Schatz aus dem Moor 2.000 Jahre alte Mooreichen entdeckt
Durch einen Orkan sind zur Keltenzeit drei Eichen in ein Moor gestürzt. Dort überdauerten sie - bis jetzt. Ein Landwirt entdeckte die Stämme auf seinem Feld nahe Waging am See. Eine wurde nun versteigert.
Für die Geologen des bayerischen Landesamtes für Umwelt sind die Mooreichen ein wichtiger Fund, der ihnen weitere Erkenntnisse über den Chiemgau im ersten Jahrhundert vor Christus liefert. Der Landwirt, der die Mooreichen entdeckt hat, erhofft sich dagegen einen Geldsegen durch den Verkauf der Stämme.
Es zählen die inneren Werte
Auch wenn die Rinde vergammelt ist, das Spintholz eher hell und die Oberfläche schäbig aussieht: Die Mooreichen sind dennoch wertvoll, denn das Kostbarste der Mooreichen ist ihr Innerstes: das Kernholz. Begehrt ist dieses Holz wegen seiner schwarzen Färbung. Die entsteht durch eine chemische Reaktion: Das Kernholz enthält viel Gerbsäure und diese reagiert mit Eisensalzen im Wasser. Je länger das Holz im Wasser gelagert war, desto intensiver und gleichmäßiger wird die dunkle Farbe. Zudem wird das Holz mit der Zeit auch immer härter.
Stars der Auktion in Waging am See
Ein Landwirt fand die Mooreichen, als er im vergangenen Herbst einen Bach ausbaggern wollte. Er erkannte schnell, welchen Schatz er gefunden hatte und ließ die Bäume untersuchen. Weil er sie auf seinem Grund gefunden hat, kann er die Eichen auch verkaufen. Auf einer Holzauktion in Waging am See wurden die edlen Stämme als kostbares Wertholz für Furniere, Schmuckstücke und Möbel angeboten. Dort wurde die kleinste der drei Eichen zum Preis von 1.000 Euro pro Festmeter verkauft.
Bäume aus der Keltenzeit
Ein ganz anderes Interesse an den Mooreichen haben die Wissenschaftler des bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU). Sie sind begeistert von den 2.000 Jahre alten Bäumen. Dank der Analyse der Jahressringe und Wachstumsmuster wissen sie, dass die Bäume im ersten Jahrhundert vor Christi Geburt hier standen, also zu der Zeit, als Kelten und Römer die Gegend besiedelten. Zumindest bis ein gewaltiger Sturm - Chef-Geologe Roland Eichhorn geht sogar von einem Orkan über dem Chiemsee aus - die Bäume fällte.
"Es ist ein geologischer Glücksfall, dass die Baumstämme in ein nachzeitliches Moor kippten und so an Ort und Stelle über Jahrtausende praktisch unversehrt erhalten blieben."
Roland Eichhorn (LfU)
Durch Orkan gefällt
Eichhorn geht davon aus, dass die bestens erhaltenen, bis zu sechs Meter langen und 70 Zentimeter dicken Eichenstämme einem Orkan der Kategorie Kyrills zum Opfer fielen. Kyrill wütete im Jahr 2007 über Europa und hinterließ auch in Deutschland eine Schneise der Verwüstung. Allein in Bayern legte Kyrill damals sechs Millionen Bäume um. Der Orkan, dem wir die Mooreichen zu verdanken haben, muss von ähnlicher Wucht gewesen sein. Rund um Grabenstätt (Kreis Traunstein) soll er mit Windstärken von bis zu 170 Stundenkilometern getobt haben. "Bei weniger Wind bricht eine Eiche nicht auseinander", erklärte der Geologe.
Eichen als Zeitzeugen
Für die Urgewalt des Orkans spricht auch, dass die Eichen in der Mitte gesplittert sind und die Stämme alle in dieselbe Richtung fielen. Auch dass es ausgerechnet Eichen getroffen hat, ist ein Glücksfall für die Forscher. Denn Eichen vermodern im Moor nicht. Das Alter von zwei der drei Mooreichen wurde von der Universität Hohenheim im Auftrag der TU München durch Auszählen und Vergleichen der Wachstumsringe genau bestimmt: Sie wurden auf 96 beziehungsweise 106 Jahre vor Christus datiert und waren rund 200 Jahre alt - bevor sie ins Moor stürzten. Ihr Fund gibt den Geologen weiteren Aufschluss darüber, wo sich im Chiemgau und rund um den Chiemsee Moorgebiete befanden.

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