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Soziale Netzwerke Was Freunde zusammenhält

In Zeiten der virtuellen Kommunikation via Facebook, Twitter und Co kann jeder mit jedem ständig in Verbindung stehen. Gleichzeitig lebt inzwischen jeder fünfte Deutsche alleine, besonders in Großstädten. Sind wir dadurch einsam?

Stand: 07.01.2014

Der Schriftzug "Facebook" spiegelt sich im Auge einer jungen Frau. | Bild: picture-alliance/dpa

Soziale Beziehungen vermitteln Wärme und Geborgenheit, und das ist wichtig für das subjektive Wohlbefinden eines Menschen. Eine höhere Lebenserwartung hat darum auch eher derjenige, der in einer glücklichen Beziehung lebt.

Eine unglückliche oder gar keine Beziehung ist umgekehrt schlecht für ein langes Leben. Doch auch, wenn sich immer mehr Menschen dafür entscheiden alleine zu leben - einsam und isoliert sind sie noch lange nicht. Dank modernster Technik und sozialer Netzwerke schaffen sie sich neue Beziehungen.

Soziale Netzwerke erleichtern Freundschaften

Gegenwärtig sind Menschen durch ihre beruflichen Wege, durch Mobilität, durch Veränderungen von Familienstrukturen und Patchwork-Familien immer wieder gezwungen, ihre Netzwerke neu aufzubauen, sei es im wirklichen Leben oder virtuell. Dies erfordert eine hohe Eigenleistung. Es gibt Menschen, die fallen aus sozialen Netzen heraus, weil etwa ihr Beruf so strapaziös ist. Oder sie verlieren ihr Netzwerk durch Trennung, weil es ausschließlich über den Partner oder die Partnerin lief.

Ständige und kurzzeitige (Lebens-)Begleiter

Dabei kann man sich jederzeit ein neues Netzwerk aufbauen: Es gibt eine Reihe von Begleitern, die immer dabei sind, wie zum Beispiel die Eltern und die Geschwister. Und dann gibt es Freunde und Bekannte, die kommen und gehen. Und das ist je nach Lebensphase sehr unterschiedlich. Insofern kann man sich in jeder Lebensphase neu vernetzen.

Schwächere Bindungen sind auch hilfreich

Bei Facebook und Twitter zählen Freunde und Follower.

150 Kontakte - diese Zahl hat der britische Psychologe Robin Dunbar Anfang der 1990er-Jahre als Obergrenze für das menschliche Gehirn formuliert. Ob das in Zeiten der sozialen Netzwerke noch so ist, bezweifeln Netzwerkforscher. Was die sozialen Medien vor allem verändern: Man fügt bei Facebook und Twitter auch die sogenannten schwächeren Bindungen, also vage Bekannte und Kollegen, hinzu. Oder Leute, mit denen man nur einmal auf einer Party gesprochen hat.

Auch diese sogenannten "schwachen Bindungen", in der Soziologensprache "Weak Ties" genannt, sind aber von Bedeutung für das Funktionieren eines Netzwerks. Denn in dem engen Kreis, mit den bekannten Leuten, redet man dauernd. Man hat eigentlich dieselbe Information. Da kommt wenig Neues von außen rein. Dagegen sind Leute, die eher vage Bekannte sind, in ganz anderen Netzwerken unterwegs. Wenn man also eine neue Wohnung oder eine neue Stelle sucht, dann sind gerade diese schwächeren Bindungen sehr hilfreich.

Ausgetauschte Freunde

Intensive Freundschaften zu pflegen, braucht Zeit und ist relativ aufwändig. Forscher aus Finnland haben jetzt gezeigt: Menschen kommunizieren fast die Hälfte ihrer Zeit mit nur ein paar wenigen Freunden - das sind wahrscheinlich ihre engsten Freunde. Doch was passiert, wenn ein Mensch in eine andere Stadt zieht? Das ernüchternde Ergebnis der Studie: Enge Freunde werden wahrscheinlich einfach gegen neue Menschen ausgetauscht, die dann die besten Freunde werden. Das bedeutet: Menschen brauchen ein Netzwerk mit sehr engen Vertrauten, aber wer diese Menschen tatsächlich sind, scheint weniger wichtig zu sein.

"Gefällt mir"

Bei jungen Leuten fällt noch etwas anderes auf: Sie posten vor allem positive Dinge, die sie am Wochenende oder im Urlaub gemacht haben. Das kommt zum Teil auch durch die Software selber: Es gibt nur einen Like Button, keinen Dislike Button. Junge Menschen beschweren sich zum Beispiel über Leute, die über Krankheiten oder andere negative Dinge schreiben, weiß Sonja Utz, Kommunikations-wissenschaftlerin an der Freien Universität Amsterdam, aus ihren Untersuchungen zu berichten.

Das wahre soziale Netz zeigt sich aber erst in der Krise. Es mag überraschen, aber tatsächlich tragen selbstgewählte Freundschaften in Krisen oft mehr als familiäre Bande. Psychologische Studien belegen: Speziell für die emotionale und psychische Gesundheit sind Freunde oft der wichtigere Faktor. Darum tut es so gut, in einem starken Freundschaftsnetz verankert zu sein.

Wenn die ABF Dich ganz doll lieb hat

Mädchen zwischen 12 und 16 Jahren zelebrieren ihre Freundschaften heute überwiegend in sozialen Netzwerken. Vor allem Fotos spielen dabei eine große Rolle, sagt der Sprachwissenschaftler Martin Voigt, der an der Ludwig-Maximilians-Universität München gerade eine Doktorarbeit zum Thema "Mädchenfreundschaften unter dem Einfluss von Social Media" schreibt. Die Inszenierung von Mädchenfreundschaften im Social-Media-Zeitalter sei für alle sichtbar. Aber ob die Freundschaft dadurch intensiver wird, sei dahingestellt. Wichtig sei immer noch, was im realen Leben passiert. In sozialen Netzwerken wie Facebook betreiben die Mädchen eher Öffentlichkeitsarbeit für ihre Freundschaft . Die Sprache, die sie dafür verwenden, hat sich seit 2007 verändert: Die Mädels schreiben "hdl statt Hab Dich lieb", sind "ABF", allerbeste Freundin, oder "BFF", "best friends forever".


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