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Geschichte der Sahara Als die Wüste voll Wasser war

Heute ist die Sahara ein Meer aus Sand und Stein. Tagsüber ist es glühend heiß, nachts bitterkalt. Doch vor einigen tausend Jahren gab es dort, wo jetzt Wüste ist, Wasser und Grün in Hülle und Fülle.

Stand: 20.10.2016

Wüstensee von Siwa | Bild: picture-alliance/dpa

Das Ennedi-Massiv ist ein Gebirge im Osten der Sahara. Dort befindet sich eine Schlucht namens Guelta d'Archei. In dieser ist ein kleiner See, der von Grundwasser gespeist wird. Das Wasser stammt aus einer Zeit, als in der Wüste noch Regen fiel. Das ist Jahrtausende her, doch in dem See leben immer noch einige Sahara-Krokodile. Sie erinnern an eine Zeit, zu der in dieser Gegend noch Flusspferde und Elefanten lebten und auch Giraffen, Gazellen und Antilopen. Denn die Sahara war nicht immer eine Wüste aus Stein und Sand.

Weit größer als heute

Kamele im Guelta d'Arche

Früher gingen Wissenschaftler davon aus, dass während der letzten Eiszeit in der Sahara mehr Regen als heute fiel. Das erwies sich als Irrtum: Während der letzten Kaltzeit war die Sahara zum Teil sogar noch trockener, und sie reichte mehrere hundert Kilometer weiter nach Süden.

Königin der Wüsten

Riesige Seen

Ein Überrest der einst riesigen Seen: der Mandara-See in Libyen

Als die jüngste Eiszeit vor etwa 12.000 Jahren zu Ende ging, verwandelte sich die Wüste in weiten Flächen zur Savanne. Das zeigen die Überreste von Abertausenden von Seen. Die meisten füllten nur einzelne Senken oder Täler, doch manche dieser Wasserflächen waren riesig. Der westnubische Paläosee beispielsweise hatte eine Fläche von über 5.000 Quadratkilometern. Damit war er rund zehn Mal größer als der Bodensee. Der Mega-Tschad soll sogar fast zwei Millionen Quadratkilometer bedeckt haben. Heute sind davon nur noch einige kleine Seen und Oasen übrig.

Bohrkerne aus der Tiefe

Insbesondere im nördlichen Afrika wechselten die Klimaphasen: Es war zeitweise eher grün und zeitweise wüstenartig, so wie heute. Ob es dort regnet oder nicht, hängt nämlich vom Monsun ab. Er wird von zyklischen Veränderungen der Erdbahn um die Sonne gesteuert, die etwa 20.000 Jahre dauern. Das zeigen auch die Analysen von Staub und Pollen in Bohrkernen, die Forscher vor den Küsten Afrikas aus dem Meeresboden gezogen haben. Danach ergrünte die Sahara nicht nur zu Beginn der Warmzeit, in der wir gerade leben, sondern auch während derjenigen davor, die vor 130.000 bis 115.000 Jahren herrschte.

Gras kam schnell

Yoa-See im Tschad

Reste aus der letzten grünen Zeit in der Sahara finden sich auch in Ounianga im Nordosten des Tschad. Dort gibt es mitten in der Wüste 18 Seen. Einer der größten und tiefsten dieser Seen ist der Yoa-See. Unter seinem Grund birgt er ein wahres Klimaarchiv: Über 10.000 Jahresschichten aus feinem Sand und Staub, Kieselalgen und Pollen. Die Analyse von Bohrkernen zeigte, dass es nur etwa 500 Jahre gedauert hatte, bis aus einem Großteil der Sahara Grasland geworden war. Nur etwa 500 bis 1.000 Jahre später folgten die Menschen diesen Niederschlägen und den grünen Weiden und Jagdgebieten und ließen sich dort für Jahrtausende nieder.

3.500 Jahre im Grünen

Um 8.500 vor Christus war die Sahara wohl überall besiedelt. Doch um 5.000 vor Christus begann der Monsun nachzulassen. Rund 3.000 Jahre dauert es dann, bis sich die Sahara wieder in eine lebensfeindliche und weitgehend unbewohnte Wüste verwandelt hatte, so wie wir sie heute kennen.


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