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Mückenatlas Deutschland Mücken fangen für die Wissenschaft

Mückenstiche sind lästig, aber harmlos. Das könnte sich ändern: Zu uns gelangen exotische Mückenarten, die Krankheiten übertragen. Wissenschaftler wollen deshalb mit dem Mückenatlas herausfinden, wo welche Mücken leben. Jeder kann mitmachen.

Stand: 24.08.2017

Weltweit gibt es rund 3.500 Stechmückenarten. 50 davon wurden bisher in Deutschland nachgewiesen. Weil Mücken von der Wissenschaft lange vernachlässigt wurden, wusste man nie genau, wo welche Arten in welcher Häufigkeit bei uns vorkommen. Das will der "Mückenatlas" ändern, der 2012 ins Leben gerufen wurde. Initiatoren sind das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg und das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in Greifswald.

Im Mückenatlas wird jede Mücke, die durch Deutschland sirrt, bestimmt

Allein 2016 wurden rund 40.000 Mücken für die Forschung gefangen.

7.250 Briefe und Päckchen haben die Wissenschaftler allein in der Mückensaison 2016 von Mückenjägern aus ganz Deutschland bekommen. Zehntausende von Mücken bestimmen und kartieren sie jedes Jahr für den Mückenatlas. Was die Wissenschaftler bereits herausgefunden haben: Unter die heimischen Mückenarten mischen sich immer mehr gefährliche Exoten.

"Durch die in Europa in den letzten Jahren zunehmenden Ausbrüche von Stechmücken-übertragenen Krankheiten wie Dengue-, Westnil- oder Chikungunya-Fieber sowie den jüngsten Zika-Virus-Ausbruch in Südamerika wurde die aktuelle Bedeutung von Stechmücken als Krankheitsüberträger unter Beweis gestellt. Zur Risikoabschätzung benötigen wir dringend Daten zur Verbreitung der in Deutschland vorkommenden invasiven und einheimischen Arten."

Doreen Walther, Biologin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung

Wissenschaftler und Bürger fangen Mücken für den Mückenatlas

Um ein möglichst großes Spektrum an Arten zu fangen, haben die Forscher bundesweit 120 eigene Fallen an verschiedenen Standorten aufgestellt und benutzen unterschiedliche Köder. Ein Lockstoff ist zum Beispiel Kohlendioxid. Das Gas simuliert den menschlichen und tierischen Atem und ist für einheimische Mücken besonders attraktiv. Außerdem kann jeder, der eine Mücke gefangen hat, sie den Wissenschaftlern zur Bestimmung schicken - aber bitte nicht zerquetscht!

Mitmachen, aber bitte nicht draufhauen!

Das Forscherteam des "Mückenatlas" benötigt weiterhin Mücken aus allen Teilen Deutschlands. Vor allem aus dünn besiedelten Regionen Deutschlands kommen wenige Einsendungen. Doch die Mücken einfach totschlagen ist nicht erlaubt: Zerquetscht nützen die Insekten der Wissenschaft nicht mehr. Die Stechmücken sollen unbeschädigt eingefangen und in ein passendes Gefäß, zum Beispiel ein Einweckglas, befördert werden. Danach kommen sie über Nacht ins Tiefkühlfach. Anschließend werden sie an das ZALF geschickt. Informationen zum Mückenatlas, wie man Mückenjäger wird und Wissenswertes über Stechmücken gibt es hier:

"Je mehr Tiere die Leute einschicken, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, unterschiedliche Arten zu finden."

Doreen Walter, Biologin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung

Eingeschleppte Mücken können Krankheiten übertragen

Weibliche Asiatische Tigermücke. Wie auch die Asiatische Buschmücke ist die Asiatische Tigermücke nach Deutschland eingewandert. Der Mückenatlas soll Aufschluss über ihre Verbreitung geben. | Bild: picture-alliance/dpa/James Gathany/CDC zum Artikel Asiatische Tigermücke Die gefährliche Wärmeliebhaberin erobert Deutschland

Mücken nerven - und können gefährlich sein: Vor zehn Jahren tauchte zum ersten Mal die Asiatische Tigermücke bei uns auf. Weil sie eine Vielzahl gefährlicher Viren übertragen kann, möchte man sie lieber wieder loswerden. [mehr]

Die zunehmende Globalisierung und vor allem der länderübergreifende Warentransport begünstigen, dass Stechmücken, die bisher nicht in Deutschland zu finden waren, eingeschleppt werden und sich hier ansiedeln. Einige von ihnen, wie die Asiatische Buschmücke und die Asiatische Tigermücke können gefährliche Krankheitserreger übertragen. Die Asiatische Tigermücke gilt als besonderes Risiko: "Weit mehr als zwanzig, vor allem aus den Tropen bekannte Krankheitserreger, kann diese Art nachweislich übertragen - darunter das Dengue-, Westnil- und Gelbfieber-Virus, aber auch das berüchtigte Zika-Virus", erklärt Helge Kampen, Infektionsbiologe am Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit in Greifswald, Mecklenburg-Vorpommern.

"Wir wissen, dass wir es in naher Zukunft immer mehr mit über Insekten übertragenen Erkrankungen zu tun haben werden. Nicht gleich, aber in zehn, fünfzehn Jahren. Und da ist es wichtig, dass man weiß, welche Mückenarten vorkommen, um präventiv darauf einwirken zu können."

Professor Sven Klimpel, Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut

Im Mückenatlas sind auch einheimische Mücken unter strenger Beobachtung

Eine Bedrohung geht aber nicht nur von eingewanderten Mücken aus. Für den Mückenatlas untersuchen die Wissenschaftler der beteiligten Institute auch, inwieweit einheimische Mücken gefährliche Viren und andere Krankheitserreger aufnehmen und verbreiten. Forscher konnten bereits einen neuen Parasiten in Deutschland nachweisen, den Hundeherzwurm (Dirofilaria immitis). Er kommt normalerweise im Mittelmeerraum vor und wurde in Mücken in Baden-Württemberg und dem Havelland gefunden. Die Insekten können die Wurmlarven auf Hunde übertragen. Ausgewachsen kann der Wurm das Hundeherz schädigen. Für Menschen ist er in der Regel ungefährlich. In Brandenburg wurden bereits in drei Stechmückenarten Larven des Hundehautwurms (Dirofilaria repens) entdeckt. Dieser kann beim Menschen eine Hirnhautentzündung auslösen. Bisher ist in Deutschland noch keine Übertragung auf Menschen bekannt. Doch sollte dieser Fall eintreten, werden wir uns wohl noch mehr als bisher vor Mückenstichen in Acht nehmen müssen.

Mücken lieben es feuchtwarm

Mücken nutzen zur Eiablage ruhige Wasseroberflächen in der Natur, aber auch Regentonnen und andere mit Wasser gefüllte Behälter. Wenn es regnet und die Temperaturen sommerlich sind, kann das eine regelrechte Mückenplage zur Folge haben: Bei guten Bedingungen benötigt eine neue Mückengeneration nur rund zwei Wochen bis zum Schlüpfen.

  • Krankheitsüberträger Mücke - exotische Überträgermücken in Deutschland: 18.06.2017, 15:30 Uhr, Alles Wissen - Das Wissensmagazin, ARD-alpha 
  • Mückenalarm! Drohen Tropenkrankheiten? 09.03.2017, 15 und 22 Uhr, Planet Wissen, ARD-alpha.
  • Stadt Augsburg beteiligt sich am Mückenatlas: 29.07.2016, 12.05 Uhr, Mittags in Schwaben, Bayern 1.
  • Mückenalarm! Drohen Tropenkrankheiten? 19.04.2016, 15 und 22 Uhr, Planet Wissen, ARD-alpha.
  • Deutscher Mückenatlas: Immer mehr exotische Einwanderer: 07.08.2015, 19 Uhr, Unser Land, BR Fernsehen.
  • Ausbreitung Asiatische Buschmücke: 06.10.2014, 16.45 Uhr, nano, ARD-alpha.
  • Mückenatlas: 02.07.2013, 16.45 Uhr, nano, ARD-alpha.
  • Schnakenbekämpfung: 18.06.2013, 16.45 Uhr, nano, ARD-alpha.
  • Mückenatlas - jede Mücke zählt: 06.09.2012, 10.05 Uhr, Notizbuch, Bayern 2.

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