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Gefährdete Primaten Gorillas sind vom Aussterben bedroht

Wilderei, Ebolavirus und die Zerstörung ihrer Lebensräume haben die Gorillas an den Rand des Aussterbens gebracht. Alle vier Unterarten der Gorillas sind inzwischen vom Aussterben bedroht. Bei zwei Unterarten gibt es nur noch wenige Hundert Tiere.

Stand: 09.12.2016

Gorilla in Afrika | Bild: picture-alliance/dpa

Alle vier Unterarten der Gorillas (siehe Steckbrief unten) sind nach Ansicht der Weltnaturschutzunion IUCN vom Aussterben bedroht und stehen damit ganz oben auf der Roten Liste. Gorillas zählen zu den bedrohtesten Tierarten überhaupt. Die Gründe sind die Zerstörung ihrer Lebensräume in Afrika durch Abholzung und Bergbau sowie der Ebolavirus. Außerdem erzielen Wilderer für das Fleisch von Gorillas hohe Preise.

Westlicher Flachlandgorilla

Ein Flachlandgorilla: Die Großen Menschenaffen drohen auszusterben.

Vom Westlichen Flachlandgorilla gibt es vermutlich noch ein paar Hunderttausend Individuen. Doch auch diese häufigste Unterart der Gorillas ist bereits seit 2008 als "vom Aussterben bedroht" auf der Roten Liste. Denn die Population schrumpft stark: Zwischen 2005 und 2013 hat der Bestand um fast zwanzig Prozent abgenommen. Setzt sich dieser Trend fort, werden innerhalb von drei Gorilla-Generationen (22 Jahre rechnet man für eine Generation dieser Menschenaffen) achtzig Prozent der Westlichen Flachlandgorillas verschwunden sein (Stand: 2016).

Seltenste Unterart: der Cross-River-Gorilla

Vom Cross-River-Gorilla gibt es nur noch wenige hundert Exemplare.

Der Cross-River-Gorilla lebt im bergigen Grenzgebiet zwischen Nigeria und Kamerun, das nur schwer zugänglich ist. Diese Unterart des Westlichen Gorillas, ist die seltenste: Weniger als 250 Exemplare leben nach Schätzung der IUCN noch (Stand: 2016). Schon seit mehr als zwanzig Jahren gelten sie als vom Aussterben bedroht und stehen auf der Roten Liste.

Östlicher Flachlandgorilla jetzt ebenfalls bedroht

Die Gefährdung bedrohter Arten wird auf der Roten Liste in verschiedenen Graden angegeben: nicht gefährdet, gefährdet, stark gefährdet, vom Aussterben bedroht. Die Abstufung auf der internationalen Roten Liste der IUCN sind ähnlich, aber nicht genau übereinstimmend. | Bild: BR

"Gefährdet" oder "vom Aussterben bedroht"?

Die einzige Gorilla-Art, die bislang "nur" als gefährdet angesehen wurde, gilt seit 2016 ebenfalls als vom Aussterben bedroht: Von 1994 bis 2016 ist die Zahl der Östlichen Flachlandgorillas von fast 17.000 auf weniger als 4.000 Tiere gesunken. Dreiviertel dieser Gorilla-Unterart sind also innerhalb nur einer einzigen Gorilla-Generation verschwunden. Und weiterhin sinkt ihre Zahl jährlich um fünf Prozent. Der Östliche Flachlandgorilla lebt endemisch im äußersten Osten der Demokratischen Republik Kongo, der seit Jahrzehnten von schweren Unruhen erschüttert wird. Bewaffnete Gruppen sind im Dschungel unterwegs und verhindern, dass nachhaltige Schutzprojekte für die Gorillas durchgeführt werden können. (Stand: 2016)

Ein paar Hundert Berggorillas

Berggorilla in Ruanda

Auch der Berggorilla, eine Unterart des Östlichen Gorillas, ist seit Jahrzehnten vom Aussterben bedroht. In den 1980er-Jahren gab es nur noch ein paar Hundert erwachsener Tiere. Seither konnte sich die seltene Art etwas stabilisieren: Im Jahr 2010 lebten etwa 790 Berggorillas in den Vulkanbergen Zentralafrikas. Mittlerweile schätzt man ihre Zahl auf etwa 880 Tiere im Kongo, in Ruanda und Uganda. Bis aber die Erholung des Bestandes nicht sicher festgestellt wurde, bleibt der Status der Berggorillas bei der IUCN gleich: vom Aussterben bedroht (Stand: Oktober 2016).

Zahl der Berggorillas stabil - dank Touristen

Berggorilla

Christof Schenck, Geschäftsführer der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF), glaubt, dass für die positive Entwicklung beim Berggorilla auch ein streng kontrollierter, sanfter Tourismus verantwortlich ist. In Ruanda beispielsweise können kleine Touristengruppen mit einer Spezialerlaubnis eine Stunde bei einer an den Menschen gewöhnten Berggorilla-Gruppe verbringen. Die Erlaubnis kostet derzeit etwa 800 Dollar. "Wir haben das mal ausgerechnet: Es gibt etwa 200 Besuchertage im Jahr. Mit einer groben Kalkulation sind wir auf vier Millionen US-Dollar gekommen - pro Gorilla. Das ist schon gewaltig und ein Riesenpotenzial", sagt Christof Schenck - und: "Keine andere Tierart kann lebend so viel Geld generieren wie Gorillas." Weil die Einnahmen auch in den Naturschutz und in die Bezahlung von Wildhütern fließen, sei diese Form des Tourismus ein wertvoller Beitrag für den Artenschutz.

Auch andere Menschenaffen akut bedroht

Auch beide Arten der Orang-Utans sind vom Aussterben bedroht: der Sumatra-Orang-Utan und der Borneo-Orang-Utan. Die anderen Großen Menschenaffen (Schimpanse und Bonobo) stehen zumindest als "gefährdet" auf der Roten Liste. So hat sich in den vergangenen fünfzig Jahren die Zahl der Schimpansen von zwei Millionen auf nur noch 300.000 Tiere weltweit reduziert, damit ist die Population um 85 Prozent geschrumpft.

Überleben gefährdet

Experten warnten davor, dass bis zum Jahr 2030 nahezu alle Habitate von Schimpansen, Gorillas, Bonobos und Orang-Utans durch den Abbau von Rohstoffen wie Öl, Gas oder Holz zerstört sein könnten. Falls die Entwicklung im heutigen Tempo weitergeht, werden nur noch zehn Prozent ihrer Lebensräume in Afrika und ein Prozent der Fläche in Asien unberührt sein.

Keine Gartenstühle aus Tropenholz

Ohne einen besseren Schutz könnten die Menschenaffen bereits in zehn bis zwanzig Jahren ausgestorben sein, warnt die Münchner Artenschützerin Sandra Altherr. Die Bestände der Gorillas können sich beispielsweise aufgrund der langsamen Fortpflanzungsrate nur schwer erholen: Eine Gorillamutter bekommt maximal alle fünf Jahre ein Junges. Allerdings könne jeder etwas zur Rettung des Gorillas beitragen, betont die Biologin von der Artenschutzorganisation Pro Wildlife. Da die Abholzung der Regenwälder den Tieren so zusetze, lautet ihr Appell, kein Tropenholz zu kaufen und besser zu Recyclingpapier zu greifen.

Steckbrief: der Gorilla

Der Gorilla zählt zusammen mit den anderen drei Großen Menschenaffen Orang-Utan, Schimpanse und Bonobo zu den engsten Verwandten des Menschen. Die Gattung Gorilla unterteilt sich in die beiden Arten Westlicher und Östlicher Gorilla. Zum Westlichen Gorilla zählen die zwei Unterarten Cross-River-Gorilla und Westlicher Flachlandgorilla. Zum Östlichen Gorilla gehören der Östliche Flachlandgorilla und der Berggorilla. Aus unseren Zoos und Tiergärten kennen wir meist den Westlichen Flachlandgorilla.


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