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Zellmedizin Eine Spritze für die Wundheilung

Wunden heilen normalerweise von selbst. Doch bei manchen Menschen funktioniert diese Heilung nicht. Ihnen wollen Forscher der TU München helfen: mit eigenem, neu gezüchteten Zellmaterial. Aus diesem bilden sich neue Blutgefäße.

Stand: 27.07.2012
Eine Spritze zur Wundheilung? | Bild: picture-alliance/dpa

Noch sind es Laborversuche am Klinikum rechts der Isar - doch die beiden Forscher Arndt Schilling und Ektoras Hajipanayi von der TU München sind voller Zuversicht, dass ihre Methode wundheilendes Zellmaterial zu "züchten" nächstes Jahr einsetzbar sein könnte.

Wie Wunden heilen

Normalerweise ...

Normalerweise heilen Wunden von selbst. Sobald die Zellen im verletzten Gewebe die Wunde registrieren, fangen sie an verschiedene Botenstoffe auszuschütten. Diese sogenannten Wundheilungsmediatoren steuern im umliegenden gesunden Gewebe die Prozesse, die für die Heilung notwendig sind. Bei schwer verletzten Menschen, Tumorpatienten oder auch Diabetikern ist dieser Vorgang aber häufig gestört.

Zerstörte Blutgefäße

Bei großen Wunden ist nicht nur die Haut verletzt, auch die darunter liegenden Blutgefäße sind zerstört. Sie sind aber nötig, um die Wunden mit Nährstoffen zu versorgen und das Heilen einzuleiten. Auch Diabetiker haben häufig Wunden, die nicht ausreichend durchblutet werden und deshalb nicht heilen können.

Simulierte Wunde im Brutschrank

Wegen der geschädigten Blutgefäße gelangt kein Sauerstoff mehr zu den Zellen. Diese Situation spielen Arndt Schilling und Ektoras Hajipanayi gesunden Zellen vor: Im Labor haben die Ärzte Patienten an einer Stelle gesunde Zellen entnommen. Diese kommen in einer Nährlösung in den Brutschrank, der nur über fünf statt der üblichen zwanzig Prozent Sauerstoff verfügt. Das heißt: Die entnommenen Zellen bekommen zu wenig Sauerstoff. So simulieren die Forscher den künstlichen Heilungsprozess. Denn die Zellen in der Nährlösung reagieren auf die Sauerstoffarmut: sie produzieren Gewebsheilungshormone.

"Die Hautzellen fangen an, Faktoren zu bilden, die die Blutgefäßentstehung anregen. Das sind Proteine. Die Zellen bilden eine Reihe verschiedener Proteine, die in ihre Umgebung abgegeben werden und dort als Steuermoleküle dienen für andere Zellen. Wie zum Beispiel für Stammzellen, aus denen Blutgefäße entstehen können ..."

Professor Arndt Schilling, Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie, Klinikum rechts der Isar, TU München

Blutgefäße werden zum Wachsen angeregt

Künstlich gebildete blutgefäßartige Zellstruktur

Diese Proteine sind so etwas wie Gewebsheilungshormone, die Blutgefäße zum Wachsen anregen. In der Nährlösung sondern die Zellen einen Cocktail dieser Hormone ab. Die Ärzte können sie herausfiltern und einlagern, um sie im Bedarfsfall beim Patienten einzusetzen.

Spritze oder Verband

Wie die Behandlung funktionieren soll, ist allerdings noch offen. Zwei Möglichkeiten stehen zur Auswahl: Ein Verband, der mit den Gewebshormonen getränkt wird, oder die Heilungshormone werden direkt in die Wunde gespritzt. Bisher gelang es allerdings nur im Labor, durch Heilungshormone Blutgefäße zum Wachsen zu bringen. Arndt Schilling und Ektoras Hajipanayi wollen nun in Tierversuchen weitertesten. Nur wenn diese erfolgreich sind, können sie mit ihrer Methode auch die ersten Patienten behandeln.


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