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Schwarmstrom Das Miniheizkraftwerk im Keller

In großen Kraftwerken entsteht viel Wärme, die meist ungenutzt verpufft. Ein Hamburger Ökostromanbieter möchte mit Kraft-Wärme-Kopplung Strom erzeugen und Häuser heizen. 100.000 Keller will er mit seinen Minikraftwerken ausstatten.

Stand: 04.04.2012

Techniker stellt Kraftwerk ein | Bild: picture-alliance/dpa

Schwarmstrom heißt das Konzept des Ökostromanbieters "Lichtblick" aus Hamburg. Seine Mini-Blockheizkraftwerke sollen wie ein Schwarm zusammenarbeiten und gemeinsam in einem virtuellen Großkraftwerk Strom erzeugen. Dieses Projekt soll das größte Manko vieler erneuerbaren Energien lösen: Sie sind nicht immer verfügbar, wenn man sie braucht.

Ersatz für zwei Atomkraftwerke

Wenn die Sonne nicht scheint, fließt auch kein Strom.

Die vom Ökostromanbieter Lichtblick angepeilten 100.000 "Zuhausekraftwerke" sollen zusammen eine Leistung von 2.000 Megawatt erreichen. Das entspräche etwa der Leistung von zwei Kernkraftwerken. Gemeinsam sollen sie eines Tages die Schwankungen bei Wind- und Sonnenenergie ausgleichen.

Kraft-Wärme-Kopplung wird wieder von der KfW gefördert

Bremer Hausbesitzerin stellt ihr Kraftwerk im Keller ein.

Seit 1. April 2012 können beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) Anträge für die Förderung von Mini-KWK-Anlagen bis 20 kW eingereicht werden. Neue Mini-Blockheizkraftwerke bis 20 kW in Bestandsbauten können nach dem Programm einen einmaligen Investitionszuschuss erhalten, der nach der elektrischen Leistung der Anlagen gestaffelt ist. So erhalten zum Beispiel sehr kleine, für Ein- und Zweifamilienhäuser besonders geeignete Anlagen mit einer Leistung von 1 kW 1.500 Euro, große Anlagen mit 19 kW hingegen 3.450 Euro. Welche Fördervoraussetzungen erfüllt sein müssen, steht auf der Seite des BAFA.

Wie funktioniert ein Mini-Blockheizkraftwerk?

Prinzip

Ein Mini-Blockheizkraftwerk (Mini-BHKW) ist ein speziell für den privaten Einsatz entwickeltes Kraftwerk, welches nach dem technischen Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung funktioniert. Die Anlage dient zur Gewinnung elektrischer Energie und Wärme.

Strom

Dabei wird ein Generator über einen Verbrennungsmotor wie zum Beispiel einen Diesel- oder Gasmotor angetrieben und erzeugt damit Strom. Dieser wird als Haushaltsstrom verwendet. Überschüssiger Strom wird in das öffentliche Netz eingespeist.

Wärme

Die ebenfalls entstehende Wärme kann über einen Wärmetauscher direkt im eigenen Haushalt genutzt werden. Die Abwärme erwärmt Wasser und wird, ganz klassisch, in einem isolierten Tank gespeichert - für Warmwasser und Heizung.

Wirtschaftlichkeit

Ein Mini-BHKW ist sehr effizient und hat einen Wirkungsgrad von 80 bis über 90 Prozent, bei geringer CO2-Entstehung. Die Minikraftwerke erzeugen etwa 30 Prozent Strom und 60 Prozent Wärme aus der eingesetzten Primärenergie, wie Erd- oder Flüssiggas, Heizöl, Rapsöl oder Bioethanol. Ein Kernkraftwerk kommt gerade einmal auf einen Wirkungsgrad von 35 bis 40 Prozent.

Kosten

Sieben Cent kostet die Kilowattstunde Strom aus dem eigenen Kleinkraftwerk, rund 22 Cent kostet sie beim herkömmlichen Versorger. Allerdings sind die Kosten der Anschaffung um einige Tausend Euro höher als für eine klassische Heizungsanlage. Die Amortisationszeit richtet sich nach der Größe des Hauses und dem Wärmebedarf.

Nutzung

Das klassische Einfamilienhaus ist in der Regel zu klein für ein eigenes Kraftwerk. Mehrfamilienhäuser und Doppelhäuser sind für ein Blockheizkraftwerk besser geeignet. Und überall dort, wo regelmäßig viel Wärme gebraucht wird, auch im Sommer, spielt es seine Vorteile aus, zum Beispiel in Schwimmbädern oder Hotels.

Schwarmstrom

Durch die computergesteuerte Zusammenschaltung Tausender Mini-BHKW zu einem virtuellen Großkraftwerk könnte bei schnellen Reaktionszeiten das öffentliche Stromnetz stabilisiert werden. Dies würde nach Meinung von Experten Kernkraftwerke überflüssig machen.

Blockheizkraftwerk

Ergänzung, nicht Ersatz

Anzeige eines Minikraftwerks

Damit die Mini-Blockheizkraftwerke rentabel arbeiten können, müssen sie allerdings mindestens in einem Doppel- oder Mehrfamilienhaus stehen. Außerdem schwankt ihre Effektivität: Im Sommer, wenn kaum Heizwärme gebraucht wird, produziert das Kraftwerk im Keller im Normalfall so gut wie keinen Strom. Wenn es hingegen trotzdem einmal eifrig arbeitet, weil der Stromabnehmer hohen Bedarf hat, verpufft die dabei entstehende Wärmeenergie ungenutzt. Doch nach Vorstellung der Betreiber sollen die Schwarmstrom-Kraftwerke nicht alle bisherigen Kraftwerke ersetzen, sondern ein Baustein in einem neuen Stromversorgungskonzept sein.

Lichtblick hat das Schwarmstrom-Modell bereits in den Markt eingeführt. Die ersten 420 kleinen Kraftwerke laufen in Norddeutschland, Berlin und Nordrhein-Westfalen. Weitere sollen folgen.


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