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Bio-Plastik "Bio" ist nicht immer "öko"

"Bio" ist in: beim Essen, bei der Kleidung und auch bei Kunststoffen. Teller kann man aus Kartoffeln herstellen oder Folie aus Mais. "Bio-Kunststoffe" klingen umweltfreundlich. Doch das sind diese Materialien oft gar nicht.

Stand: 03.02.2012
Junge Frau hält Teller und Kartoffeln | Bild: picture-alliance/dpa

"Bio" kann bei Bio-Kunststoffen zweierlei bedeuten: Zum einen kann es sich auf die Rohstoffe beziehen. Der Kunststoff ist in diesem Fall ganz oder teilweise aus Pflanzen hergestellt. Mais, Kartoffeln oder Getreide ersetzen Erdöl. Zum anderen kann "Bio-Kunststoff" aber auch bedeuten, dass er kompostierbar, also biologisch abbaubar ist. So soll weniger Müll als bei herkömmlichem Plastik entstehen, das nur äußerst langsam verrottet. Manche dieser Kunststoffe vereinen beide Eigenschaften: Sie sind aus "Bio-Rohstoffen" und "biologisch abbaubar". Aber sie sind nicht automatisch umweltfreundlicher als herkömmliches Plastik aus Erdöl.

Bio-Kunststoff verbraucht Land und Energie

Biologisch abbaubare Folie

Erstes Problem: Bio-Rohstoffe werden eigens für die Kunststoff-Produktion angebaut. Das geschieht auf Land, auf dem dann keine Nahrung mehr angebaut werden kann. Bei der Produktion verbrauchen Landmaschinen Energie, Dünger und Spritzmittel gelangen in die Natur. Schließlich werden die Rohstoffe zu einer Fabrik transportiert und dort in vielen Schritten verarbeitet. Auch das verbraucht Energie.

Broschüre des Bundesumweltamts

Beim Bundesumweltamt gibt es eine Broschüre mit Informationen zu biologisch abbaubaren Kunststoffen. Hier kann sie kostenlos heruntergeladen werden:

Nichts für den Komposthaufen

Ein Prototyp: Laufschuh aus Bio-Kunststoff

Zweites Problem: Auf dem Komposthaufen im Garten verrotten viele Bio-Kunststoffe nur langsam und unvollständig. "Kompostierbar" kann bei Bio-Kunststoffen nämlich auch heißen, dass sie erst bei Temperaturen von über 60 Grad Celsius zerfallen. So warm wird der Kompost nur in industriellen Kompostieranlagen. Diese nehmen Bio-Kunststoffe aber meist gar nicht an. Denn selbst in diesen Kompostieranlagen zerfällt das Plastik deutlich langsamer als die anderen Bio-Abfälle.

Besser Recycling statt Kompost

Radieschensamen auf einer Bio-Plastikfolie

Drittes Problem: Wer bei "kompostierbar" an wertvollen Humus denkt, liegt falsch. Bio-Plastik zerfällt hauptsächlich zu Kohlendioxid und Wasser. Der Müll ist dann zwar weg, aber auch der wertvolle Kunststoff samt der Energie, die man hineingesteckt hat, geht verloren. Bio-Kunststoffe sollten daher laut Umweltbundesamt besser langlebig sein und irgendwann recycelt werden, statt auf ihre Abbaubarkeit zu setzen. Bisher macht aber schon das Recyceln von herkömmlichen Kunststoffen Probleme: Es fehlt an Sortieranlagen, die Kunststoffe aus dem Müll herausfiltern können. Außerdem machen Bio-Kunststoffe nur einen Bruchteil des Mülls aus, sodass sich deren Recycling nicht lohnt. Wertvolle Bio-Kunststoffe gehen daher meist den gleichen Weg wie der Restmüll: Sie landen in der Müllverbrennungsanlage.