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Lügendetektor Vom Schwindeln und Schwitzen

Rund hundert Jahre ist es her, dass der Lügendetektor erfunden wurde. Doch nach wie vor ist umstritten, ob dieser Apparat bei Polizei und Gericht zum Einsatz kommen darf. Wie funktioniert ein Lügendetektor-Test überhaupt?

Stand: 30.01.2017

Seit Jahrzehnten versuchen Forscher, der Lüge auf die Schliche zu kommen. Der Bayreuther Psychologe Wolfgang Vehrs arbeitet seit vielen Jahren als Gutachter für Gerichte. Er ist einer der wenigen Sachverständigen, die auch sogenannte "Lügendetektoren" benutzen. Allerdings hält er die Bezeichnung für eine Mogelpackung: Die Geräte, die in Fachkreisen "Polygrafen" genannt werden, messen nämlich nicht, ob jemand lügt oder die Wahrheit sagt. Über verschiedene Sensoren erfassen Polygrafen zunächst einmal nur körperliche Reaktionen und zeichen sie auf. Diese Daten können wir nicht bewusst kontrollieren, dazu gehören zum Beispiel Hautleitfähigkeit, Atemfrequenz, Blutdruck und Puls.

Ausgefeilte Befragung ist unerlässlich

Über Elektroden an der Handfläche wird der Hautwiderstand gemessen.

Ohne die speziellen Befragungstechniken der Psychologen sind diese Messungen wertlos. Sie wenden zum Beispiel den sogenannten Tatwissenstest an. Er beruht auf der Annahme, dass unser Körper auf bekannte und vertraute Informationen anders reagiert als auf neuartige. Also werden einem Verdächtigen Informationen präsentiert, die eigentlich nur der Täter kennen kann. So lässt sich allerdings nur feststellen, ob jemand gut über eine Tat Bescheid weiß - und nicht, ob er sie tatsächlich auch begangen hat. Vielleicht stammt sein Wissen aus der Zeitung, einem Gespräch oder einer anderen Befragung.

Gesucht: Fragen, die wehtun

Gutachter wie Wolfgang Vehrs setzen daher auf eine andere Methode: den sogenannten Vergleichsfragentest. Bei diesem vergleicht man die Reaktionen auf Fragen zur eigentlichen Tat mit Vergleichsfragen. Diese werden in langen, intensiven Vorgesprächen mit den Testpersonen erarbeitet. Das komplette Leben der Probanden wird nach intimen Details durchforstet. Es geht um Dinge, über die sie nur ungern sprechen und auf die sie starke körperliche Reaktionen zeigen. Daraus entwickeln Psychologen die Vergleichsfragen. Hinter dieser Lügendetektor-Methode steckt die Annahme: Täter reagieren stärker auf die Fragen zur Tat, Nichttäter stärker auf die Vergleichsfragen.

Zufallsergebnisse, Störungen und Fehler ausschließen

Die Apparate kommen erst nach einer intensiven Vorbereitung zum Einsatz. Zunächst werden die Fragen gestellt und die Körperreaktionen gemessen. In der Regel gibt es drei Durchgänge, um Zufallsergebnisse und Störungen auszublenden. Danach werden die Messungen ausgewertet. Hier ist viel Erfahrung gefragt, die Muster der Körpersignale richtig zu deuten und Fehler auszuschließen.

Tricksen beim Lügentest

Fehler können auch dadurch entstehen, dass der Proband versucht, den Psychologen auszutricksen: Er bewegt unmerklich Kopf oder Hand oder beißt die Zähne zusammen. Solche Manipulationsversuche sind nur mit besonders geschultem Blick zu durchschauen. Doch wenn die Testperson gezielt manipulieren will, gelingt ihr das manchmal auch. Die Werte sind dann nicht aussagekräftig und ein Gutachten nicht möglich. Daran ändern auch Computerprogramme nichts, die bei der Datenauswertung zum Einsatz kommen.

Auch Privatdetektive haben Interesse

"Haben Sie den Ehering abgenommen?" Privatdetektive würden Lügendetektoren gerne einsetzen, um Untreue nachzuweisen.

Die Arbeit mit Lügendetektoren ist aufwendig und erfordert eine fundierte psychologische Ausbildung und viel Erfahrung. Sie liefert keine eindeutigen Fakten, sondern lässt Raum für Interpretationen und Einschätzungen. Daher haben polygrafische Untersuchungen für einen seriösen Psychologen wie Wolfgang Vehrs auch nur in Gerichtsverfahren etwas zu suchen. Interesse gibt es auch aus der privaten Wirtschaft: Detekteien würden die Lügendetektoren gerne einsetzen, um Untreue in Ehe und Partnerschaft nachzuweisen.

  • "Wie sich Lügner verraten": am 17. Oktober 2017 um 15 Uhr in "Planet Wissen", ARD-alpha
  • "Lügendetektoren - Können Maschinen Gedanken lesen": 1. September 2015 um 18.05 Uhr in "IQ - Wissenschaft und Forschung", Bayern 2

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