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Luftdruckgebiete Paten für Hoch- und Tiefdruckgebiete gesucht

Ob bei uns strahlender Sonnenschein oder dichter Regen herrscht, wird über dem Nordatlantik entschieden. Hier braut sich unser Wetter zusammen – abhängig von Azorenhoch und Islandtief. Sie bestimmen unser Wetter.

Stand: 12.01.2017

Azorentief Gordon | Bild: NASA

Azorenhoch und Islandtief sind zwei sehr beständige Druckgebiete, die ständig von Kalt- und Warmluftmassen angereichert werden. Diese Luftmassen stammen aus dem Polargebiet oder dem Äquatorbereich und fließen in die Mittleren Breiten. Wechselhaft wird es bei uns, wenn ständig neue Tief- und Hochdruckausläufer von Island und den Azoren über Deutschland und Mitteleuropa ziehen – angetrieben von den bei uns vorherrschenden Westwinden.

Welches Hoch- oder Tiefdruckgebiet hätten'S denn gern?

Paten für Hochs und Tiefs gesucht

2017: Weibliche Hochs - männliche Tiefs

Interessierte können sich bei den Meteorologen der Freien Universität Berlin jedes Jahr für Patenschaften für Hochs und Tiefs bewerben. Am 7. September startete die Vergabe für das Jahr 2017. Dann tragen die Hochs weibliche, die Tiefs männliche Namen – 2016 ist es genau umgekehrt. Ein Hoch kostet den Paten 355,81 Euro. Ein Tief kommt auf 236,81 Euro. Möchte man eine Verlinkung zur Internetpräsenz zahlt man jeweils 23,80 Euro dazu. Damit sind die Hoch- und Tief-Preise stabil geblieben.
Für Buchstaben, die keinen Paten finden, werden entweder Namen von den Meteorologen selbst vergeben oder die Buchstaben werden bei Ebay versteigert.
Genaue Informationen zu den Anträgen finden Sie auf der Webseite des Berliner Instituts.

Durchs Alphabet

Die Berliner Meteorologen taufen seit 1954 Hoch- und Tiefdruckgebiete. Seit 2002 können Privatpersonen die Namen für die Druckgebiete auswählen. Mit dem Erlös wird die studentische Wetterbeobachtung an der Station Berlin-Dahlem finanziert.
In ungeraden Jahren wie 2017 sind die Tiefs männlich und die Hochs weiblich, im folgenden geraden Jahr ist es umgekehrt. Zu Beginn eines Jahres wird immer mit "A" begonnen, dann werden die Hochs und Tiefs über das Jahr alphabetisch benamst. Hochdruckgebiete durchlaufen in einem Jahr zweimal das Alphabet, die weniger beständigen Tiefdruckgebiete kommen auf fünf Runden von A bis Z, so die Erfahrung von Daniela Schoster aus dem "Team Wetterpate" des Instituts für Meteorologie in Berlin.

Tolles Geschenk

Die Meteorologen haben die Erfahrung gemacht, dass die Patenschaften häufig als Geschenk zu Weihnachten oder Geburtstagen dienen. Einige der Namensgeber möchten mit ihrem Hoch oder Tief auch auf besondere Weise ihren weniger verbreiteten Namen bekannter machen: 2015 hießen Tiefdruckgebiete Alexander, Bob, Othmar, Xeno, Yoda und Zacharias. Bei Hochdruckgebieten waren 2015 Antonia, Bijanka, Hanne, Geertje, Quila, Oldenburgia, Viva und Zita dabei. 2016 wurden Hochs zum Beispiel Alf, Benno, Ivan, Muck oder Zhygimont getauft. Als Tiefdruckgebiete kamen unter anderem die Namen Anneliese, Daniella, Futaba, Quirina, Walburga, Yuki, Yse oder Zooey zum Einsatz.

Azorenhoch bringt uns Sonne

So entstehen Tief- und Hochdruckgebiete

Dehnt sich ein starkes Azorenhoch weit nach Nordosten, verschiebt sich auch die Richtung, aus der die Tiefdruckgebiete aus dem Norden über Europa ziehen. Sie werden Richtung Pol abgelenkt. Resultat: Das Wetter in Mitteleuropa ist warm und sonnig. In Nordeuropa herrschen dagegen die Tiefs vor und es regnet viel. Wird das Azorenhoch aber nach Süden abgedrängt, ändert sich das: Mit den Westwinden gelangen die Tiefausläufer aus dem Norden nach Mitteleuropa und bestimmen das Wetter – dann haben wir Regen und kältere Temperaturen.

Gebiete unter Druck

Azoren

Azoreninsel

Die Azoren liegen im Atlantischen Ozean. Die neun größeren und mehreren kleineren Inseln gehören politisch zu Portugal und haben eine Fläche von rund 2.300 km². Sie liegen rund 1.500 Kilometer westlich von Lissabon. Die Hauptinsel ist Sao Miguel. Die Azoren sind Teil des Mittelatlantischen Rückens. Acht der größten Inseln sind vulkanischen Ursprungs. Auf den Azoren leben rund 250.000 Menschen (2014).

Island

Island liegt im Nordatlantik, knapp südlich des nördlichen Polarkreises. Es ist rund 103.000 km² groß und damit flächenmäßig der zweitgrößte Inselstaat Europas. Die Hauptinsel ist die größte Vulkaninsel der Erde. Island liegt auf dem Mittelatlantischen Rücken. Auf Island leben rund 330.000 Menschen (2015).

Alpenwetter braut sich über Atlantik zusammen

Azorenhoch und Islandtief

Wenn nach einer trockenen Schönwetterperiode plötzlich kühle Polarluft die Alpen heimsucht und in wenigen Stunden ein Meter Neuschnee fällt, hat der eigentümliche Wettersturz 72 Stunden zuvor und 5.000 Kilometer weiter westlich seinen Anfang genommen. Mit einem kräftigen Azorenhoch: Die intensive Sonneneinstrahlung kurbelt die Wettermaschine an, Wasserdampf steigt auf. Doch von Island her nähert sich schon der Gegenspieler: Ein mächtiges Tief aus dem Norden, das polare Kaltluft bringt. Die schiebt sich unter die aufsteigenden warmen Luftmassen. Der Temperaturunterschied beträgt bis zu zwanzig Grad – idealer Nährboden für einen Orkan. Die alpine Wetterkatastrophe ist geboren. Über die neun Azoreninseln im Nordatlantik ziehen dicke Wolken, hier regnet es bereits.

Alpen im Weg

Binnen drei Tagen erreicht das Tiefdrucksystem über die spanisch-französische Küste die Alpen. Hier staut sich die Wetterfront, eine Wolkenmauer schiebt und türmt sich entlang der Gebirgskämme. In kürzester Zeit fällt die Temperatur unter Null, die Wolken entladen ihre Fracht als Schnee, ein Schneesturm fegt über die Berge. Was drei Tage zuvor über dem Atlantik als harmloses Azorenhoch und Islandtief begonnen hat, kommt hier zum dramatischen Höhepunkt.

Was ist die gefühlte Temperatur?

Gefühlte Temperatur

Im Wetterbericht, im Freundes- und Kollegenkreis ist oft von der sogenannten gefühlten Temperatur die Rede. Da werden in New York aus -15 Grad Celsius plötzlich -30 Grad "gefühlte Temperatur". Und Sie selbst kamen sicherlich auch schon in den Genuss dieses besonderen Fühlens: Wenn das Thermometer zwar +3 Grad versprach, aber es so eiskalt um die Ohren pfiff, dass Sie bibberten und klapperten wie bei -20 Grad.

Ganz offensichtlich weicht die gefühlte Temperatur oft von der tatsächlich gemessenen, objektiven Temperatur ab. Warum ist das so? Und wer stellt sich da eigentlich immer raus und fühlt?

Subjektives Empfinden

Unter der gefühlten Temperatur versteht man die wahrgenommene Umgebungstemperatur, die von unserem subjektiven Wärme- oder Kälteempfinden bestimmt wird. Egal, was das Thermometer anzeigt: Wie warm oder kalt wir es tatsächlich finden, das hängt auch von Wind, Schatten, der Luftfeuchtigkeit und unserer Kleidung ab. In der Sonne und bei hoher Luftfeuchtigkeit fühlt sich die Temperatur höher an, bei trockener Luft und Wind niedriger. "Bei feuchter Luft können wir nicht genügend Schweiß abgeben, weil der Schweiß einfach nicht verdampft, dann findet die äußere Kühlung nicht mehr statt. Bei Wind verdunstet die Feuchtigkeit auf unserer Haut schneller, damit kommt es zu zusätzlicher Kälte", erklärt der Münchner Allgemeinarzt und Tropenmediziner Dr. Nikolaus Frühwein. Die Kälte- und Wärmeempfindlichkeit ist außerdem abhängig von der Durchblutung, der Fettschicht, dem Hormonhaushalt und der Nervenreizbarkeit eines jeden Einzelnen.

Klima-Michel

Die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes berechnen das thermische Empfinden täglich mithilfe eines Modells eines standardisierten Menschen: dem sogenannten Klima-Michel. "Er ist männlich, 1,75 Meter groß, wiegt 75 Kilo und ist 35 Jahre alt. Im Sommer hat er nur ein leichtes Hemd an, im Winter kriegt er dann auch richtig dicke Winterkleidung und eine Kopfbedeckung", erklärt Meteorologe Andreas Friedrich. Beim Klima-Michel-Modell werden möglichst viele für den menschlichen Wärmehaushalt relevanten Parameter berücksichtigt, etwa die Lufttemperatur, die Windgeschwindigkeit, die Luftfeuchtigkeit, die Strahlungstemperatur, die Aktivität des Menschen und eben die Wärmeisolation der Kleidung. Die Berechnungen ergeben dann die Temperatur, die der Klima-Michel - der deutsche Durchschnittsmensch - wahrnimmt.

Windchill

Das Klima-Michel-Modell wurde von vielen europäischen Staaten übernommen.

In Amerika misst man die gefühlte Temperatur mit dem sogenannten Windchill-Modell. "Beim Windchill geht überhaupt keine Sonnenstrahlung ein, keine Luftfeuchtigkeit. Da wird nur ausgerechnet, wie stark wirkt jetzt der Wind - vor allem bei negativen kalten Temperaturen - auf den Menschen, wie stark wird die Haut zusätzlich abgekühlt", sagt Meteorologe Andreas Friedrich.

Folgen

Für uns und unsere Gesundheit ist die gefühlte Temperatur wichtiger als die tatsächlich gemessene. Sie bestimmt, wann Warnungen an Alten- und Pflegeheime gehen und bestimmte Bevölkerungsgruppen besonders geschützt werden müssen. Am besten kleiden und verhalten Sie sich entsprechend dieser Angabe.

Übrigens wäre die gefühlte Temperatur ungefähr gleich der tatsächlich gemessenen, wenn Sie bei einer gemäßigten Temperatur im Schatten spazieren gehen, dabei kaum Wind geht und eine normale Luftfeuchtigkeit herrscht.

  • "Wo entsteht unser Wetter? - Mit Sven Plöger unterwegs": am 14. Juni 2016 um 11 Uhr in "Planet Wissen", ARD alpha
  • "Wetterküche mit Vulkanen - Die Azoren-Inseln mitten im Atlantik": am 29. März 2014 um 18.05 Uhr in "Breitengrad", Bayern 2

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