Die Maya Weltuntergang abgesagt
Am 21. Dezember endete nach über 5.000 Jahren der Maya-Kalender. Manche fürchteten das Ende der Welt - dabei wurden doch schon im Frühjahr Hieroglyphen in Guatemala entdeckt, in denen von einer Apokalypse keine Rede ist.
Nach den Berechnungen der Maya endete am 21. Dezember 2012 nach etwa 5.128 Jahren ein Zeitalter. Erwarteten sie für dieses Datum dramatische Umbrüche? In einer ehemaligen Maya-Stadt bei La Corona in Guatemala hatten Archäologen im Frühjahr einen Maya-Text entdeckt, der auf eben diesen 21. Dezember 2012 verweist. Die Hieroglyphen sind rund 1.300 Jahre alt und stehen auf den Steinen einer Treppe. Spektakulär ist: Sie sind erst der zweite bekannte Text, der sich auf dieses Datum im Maya-Kalender bezieht.
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Bedeutender Fund
Für die Archäologen, die an der Ausgrabung und Entzifferung beteiligt waren, sind die Inschriften einer der bedeutenden Hieroglyphenfunde seit Jahrzehnten. Dabei finden sich in dem Text keine Prophezeiungen oder andere Hinweise auf eine Apokalypse. Es handelt sich stattdessen um eine politische Stellungnahme: Der Mayakönig Yuknoom Yich'aak K'ahk' nennt dieses Datum, um die Stabilität seiner Herrschaft über das Ende des Kalenderzyklus hinaus zu propagieren.
Rätselhafte Maya
Die Maya siedelten einst in einem Gebiet, das heute Teile von Südmexiko, Guatemala, Honduras und Belize umfasst. Die Blütezeit ihrer Kultur war zwischen 250 und 900 nach Christus. Wenig später kam es anscheinend zu einer tiefgreifenden Krise. Als die spanischen Eroberer Anfang des 16. Jahrhunderts in Mexiko ankamen, war die hochentwickelte Kultur der Maya bereits untergangen. Bis heute ist es ein Rätsel, was die Ursache für diesen Gesellschaftskollaps war.
War die Dürre schuld?
Eine internationale Forschergruppe hat die in dieser Zeit niedergegangenen Regenmengen untersucht und mit verschiedensten Maya-Aufzeichnungen verglichen. Die Kalkablagerungen in einer Tropfsteinhöhle in Belize zeigen, dass von 400 bis 660 nach Christus ausreichend Regen gefallen war. Der Abgleich mit den Schriften zeigte, dass während dieser Zeit auch die gesamte Kultur expandierte. Danach begann eine Phase von Dürreperioden. Die landwirtschaftlichen Erträge gingen zurück, die Zentralmacht brach zusammen, verschiedene Gemeinschaften spalteten sich ab und ein allgemeiner politischer und gesellschaftlicher Niedergang setzte ein. Zwei Dürreperioden um die Jahre 1020 und 1100 zwangen die bereits stark angegriffene und in Kleinstaaten zersplitterte Maya-Kultur wohl endgültig in die Knie. Eine Reihe von Dürreperioden wird schon länger als Ursache für den Untergang der Maya-Hochkultur vermutet.
Nach einer weiteren Studie zeigen Knochenfunde in der Fundstätte San Miguelito im heutigen Badeort Cancún, dass die Zeit der Eroberungsfeldzüge der Spanier bei den noch lebenden Maya zusätzlich Hunger und Armut verursachten und so auch zum Ende der Maya beigetragen haben.
Geschichte auf der Treppe
In La Corona wurden insgesamt 22 Steinblöcke mit Inschriften entdeckt. Sie stellen 200 Jahre der politischen Geschichte der Maya-Stadt dar. Einige der Steinblöcke zeigen Herrscher in verschiedenen Posen, andere berichten von Feinden oder Verbündeten. Auf einem von ihnen fanden die Forscher das ominöse Datum, an dem angeblich die Welt untergehen sollte. Die eingemeißelten 56 Hieroglyphen auf dem Stein berichten von einem Besuch von Yuknoom Yich'aak K'ahk', dem König über das Reich von Calakmul in der Mayastadt bei La Corona im Jahr 696.
Der König lebt!
Kurz zuvor hatte der Herrscher eine entscheidende Schlacht gegen das konkurrierende Reich von Tikal verloren. "Forscher haben lange Zeit geglaubt, der Maya-König sei dabei getötet oder gefangen genommen worden", sagt David Stuart, der Leiter des Mesoamerica Center der University of Texas in Austin, der die Hieroglyphen entziffert hat. Doch der neu entdeckte Text zeigt, dass der König anscheinend überlebt hat. In den Hieroglyphen mache der König seinen Verbündeten Mut und betone seine trotz der Niederlage ungebrochene Herrschaft.
Mehr Missverständnis als Mythos
Mythos
Zwar glaubten die Maya, dass die Welt mehrfach erschaffen werde. Aber "de facto sagt kein einziges Dokument der alten Maya, dass am 21. Dezember 2012 die Welt untergeht", stellt der Ethnologe Lars Frühsorge klar. Was endet, ist lediglich eine Kalender-Periode in der Maya-Zeitrechnung, das 13. Baktún. 1966 schrieb der amerikanische Archäologe Michael D. Coe in seinem Buch "The Maya" eher im Scherz, vielleicht hätten die Maya geglaubt, dass die Welt 2012 untergeht.
Missverständnis
"Es wird immer erzählt, dass der Maya-Kalender am 21. Dezember 2012 enden würde, das ist natürlich Unsinn: Die Maya zählten weiter, der Kalender der Maya ist viel größer angelegt und konnte Zeit weit in die Zukunft projizieren wie auch in die Vergangenheit, über mehrere tausend Millionen und Milliarden Jahre", erklärt der Maya-Forscher Nikolai Grube. Der Weltuntergang ist also mehr ein Missverständnis als ein Mythos. Gerade in esoterischen Kreisen ist diese Theorie aber auf fruchtbaren Boden gestoßen.
Mehr davon
Viele Menschen, die anfangs noch vom Weltuntergang gesprochen hatten, haben sich mittlerweile eines Besseren besonnen: Sie gehen jetzt vom Beginn eines neuen Zeitalters oder dem Erlangen einer höheren Bewusstseinsebene aus.
Das nächste "Weltende" sieht Lars Frühsorge aber auch schon kommen: "Die Nachbarn der Maya, die Azteken, hatten auch die Vorstellung, dass die Welt mehrmals erschaffen wird. Sie gehen von einem Zyklus von 52 Jahren aus." Dann wäre es 2023 wieder so weit.
Propaganda in Stein
Der Maya-König hat sich selbst auch als Herr des 13. K'atun bezeichnet. Das bedeutet als König, der über das Ende eines K'atuns hinaus regiert. Ein K'atun ist ein 7.200 Tage dauernder Abschnitt des Maya-Kalenders. Erst wenige Jahre zuvor, im Jahr 692, war ein solcher K'atun zu Ende gegangen, mitten in einer Zeit großer politischer Unruhen in der Maya-Region. Laut David Steward hat der König daher auf den nächstgrößeren Zeitenübergang im Maya-Kalender verwiesen, um zu betonen, dass das Mayareich fortbestehen werde - bis zum 21. Dezember 2012 und darüber hinaus.
Zukunftsforscher und Weltuntergang
Matthias Horx
Für ernsthafte Wissenschaftler sind Weltuntergangs-Prophezeiungen, die sich auf den Maya-Kalender berufen, Unfug. Die Forscher interessieren sich aber dafür, warum seit Jahrhunderten immer wieder Angst vor einer angeblich drohenden Apokalypse ausbricht. Der Zukunftsforscher Matthias Horx sieht bei diesen Szenarien drei Effekte am Werk:
- Disziplinierung: Untergangs-Prophezeiungen sollen die "Gläubigen" zu einem bestimmen Verhalten zwingen. Mit Weltuntergangs-Behauptungen kann man also Herrschaft ausüben.
- Elitebildung: Apokalypsen sind oft mit einem engen Zirkel von "Erleuchteten" verbunden. Diese warnen und sollen dann als Auserwählte davonkommen.
- Lebensverstärkung: Im Untergang werden alle Menschen gleich und fallen einander in die Arme. Oder sie enthüllen ihr wahres Gesicht.
Horst Opaschowski
Auch der Zukunftsforscher Horst Opaschowski vermutet, dass eine drohende Apokalypse deshalb fasziniert, weil sie existenzielle Fragen aufwirft.
Ein kurz bevorstehender Weltuntergang gibt Gelegenheit, sein Leben zu überdenken, seine Lebensweise zu ändern oder Buße zu tun. Sobald der Termin aber verstrichen ist und die Angstszenarien ausgestanden sind, haben die Menschen den Eindruck, erlöst, geläutert oder geheilt und noch einmal davongekommen zu sein.

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