30 Jahre Smiley Wie das :-) die Welt eroberte
"Du hast einen schönen Pulli an!" - Wahrheit oder Ironie? Von Angesicht zu Angesicht wird das vielleicht noch am Gesichtsausdruck oder der Stimmlage klar, aber per E-Mail oder im Netz? Zum Glück gibt es seit 30 Jahren Smileys.
In einem Aufzug wird eine Kerze angezündet und ein Tropfen Quecksilber auf den Boden geträufelt. Dann zerreißt das Kabel und der Aufzug fällt in die Tiefe. Was passiert mit der Kerze und dem Quecksilber? Am 16. September 1982 postet Physiker Neil Schwartz diese Frage in einem internen Forum der Carnegie Mellon Universität (CMU) in Pittsburgh, USA. Damit hat er unfreiwillig eine Internetrevolution ins Rollen gebracht. Drei Stunden später nämlich antwortet Howard Gayle auf diese Frage mit: "Warnung! Wegen eines Physik-Experiments ist der linke Aufzug mit Quecksilber verseucht. Es gibt auch einen Feuerschaden. Die Dekontamination wird am Freitag acht Uhr abgeschlossen sein."
Wer versteht schon Ironie?
Ein Witz, natürlich. Doch das war offensichtlich nicht allen Teilnehmern des Forums klar. Einige Mitarbeiter der Universität glaubten tatsächlich, dass der Aufzug mit giftigem Quecksilber verseucht worden sei. Neil Schwartz war das offensichtlich unangenehm. Er hatte einen Einfall: Man könnte doch in Zukunft in der Betreffzeile ein Sternchen-Zeichen, also *, verwenden, wenn man einen Witz mache. Doch so einfach war das Problem von Ironie und Sarkasmus im Netz nicht zu lösen. Eine lebhafte Forumsdiskussion entbrannte: Man sollte lieber das Prozentzeichen % verwenden. Oder noch besser: den Stern * für gute Witze und das Prozentzeichen % für schlechte Witze. Die Kombination aus beiden, also *%, für Witze, die so schlecht sind, dass sie schon wieder lustig sind.
Am 19. September dann schaltete sich Scott Fahlmann in die Diskussion ein.
"Ich schlage Folgendes als Witze-Markierung vor :-) Das muss man mit seitwärts gelegtem Kopf lesen. Aber tatsächlich ist es wohl in diesem Forum einfacher, die Dinge zu markieren, die keine Witze sind. Und dafür könnte man :-( verwenden."
Scott Fahlmann, Informatiker CMU
Zu diesem Zeitpunkt wusste Informatiker Scott Fahlmann nicht, dass er eine neue Ära der Internetkommunikation eröffnet hatte: Die Ära der Emoticons. Denn während man in einem echten Gespräch mit Hilfe von Stimmlage und Gestik Ironie oder Sarkasmus erkennen kann, ist das in einer Welt, die vornehmlich per SMS oder im Chat kommuniziert, nicht möglich. Der feine Wortwitz geht da schnell mal verloren.
Die schrägsten Smileys
Heiligenschein
Das Engel-Smiley
Näckisches Löckchen
Klar: ein Baby-Smiley
Teenager-Trauma
Zahnspangen-Smiley
Spitzer Hut mit Blume
Der Clown-Smiley
Große Augen
Dieses Smiley ist verwirrt.
Wenn das mal keine Stirnfalte gibt!
Smiley mit bösem Grinsen
Dollarzeichen in den Augen
Dieses Smiley ist habgierig wie Dagobert Duck.
Spitzer Mund
Ein Smiley-Kuss
Spitze Schnauze, dünnes Schwänzchen
Das Smiley gibt's auch als Maus.
Träume süß
Jedes Smiley braucht mal ein Mittagsschläfchen.
Partyhut
Wie wohl die Feste bei Smileys sind?
Oh je!
Dieses Smiley ist geschockt.
Spitze Eckzähne
Ob Vampire auch SMS schreiben?
Durchgeknallte Augen, große Zähne
Einem Zombie-Smiley will man nicht im Netz begegnen.
Schon wenige Tage später wurden Scott Fahlmanns Smileys über das Arpanet - den Vorgänger des heutigen Internets - auf die Welt losgelassen. Ein gewisser James Morris, ein Mitarbeiter des Xerox-Forschungszentrums PARC in Kalifornien, schrieb eine Mail an einen Kollegen - mit Smileys.
"Weil man die Person, die die E-Mail abgeschickt hat, nicht sehen kann, kann man sich nicht immer sicher sein, ob sie sich gerade einen Scherz erlaubt oder nicht. Scott Fahlmann von der CMU hat einen Vorschlag gemacht, wie man damit umgehen kann - es sieht aus wie ein lächelndes Gesicht :-) Wenn Dir also jemand eine Nachricht schickt, die so lautet: 'Hast Du endlich damit aufgehört, deine Frau zu schlagen?:-)', dann ist klar, dass das ein Witz ist. Wenn er aber sagt: 'Ich muss unbedingt mit dir sprechen :-(' - dann kannst Du dich auf Ärger einstellen."
James Morris, PARC
Berühmt durch das Smiley
Seit dem 19. September 1982 ist das Smiley oder auch Emoticon nicht mehr aus unserer digitalen Kommunikation wegzudenken. Scott Fahlmann ist durch die Zeichenkombination :-) berühmt geworden. Geld verdient hat er mit seiner Erfindung nicht, er hätte auch nie gedacht, dass sich "sein" Smiley in der Computerwelt durchsetzen würde. Der Informatiker forscht eigentlich zu künstlicher Intelligenz. Er findet, dass Smileys heutzutage zu oft verwendet werden.
"Damit zeigen diese Menschen eigentlich nur, dass sie neu bei der Sache sind. Sie übertreiben und benutzen zu viele. Hoffentlich passiert das nie in einem internationalen Vertrag oder so. Ich finde es grundsätzlich besser, die Smileys spärlich zu benutzen - vielleicht einen oder zwei per Mail. Aber bei mir wird natürlich mindestens einer erwartet, sonst sind die Menschen enttäuscht."
Scott Fahlmann, Informatiker
Ob Scott Fahlmann wirklich der erste Mensch war, der das Smiley verwendet hat, ist nicht erwiesen. Aber sein Diskussionsbeitrag in dem Uni-Forum hat dem :-) und dem :-( auf jeden Fall zum Durchbruch verholfen. Darauf ist Scott Fahlmann bis heute stolz.
Das gelbe Smiley
Während das Smiley-Emoticon in Mails und SMS auf Schriftzeichen basiert, kennt man das gelbe Smiley als grafisches Objekt schon länger. Das aus zwei Punkten und einem gebogenen Strich bestehende Grinsegesicht hat wohl der amerikanische Werbegrafiker Harvey Ball 1963 zum ersten Mal gezeichnet. Damit wollte er die Angestellten einer Versicherungsgesellschaft aufmuntern. Allerdings ließ er sich das gelbe Köpfchen nicht rechtlich schützen - das übernahm 1971 der französische Journalist Franklin Loufrani. Ball hat für das Smiley 45 Dollar bekommen und wollte nie "wegen eines Lächelns klagen". So wurde Loufrani zum grinsenden Millionär.
Asiaten blicken auf die Augen
Westeuropäer und US-Amerikaner verwenden in der Regel andere Emoticons als Menschen aus Asien. Das liegt daran, dass im Westen Hinweise auf einen emotionalen Gesichtsausdruck eher in der Mundpartie gesucht werden. In Asien blicken die Menschen ihrem Gegenüber eher in die Augen.
Emoticons in West und Ost
Glücklich auf westlich
Hochgezogene Mundwinkel - jeder Europäer weiß, das bedeutet Zufriedenheit.
Glücklich auf asiatisch
Lachende Augen - klar, dieser Smiley ist glücklich, würde man in Asien sagen.
Trauriger Mund
Mundwinkel nach unten - ganz klar, dieser hier ist traurig.
Tränen in den Augen
Wie der Mund aussieht ist egal - die Tränen in den Augen signalisieren in Asien die Traurigkeit des Emoticons.
Der Mund sagt alles!
Oooh! Überrascht!
Nein, die Augen sagen alles!
Kugelrunde Augen vor Staunen - das assoziiert man in Asien mit überrascht sein.
Übrigens: Die Kerze in dem Aufzug wäre ausgegangen und der Quecksilbertropfen wäre wie ein Gummiball nach oben und unten gesprungen. Die Lösung des Physik-Experiments hat aber selbst in dem Uni-Forum keinen mehr interessiert.

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