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Planeten im August Saturn, Venus & Co.

Der große Ringplanet Saturn begleitet uns durch die Augustnacht. Auch die fernen Gasriesen Neptun und Uranus können Sie entdecken, wenn Sie wissen, wie und wo. Zum Schluss taucht auch die strahlende Venus wieder auf.

Stand: 31.07.2015

Collage der Planeten des Sonnensystems vor dem Sternenhimmel | Bild: colourbox.com, NASA

Am Firmament funkeln ein paar besondere Lichter: die Planeten, unsere Nachbarn im Sonnensystem. Die meisten von ihnen strahlen weitaus heller als Sterne, weil die Planeten uns viel näher sind. Oft erscheinen sie als erste Lichter abends in der Dämmerung und sind morgens als letzte noch zu sehen.

Die Planeten im August

Ein einziger heller Planet dominiert die Augustnacht: der große Ringplanet Saturn. Doch für Spezialisten sind auch die beiden fernen Gasriesen Neptun und Uranus zu finden. Zum Monatsende erscheint die strahlende Venus wieder, diesmal als Morgenstern. Mars, Merkur und Jupiter sind dagegen im Sonnenlicht verborgen.

Ringplanet Saturn im Südwesten

Saturn im Südwesten

Als erster Planet taucht am Augustabend Saturn auf, sobald der Himmel gegen Ende der nautischen Dämmerung dunkel genug geworden ist - Anfang August etwa ab halb zehn Uhr, zum Monatsende eine Stunde eher.

Er steht tief im Südwesten rechts vom hübschen Sternbild Skorpion, der jetzt im Sommer seinen Kopf über den Horizont hebt. Saturn ist mit einer scheinbaren Helligkeit von etwa 0,5 mag deutlich heller als die Sterne um ihn und übertrumpft sogar Antares, das helle Herz des Skorpions links unter Saturn. Das Scheibchen des großen Ringplaneten misst etwa 17 Bogensekunden im scheinbaren Durchmesser.

Anfang August können Sie Saturn etwa drei Stunden lang bis nach Mitternacht sehen, am Monatsende bleiben nur noch zwei Stunden, etwa von halb neun bis halb elf Uhr. Am 2. August beendet der Planet seine Oppositionsschleife, während der er scheinbar verkehrt herum übers Firmament zog.

Pi mal Daumen: Maßnehmen am Firmament

Ab jetzt wandert er wieder, wie es sich für Planeten gehört, rechtswärts über den Sternenhimmel, auf die Scheren des Skorpions zu. Deren oberster Stern Akrab ist Ende August nur noch zwei Fingerbreit von Saturn entfernt, am Monatsanfang noch einen halben Fingerbreit weiter.

Am 22. August steht der zunehmende Halbmond genau über Saturn, nur zwei Fingerbreit von ihm entfernt.

Saturns Ringe sehen

Was Saturn richtig sehenswert macht, bleibt dem bloßen Auge verborgen. In sehr guten Ferngläsern oder kleinen Teleskopen zeigt der Planet sein eindrucksvolles Ringsystem, das derzeit um 24 Grad zu uns geneigt ist und damit gut zu sehen ist. Ab 15-facher Vergrößerung wird Saturn plötzlich länglich, dann "wachsen" ihm Henkel rechts und links. So sah ihn im 17. Jahrhundert der Astronom Galileo Galilei. Schon bei 22-facher Vergrößerung können Sie das Ringsystem klar vom Planeten unterscheiden. Mit 200-facher Vergrößerung kommen Sie aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Saturns Ringe kippen hin und her

Sehenswerte Ringe

Saturn mit seinen Ringen

Es lohnt sich, Saturn durchs Teleskop zu betrachten, denn seine gewaltigen Ringe bieten einen immer wechselnden Anblick: Mal können wir auf die Ringebene blicken, mal sehen wir nur ihre Kante wie einen Strich vor dem Planeten.

Saturn kippt

Neigung der Ringebene Saturns im Verlauf

Der Grund dafür: Die Ebene von Saturns Ringen ist geneigt zur Ekliptik, der Ebene der Planeten. In den knapp dreißig Jahren, in denen er einmal um die Sonne reist, neigt er uns daher mal seine Südhalbkugel zu, mal die Nordhalbkugel. Und dazwischen, ganz selten, auch mal die Kante der Ringe ...

Auf die Kante

Alle 15 Jahre gibt es einen Moment, an dem die Erde sich genau auf der gleichen Ebene wie Saturns Ringe befindet - die Kantenstellung, die die Ringe fast verschwinden lässt. Dieser Moment trat zuletzt im September 2009 ein. Seither öffnen sich die Ringe für uns langsam wieder.

Ab in den Norden

Wir blicken immer mehr auf die Nordhalbkugel des Planeten. Im Jahr 2017 wird Saturns Norden maximal zu uns "gekippt" sein, dann erscheinen die Ringe am breitesten. Danach neigt sich Saturn allmählich wieder zurück, bis wir 2025 wieder auf die Kante der Ringebene blicken.

Kurz zurück

Jedes Jahr gibt es einige Monate, in denen Saturn um ein paar Grad "zurückkippt": Während der Oppositionsschleife ist auch die scheinbare Bewegung der Ringebene rückläufig, die nur aus der Stellung der Erde zu Saturn entsteht.
Saturns momentane Kippbewegung, mit der er uns immer mehr seine Nordhalbkugel zuwendet, war von März bis Anfang August 2015 unterbrochen: In dieser Zeit durchlief der Planet seine Oppositionsschleife und kippte ganz leicht zurück, die Ringebene schloss sich ein kleines bisschen. Doch seitdem kippt er wieder andersherum, die Ringe öffnen sich immer weiter.

Ferne Gasriesen Uranus und Neptun

Wenn Sie schon mit einem Teleskop unterwegs oder in einer Sternwarte zu Besuch sind, dann können Sie im August zwei weitere Planeten entdecken: Als erster erscheint Neptun. Anfang August geht der große Gasplanet um zehn Uhr abends auf und ist frühestens eine gute Stunde später hoch genug über dem Dunst des Horizonts, um ihn im Sternbild Wassermann zu sichten. Ende August geht Neptun zwei Stunden früher auf, doch auch dann ist es erst ab zehn Uhr dunkel genug zur Beobachtung des lichtschwachen Planeten.

Uranus und Neptun

Neptun ist so weit von der Erde entfernt, dass er nie ohne Hilfsmittel zu sehen ist. Sein Scheibchen misst nur gute zwei Bogensekunden im scheinbaren Durchmesser und ist mit einer scheinbaren Helligkeit von nur 7,8 mag fürs bloße Auge nicht erkennbar.

Neptun und Uranus im August

Neptuns Nachbar Uranus ist dagegen mit seiner scheinbaren Helligkeit von 5,8 mag unter besten Bedingungen gerade noch mit bloßem Auge zu sehen. Doch er geht noch später als Neptun auf: Anfang August steigt Uranus erst gegen halb ein Uhr nachts über den Horizont-Dunst und ist rund drei Stunden lang zu sehen, bis die erste Morgendämmerung einsetzt.

Zum Monatsende werden die Bedingungen besser: Uranus wird gegen elf Uhr sichtbar und erreicht um vier Uhr morgens seine höchste Position im Süden, noch bevor der Morgen dämmert. Die ersten und letzten Augustnächte werden Neptun und Uranus vom hellen Mond überstrahlt, nutzen Sie also lieber die Monatsmitte, wenn Sie die beiden finden wollen.

Mehr Planeten hat die Augustnacht leider nicht zu bieten. Erst zum Schluss des Monats taucht kurz vor Ende der Nacht noch ein Planet auf - ein echtes Highlight:

Rückkehr der strahlenden Venus

Von Weihnachten bis Juli hat sie uns als strahlender Abendstern beglückt, dann ist die Venus vom Nachthimmel verschwunden: Unsere innere Nachbarin zieht im August zwischen uns und der Sonne hindurch. Am 15. August steht sie in der sogenannten unteren Konjunktion, genau zwischen Erde und Sonne.

Was die Venus so hell macht

Ab dem 25. August haben Sie Chancen, die Venus wieder zu entdecken. Doch es bleibt Ihnen nur ein kurzer Moment: Um halb sechs Uhr geht unsere Nachbarin an diesem Tag auf, da dämmert es schon hell. Die Venus schreckt das nicht: Mit einer scheinbaren Helligkeit von -4,3 mag ist sie nach Sonne und Mond das mit Abstand hellste Objekt am Firmament. Nach sechs Uhr dürfte es aber auch für die Venus zu licht werden. Bis dahin ist sie aber erst zwei Fingerbreit über den Horizont geklettert.

Morgenstern Venus im August

Doch täglich geht die Venus sechs Minuten früher auf, die Sonne gut eine Minute später. Tag für Tag werden die Bedingungen für den Morgenstern also ein wenig besser. Am 31. August erscheint die Venus schon kurz vor fünf Uhr im Osten, anderthalb Stunden vor Sonnenaufgang. Da hat die Morgendämmerung erst eingesetzt. Um sechs Uhr steht die Venus schon eine bequeme Handbreit über dem Horizont und dürfte recht auffällig sein. Ihre Scheibe ist mit einem scheinbaren Durchmesser von rund 53 Bogensekunden gewaltig.

Wachsende Venussichel

So kurz nach der Konjunktion lohnt es sich besonders, die Venus einmal durch ein Fernglas (unbedingt auf einem Stativ!) zu betrachten: Sie ist zwar riesig, aber nur eine ganz schmale Sichel. Denn da sie noch halbwegs zwischen Erde und Sonne steht, sehen wir nur acht Prozent ihrer beleuchteten Hälfte. Tag für Tag wird die Venussichel wachsen, während ihr Durchmesser täglich schrumpft.

Heimlicher Begleiter Mars

Unser äußerer Nachbarplanet Mars dagegen bleibt fürs bloße Auge noch unsichtbar, obwohl er höher als die Venus am Himmel steht. Doch er ist mit nur 1,8 mag scheinbarer Helligkeit in der Dämmerung nicht zu sehen. Spezialisten mit einem starken Teleskop können ihn bei klarer Horizontsicht vielleicht finden, eine knappe Handbreit links über der Venus.

Im Sonnenlicht verborgen

Zwei weitere Planeten bleiben im August im Sonnenlicht verborgen: Jupiter zieht gerade hinter der Sonne vorbei und hat seine Konjunktion am 26. August. Er wird sich erst Mitte September wieder blicken lassen. Der innerste Planet Merkur wäre eigentlich am Abendhimmel zu sehen, mit einem für ihn recht großen Abstand zur Sonne. Doch die Planetenebene, die Ekliptik, verläuft abends so flach, dass er dicht über dem Horizont im dunstigen Dämmerlicht verborgen bleibt.


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