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Planeten im April Venus, Jupiter & Co.

Ob Abendstern Venus, seltener Merkur, Riese Jupiter oder Ringplanet Saturn: Im April können Sie etliche Planeten erblicken, von abends bis morgens. Hier finden Sie Sternkarten und alle Infos, wann und wo welcher Planet sichtbar ist.

Stand: 27.02.2015

Collage der Planeten des Sonnensystems vor dem Sternenhimmel | Bild: colourbox.com, NASA

Am Firmament funkeln ein paar besondere Lichter: die Planeten, unsere Nachbarn im Sonnensystem. Die meisten von ihnen strahlen weitaus heller als Sterne, weil die Planeten uns viel näher sind. Oft erscheinen sie als erste Lichter abends in der Dämmerung und sind morgens als letzte noch zu sehen.

Die Planeten im April

Schon am frühen Abend im April strahlt die helle Venus am Himmel. Unter ihr taucht zum Monatsende der kleine Merkur kurz in der Dämmerung auf und Mars ist für Spezialisten eben noch zu sehen. Bis weit nach Mitternacht beherrscht Jupiter das Firmament. Die zweite Nachthälfte gehört dann dem Ringplaneten Saturn.

Venus, strahlender Abendstern

Abendsterne Anfang April

Schon etwa eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang macht sich im April ein erster Planet bemerkbar, lange, bevor die Sterne erscheinen: Die Venus erstrahlt hoch im Westen, sobald der Himmel nur etwas dämmert.

Was die Venus so hell macht

Unsere von dichten Wolken verhüllte Nachbarin ist so hell, dass Sie sie nicht übersehen können: Mit einer scheinbaren Helligkeit von -4,2 mag ist die Venus das hellste Objekt am Nachthimmel, vom Mond abgesehen. Warum die Venus so hell leuchet, verrät Ihnen ein Klick auf das Bild.

Schnell unterwegs

Und die Venus ist groß: Ihr Scheibchen misst im April rund 15 Bogensekunden im scheinbaren Durchmesser und wird noch weiter wachsen, denn der innere Planet kommt uns jetzt bei seiner Runde um die Sonne immer näher. Die Venus ist schnell unterwegs und rast übers Firmament. Sobald der Himmel dunkel genug ist, dass die Sterne hervortreten, können Sie beobachten, wie die Venus durch den Stier zieht. Sie beginnt Anfang April noch unterhalb der Plejaden, dem schimmerenden Siebengestirn, wandert am 20. April am hellen Stierauge Aldebaran vorbei und erreicht zum Monatsende noch die Spitzen der Stierhörner.

Es bleibt Ihnen genug Zeit, die Venus unter den Sternen zu beobachten, denn der Planet geht erst nach elf Uhr abends unter, wenn es längst finster ist. Ende April versinkt die Venus sogar erst nach Mitternacht im Westen. Vom 20. bis 22. April zieht die junge Mondsichel an Venus und Stier vorbei und steht erst anderthalb Handbreit unter dem Abendstern, am zweiten Abend wenige Fingerbreit links von ihr und schließlich anderthalb Handbreit links über ihr. Dabei führt der Mond Sie gleich noch zu einem anderen Planeten:

Seltener Merkur kurz zu sehen

Etwa ab dem 18. April wird tief unter der Venus am Westhorizont der kleine Merkur für einige Tage sichtbar. Eine Rarität, denn der innerste Planet des Sonnensystems hat selten einmal genügend Abstand zur Sonne, um am halbwegs dunklen Himmel sichtbar zu werden. Und es ist auch diesmal nicht leicht, ihn zu entdecken. Merkur ist mit einer scheinbaren Größe von nur etwa fünf Bogensekunden ein Winzling und mit einer scheinbaren Helligkeit von anfangs -1,5 mag zwar deutlich heller als die meisten Sterne, aber lange nicht so hell wie die Venus.

Nur ein kurzer Moment für Merkur

Pi mal Daumen: Maßnehmen am Firmament

Merkur steht so tief am Horizont, dass Sie nur einen kurzen Moment haben, ihn zu finden: Am 18. April geht Merkur bereits um neun Uhr unter. Eine Stunde zuvor steht er nur noch eine Handbreit über dem Horizont. Dann ist aber die Sonne gerade erst versunken und der Himmel noch sehr hell.

Abendsterne gegen Ende April

Bei sehr guten Sichtbedingungen taucht die Mondsichel schon am 19. April erstmals nach Neumond wieder auf und führt Sie direkt zu Merkur: Nur zwei Fingerbreit steht sie unter dem kleinen, hellen Planeten. Am Abend darauf finden Sie Merkur etwa anderthalb Handbreit rechts unter der Mondsichel, knapp drei Handbreit unter der Venus. Er rast der Venus hinterher und geht daher ebenfalls jeden Abend ein wenig später unter, so dass er allabendlich ein wenig leichter zu entdecken ist. Ende April steht er um neun Uhr noch eine Handbreit über dem Horizont und geht erst gegen halb elf Uhr unter.

Allerletzter Blick auf Mars

Der rote Planet Mars

Wenn Sie Merkur entdeckt haben, dann können Sie es auch wagen, einen allerletzten Blick auf Mars zu werfen, der sich gerade von uns verabschiedet. Unser äußerer Nachbar ist links neben Merkur zu finden. Am 23. April sind die beiden nur einen Fingerbreit voneinander entfernt. Doch Mars ist mit einer scheinbaren Helligkeit von nur noch 1,4 mag mit bloßem Auge nicht mehr in der Dämmerung zu sehen. Für ihn brauchen Sie zumindest ein sehr lichtstarkes Fernglas, besser noch ein Teleskop.

Riese Jupiter hoch im Süden

Heller Jupiter mit seinen Monden

Während Sie noch im Westen über dem dämmrigen Horizont nach Merkur oder Mars Ausschau halten, steht hoch im Süden längst ein gigantisches Licht: Jupiter. Er ist mit einer scheinbaren Helligkeit von -2,3 mag zwar etwas dunkler als Abendstern Venus, aber er überstrahlt alle Sterne bei Weitem. Der größte Planet unseres Sonnensystems ist auch am Firmament ein Gigant: Sein Scheibchen ist mit rund 40 Bogensekunden im scheinbaren Durchmesser fast dreimal so groß wie das Scheibchen der Venus.

Jupiter am späten Abend

Wenn die Sonne abends untergeht, steht Jupiter hoch im Süden und wandert ganz allmählich Richtung Westen, während der Himmel dunkler wird. Er schreitet dem großen Frühlingssternbild Löwe voran und ist bis in die frühen Morgenstunden nicht zu übersehen. Erst um fünf Uhr morgens geht Jupiter unter (Anfang April), zum Monatsende schon um Viertel nach drei Uhr. Vom 24. bis 27. April zieht der wachsende Mond an Jupiter vorbei und strahlt mit dem Planeten um die Wette.

Jupiter kehrt um

Die vergangenen Monate ist Jupiter scheinbar verkehrt herum übers Firmament gewandert: rechtswärts, immer weiter vom Löwen weg. Dieser Eindruck entsteht bei äußeren Planeten immer rund um ihren Oppositionszeitpunkt herum, wenn die Erde den Planeten auf der Innenbahn überholt. Jupiter beendet jetzt seine Oppositionsschleife: Ab dem 8. April wandert der Planet wieder linkswärts Richtung Osten, wie es Planeten normalerweise tun.

Ringplanet Saturn im Osten

Saturn am Morgen

Die zweite Nachthälfte im April gehört Saturn, dem großen Ringplaneten. Während Jupiter gerade im Westen versinkt, erhebt er sich im Südosten über den Horizont. Etwa ab ein Uhr, Ende April auch schon vor Mitternacht, macht sich Saturn bemerkbar. Er ist mit nur 0,2 mag scheinbarer Helligkeit zwar weitaus dunkler als Jupiter oder gar die Venus, doch deutlich heller als die Sterne. Und von denen hat er ein paar besonders hübsche um sich: Saturn steht im tiefliegenden Sommersternbild Skorpion, bei dessen Zangen, die aus einer auffälligen Reihe von vier Sternen gebildet werden. Der oberste der Reihe, Akrab, ist nur etwa einen Fingerbreit rechts von Saturn. Etwa um drei Uhr nachts erreichen der Skorpion und Saturn ihre höchste Position, genau im Süden. Dann ist die beste Zeit, den Ringplaneten genauer zu betrachten. Vom 7. bis 9. April wandert der abnehmende Mond an Saturn vorbei, leuchtet mit Saturn um die Wette, überstrahlt aber einige der Skorpionsterne.

Saturns Ringe kippen hin und her

Sehenswerte Ringe

Ringplanet Saturn, aufgenommen vom Weltraumteleskop Hubble | Bild: NASA

Es lohnt sich, Saturn durchs Teleskop zu betrachten, denn seine gewaltigen Ringe bieten einen immer wechselnden Anblick: Mal können wir auf die Ringebene blicken, mal sehen wir nur ihre Kante wie einen Strich vor dem Planeten.

Saturn kippt

Jahreszeitenwechsel beim Ringplanet Saturn, aufgenommen vom Weltraumteleskop Hubble | Bild: NASA

Der Grund dafür: Die Ebene von Saturns Ringen ist geneigt zur Ekliptik, der Ebene der Planeten. In den knapp dreißig Jahren, in denen er einmal um die Sonne reist, neigt er uns daher mal seine Südhalbkugel zu, mal die Nordhalbkugel. Und dazwischen, ganz selten, auch mal die Kante der Ringe ...

Auf die Kante

Blick auf die Kante der Ringe Saturns, aufgenommen vom Weltraumteleskop Hubble | Bild: NASA

Alle 15 Jahre gibt es einen Moment, an dem die Erde sich genau auf der gleichen Ebene wie Saturns Ringe befindet - die Kantenstellung, die die Ringe fast verschwinden lässt. Dieser Moment trat zuletzt im September 2009 ein. Seither öffnen sich die Ringe für uns langsam wieder.

Ab in den Norden

Ringplanet Saturn | Bild: NASA

Wir blicken immer mehr auf die Nordhalbkugel des Planeten. Im Jahr 2017 wird Saturns Norden maximal zu uns "gekippt" sein, dann erscheinen die Ringe am breitesten. Danach neigt sich Saturn allmählich wieder zurück, bis wir 2025 wieder auf die Kante der Ringebene blicken.

Kurz zurück

Jedes Jahr gibt es einige Monate, in denen Saturn um ein paar Grad "zurückkippt": Während der Oppositionsschleife ist auch die scheinbare Bewegung der Ringebene rückläufig, die nur aus der Stellung der Erde zu Saturn entsteht.
Saturns momentane Kippbewegung, mit der er uns immer mehr seine Nordhalbkugel zuwendet, wird 2015 vom 14. März an unterbrochen: Dann beginnt der Planet seine Oppositionsschleife und kippt ganz leicht zurück, die Ringebene schließt sich wieder ein kleines bisschen. Ab Oktober kippt er dann wieder andersherum, die Ringe öffnen sich immer weiter.

Im Sonnenlicht verborgen: die fernen Gasriesen

Zwei Planeten bleiben uns im April verborgen: Die beiden großen Gasplaneten Uranus und Neptun. Uranus zieht im April genau hinter der Sonne vorbei: Er ist am 6. April in der sogenannten Konjunktion. Sein Nachbar Neptun hat diese zwar schon im Februar hinter sich gebracht und ist wieder vor der Sonne am Morgenhimmel. Doch er steht immer noch ungünstig tief am Horizont im Osten, wenn der Morgen bereits dämmert.


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