch deutlich höher als in ärmeren Ländern. Würde die ganze Welt unseren Ökokonsum übernehmen, könnte der nach den neuesten Zahlen von 2017 nur von mehr als drei Erden befriedigt werden. Innerhalb der Industrienationen halten wir zwar noch einen "guten" Platz 31 hinter den Katar, Kuwait, den Vereinten Arabischen Emiraten, Dänemark, den USA, der Schweiz oder Australien. Aber im globalen Vergleich ist Deutschland weit vorn im Schuldenmachen: Im Jahr 2017 waren wir hierzulande ökologisch gesehen schon am 24. April pleite, über drei Monate früher als der globale Durchschnitt.

Was tun gegen die schlechte Ökobilanz?

Die fünf "F"s

Das können Sie tun, um Ihren eigenen ökologischen Fußabdruck ein wenig zu verkleinern:

  • weniger Fleisch
  • wohnen wie im Fass
  • weniger Fliegen
  • weniger Fahren
  • Forderungen stellen

Fleisch

Der größte Brocken in der schlechten Umweltbilanz des Menschen ist der Tierhaltung geschuldet. Je weniger Fleisch und andere tierische Produkte Sie verzehren, umso besser - für die Natur.

Fass

Ein etwas sperriges Bild, doch der Mathematiker Diogenes hat es in seiner Tonne vorgemacht: Ein etwas bescheidenerer Wohnstil rechnet sich - ökologisch. Denn unser Wohnen drückt kräftig auf die Ökobilanz. Achten Sie auf gute Isolierung, sinnvolles Lüften und behalten Sie Ihre Heiz- und Energiekosten im Auge.

Fliegen

Mit jeder Fernreise per Flugzeug hinterlassen Sie einen gewaltigen Fußabdruck. Der ist zwar nicht unbedingt größer, als wenn Sie alleine mit dem Auto verreisen. Aber ein Urlaub mit der Bahn oder in nähergelegene Ferienorte könnte eine Alternative sein.

Fahren

Bilden Sie Fahrgemeinschaften, nutzen Sie öffentliche Verkehrsmittel oder radeln Sie mehr.

Forderungen

Dieses "F" hat Greenpeace der Liste hinzugefügt: Stellen Sie Forderungen an den Staat! Denn der ist nicht nur Vorbild auch in Sachen Ökologie, er hat auch die Pflicht und Möglichkeit, den Rahmen zur Verfügung zu stellen, in dem nachhaltiger Konsum für Sie möglich wird.

  • "Earth Overshoot Day - Wenn uns die Rohstoffe ausgehen": Aus Wissenschaft und Technik, B5 aktuell am Sonntag, 6.08.2017, 13:35 Uhr

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