Wissen


226

Planeten im Juli Venus, Jupiter & Co.

Ob Abendstern Venus, Riese Jupiter oder Ringplanet Saturn: Im Juli können Sie einige Planeten erblicken, von abends bis morgens. Hier finden Sie Sternkarten und alle Infos, wann und wo welcher Planet sichtbar ist.

Stand: 01.07.2015

Collage der Planeten des Sonnensystems vor dem Sternenhimmel | Bild: colourbox.com, NASA

Am Firmament funkeln ein paar besondere Lichter: die Planeten, unsere Nachbarn im Sonnensystem. Die meisten von ihnen strahlen weitaus heller als Sterne, weil die Planeten uns viel näher sind. Oft erscheinen sie als erste Lichter abends in der Dämmerung und sind morgens als letzte noch zu sehen.

Die Planeten im Juli

Nach Sonnenuntergang tauchen im Westen mit Venus und Jupiter die ersten Planeten auf, sind aber nur noch kurz zu sehen. Sobald es dunkel ist, strahlt Saturn im schönen Skorpion. Spezialisten können frühmorgens die fernen Gasriesen Uranus und Neptun finden. Und auch den Zwerg Pluto können Sie entdecken. Wenn Sie wissen, wann und wo.

Venus und Jupiter am frühen Abend

Seit Weihnachten hat sie uns als Abendstern begleitet, jetzt nimmt sie ihren Abschied: die Venus. Und hat zugleich ihre beste Zeit. Etwa eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang taucht unsere helle Nachbarin im Westen auf, ganz dicht über dem Horizont. Und strahlt so hell, dass sie auch in der Dämmerung schon gut auszumachen ist. Denn mit einer scheinbaren Helligkeit von bis zu -4,7 mag ist sie heller als alle Objekte am Nachthimmel, vom Mond einmal abgesehen. Der Riese Jupiter neben ihr ist mit -1,8 mag fast drei Größenklassen dunkler und etwas schlechter auszumachen.

Auffälliges Planeten-Paar

Abnehmende Sichel der Venus

Am 1. Juli stehen die beiden Planeten als auffälliges Paar ganz dicht beieinander: Die Venus ist nur ein halbes Grad unter Jupiter. Nicht einmal der Vollmond würde dazwischen passen. Doch die eilige Venus rast ostwärts und lässt Jupiter rechts liegen. Dabei nähert sie sich auf ihrer Bahn um die Sonne der Erde. Ihr Scheibchen wird daher immer größer: Es wächst im Juli von gut dreißig Bogensekunden im scheinbaren Durchmesser auf mehr als fünfzig Bogensekunden. Zugleich wird die Venus aber auch immer schmaler. Mit einem guten Fernglas können Sie beobachten, wie ihre Sichel immer weiter schrumpft.

Venus und Jupiter am Abend

Mondsichel bei den Abendsternen

Am Abend des 18. Juli sollten Sie den Anblick von Venus und Jupiter keinesfalls verpassen: Die Mondsichel gesellt sich zu dem Duo, als hauchzarter Strich wenige Fingerbreit unter den beiden Planeten.

Abschied von Venus und Jupiter

Die Beobachtung von Venus und Jupiter wird immer schwieriger. Die Venus rettet ihre eilige Bewegung linkswärts noch eine Zeit lang vor dem Sonnenlicht. Aber am 23. Juli kehrt sie am Firmament scheinbar um: Aufgrund ihrer Runde um die Sonne schlägt die Venus jetzt auch am Abendhimmel einen Haken und beginnt, der Sonne entgegen zu wandern. Dadurch werden die Sichtbedingungen allabendlich schlechter. Jupiter geht es längst genauso, er ist ja weitaus weniger hell als die Venus und gar nicht erst vor dem Sonnenlicht geflohen. In den letzten Julitagen können Sie die beiden Planeten bestenfalls noch mit einem Fernglas in der Dämmerung entdecken. Im August wandert die Venus zwischen uns und der Sonne hindurch, Jupiter sucht seinen Weg hinter der Sonne vorbei. Später tauchen beide am Morgenhimmel wieder auf.

Ringplanet Saturn im Südwesten

Saturn im Südwesten

Sobald der Himmel nach zehn Uhr dunkler wird, taucht im Süden, Ende Juli im Südwesten, Saturn als nächster Planet auf. Er steht nur etwa zwei Handbreit über dem Horizont, hat sich aber ein hübsches Plätzchen am Firmament gewählt: Links von Saturn reckt jetzt in den Sommernächten der schöne Skorpion seinen Kopf über den Horizont.

Pi mal Daumen: Maßnehmen am Firmament

Zwei bis drei Fingerbreit links von Saturn schimmert Akrab: Er ist der oberste Stern der Scheren des Skorpions, die sich in einem auffälligen Bogen zum Horizont ziehen. Links darunter strahlt das Skorpionherz Antares, der hellste Stern im Sternbild. Saturn ist mit einer scheinbaren Helligkeit von 0,3 bis 0,4 mag jedoch etwas heller als alle Sterne ringsherum. Seine Scheibe ist mit etwa 18 Bogensekunden scheinbaren Durchmessers beachtlich groß.

Auch die Zeit für Saturn geht langsam ihrem Ende entgegen: Anfang Juli ist der Planet noch bis nach zwei Uhr nachts zu sehen, am Monatsende versinkt er schon bald nach Mitternacht im Dunst des Horizonts und geht um ein Uhr unter. Er wird uns noch einige Monate am Abendhimmel erhalten bleiben, ist aber immer schlechter zu sehen. Am 25. und 26. Juli kommt der Mond zu Besuch und steht mit zunehmender Scheibe am ersten Abend etwa vier Fingerbreit rechts von Saturn, am Abend darauf drei Fingerbreit links von dem Planeten.

Saturns Ringe sehen

Das, was Saturn richtig sehenswert macht, bleibt dem bloßen Auge verborgen. In sehr guten Ferngläsern oder kleinen Teleskopen zeigt der Planet sein eindrucksvolles Ringsystem, das im Juli um 24 Grad zu uns geneigt ist und damit gut zu sehen ist. Ab 15-facher Vergrößerung wird Saturn plötzlich länglich, dann "wachsen" ihm Henkel rechts und links. So sah ihn im 17. Jahrhundert der Astronom Galileo Galilei. Schon bei 22-facher Vergrößerung können Sie das Ringsystem klar vom Planeten unterscheiden. Mit 200-facher Vergrößerung kommen Sie aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Saturns Ringe kippen hin und her

Sehenswerte Ringe

Ringplanet Saturn, aufgenommen vom Weltraumteleskop Hubble | Bild: NASA

Es lohnt sich, Saturn durchs Teleskop zu betrachten, denn seine gewaltigen Ringe bieten einen immer wechselnden Anblick: Mal können wir auf die Ringebene blicken, mal sehen wir nur ihre Kante wie einen Strich vor dem Planeten.

Saturn kippt

Jahreszeitenwechsel beim Ringplanet Saturn, aufgenommen vom Weltraumteleskop Hubble | Bild: NASA

Der Grund dafür: Die Ebene von Saturns Ringen ist geneigt zur Ekliptik, der Ebene der Planeten. In den knapp dreißig Jahren, in denen er einmal um die Sonne reist, neigt er uns daher mal seine Südhalbkugel zu, mal die Nordhalbkugel. Und dazwischen, ganz selten, auch mal die Kante der Ringe ...

Auf die Kante

Blick auf die Kante der Ringe Saturns, aufgenommen vom Weltraumteleskop Hubble | Bild: NASA

Alle 15 Jahre gibt es einen Moment, an dem die Erde sich genau auf der gleichen Ebene wie Saturns Ringe befindet - die Kantenstellung, die die Ringe fast verschwinden lässt. Dieser Moment trat zuletzt im September 2009 ein. Seither öffnen sich die Ringe für uns langsam wieder.

Ab in den Norden

Ringplanet Saturn | Bild: NASA

Wir blicken immer mehr auf die Nordhalbkugel des Planeten. Im Jahr 2017 wird Saturns Norden maximal zu uns "gekippt" sein, dann erscheinen die Ringe am breitesten. Danach neigt sich Saturn allmählich wieder zurück, bis wir 2025 wieder auf die Kante der Ringebene blicken.

Kurz zurück

Jedes Jahr gibt es einige Monate, in denen Saturn um ein paar Grad "zurückkippt": Während der Oppositionsschleife ist auch die scheinbare Bewegung der Ringebene rückläufig, die nur aus der Stellung der Erde zu Saturn entsteht.
Saturns momentane Kippbewegung, mit der er uns immer mehr seine Nordhalbkugel zuwendet, ist seit dem 14. März 2015 unterbrochen: Seither durchläuft der Planet seine Oppositionsschleife und kippt ganz leicht zurück, die Ringebene schließt sich wieder ein kleines bisschen. Ab Oktober kippt er dann wieder andersherum, die Ringe öffnen sich immer weiter.

Ferner Zwerg Pluto ganz nah

Für Spezialisten mit einem größeren Teleskop gibt es im Juli ein besonderes Highlight: Pluto. Am 14. Juli kommt die Menschheit dem Zwergplaneten weit draußen im Sonnensystem erstmals nahe. Die Sonde New Horizons erreicht ihn nach einem Jahrzehnt Anreise und fliegt nahe an Pluto vorbei. Zum ersten Male werden wir detailgenaue Fotos von Pluto sehen, der kleiner als unser Mond ist.

Pluto ist fürs bloße Auge so wenig zu sehen wie eine Erbse in gut 10 Kilometern Entfernung: Er ist so klein und weit entfernt, dass sein scheinbarer Durchmesser am Firmament nur 0,13 Bogensekunden groß ist - nicht einmal ein Hunderstel von Saturns scheinbarem Durchmesser. Pluto ist aber auch 3,5-mal weiter von uns entfernt als Saturn: Fast 4,8 Milliarden Kilometer trennen die Erde von dem Zwerg. Viereinhalb Stunden braucht das Licht von Pluto bis zu uns.

Dabei ist uns Pluto jetzt im Juli so nah wie das ganze Jahr nicht: Am 6. Juli steht er in Opposition, aus Sicht der Erde genau der Sonne gegenüber. Das ist die beste Zeit zur Beobachtung, denn Pluto erreicht mitten in der Nacht, wenn es am dunkelsten ist, auch seine höchste Position am Sternenhimmel.

Pluto im Schützen

Die ist allerdings nur zwei Handbreit vom Horizont entfernt, denn Pluto befindet sich gerade im tief liegenden Sternbild Schütze, das bei uns in Bayern am Horizont entlangzieht. Immerhin ist Pluto in den kurzen Sommernächten zwei bis drei Stunden lang gut zu beobachten: Anfang Juli etwa ab Mitternacht, wenn es endlich dunkel genug ist, bis morgens um zwei Uhr die erste Dämmerung einsetzt. Ende Juli ist es schon ab elf Uhr abends richtig finster, dann hat Pluto fast seine höchste Position im Süden erreicht. Nach halb drei Uhr morgens versinkt er zum Monatsende im Dunst des Horizonts.

Um Pluto zu sehen, brauchen Sie ein Teleskop mit Spiegeldurchmesser von mindestens 25 Zentimetern. Selbst bei hoher Vergrößerung bleibt der Zwergplanet aber immer nur ein Pünktchen und wird nie als Scheibe sichtbar wie die anderen Planeten. Unsere Empfehlung: Besuchen Sie eine der vielen Volkssternwarten in Bayern! Deren Teleskope können Pluto leicht erfassen. In den ersten und letzten Nächten des Monats wird allerdings der helle Mond in Plutos Nähe die Suche völlig vereiteln.

Ferne Gasriesen Uranus und Neptun

Uranus und Neptun

Wenn Sie schon mit einem Teleskop unterwegs oder in einer Sternwarte zu Besuch sind, dann können Sie im Juli noch zwei weitere Planeten entdecken: Als erster erscheint Neptun. Anfang Juli geht der große Gasplanet um Mitternacht auf und ist etwa eine Stunde später hoch genug über dem Dunst des Horizonts, um ihn im Sternbild Wassermann zu sichten. Nur eine Stunde bleibt Ihnen dafür, denn ab zwei Uhr setzt die Morgendämmerung ein. Ende Juli können Sie jedoch schon zwei Stunden früher nach dem Planeten Ausschau halten und haben bis halb vier Uhr morgens Zeit. Allerdings ist Neptun so weit von der Erde entfernt, dass er nie ohne Hilfsmittel zu sehen ist. Sein Scheibchen misst nur gute zwei Bogensekunden im scheinbaren Durchmesser und ist mit einer scheinbaren Helligkeit von nur 7,8 mag fürs bloße Auge nicht sichtbar.

Neptun und Uranus im Juli

Neptuns Nachbar Uranus ist dagegen mit seiner scheinbaren Helligkeit von 5,8 mag unter besten Bedingungen gerade noch mit bloßem Auge zu sehen. Doch er geht noch später als Neptun auf: Anfang Juli steigt Uranus erst gegen halb drei Uhr über den Horizont-Dunst, wenn bereits die erste Morgendämmerung einsetzt. Doch zum Monatsende werden die Bedingungen besser: Uranus ist ab etwa halb ein Uhr nachts zu sehen. Da bleiben noch drei Stunden bis zum Beginn der Dämmerung.

In den Nächten vom 3. bis 7. Juli zieht der Mond zu dicht an Neptun vorbei, danach überstrahlt sein Licht bis zum 10. Juli den blassen Uranus.

Im Sonnenlicht verborgen

Zwei Planeten bleiben uns im Juli verborgen: Unser äußerer Nachbar Mars ist gerade erst hinter der Sonne vorbei gezogen und geht zwar vor ihr auf, steht aber noch viel zu tief. Auch der innerste Planet Merkur ist Anfang Juli am Morgenhimmel vertreten, steht aber ebenfalls so tief am dämmrig hellen Horizont, dass Sie ihn nicht entdecken werden.


226