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Permakultur Zurück zum Kreislauf der Natur

Wenn Schweine frei herumlaufen und unter Obstbäumen wühlen, dann spart sich der Bauer die Pflugarbeit. Das ist eine der Strategien, auf die die Permakultur setzt. Das Konzept steht für eine nachhaltige Landwirtschaft.

Stand: 30.05.2012

Immer mehr Menschen interessieren sich dafür, wie sie nachhaltiger leben können. Das Konzept der Permakultur ist vor rund 40 Jahren von dem Australier Bill Mollison entwickelt worden, der dafür mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Permakultur setzt darauf, dass der Mensch die Natur genau beobachtet und kennen muss, um sie dann effektiv nutzen zu können. Dabei geht es darum, möglichst wenig Abfall zu produzieren, die Ressourcen nicht aus-, sondern zu nutzen und dabei effektiv zu wirtschaften.

Allgäuer Kräutergarten "Artemisia"

Seltene Obstbäume auf alten Kuhweiden, ein Bach und Sumpfwiesen voller Schlüsselblumen und Scharbockskraut, Kräuter- und Hügelbeete, ein kleiner von Birken gesäumter Teich: der Allgäuer Kräutergarten "Artemisia" ist 13 Hektar groß und wirkt paradiesisch. Er gehört zum Bauernhof von Tillmann Schlosser. Der Allgäuer hat vor 15 Jahren Bäume und Sträucher angelegt und das Gelände des ehemaligen Milchbauernhofs sozusagen "renaturiert". So wurde auch aus dem landwirtschaftlich kaum wertvollen Sumpfgebiet ein abwechslungsreiches Idyll mit Lavendelfeld und Traubenkirschen-Bäumen oder schattigen Meditationsplätzen. Ein gemeinsamer Lebensraum für Menschen, Pflanzen und Tiere. So, wie es die Permakultur vorsieht, der sich Tillmann Schlosser verschrieben hat.

Dauerhafte Landwirtschaft ...

... so könnte man den englischen Begriff "permanent agriculture" übersetzen. Verkürzt wird "permaculture" oder "Permakultur" daraus. Gemeint ist damit ein Konzept nachhaltiger Landwirtschaft, das darauf basiert, ökologische Beziehungen und Kreisläufe in der Natur genau zu beobachten und nachzuahmen. So setzt der Landwirt Pflanzen und Tiere gezielt so ein, dass sie sich gegenseitig bereichern. Im Idealfall arbeitet die Natur selbst so gut, dass der Bauer - ohne die Umwelt zu belasten - mit wenig Aufwand einen hohen Ertrag erzielt.

Permakulturgarten

Praktische Beispiele: Wer Brauch- und Regenwasser sammelt und geschickt verwendet, benötigt weniger künstliche Bewässerung oder wer Hügelbeete baut und Wasser umleitet, kann auch Feuchtgebiete bepflanzen. Wer weiß, wie der Regen einfällt und das entprechend zu nutzen weiß, der kann auch ohne Wasserzulauf wie Bach oder Quelle einen kleinen See anlegen.

Der Vater der Permakultur

Bill Mollison

Vater der Permakultur ist der Australier Bill Mollison. Er wurde 1928 in Tasmanien geboren und erforschte in den 1950er- und 1960er-Jahren als Biologe Wildnis und Regenwälder. Dabei entwickelte er ein tiefes Verständnis für die Natur.

Mensch versus Natur

Mollison berief sich auf eine wichtige Beobachtung: Natürliche Ökosysteme, insbesondere die des Regenwaldes, waren viel produktiver und artenreicher als die vom Menschen angelegten landwirtschaftlichen Monokulturen. Die funktionierten nur, wenn Landwirte mit chemischen Substanzen Pflanzen und Schädlinge, also Lebewesen, bekämpften. Für Mollison bedeutete die industrielle Landwirtschaft Krieg.

Lebensziel: Vorbild Natur

Sein Ziel war es eine Alternative nach dem Vorbild der Natur zu schaffen: für die Menschen nutzbare Lebensumgebungen, die genauso stabil waren, wie die natürlichen Ökosysteme der Wälder.

Erfolg

Mollison entwickelte das Permakultur-Konzept vor knapp 40 Jahren. Er schrieb Bücher und gründete in Australien das Permakultur-Institut, einer Non-Profit-Organisation.1981 erhielt er für seine Arbeit den Alternativen Nobelpreis. Gemeinsam mit seinem Schüler David Holmgren bildete er etwa 100.000 Menschen aus aller Welt in den Prinzipien dieser Form der nachhaltigen Landwirtschaft aus.

Zusammen statt gegeneinander

Das Ziel von Bill Mollison war es, gutes Wohnen und Leben mit der Landschaft zu kombinieren und dabei möglichst wenig Material und natürliche Ressourcen zu verbrauchen oder zu belasten. Was vielleicht im ersten Moment naiv klingen mag, war sehr wirtschaftlich gedacht: Monokulturen benötigen viel Energie um sie zu bewirtschaften, die Permakulturprojekte sollen dagegen das Leben erleichtern, bestenfalls weniger Arbeit verursachen und dennoch Erträge erzielen. Außerdem geht es darum, die Vielfalt zu schützen und zu unterstützen und so nicht nur riesige Flächen zu bewirtschaften, sondern kleinflächiger zu arbeiten.

Immer mehr interessieren sich

Weltweit wird das Thema angesichts der schwindenden natürlichen Ressourcen und der Nahrungsknappheit immer wichtiger. Landwirte, Gärtner, aber auch Stadtleute mit wenig ökologischer Erfahrung nehmen an Seminaren und Kursen teil. Sie wollen zum Beispiel wissen, wie man selbst Kräuter zieht, ein Gewächshaus bepflanzt, seinen Rasen in eine Wildblumenwiese verwandelt oder einen Selbstversorgerbalkon anlegt oder was vertikale Gärten sind. Sie interessieren sich dafür, wie man Hühner, Schafe, Ziegen oder Bienen hält - und zwar so, dass alle etwas davon haben. In den Kursen lernen die Teilnehmer auch die zwölf Grundregeln der Permakultur:

Die zwölf Regeln

1. Beobachte die Natur und interagiere sorgfältig mit ihr.
2. Fange die Energie ein und bewahre sie.
3. Ernte.
4. Beschränke dich.
5. Nutze erneuerbare Ressourcen.
6. Produziere keinen Abfall.
7. Gestalte nach übergeordneten Mustern bis ins Detail.
8. Integriere.
9. Finde kleine und langsame Lösungen.
10. Schätze die Vielfalt.
11. Nutze die Randzonen.
12. Sei kreativ und reagiere auf Veränderungen.

Mit diesen Regeln wird dann systematisch gelernt, wie Projektpläne angelegt werden und der Raum funktional genutzt werden kann. Dabei wird mehrdimensional gedacht: So wird nicht einfach nur ein Weizenfeld angelegt, sondern das Feld wird mit Bäumen oder einem Waldstück in der Mitte kombiniert. Dadurch findet an diesem Ort eine viel höhere Fotosynthese statt, mehr CO2 wird gebunden, mehr Biomasse wird aufgebaut und die Erträge sind vielfältiger. Ernteausfälle werden minimiert, der Boden bleibt gesund und es wird weniger Energie verbraucht.

Ethische Grundsätze

Und damit handelt man auch nach den drei ethischen Grundsätzen, die der Permakultur als Basis dienen: "Earth Care", also die Fürsorge für die Erde und das Leben auf der Erde ist einer davon. Als Ort für alle Lebewesen wird der Boden angesehen, der besonders geschützt werden muss. Der zweite Grundsatz gilt dem Menschen: "People Care" oder "Fürsorge für die Menschen". Der dritte Grundgedanke ist das "Gerechte Teilen". Es bezieht sich vor allem auch darauf, dass das Erdöl und die Bodenschätze gerecht verteilt werden müssen und die Emissionen, die ausgestoßen werden, möglichst gering gehalten werden sollen.


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