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Meteorologie-Geschichte Abendrot - Schönwetterbot'

Noch immer werden wir Tag für Tag vom Wetter geradezu überrascht. Früher fürchtete man den Zorn der Götter. Heute schimpft man über die Meteorologen. Doch was sich zwischen Himmel und Erde abspielt, ist nur schwer vorherzusagen.

Stand: 12.04.2016

Sonnenuntergang über München | Bild: picture-alliance/dpa

Die Wetterkunde beschränkte sich lange Zeit auf das Beobachten und Erklären von Witterungserscheinungen. Schon vor 5.000 Jahren schrieben Babylonier und Ägypter Wettersprüche auf, die mit unseren Bauernregeln vergleichbar sind. Jahrtausende hindurch glaubten die Menschen, durch Gebete und Opfergaben das gewünschte Wetter herbeiflehen und Wetterkatastrophen abwenden zu können.

Launische Götter

Turm der Winde in Athen

Schon damals suchte man nach empirischen Ursachen hinter der angeblichen Götterlaune: Mit Messungen im "Turm der Winde" in Athen begann die Meteorologie der Antike. Und im 4. Jahrhundert v. Chr. bemühte sich auch der Philosoph Aristoteles in seiner "Meteorologica" um eine wissenschaftliche Erklärung des Wetters.

"Morgenrot mit Regen droht"

Sein Schüler Theophrast von Eresos hatte nach jahrelangen Beobachtungen immerhin schon über 200 Wetterregeln aufgeschrieben. Natürlich lagen diese Prognosen genauso weit daneben wie die Bauernregeln in den ersten Wetterbüchlein fürs Volk.

"Ist der April auch no so gut, ..."

Auch der berühmte "Hundertjährige Kalender" war ein Fehlschlag. Dennoch gibt es viele Bauernregeln, die sich über die Jahrhunderte gehalten haben und durchaus oft zutreffen. Sie spiegeln die Erfahrungen der Bauern über Generationen wider. Ein Erfahrungsschatz, der die Abhängigkeit der Landwirte vom Wetter verdeutlicht und der auf ständigem Beobachten des Wetters und der Witterung basiert.

"... er schneit dem Bauern auf den Hut."

Im 13. Jahrhundert veröffentlicht der Regensburger Bischof und Gelehrte Albertus Magnus eines der ältesten schriftlichen Zeugnisse zum Wetter: eine lateinische Abhandlung über die Beschaffenheit der Winde. Auch sie basiert auf bäuerlichen Beobachtungen. Ab dem 16. Jahrhundert erleichtert dann der Buchdruck die Verbreitung der Sprüche. Die Bauernregeln erscheinen in Büchlein und Kalendern. Diese machen Angaben über die Aussat und Ernte und über kirchliche Feste und Heilige.

Bauernregeln

Hintergrund

Bauernregeln vereinen den bäuerlichen Erfahrungsschatz über Wetter- und Witterungsbedingungen. Sie handeln von Zusammenhängen zwischen dem Verhalten der Tiere und Pflanzen und dem Wetterverlauf.

Die meisten Sprüche sind in Reimform. Bis ins Spätmittelalter wurden sie hauptsächlich mündlich überliefert. Die älteste erhaltene deutsche Sammlung ist das "Wetterbüchlein", das 1505 gedruckt wurde.

Natürlich hängen die Bauernregeln davon ab, wo sie aufgestellt wurden: So gibt es spezielle Regeln für die Nordseeküste, andere für den Alpenraum.

Witterungsregeln

Bauernregeln, die den Wettercharakter eines längeren Zeitraums vorhersagen:

"Ist bis Dreikönigstag kein Winter, so kommt auch keiner mehr dahinter."
"Januar warm - dass Gott erbarm!"
"Hornung (Februar) hell und klar, gibt dem Flachs ein gutes Jahr."
"Donnert's im März, dann friert's im April."
"Gibt's im April mehr Regen als Sonnenschein, wird warm und trocken der Juni sein."
"Ehe nicht Pankraz, Servaz und Bonifaz (die Eisheiligen 12. - 14. Mai) vorbei, ist nicht sicher vor Kälte der Mai."
"Sophie man die Kalte nennt, weil sie gern kalt' Wetter bringt." (15. Mai, kalte Sophie)
"Regnet es am Siebenschläfertag (27. Juni), es noch sieben Wochen regnen mag."

Wetterregeln

Bauernregeln, die das kurzfristige Wetter der nächsten Stunden und Tage vorhersagen:

"Ander Wind – ander Wetter."
"Abendrot – Schönwetterbot"
"Starker Tau hält Himmel blau."
"Steigt morgens der Nebel empor, so steht Regen bevor."
"Wenn der Mond hat einen Ring, folgt der Regen allerding."
"Morgenrot mit Regen droht."
"Regenbogen am Morgen macht dem Schäfer Sorgen, Regenbogen am Abend ist dem Schäfer labend."
"Das Wetter erkennt man am Winde, wie den Herrn am Gesinde."

Tier- und Pflanzenregeln

Hier wird das Verhalten der Pflanzen und Tiere genutzt, um kurz- und langfristige Wetterprognosen zu wagen:

"Wenn die Spinnen im Regen spinnen, wird er nicht lange rinnen."
"Siehst du die Schwalben niedrig fliegen, wirst du Regenwetter kriegen."
"Bleiben die Schwalben lange, sei vor dem Winter nicht bange."
"Hat der Hase ein dickes Fell, wird der Winter ein harter Gesell."
"Wenn im Hornung (Februar) die Mücken schwärmen, muss man im März die Ohren wärmen."
"Hat Sankt Peter (27.4.) das Wetter schön, kannst du Kohl und Erbsen sä'n."
"Fällt das Laub sehr bald, wird der Herbst nicht alt."
"Viel Eicheln im September, viel Schnee im Dezember."

Beobachtung mit System

Klimarefernzstation Hohenpeißenberg

Es dauerte lange, bis man Wetterphänomene systematisch beobachten und vorhersagen konnte. 1780 wurde ein erstes Netzwerk von Beobachtungsstationen errichtet, das von Grönland bis Russland reichte. Die älteste Station, die noch immer in Betrieb ist, steht übrigens auf dem Hohen Peißenberg in Bayern.

Die moderne Meteorologie begann 1820, als der Breslauer Professor Brandes die erste Wetterkarte mit Hochs und Tiefs erstellte. 1878 erfolgte durch Ludwig II. die Gründung der Meteorologischen Centralstation in Bayern. Ihre Berichte wurden an Bahnhöfen und Poststationen ausgehängt. Ab 1929 brachten die Zeitungen dann regelmäßige Wetterkarten. Doch Prognosen im großen Stil scheiterten damals noch an der Technik.

Nichts ist so unsicher wie das Wetter

Heute wagt man mithilfe von Wettersatelliten immerhin Vorhersagen von bis zu zehn Tagen - freilich immer noch "ohne Gewähr". Doch die Prognosen werden immer genauer: Heute kann die Meteorologie mithilfe von Computern und Wettersatelliten auch Daten aus den oberen Bereichen der Erdatmosphäre auswerten und das Wettergeschehen des Planeten langfristig beobachten.

Prognostizierbar dank Technik?

Superrechner NEC Sx-9

Möglich ist das nur, weil Computer mittlerweile in kürzester Zeit unglaubliche Datenmengen sammeln, speichern und auswerten können. Ein Beispiel: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) bekommt seine Daten von eigenen und kooperierenden Beobachtungsposten überall auf der Welt: 11.000 Boden-Radarstationen, 7.800 Schiffe, 750 ferngesteuerte Bojen, 3.000 Flugzeuge, 1.800 Wetterballon-Stationen und 14 Satelliten schicken ständig Messwerte. So wird der Supercomputer in der DWD-Zentrale täglich mit zehn bis 20 Millionen Daten gefüttert. Diese werden mit einem komplexen mathematischen System ausgewertet. Diese Rechenmodelle werden ständig weiterentwickelt und sollen eines Tages mittel- und langfristige Prognosen ermöglichen. Doch noch gibt es viele Rätsel und offene Fragen, die keine seriöse langfristige Prognose erlauben. Eines dieser Rätsel ist zum Beispiel die Wolkenbildung.


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