Wissen


8

Astronomie Staubwolke lässt Tabbys Stern flackern

Mal hell, mal dunkel: Die Helligkeit eines Sterns im Sternbild Schwan schwankt ungewöhnlich stark. Astronomen rätseln, was die Ursache dieses Phänomens sein könnte. Nun sind sie der Erklärung einen Schritt näher gekommen.

Stand: 03.01.2018

Tabbys Stern (Illustration)
| Bild: NASA/JPL-Caltech, dpa - Bildfunk

Der "seltsamste Stern der Milchstraße" ist wohl doch nicht die Heimat einer fortgeschrittenen außerirdischen Zivilisation. Stattdessen ist vermutlich Staub für dessen rätselhaftes Flackern verantwortlich, berichtet ein Forscherteam um Tabetha Boyajian von der Louisiana State University in Baton Rouge (USA) im Fachblatt "The Astrophysical Journal Letters".

Flackern um ein Viertel

Tabetha Boyajian ist auch die Entdeckerin des Sterns im Sternbild Schwan mit der Katalognummer KIC 8462852, der nach ihr auch "Tabbys Stern" genannt wird. Er ist rund 1.480 Lichtjahre von der Erde entfernt. Seine Helligkeit schwankt in unregelmäßigen Abständen um bis zu 22 Prozent. Das ist extrem ungewöhnlich für einen Stern dieses Typs. Tabbys Stern ist knapp 50 Prozent größer und massereicher als unsere Sonne und sollte nach den etablierten Sternmodellen weitgehend gleichmäßig leuchten.

Planeten oder Staub

Astronomen haben zahlreiche Erklärungsansätze für das unerwartete Verhalten des Sterns vorgeschlagen: So könnte er Planeten besitzen, die gelegentlich vor dem Stern vorbeiziehen und ihn dabei teilweise abdecken. Allerdings verdunkeln selbst Riesenplaneten wie der Jupiter in unserem System ihre Sterne typischerweise nur um etwa zwei Prozent. Eine andere Möglichkeit sind große Mengen Kometentrümmer oder eine große, unregelmäßige Scheibe aus Staub, die den Stern umgeben könnte. Solcher Staub sollte sich allerdings erwärmen und so über zusätzliche Infrarotstrahlung bemerkbar machen. Eine solche Strahlung konnte bislang nicht beobachtet werden, sie ist aber auch schwer messbar.

Energie für Außerirdische?

Der Physiker Freeman Dyson hält es für möglich, dass Außerirdische für das Flackern von Tabbys Stern verantwortlich sind.

Der spektakulärste Erklärungsversuch lautet, dass eine technologisch fortgeschrittene Zivilisation um den Stern eine sogenannte Dyson-Sphäre gebaut hat, um ihren Energiebedarf zu decken. Der Physiker Freeman Dyson hatte in den 1960er-Jahren spekuliert, solche Zivilisationen könnten eine gigantische gitterartige Schale um ihren jeweiligen Stern konstruieren, um damit Strahlungsenergie zu ernten. Konkrete Hinweise auf eine außerirdische Zivilisation gibt es bei Tabbys Stern allerdings nicht.

Spenden für den Blick ins All

Das Rätsel um Tabbys Stern ist für viele so spannend, dass rund 1.700 Unterstützer mehr als 100.000 US-Dollar (etwa 83.000 Euro) gespendet haben, um weitere Beobachtungen zu ermöglichen. Die jüngsten Analysen des Teams um Boyajian schließen eine künstliche "Megastruktur" wie eine Dyson-Sphäre nun nahezu aus. Stattdessen deuten die Daten auf extrem feinen Staub mit typischer Korngröße von deutlich weniger als einem tausendstel Millimeter hin. Solcher Staub schluckt Licht verschiedener Farben unterschiedlich stark.

"Staub ist höchstwahrscheinlich der Grund, warum das Licht des Sterns heller und dunkler wird. Die neuen Daten zeigen, dass verschiedene Lichtfarben mit unterschiedlicher Intensität blockiert werden. Was immer zwischen uns und dem Stern vorbeizieht, ist daher nicht undurchsichtig, wie man es von einem Planeten oder einer außerirdischen Megastruktur erwarten würde."

Tabetha Boyajian, Louisiana State University, Baton Rouge

Ob der vermutete Staub in Form einer Scheibe oder anders angeordnet ist, wissen die Forscher nicht. Das Rätsel sei insgesamt noch nicht gelöst.


8