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Schwarmstrom Das Miniheizkraftwerk im Keller

In großen Kraftwerken entsteht viel Wärme, die meist ungenutzt verpufft. Mit Kraft-Wärme-Kopplung könnte man aber daraus Strom erzeugen und Häuser heizen. Auch als Mini-Kraftwerk im eigenen Keller.

Stand: 01.03.2016

Techniker stellt Kraftwerk ein | Bild: picture-alliance/dpa

Heizen und gleichzeitig Strom ins Netz einspeisen, das ist die Idealvorstellung eines kleinen Blockheizkraftwerks im eigenen Keller. Der Vorteil: Die Energie wird dezentral erzeugt, es braucht keine Überlandleitungen, die von Nord nach Süd reichen, um Mehrfamilien- und Doppelhäuser mit Strom und Wärme zu versorgen.

Wie funktioniert ein Mini-Blockheizkraftwerk?

Prinzip

Ein Mini-Blockheizkraftwerk (Mini-BHKW) ist ein speziell für den privaten Einsatz entwickeltes Kraftwerk, welches nach dem technischen Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung funktioniert. Die Anlage dient zur Gewinnung elektrischer Energie und Wärme.

Strom

Dabei wird ein Generator über einen Verbrennungsmotor wie zum Beispiel einen Diesel- oder Gasmotor angetrieben und erzeugt damit Strom. Dieser wird als Haushaltsstrom verwendet. Überschüssiger Strom wird in das öffentliche Netz eingespeist.

Wärme

Die ebenfalls entstehende Wärme kann über einen Wärmetauscher direkt im eigenen Haushalt genutzt werden. Die Abwärme erwärmt Wasser und wird, ganz klassisch, in einem isolierten Tank gespeichert - für Warmwasser und Heizung.

Wirtschaftlichkeit

Ein Mini-BHKW ist sehr effizient und hat einen Wirkungsgrad von 80 bis über 90 Prozent, bei geringer CO2-Entstehung. Die Minikraftwerke erzeugen etwa 30 Prozent Strom und 60 Prozent Wärme aus der eingesetzten Primärenergie, wie Erd- oder Flüssiggas, Heizöl, Rapsöl oder Bioethanol. Ein Kernkraftwerk kommt gerade einmal auf einen Wirkungsgrad von 35 bis 40 Prozent.

Kosten

Sieben Cent kostet die Kilowattstunde Strom aus dem eigenen Kleinkraftwerk, rund 22 Cent kostet sie beim herkömmlichen Versorger. Allerdings sind die Kosten der Anschaffung um einige Tausend Euro höher als für eine klassische Heizungsanlage. Die Amortisationszeit richtet sich nach der Größe des Hauses und dem Wärmebedarf.

Nutzung

Das klassische Einfamilienhaus ist in der Regel zu klein für ein eigenes Kraftwerk. Mehrfamilienhäuser und Doppelhäuser sind für ein Blockheizkraftwerk besser geeignet. Und überall dort, wo regelmäßig viel Wärme gebraucht wird, auch im Sommer, spielt es seine Vorteile aus, zum Beispiel in Schwimmbädern oder Hotels.

Schwarmstrom

Durch die computergesteuerte Zusammenschaltung Tausender Mini-BHKW zu einem virtuellen Großkraftwerk könnte bei schnellen Reaktionszeiten das öffentliche Stromnetz stabilisiert werden. Dies würde nach Meinung von Experten Kernkraftwerke überflüssig machen.

Ergänzung, nicht Ersatz

Anzeige eines Minikraftwerks

Damit die Mini-Blockheizkraftwerke rentabel arbeiten können, müssen sie allerdings mindestens in einem Doppel- oder Mehrfamilienhaus stehen. Außerdem schwankt ihre Effektivität: Im Sommer, wenn kaum Heizwärme gebraucht wird, produziert das Kraftwerk im Keller im Normalfall so gut wie keinen Strom. Wenn es hingegen trotzdem einmal eifrig arbeitet, weil der Stromabnehmer hohen Bedarf hat, verpufft die dabei entstehende Wärmeenergie ungenutzt. Doch nach Vorstellung der Betreiber sollen die Kraftwerke nicht alle bisherigen Kraftwerke ersetzen, sondern ein Baustein in einem neuen Stromversorgungskonzept sein.

Blockheizkraftwerk

Kein durchschlagender Erfolg

Durchgesetzt haben sich die Mini-Blockheizkraftwerke bislang nicht. Die Hamburger Firma "Lichtblick" beispielsweise wollte gemeinsam mit dem Autohersteller Volkswagen seit 2009 ein Schwarmstrommodell in den Markt einführen. 100.000 "Zuhausekraftwerke" sollen zusammen eine Leistung von 2.000 Megawatt erreichen. Das entspräche etwa der Leistung von zwei Kernkraftwerken. Gemeinsam sollten sie eines Tages die Schwankungen bei Wind- und Sonnenenergie ausgleichen.

Doch auf Grund des Preiseinbruchs auf dem Strommarkt, insbesondere durch billigen Strom aus Fotovoltaik-Anlagen, scheiterte das Projekt. Bis heute sind nur rund 1.500 der "Zuhausekraftwerke" installiert worden. Insgesamt wurden deutschlandweit nur zwischen 2009 und 2013 knapp 30.000 Blockheizkraftwerke unterschiedlicher Hersteller errichtet, schreibt das BHKW-Portal auf seiner Homepage.

Kraft-Wärme-Kopplung wird wieder von der KfW gefördert

Bremer Hausbesitzerin stellt ihr Kraftwerk im Keller ein.

Beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) können Anträge für die Förderung von Mini-KWK-Anlagen bis 20 kW eingereicht werden. Neue Mini-Blockheizkraftwerke bis 20 kW in Bestandsbauten können nach dem Programm einen einmaligen Investitionszuschuss erhalten, der nach der elektrischen Leistung der Anlagen gestaffelt ist. So erhalten zum Beispiel sehr kleine, für Ein- und Zweifamilienhäuser besonders geeignete und effektive Anlagen mit einer Leistung von 1 kW bis zu 3.5150 Euro. Welche Fördervoraussetzungen erfüllt sein müssen, steht auf der Seite des BAFA.


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