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Der Bayerische Wald Nationalpark mit Wildwuchs

Vor über vierzig Jahren wurde Deutschlands erster Nationalpark eröffnet. "Ein Urwald für unsere Kinder und Kindeskinder" sollte er werden. Doch das Konzept, möglichst wenig in die Natur einzugreifen, sorgt bis heute für Konflikte.

Stand: 09.10.2012

Am 7. Oktober 1970 wurden rund 13.000 Hektar Staatswald im Grenzgebiet zu Tschechien zum ersten deutschen Nationalpark ausgewiesen, so wie es der Bayerische Landtag am 11. Juni 1969 einstimmig entschieden hatte. Ziel des damaligen Forstministers Hans Eisenmann (CSU) war es, einen sich selbst überlassenen Wald zu schaffen. Der Nationalpark war aber auch eine Art Entwicklungshilfe für die Region am damaligen Eisernen Vorhang.

Der Nationalpark im Detail

Der Borkenkäfer im Nationalpark

Prominente Naturschützer hatten für die Nationalparkgründung gekämpft, zum Beispiel Hubert Weinzierl vom Bund Naturschutz in Bayern und der Fernseh-Tierschützer Bernhard Grzimek. Aber anfangs ging es nur halbherzig um den reinen Naturschutz. In den ersten Jahren wurde sogar noch das Holz genutzt.

Das änderte sich schlagartig durch zwei heftige Stürme im Jahr 1983. Die bayerische Staatsregierung entschied, die entwurzelten oder geknickten Bäume im Nationalpark liegen zu lassen. Das schuf ideale Bedingungen für eine natürliche Entwicklung der Natur, aber auch für den Borkenkäfer. Ganze Wälder fraß er kahl.

Die Erweiterung von 1997

Lage des Nationalparks

Der Bayerische Wald liegt am Südwestrand der "Böhmischen Masse", einem weitläufigen Mittelgebirge. Zusammen mit dem Böhmerwald, dem tschechischen Nationalpark Šumava und dem Mühlviertel bildet der Bayerische Wald das größte zusammenhängende Waldgebiet Mitteleuropas. Das Grundgestein aus Graniten und Gneisen zählt zum ältesten "Urgestein" der Erde.

Doch zwischen den grauen Baumgerippen wuchsen junge Bäume nach: Vogelbeeren, Fichten, Tannen, Buchen. Ein bunter Urwald entstand, wie ihn der Mensch selbst nie pflanzen würde. Im Landkreis Freyung-Grafenau hatte man sich gerade erst auf die Urwaldidee eingelassen, da wurde im Jahr 1997 der Streit um den Nationalpark neu angefacht: durch die Pläne, ihn in den Landkreis Regen zu erweitern.

Das Nationalpark-Konzept

Bildergalerie

Fischotter  | Bild: picture-alliance/dpa zur Bildergalerie Im Bayerischen Wald Und täglich grüßt der Fischotter

Dort, wo der Wald wieder zum Urwald wird, dort fühlen sich scheue Tiere wie der Luchs, der Wolf und der Braunbär wieder wohl. Aber auch andere Waldbewohner lassen sich immer häufiger blicken. [mehr]

Die Erweiterung auf jetzt über 24.000 Hektar kam, aber mit Kompromissen. Bis 2027 darf im Erweiterungsgebiet der Borkenkäfer bekämpft werden. Mindestens drei Viertel des Nationalparks werden sich selbst überlassen, in diesen sogenannten Naturzonen, die nach und nach ausgewiesen werden, darf der Mensch nicht eingreifen. Doch über die liegen gelassenen Bäume wird immer wieder heftig gestritten. Der Natur sind die streitenden Menschen egal. Seltene Tiere und Pflanzen erobern den Nationalpark. So gibt es dort zum Beispiel rund 2.000 verschiedene Pilzarten - zehnmal so viel wie in einem Wirtschaftswald.

Nationalparkgehege mit zwei neuen Luchsen

Im Ludwigsthaler Tierfreigelände des Nationalparks gibt es seit OKtober 2012 wieder ein Karpatenluchspärchen. Beide stammen aus dem Zoo in Salzburg, der sein Luchsgehege mangels Platz aufgibt. Es handelt sich um eine sechs Jahre alte Luchsdame und ein einjähriges Männchen. Die Nationalparkverwaltung hofft jetzt auf Luchsnachwuchs, vielleicht schon im Frühjahr. Der Karpatenluchs lebt im Bayerischen Wald auch wild.

Zahlen und Fakten

Die Nationalparkverwaltung geht davon aus, dass im Sommer 2012 knapp 16.000 Festmeter Waldholz vom Borkenkäfer betroffen wurden, das entspricht geschätzten 8.000 Bäumen. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Befall zurückgegangen: 2011 mussten insgesamt rund 170.000 Festmeter gefällt werden, weil die Bäume vom Käfer befallen oder durch Stürme beschädigt waren. Im Bayerischen Wald greift vor allem der Fichtenborkenkäfer die Bäume an. Diese Art neigt zur Massenvermehrung und befällt vor allem ältere Fichten. Seit 1995 habe der Borkenkäfer im Nationalpark eine Fläche von über 5.000 Hektar befallen, so der Sprecher der Nationalparkverwaltung, Rainer Pöhlmann.

Wildnis mitten in Deutschland

Zwei Millionen Besucher kommen jedes Jahr in eine der vielen Besuchereinrichtungen, die in über 40 Jahren im Nationalpark geschaffen wurden, vom Wildniscamp bis zum Baumwipfelpfad oder auch einfach nur zum ausgiebigen Wandern. Sie beobachten, laufen und staunen - über ein Stück Wildnis in Deutschland.


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