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Bayern unter Beschuss Jedes Jahr kiloweise Meteoriten

Jahr für Jahr wird Bayern um rund sieben Kilogramm schwerer, statistisch gesehen: Es regnet himmlisches Gestein! Wie jeder Fleck der Erde ist der Freistaat permanent einem Bombardement aus dem All ausgesetzt.

Stand: 27.06.2017

In jeder Stunde treffen Tausende Gesteinskörper die Erde. Sie bleiben jedoch unbeachtet oder werden von uns höchstens als Sternschnuppen bestaunt, denn die meisten haben nur die Größe eines Staubkorns. Doch jährlich treffen den Erdboden rund 20.000 Meteorite, die mehr als 100 Gramm wiegen. Das macht für ganz Deutschland umgerechnet etwa zwei faustgroße Meteorite pro Jahr.

Der Meteorit von Neuschwanstein

Deutlich größer als eine Faust war der Gesteinbrocken, der am 6. April 2002 mit rund 250.000 Kilometern pro Stunde über Bayern hinweg raste. Ein Lichtblitz erhellte sekundenlang den Nachthimmel, einige Minuten später war ein Überschallknall zu hören. Der ursprüngliche Körper dürfte nach Berechnungen des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums (DLR) ein Gewicht von bis zu 600 Kilogramm gehabt haben, als er in die Erdatmosphäre eintrat und zerbarst. Doch nur ein kleiner Teil gelangte in Form von Bruchstücken bis auf die Erde. Gefunden wurden davon bislang etwa sechs Kilo: drei größere Bruchstücke in der Nähe des Schlosses Neuschwanstein.

Bayerns Brocken

Das Bayerische Landesamt für Umwelt hat alle zur Verfügung stehenden historischen Unterlagen seit dem Jahr 952 nach Christus kritisch unter die Lupe genommen, um zu erfahren, wie viele größere Meteoriten Bayern in den vergangenen Jahrhunderten getroffen haben.

Sieben Brocken aus vier Jahrhunderten

Der Meteorit von Untermässing als Gipsabdruck

Der erste Meteorit, der im heutigen Bayern bis heute erhaltene Bruchstücke hinterlassen hat, ging im Jahr 1785 bei Eichstätt nieder. Seither wurden Fragmente von sechs weiteren Meteoriten gefunden. Die meisten wogen nur wenige Kilogramm. Ein großer Brocken landete jedoch 1807 bei Untermässing im Landkreis Roth: ein knapp achtzig Kilogramm schwerer Eisenmeteorit, der erfreulicherweise keinen größeren Schaden anrichtete. Der letzte Einschlag eines Meteoriten in Bayern war im Jahr 2016. Auf dem Gebiet der Gemeinde Stubenberg bei Simbach am Inn entdeckte man 17 kleine Stücke des Meteoriten, der beim Einschlag zerbrochen war.

Jahrzehntelang unerkannt

Der Meteorit Machtenstein wurde lange für einen Ackerstein gehalten.

Im Oktober 2014 kam "der Machtenstein" auf die Liste mit Bayerns Meteoriten. Dabei war er schon in den 1950er-Jahren in der Nähe von Dachau niedergegangen. Der rund 1,4 Kilogramm schwere Brocken zierte dann aber lange nur den Garten des Finders. Erst ein halbes Jahrhundert später gelangte der Brocken in die Hände von Experten, die ihn als 4,5 Milliarden Jahre alten "Zuagroasten" identifizierten. Der Machtenstein war damit der sechste offiziell anerkannte Meteorit in Bayern.

Sechs Meteoriten ohne materiellen Beweis

Neben den sieben bayerischen Meteoriten, von denen Bruchstücke erhalten sind, sind zwei weitere Einschläge aus dem 18. Jahrhundert glaubwürdig bezeugt. Außerdem wurden seit 1969 vier Mal Feuerkugeln über Bayern beobachtet, die vermutlich Meteoriten waren. Kosmische Trümmer wurden aber nach diesen Ereignissen nicht gefunden. Daher sind sie nicht offiziell als Meteoritenstürze anerkannt.

Meteoriteneinschläge seit 1722 in Bayern


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