Wissen


201

Planeten im Mai Venus, Jupiter & Co.

Ob Abendstern Venus, seltener Merkur, Riese Jupiter oder Ringplanet Saturn: Im Mai können Sie etliche Planeten erblicken, von abends bis morgens. Hier finden Sie Sternkarten und alle Infos, wann und wo welcher Planet sichtbar ist.

Stand: 30.04.2015

Collage der Planeten des Sonnensystems vor dem Sternenhimmel | Bild: colourbox.com, NASA

Am Firmament funkeln ein paar besondere Lichter: die Planeten, unsere Nachbarn im Sonnensystem. Die meisten von ihnen strahlen weitaus heller als Sterne, weil die Planeten uns viel näher sind. Oft erscheinen sie als erste Lichter abends in der Dämmerung und sind morgens als letzte noch zu sehen.

Die Planeten im Mai

Am frühen Abend im Mai können Sie gleich drei Planeten sehen: Unter der hellen Venus taucht der seltene Merkur kurze Zeit auf, über ihr strahlt der große Jupiter. Die Nacht gehört dann dem Ringplaneten Saturn.

Seltener Merkur kurz zu sehen

Gleich zu Monatsbeginn können Sie eine Planeten-Rarität entdecken - früh an den ersten Abenden im Mai. Etwa eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang taucht tief im Westen der kleine Merkur auf. Der innerste Planet unseres Sonnensystems kreist so dicht um die Sonne, dass er nur selten einmal lange genug vor oder nach der Sonne am Firmament zu sehen ist. Doch am 7. Mai hat Merkur seine sogenannte größte östliche Elongation: Er ist aus dem Blickwinkel der Erde mehr als zwanzig Grad links der Sonne und geht daher lange genug nach ihr unter, dass er noch für einen Moment in der Abenddämmerung auftaucht.

Pi mal Daumen: Maßnehmen am Firmament

Etwa ab neun Uhr abends könnte er sich im Dämmerlicht bemerkbar machen - als kleiner, heller Punkt anderthalb Handbreit über dem Horizont. Rund eine Stunde lang ist Merkur zu sehen, sinkt dabei aber schnell dem Horizont entgegen. Sie brauchen eine gute Sicht zum Horizont und einen klaren Himmel, um den Planeten zu entdecken.

Nur ein kurzer Moment für Merkur

Abendsterne Merkur und Venus

Um halb elf Uhr geht Merkur unter - am 1. Mai einige Minuten früher, dann täglich ein, zwei Minuten später. Am besten sind die Bedingungen vom 7. bis 9. Mai, dann versinkt er erst um 22.40 Uhr. Zugleich verliert Merkur jedoch schnell an Strahlkraft: Zu Monatsbeginn leuchtet er noch mit einer scheinbaren Helligkeit von -0,4 mag. In den folgenden zwei Wochen verliert er eine ganze Größenklasse und erreicht am 13. Mai nur noch +1,3 mag scheinbarer Helligkeit. Danach wird er nicht mehr zu finden sein. Denn Merkur rast um die Sonne und nähert sich ihr aus unserer Sicht: Schon am 30. Mai steht er genau zwischen uns und der Sonne in seiner unteren Konjunktion.

Venus, strahlender Abendstern

Was die Venus so hell macht

Zwei gute Handbreit über Merkur steht die Venus. Den hellen Abendstern können Sie gar nicht übersehen, falls Sie halbwegs freie Sicht nach Westen haben - selbst wenn Sie an einem lauen Maiabend vor Ihrer Lieblingskneipe in der Stadt sitzen. Sogar in der frühen Abenddämmerung macht sich die Venus deutlich bemerkbar. Denn mit einer scheinbaren Helligkeit von -4,3 mag ist sie nach dem Mond das hellste Objekt am Nachthimmel. Warum unsere innere Nachbarin so hell ist, verrät Ihnen ein Klick auf dieses Bild.

Venus jetzt in bester Position

Riesige Venus

Das Scheibchen der Venus ist mit einem scheinbaren Durchmesser von rund zwanzig Bogensekunden riesig. Und lohnt den Blick durch ein Fernglas: Denn wie der Mond nimmt auch die Venus mal ab, mal zu. Bis Ende Mai schrumpft sie fast zur Halb-Venus.

Ihre beste Zeit als Abendstern wird die Venus im Juli erreichen, dann wird sie noch heller und größer sein. Doch die beste Position am Himmel hat sie im Mai: Ihr Abstand zur Sonne ist jetzt schon fast maximal, und auf ihrer Bahn übers Firmament hat die Venus den nördlichsten Punkt erreicht. Erst gegen halb ein Uhr nachts geht sie dadurch unter - so lange wird sie später nicht mehr aufbleiben. Das heißt auch: Nur jetzt können Sie die Venus auch am stockfinstren Himmel noch beobachten, nach dem Ende der letzten Dämmerung.

Schnell unterwegs

Venus und Jupiter

Als innerer Planet ist die Venus rasend schnell unterwegs. Sie flitzt durch die Sternbilder: Anfang Mai finden Sie sie noch zwischen den Hörnerspitzen des Stiers. Von hier zieht sie quer durchs Sternbild Zwillinge, bis sie Ende Mai dicht unter dessen hellsten Sternen Kastor und Pollux steht und mit den beiden eine auffällige, leicht gebogene Reihe bildet. Am 20. und 21. Mai gibt es ein zartes Wettleuchten, wenn die junge Mondsichel unter der Venus hindurchzieht: Am 20. Mai steht der Mond anderthalb Handbreit rechts unter der Venus, am Abend darauf eine knappe Handbreit links unter ihr. Und am 22. Mai steht der Erdtrabant genau zwischen Venus und dem nächsten großen Planeten:

Der Riese Jupiter

Nicht weit von der Venus entfernt erstrahlt im Mai noch ein helles Licht: Jupiter. Auch er überstrahlt alle Sterne bei Weitem, ist aber mit einer scheinbaren Helligkeit von -2,1 mag zwei Größenklassen schwächer als die Venus. Seine Scheibe ist im scheinbaren Durchmesser allerdings etwa doppelt so groß wie die der Venus. In Wirklichkeit hat der größte Planet unseres Sonnensystems einen zwölfmal so großen Durchmesser wie die etwa erdgroße Venus. Doch Jupiter ist gerade mehr als 800 Millionen Kilometer von uns entfernt, unsere Nachbarin dagegen nicht mal ein Sechstel dieser Strecke.

Heller Jupiter mit seinen Monden

Jupiter leuchtet mit seinem ruhigen, weißen Licht im unscheinbaren Sternbild Krebs bis in die frühen Morgenstunden. Erst nach drei Uhr morgens geht er unter, Ende Mai schon zwei Stunden früher. Die Venus nähert sich ihm im Verlauf des Monats deutlich an: Ende Mai ist sie nur noch gut zwei Handbreit von dem Giganten entfernt. Ende Juni wird sie Jupiter eingeholt haben und dicht an ihm vorüber ziehen. Am 23. Mai steht die Mondsichel vier Fingerbreit entfernt rechts unter Jupiter, am 24. Mai eine Handbreit links unter ihm. Eine Auffindkarte für Jupiter mit den Mond-Positionen finden Sie etwas weiter oben bei der Venus.

Ringplanet Saturn im Südosten

Saturn im Südosten

Während Jupiter gegen Mitternacht im Westen dem Horizont entgegen sinkt, klettert im Südosten schon der nächste Strahlemann empor: Nach elf Uhr, Ende Mai schon früher, macht sich Saturn tief am Horizont bemerkbar. Er ist lange nicht so auffällig wie Jupiter oder gar die Venus und bleibt auch die ganze Nacht lang tief am Horizont, dennoch ist Saturn das auffälligste Gestirn der Mainacht: Er steht im hübschen Sommer-Sternbild Skorpion, keinen Fingerbreit von dessen Stern Akrab entfernt, der mit drei anderen Sternen den markanten Bogen der Skorpion-Scheren bildet. Antares, der hellste Skorpion-Stern, steht eine Handbreit links unter Saturn. Erst gegen drei Uhr, Ende Mai schon zwei Stunden eher, erreicht Saturn mit dem Skorpion den höchsten Punkt genau im Süden. Selbst dann ist der Planet nur gut zwei Handbreit vom Horizont entfernt.

Beste Zeit für Saturn

Jetzt im Mai ist die beste Zeit, um Saturn zu bestaunen, denn der große Ringplanet steht am 23. Mai in Opposition. Aus Sicht der Erde ist er jetzt der Sonne genau gegenüber, wird voll von ihr angestrahlt und hat seine geringste Entfernung zu uns. Bei Saturn sind das immer noch rund 1,3 Milliarden Kilometer. Eineinviertel Stunden braucht das Licht von ihm zu uns und erreicht an unserem Nachthimmel eine scheinbare Helligkeit von 0 mag - zwei Größenklassen weniger als Jupiter. Seine Scheibe ist mit einem scheinbaren Durchmesser von etwas mehr als 18 Bogensekunden nur halb so groß wie die Jupiters. Dass er dennoch kein Schwächling ist, zeigt er im Wettleuchten mit dem fast noch vollen Mond, der in der Nacht vom 4. auf den 5. Mai rechts über Saturn, in der Nacht darauf links neben ihm steht.

Saturns Ringe sehen

Das, was Saturn aber richtig sehenswert macht, bleibt dem bloßen Auge verborgen. Doch in sehr guten Ferngläsern oder kleinen Teleskopen zeigt der Planet sein eindrucksvolles Ringsystem. Bei 15-facher Vergrößerung wird Saturn plötzlich länglich oder scheint Henkel rechts und links zu haben. So sah ihn im 17. Jahrhundert der Astronom Galileo Galilei. Ab 22-facher Vergrößerung können Sie das Ringsystem klar vom Planeten unterscheiden. Bei 200-facher Vergrößerung kommen Sie dann aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Saturns Ringe kippen hin und her

Sehenswerte Ringe

Ringplanet Saturn, aufgenommen vom Weltraumteleskop Hubble | Bild: NASA

Es lohnt sich, Saturn durchs Teleskop zu betrachten, denn seine gewaltigen Ringe bieten einen immer wechselnden Anblick: Mal können wir auf die Ringebene blicken, mal sehen wir nur ihre Kante wie einen Strich vor dem Planeten.

Saturn kippt

Jahreszeitenwechsel beim Ringplanet Saturn, aufgenommen vom Weltraumteleskop Hubble | Bild: NASA

Der Grund dafür: Die Ebene von Saturns Ringen ist geneigt zur Ekliptik, der Ebene der Planeten. In den knapp dreißig Jahren, in denen er einmal um die Sonne reist, neigt er uns daher mal seine Südhalbkugel zu, mal die Nordhalbkugel. Und dazwischen, ganz selten, auch mal die Kante der Ringe ...

Auf die Kante

Blick auf die Kante der Ringe Saturns, aufgenommen vom Weltraumteleskop Hubble | Bild: NASA

Alle 15 Jahre gibt es einen Moment, an dem die Erde sich genau auf der gleichen Ebene wie Saturns Ringe befindet - die Kantenstellung, die die Ringe fast verschwinden lässt. Dieser Moment trat zuletzt im September 2009 ein. Seither öffnen sich die Ringe für uns langsam wieder.

Ab in den Norden

Ringplanet Saturn | Bild: NASA

Wir blicken immer mehr auf die Nordhalbkugel des Planeten. Im Jahr 2017 wird Saturns Norden maximal zu uns "gekippt" sein, dann erscheinen die Ringe am breitesten. Danach neigt sich Saturn allmählich wieder zurück, bis wir 2025 wieder auf die Kante der Ringebene blicken.

Kurz zurück

Jedes Jahr gibt es einige Monate, in denen Saturn um ein paar Grad "zurückkippt": Während der Oppositionsschleife ist auch die scheinbare Bewegung der Ringebene rückläufig, die nur aus der Stellung der Erde zu Saturn entsteht.
Saturns momentane Kippbewegung, mit der er uns immer mehr seine Nordhalbkugel zuwendet, ist seit dem 14. März 2015 unterbrochen: Seither durchläuft der Planet seine Oppositionsschleife und kippt ganz leicht zurück, die Ringebene schließt sich wieder ein kleines bisschen. Ab Oktober kippt er dann wieder andersherum, die Ringe öffnen sich immer weiter.

Im Sonnenlicht verborgen

Drei Planeten bleiben uns im Mai verborgen: Unser äußerer Nachbar Mars verschwindet gerade hinter der Sonne. Die beiden großen Gasplaneten Uranus und Neptun sind zwar hinter dieser schon wieder hervorgekommen, stehen aber morgens im Mai so ungünstig tief, dass sie in der dämmrig hellen Horizontschicht unsichtbar bleiben.


201