Wissen


4

Sinus-Jugendstudie 2012 Wie ticken Jugendliche?

Jugendliche in Deutschland spüren angesichts einer unsicheren beruflichen Zukunft den enormen Druck, Leistung zu bringen. Dennoch sehen sie, mit Ausnahme der sozial Benachteiligten, meist optimistisch in die Zukunft. Das hat eine neue Studie ergeben.

Stand: 28.03.2012

Jugendliche in einer Diskothek | Bild: picture-alliance/dpa

In der Jugendstudie wurden insbesondere die Lebensumstände der 14 bis 17-Jährigen untersucht. Die Studie sucht nach generellen Trends und analysiert die verschiedenartigen Lebenswelten und Lebensstile der Jugendlichen. Die Veränderungen, die sich hier ergeben, sind wiederum interessant für den zukünftigen Wandel der Gesellschaft.

Nach Leistungsfähigkeit beurteilt

Von wem ist die Studie?

Auftraggeber der aktuellen Studie sind neben der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung und der Bundeszentrale für politische Bildung drei kirchliche Einrichtungen: das kirchliche Hilfswerk Misereor, der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und die Bischöfliche Medienstiftung der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Sie wurde erstellt vom Sinus-Institut.

Ergebnis der Studie war, dass es eine große Vielfalt von Neigungen, Begabungen und Talenten bei den Jugendlichen gibt. Gleichzeitig besteht aber auch eine immer größer werdende Kluft zwischen denen, die dank ihrer Ausbildung beste Lebensperspektiven haben, und den "Abgehängten", bei denen der Frust wächst.

"Vor dem Hintergrund unsicherer Zeiten besinnen sich die Jugendlichen wie 'Mini-Erwachsene' auf traditionelle Werte wie Sicherheit, Pflichtbewusstsein und Familie."

Marc Calmbach, einer der Autoren der Sinus-Studie

Mit dem Rücken zur Wand

Jugendliche, die keine Perspektive haben, reagieren mitunter aggressiv.

Diese "prekären" Jugendlichen, wie sie in der Studie genannt werden, stellen sieben Prozent der 14 bis 17-Jährigen. Dabei handelt es sich meist um Jungen aus schwierigen Verhältnissen, die Probleme mit dem Wandel ihrer Rolle als Mann haben. In einer modernen Gesellschaft, die auf Kommunikation ausgerichtet ist, haben ihre traditionellen Vorstellungen von Macht und Vorrang wenig Platz. Aufgrund eines unterdurchschnittlichen Schulabschlusses finden sie seltener einen Arbeitsplatz, als das noch bei ihren Vätern der Fall war. Das macht sie rat- und hilflos, und manchmal auch aggressiv der Gesellschaft gegenüber.

Bildungsbiografie immer wichtiger

Chillen, Spaß haben, Konsumwünsche - so ticken die materialistischen Hedonisten.

Insgesamt zählt die Studie rund zwanzig Prozent der Interviewten zu den schwächeren Jugendlichen, zu denen neben den "prekären" auch noch die "hedonistischen" gehören, bei denen Konsum und Spaß im Vordergrund stehen. Diese, so fordert es der Soziologe Klaus Hurrelmann, Professor an der Berliner Hertie School of Governance, müssten gezielt gefördert und qualifiziert werden. Und das nicht nur hinsichtlich ihrer fachlichen Qualifikation, sondern auch ihrer sozialen Kompetenz.

"Es gibt eine extreme Spannweite. Bei den meisten Jugendlichen herrscht eine pragmatisch-positive Grundhaltung vor, aber bei den Benachteiligten wächst der Frust."

Klaus Hurrelmann, Professor der Berliner Hertie School of Governance


4