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Neozoen Fast zu pudelwohl im fremden Land

Waschbären, Grauhörnchen, Minks und Flohkrebse haben eines gemeinsam: Sie sind weit verbreitet, gehören aber eigentlich nicht in unsere Breiten. Fremde Tierarten, die Neozoen, können zur Bereicherung oder zur Bedrohung der Artenvielfalt führen.

Stand: 09.08.2016

Häufig sind Neozoen nicht auf eigenen Pfoten zu uns gewandert, sondern gewollt oder ungewollt aus Aquarien, Terrarien oder Tierfarmen geflüchtet. Der aus Nordamerika stammende Mink etwa wurde in Europa aus Pelztierfarmen befreit, die Bisamratte in Deutschland von Pelzhändlern ausgesetzt. Nicht selten wandern ausländische Tier- und Pflanzenarten auf Transportwegen oder über Kanäle ein. Bislang sind bereits 150 solcher Arten in deutschen Gewässern bekannt. Die Wollhandkrabbe zum Beispiel wurde aus Asien eingeschleppt. Genauso die Körbchenmuschel, die es mittlerweile bis in den Bodensee geschafft hat.

Fremde Arten in Bayern

Laut Bund Naturschutz gibt es in Bayern rund 48.000 Tierarten. Davon sind gut 1.050 sogenannte gebietsfremde Arten. Von diesen wiederum gelten mittlerweile etwa 300 als wild etabliert: der Jagdfasan, der Damhirsch und der Marderhund zum Beispiel.

Tierischer Einwanderer Marderhund

Im Schiffsbauch nach Bayern

Schwarzmundgrundel - vom Schwarzen Meer nach Bayern

Die Schwarzmundgrundel erobert neue Lebensräume in der Donau.

In der Donau haben Wissenschaftler beobachtet, wie schnell eine Fischart einen neuen Lebensraum eroberte und ein neuartiges Ökosystem entstand: Die Schwarzmundgrundel kam unter anderem aus dem Schwarzen Meer zu uns. "Vermutlich ist sie als blinder Passagier im Ballastwasser von Schiffen eingereist", sagt Jörg Brandner vom Lehrstuhl für Aquatische Systembiologie an der TU München.

Im Herbst 2009 wanderte die Schwarzmundgrundel in die Flussregion bei Bad Abbach ein und bildete dort rasch eine stabile Population. Einzelne Exemplare zogen weiter flussaufwärts. "Bereits im Herbst 2010, also ein Jahr später, haben wir die ersten Grundeln bei Kelheim gesichtet - etwa 15 Kilometer stromaufwärts. Mit einer so schnellen Invasion hätten wir nicht gerechnet", erzählt Brandner. Grundeln sind große und kräftige Tiere, die ein breites Nahrungsangebot nutzen und sich so im Beutewettbewerb gegen andere Arten durchsetzen können. Nach und nach verdrängen die Neuankömmlinge angestammte Fischarten wie Barbe oder Aitel. Stellenweise machen die Grundeln in ihren bevorzugten Habitaten, den Blocksteinufern, bereits über siebzig Prozent des gesamten Fischbestandes aus.

Höckerflohkrebs - umtriebiger Räuber vom Schwarzen Meer

Höckerflohkrebs

Der Höckerflohkrebs ist nur drei Zentimeter groß, aber ein cleverer, umtriebiger und dominanter Räuber. An den Flussläufen des Schwarzen Meeres ist er zu Hause, seit der Eröffnung des Main-Donau-Kanals 1992 erobert er aber die deutschen Gewässer. Für Biologen ist die Geschwindigkeit, mit der sich der Krebs ausbreitet, einmalig.

Im Rhein ist er schon die Nummer eins, weil er andere Krebsarten zurückdrängt und dabei sehr clever vorgeht: Er bereist die Flüsse als blinder Passagier an Booten - auch gegen die Strömung. Oder er klammert sich an den Füßen von Vögeln fest. 2003 wurde der Höckerflohkrebs zum ersten Mal im Bodensee entdeckt. Ein Jahr später hatte sich der kleine Krebs über den gesamten Überlinger See ausgebreitet, 2005 fand man ihn im Obersee, 2007 im Untersee. Einige Experten befürchten, die explosionsartige Vermehrung könnte unvorhersehbare Folgen für die deutschen Gewässer haben. Andere vermuten jedoch, dass sich die Population nach ein paar Jahren des Erfolgs genau wie beim Schlickkrebs wieder selbst reguliert.

Höckerflohkrebs und Schwarzmundgrundel – ein fatales Duo

Richtig gefährlich werden die beiden invasiven Arten aber im Duett. Das ist das Ergebnis einer Studie der Technischen Universität München (TUM), die Anfang September 2016 veröffentlicht wurde. Demnach ist der Höckerflohkrebs – auch Killer-Shrimp genannt – gar kein echter Räuber. Vielmehr spielt er beim massiven Artenschwund der Kleinkrebse in den heimischen Gewässern eher eine indirekte Rolle. Der Höckerflohkrebs verdrängt heimische Flohkrebse aus ihren Verstecken, wodurch diese wiederum leichte Beute für die ebenfalls eingewanderten Schwarzmundgrundeln werden. Diesen Zusammenhang haben die Forscher durch Versuchsreihen in Aquarien im Weihenstephaner Labor herausgefunden.

"Invasive Kernschmelze"

In den Uferbereichen mancher Flüsse machen die Schwarzmundgrundeln stellenweise bereits mehr als 70 Prozent des gesamten Fischbestandes aus. "Der Große Höckerflohkrebs und die Schwarzmundgrundel kommen in großer Anzahl in der bayerischen Donau vor, was zu einem vollkommen neuen Nahrungsnetz mit veränderten Lebensgemeinschaften führt", so der Systembiologe Sebastian Beggel. Seine Studie sieht er als Beleg dafür, dass eine sogenannte invasive Kernschmelze, wie sie in der systembiologischen Theorie postuliert wird, in manchen großen Fließgewässern schon längst stattfindet.

Bodensee - begehrte Heimat blinder Passagiere

Körbchenmuscheln

Neben dem Höckerflohkrebs haben bereits hunderte fremder Tierarten ihren Weg in den Bodensee gefunden. Würde man einen Quadratmeter Seeboden an die Oberfläche holen und alle Tiere darauf sortieren und wiegen, kämen die gebietsfremden Arten auf zwei Drittel des Gewichts. Auffälligster Neuankömmling ist vielleicht der Kaulbarsch, der eigentlich in mittel- und osteuropäischen Flüssen sowie der Ostsee zuhause ist: Der bunt schillernde Fisch mit seinem Zackenkamm wurde 1987 zum ersten Mal beobachtet. Wenige Jahre später galt er schon als häufigster Fisch in der Flachwasserzone. Seit 2003 ist im Bodensee auch die aus Asien stammende Körbchenmuschel heimisch, seit 2006 die Schwebegarnele, die in allen Weltmeeren zuhause ist. Die meisten Tiere wurden vom Menschen eingeschleppt: im Kühlwasser der Segelboote schwimmend, am Taucheranzug oder am Schiffsbauch klebend. Die ausgebauten Schiffswege bieten verschiedensten Arten eine Art Autobahn zwischen den ursprünglich getrennten Wassersystemen.

Im Bodensee verlief die tierische Zuwanderung bislang glimpflich. "Aber irgendwann kann auch mal was passieren, mit dem der Bodensee Schwierigkeiten hat", meint Herbert Löffler vom Institut für Seenforschung in Langenargen (Bodenseekreis). "Das ist ein bisschen wie Roulette. Man weiß einfach nicht, was noch kommt."

Blinde Passagiere auf Reisen

Zebramuscheln

Auch mit den rund zehn Milliarden Tonnen Ballastwasser, die jährlich über die Weltmeere bewegt und ausgetauscht werden, dringen fremde Meeresarten in neue ökologische Systeme ein. Bei Schiffen mit geringer oder ohne Ladung werden Tanks mit Wasser gefüllt, damit sie auch mit weniger Gewicht tief genug im Wasser liegen. Oft haben sie dann jedoch nicht nur Wasser im Bauch, sondern auch blinde Passagiere. Prominentes Beispiel ist die Zebramuschel, die von Osteuropa kommend das Ökosystem im nordamerikanischen Eriesee massiv verändert hat.

Ballastwasser desinfizieren

Um die Einreise blinder Passagiere zu verhindern, suchen Wissenschaftler nach Methoden, Organismen im Ballastwasser abzutöten. Eine Möglichkeit ist die Desinfektion mit Mikrowellen, allerdings ist diese Hitze-Methode kostenintensiv.

Tierischer Einwanderer Waschbär

"Waschbären werden immer mehr in München. Eine Arbeitskollegin hat mich angerufen: 'Ich hab da ein Tier auf dem Giebel gesehen, mit dem ich absolut nichts anfangen kann. Ich weiß nicht, was es ist.' Dann hat sie's beschrieben: einwandfrei Waschbär", berichtet Wolfgang Schreyer, Stadtjäger aus München. Ursprünglich war der Waschbär in Nord- und Mittelamerika zuhause. In den 1920er-Jahren wurde er zur Pelzzucht nach Deutschland eingeführt. 1934 hat ein Forstmeister in Hessen zwei Pärchen ausgewildert, seither verbreiten sich die Tiere in Deutschland. In Bayern sind die ersten um 1962 aufgetaucht. Dreißig Jahre später haben sie bereits alle Landkreise erobert.

Mit den Neuen kommen die Probleme

In der Natur herrscht ein stetes Fressen und Gefressen werden. Normalerweise kennen die Tiere jedoch ihre Feinde und haben gelernt, sich vor ihnen in Acht zu nehmen. Die neuen Beutegreifer wie den Marderhund kennen sie jedoch noch nicht. "Das hat die Konsequenz, dass es zu sehr hohen Verlusten, etwa bei Niederwildarten und Bodenbrütern, kommt", erzählt Stadtjäger Wolfgang Schreyer. "Kiebitz, Brachvogel, Rebhuhn und Fasan müssen ihn erst kennenlernen. Und bis das soweit ist, da ist es schon zu spät." In bereits durch den Menschen geschädigten Lebensräumen können eingewanderte Arten zum Problem werden. Sie können auch Krankheiten einschleppen: Der Amsel macht das von einer afrikanischen Mücke mitgebrachte Usutu-Virus zu schaffen, dem Edelkrebs die Krebspest, die vom nordamerikanischen Signalkrebs übertragen wird.

"Jede Veränderung einer in Jahrmillionen gewachsenen Artenzusammensetzung, die in einer komplexen Abhängigkeit voneinander steht, die ich als Mensch mache, bringt insgesamt Veränderungen, die ich überhaupt nicht absehen kann. Darum sollte man überhaupt keine neuen Arten irgendwo aus- oder einbringen. Auch nicht aus wirtschaftlicher Sicht."

Christine Margraf, Artenschutzreferentin für Südbayern beim Bund Naturschutz

Tierische Neubürger kritisch beobachten

Ein Kalikokrebs, der ursprünglich in den USA beheimatet ist, breitet sich an einem See in Rheinstetten in Baden-Württemberg aus.

Das Bundesamt für Naturschutz legt für die in der freien Natur etablierten neuen Arten Datenblätter an, um auf wissenschaftlicher Basis eine Bewertung vornehmen zu können. "Wir brauchen genaue Untersuchungen: Wo sind die Arten überhaupt verbreitet, welche Ernährungsweise haben sie? Und dann muss man schauen, welche Auswirkungen das auf andere Arten hat. Wenn man dann harte Daten hat, muss man gegebenenfalls mit Steuergeldern im Rahmen von Managementplänen eingreifen", meint Christian Magerl, Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt- und Verbraucherschutz im Bayerischen Landtag.

Der Ochsenfrosch, ein Eindringling aus Nordamerika, fiel erstmals vor 15 Jahren in süddeutschen Baggerseen auf.

Christine Margraf, Artenschutzreferentin für Südbayern beim Bund Naturschutz, warnt vor übertriebenem Aktionismus: "Der Ochsenfrosch wird massiv bekämpft, auch zu Recht, weil klar ist, dass er heimische Arten verdrängt. Aber überall, wo das nicht nachgewiesen ist, nur zu sagen, weil sie fremd sind, müssen sie weg, das ist übertrieben." Wenn sich fremde Arten an die neue Flora oder Fauna anpassen, können sie die heimische Artenvielfalt auch bereichern.

Gottesanbeterin breitet sich bei uns aus

Tiere des Südens

"Mantis religiosa" lautet der wissenschaftliche Name der Gottesanbeterin. Denn wenn sie die Beine anwinkelt, sieht sie aus, als ob sie beten würde. In Wirklichkeit lauert sie auf Beute. Die Fangschrecke schnappt blitzschnell zu und frisst Insekten wie Bienen, Fliegen, Milben, Heuschrecken. Das zarte grüne Flügelwesen mit den kräftigen Beinen, deren Schenkel einer Säge gleichen, ist eigentlich im warmen Mittelmeerraum zuhause.

Reisende per Zug

Auf dem ehemaligen Güterbahnhof in Berlin-Schöneberg wurde schon 1998 eine Mantiden-Population entdeckt. Dieser Bestand ist genetisch verwandt mit den Mantiden in Tschechien. Wie sind die Tiere dorthin gekommen? Mit einem Zug aus dem Süden oder haben "Naturfreunde" sie ausgesetzt? Jedenfalls können sich die Schrecken auf dem Berliner Güterbahnhof ungestört entwickeln und außerdem ist es dort schön warm.

Einwanderer aus Osten

Auch in anderen östlichen Bundesländern wie Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Sachsen breiten sich die Insekten aus, vor allem an den Rändern von Tagebaugebieten oder auch auf Truppenübungsplätzen. Von insgesamt vierzehn Fundorten ist die Rede, die Hälfte davon wurde erst im Jahr 2014 entdeckt. Bei den sächsischen Gottesanbeterinnen vermuten Forscher, dass sie aus Polen durch das warme Elbtal eingewandert sind.

Routen von Westen

Einwanderungen sind auch aus dem südlichen Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz bekannt. Fundmeldungen aus dem Moseltal bei Trier deuten auf eine Einwanderungsroute über Luxemburg hin. Möglicherweise begünstigt der Klimawandel die Ausbreitung des wärmeliebenden Insekts nach Norden hin. In den Eigelegen (Oothek) sind die Eier geschützt und können Temperaturen bis zu minus 40 Grad überstehen. Aus einem Gelege kriechen durchschnittlich 150 Jungtiere. Die Männchen sind kleiner - und werden so manches Mal nach der Paarung von den Weibchen verspeist.

Grauhörnchen gegen Eichhörnchen

Das einheimische Eichhörnchen wird in England vom Grauhörnchen vertrieben.

Vor gut einem Jahrhundert wurden ein paar Exemplare des nordamerikanischen Grauhörnchens Sciurus carolinensis in England ausgesetzt. Seither haben sie sich ungehemmt vermehrt und ausgebreitet - zum Schaden des einheimischen Eichhörnchens, das wohl bald aus den britischen Wäldern und Parkanlagen verschwunden sein wird. Um das zu verhindern, wurden in Großbritannien mittlerweile drei Eichhörnchen-Reservate eingerichtet.

Im Gegensatz zum europäischen Hörnchen sind Grauhörnchen große Waldschädlinge und Nahrungskonkurrenten der heimischen Vogelwelt. Da sie beim Futtern lange nicht so wählerisch sind, konnten sie die Eichhörnchen schnell aus den heimischen Parks vertreiben. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann das erste Grauhörnchen - absichtlich oder versehentlich - über den Kanal geschmuggelt wird und seinen Siegeszug in Europa fortsetzt

Ungebetene Gäste auf Galapagos

Es gibt auch den umgekehrten Fall, dass Tiere, wie Insekten, durch den Flugverkehr in Laderäumen mitgenommen werden und sich auf fremdem Terrain ungebremst ausbreiten. Ein Beispiel ist die Stechmücke Culex quinquefasciatus, deren Ausbreitung auf den Galapagos-Inseln untersucht wurde. Die Mücke überträgt diverse Krankheiten, die auf den Inseln nicht vorkommen, und bedroht so insbesondere die dortige Vogelwelt. Daher beschloss die ecuadorianische Regierung, ankommende Flugzeuge mit Insektiziden zu behandeln.

Wie der Europäische Star die USA belagert

Invasion als Schwarm

Riesige Schwärme des Sturnus vulgaris, des Europäischen Stars, ziehen in den USA durch die Lüfte und belagern ganze Landstriche. Das berichtet "Natur. Das Magazin für Natur, Umwelt und besseres Leben" in seiner Ausgabe vom November 2013. Zu einer echten Plage geworden, richten die Vögel ungeheuren Schaden an. 2009 ergab eine Studie der Cornell University, dass Stare in der US-amerikanischen Landwirtschaft jedes Jahr einen Schaden von rund 800 Millionen Dollar verursachen. Dabei gab es bis Mitte des 19. Jahrhunderts gar keine europäischen Stare in den USA.

Shakespeare und ein Apotheker sind schuld

Ende des 19. Jahrhunderts kamen die ersten Vögel dieser Art in die USA. Schuld daran war der amerikanische Apotheker Eugene Schieffelein, der Shakespeare unglaublich liebte. Seine Liebe zu dem Dichter ging so weit, dass er alle 600 Vogelarten, die bei Shakespeare erwähnt wurden, in die USA bringen wollte. So importierte er 1890 auch sechzig Stare aus England nach New York, ein Jahr später kamen 40 weitere Vögel hinzu. Inzwischen wird die Zahl auf 150 bis 200 Millionen geschätzt.

Ökologische Nische besetzt

Bis heute wissen Ornithologen nicht genau, warum sich der Europäische Star in den USA so rasant ausbreiten konnte. Sie vermuten, dass die Allesfresser hier reichlich Nahrung fanden und ihnen das gemäßigte Klima entgegenkam. Bemerkenswert ist allerdings, dass die Stare keine einheimischen Vögel verdrängten. Offenbar müssen die eingewanderten Europäer eine ökologische Nische gefunden haben.

Von Manhatten über die USA

Forscher wissen mittlerweile, dass die Vögel zunächst nur in Manhattan blieben. Zehn Jahre nachdem sie in die USA einwanderten, waren sie schon im Großraum New York zu finden. Durch den Vogelzug kam der Star auch in den Süden, dann setzte sich die Invasion nach Westen und Norden fort. 1921 kamen die Stare in Ohio an, 1942 landeten sie an der Pazifikküste. Mittlerweile leben sie zwischen Alaska und Baja California.

Abwehrversuche

Mit den unterschiedlichsten Mitteln wurde versucht, den Staren Herr zu werden: Eulenrufe aus Lautsprechern sollten sie abschrecken, genau wie Luftballons, Attrappen oder Juckpulver. Eingesetzt wird DRC-1339, ein Vogelgift, an dem Tiere, die es gefressen haben, sterben. Oder Chemikalien, die an den Federn der Vögel festkleben und die Tiere dadurch erfrieren lassen. Laserstrahlen und Knallkörper sollen die Schwärme vertreiben. Doch bisher war keine Methode wirklich erfolgreich.

Alarm in Australien: Säugetierarten bedroht

Aussterbende Säugetiere in Australien | Bild: Jonathan Webb/picture-alliance/dpa

Der Beutelmarder - eine gefährdete Säugetierart in Australien

Nacktbrustkängurus und Mosaikschwanzratten gibt es in Australien nicht mehr. Sie sind - wie insgesamt mindestens 28 Arten, die die Regierung auflistet - auf dem fünften Kontinent ausgestorben. Schuld daran sind wohl vor allem eingewanderte Arten wie Rotfüchse (Vulpes vulpes) und Katzen (Felis catus).

Die Bürstenschwanz-Kaninchen-Ratte, eine bedrohte Säugetierart in Australien

In vielen anderen Ländern sind Tiere gefährdet oder ausgestorben, weil ihr Lebensraum beschnitten wurde. In Australien jedoch haben die Tiere ausreichend Platz, werden aber von Raubtieren gejagt, die eigentlich nicht auf den Kontinent gehören: Fuchs und Katze wurden im 17. und 18. Jahrhundert aus Europa eingeführt. Sie haben sich über Dreiviertel des Kontinents ausgebreitet. Viele der gefährdeten Arten sind Nachttiere und zudem scheu, also nicht so präsent im Bewusstsein der Menschen. Erst langsam rückt die australische Behörde für bedrohte Arten den Raubkatzen mit Giftködern zu Leibe oder sie baut Schutzgebiete mit Zäunen, wo sich die heimischen Tiere wieder erholen können.


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