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Bayern unter Beschuss Jedes Jahr kiloweise Meteoriten

Jahr für Jahr wird Bayern um rund sieben Kilogramm schwerer, statistisch gesehen: Es regnet himmlisches Gestein! Denn wie jeder Fleck der Erde sind wir permanent einem Bombardement aus dem All ausgesetzt.

Stand: 23.10.2014

In jeder Stunde treffen tausende Gesteinskörper die Erde, bleiben jedoch unbeachtet oder werden von uns als Sternschnuppen bestaunt. Denn die meisten haben nur die Größe eines Staubkorns. Doch jährlich treffen den Erdboden rund 20.000 Meteorite, die mehr als 100 Gramm wiegen. Das macht für ganz Deutschland etwa zwei faustgroße Meteorite pro Jahr.

Der Meteorit von Neuschwanstein

Kalenderblatt

Illustration Kalenderblatt: Meteorit "Neuschwanstein" gefunden | Bild: BR/Angela Smets zum Audio mit Informationen 14. Juli 2002 Meteorit "Neuschwanstein" gefunden

Meteoriten sind Schätze, die vom Himmel fallen. Aber erstens muss man die Brocken überhaupt entdecken und zweitens verdient der Grundstücksbesitzer ordentlich mit. So wie bei "Neuschwanstein I", gefunden am 14. Juli 2002. [mehr]

Bayern wurde zuletzt vor mehr als zehn Jahren von einem Meteoriten getroffen. Zumindest war das der letzte, den wir mitbekommen haben: Mit rund 250.000 Stundenkilometern raste am 6. April 2002 ein Gesteinsbrocken durch die Atmosphäre. Ein Lichtblitz erhellte sekundenlang den Nachthimmel, einige Minuten später war der Überschallknall zu hören. Der ursprüngliche Körper dürfte nach Berechnungen des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums (DLR) ein Gewicht von bis zu 600 Kilogramm gehabt haben, als er in die Erdatmosphäre eintrat und zerbarst. Doch nur ein kleiner Teil gelangte in Form von Bruchstücken bis auf die Erde. Gefunden wurden davon bislang etwa sechs Kilo: drei größere Bruchstücke in der Nähe des Schlosses Neuschwanstein.

Bayerns Brocken

Das Bayerische Landesamt für Umwelt hat alle zur Verfügung stehenden historischen Unterlagen seit dem Jahr 952 nach Christus kritisch unter die Lupe genommen, um zu erfahren, wieviele größere Meteoriten Bayern im vergangenen Jahrtausend getroffen haben.

Sieben Einschläge in drei Jahrhunderten

Der größte Knall

Das 2012 veröffentlichte Ergebnis ist übersichtlich: Seit 1722 wurden fünf Meteorite gefunden, zwei weitere Einschläge sind glaubwürdig bezeugt. Ein achter Meteorit soll 1969 bei Otterskirchen im Bayerischen Wald gelandet sein, wurde jedoch nie gefunden. Diese Meteoriten brachten Bayern ein Mehrgewicht von rund 100 Kilogramm ein. Dabei wogen die meisten nur wenige Kilogramm. Der größte Brocken landete 1807 bei Untermässing im Landkreis Roth: ein kanpp achtzig Kilogramm schwerer Eisenmeteorit. Doch nicht mal dieser richtete größeren Schaden an.

Machtenstein auf den Mineralientagen München

Am Wochenende (25./ 26. Oktober 2014) wird der Meteorit, der auf einem Acker bei Dachau gefunden wurde, auf den Mineralientagen München in der Sonderschau "Meteoriten" präsentiert: der Machtenstein. Nach der Messe soll der Meteorit als Spende der Veranstalter in den Besitz der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayern übergehen und im geplanten Naturkundemuseum Bayern ausgestellt werden.

Der neueste Fund

Im Oktober 2014 kam ein weiterer Meteorit zu Bayerns Himmelsstürmern: der Machtenstein. Gefunden wurde der rund 1,4 Kilogramm schwere Brocken zwar bereits in den 50er-Jahren, zierte dann aber lange nur den Garten des Finders. Erst ein halbes Jahrhundert später gelangte der Brocken in die Hände von Experten, die ihn als 4,5 Milliarden Jahre alten "Zuagroasten" identifizierten. Der Machtenstein ist damit der sechste offiziell anerkannte Meteorit in Bayern.

Meteoriteneinschläge seit 1722 in Bayern


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