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Lügen im Tierreich Tierisch gut geschwindelt

Jeder Mensch lügt mehrmals am Tag. Kinder fangen schon mit zwei Jahren an, das Flunkern zu üben. Und auch Tieren ist das Tricksen nicht fremd.

Stand: 30.01.2017

Schuldbewusst schauender Hund | Bild: colourbox.com

Nicht nur Menschen schwindeln - Tiere stehen den Zweibeinern im Lügen und Betrügen kaum nach. Die tierischen Motive für die alltäglichen kleinen Unwahrheiten und Übertreibungen sind dabei die gleichen wie beim Homo sapiens. Feinde, Konkurrenten oder Beutetiere müssen ausgetrickst oder ein Sexualpartner gewonnen werden. Wer besonders gut schwindelt und blufft, kann sich das Leben erleichtern und in vielen Fällen sogar retten.

Gute Tarnung ist lebenswichtig

Schau mir in die Augen, Kleiner ...

Beispiele für "lügende" Tiere gibt es viele: Da wären Schmetterlinge, die versuchen, den Feind mit großen, drohenden Augen auf ihren Flügeln fernzuhalten. Diese Scheinaugen sehen für hungrige Vögel aus wie die Augen gefährlicher Tiere, denen sie lieber nicht zu nahe kommen sollten. Die Spannerraupe dagegen sieht aus wie ein abgestorbener Ast und fällt ihren Feinden somit kaum ins Auge. Eine Spezies der Glühwürmchen "lügt" besonders dreist: Die Weibchen imitieren das Blinken anderer Leuchtkäferarten und locken damit Männchen an - die dann verspeist werden.

Falscher Alarm aus Eifersucht

Auch die Strategie des "Totstellens" ist im Grunde nichts Weiteres als eine lebensrettende Lüge. Viele Raubtiere reagieren nur auf zappelnde Beute und lassen leblose Tiere einfach liegen. Vor allem das Opossum beherrscht diesen Überlebenstrick perfekt. Männliche Schwalben haben da einen viel trivialeren Grund zum Flunkern: die Eifersucht. Kommt das Männchen zum Nest zurück und das Schwalbenweibchen ist nicht anwesend, stößt es einen Feindruf aus. Der falsche Alarm bewirkt, dass das Weibchen schnell zum Nest zurückkehrt. Mit diesem Trick halten die Männchen die Schwalbenweibchen gezielt vom Seitensprung ab.

Übertreibung und klassische Lüge

Große Klappe, wenig dahinter ...

Eine ganz andere Methode wenden die Brüllaffen an: Ihr Geschrei ist bis zu zwanzig Kilometer weit zu hören und erweckt den Eindruck, die Affen seien groß und furchterregend. Hinter dem Gebrüll verbirgt sich jedoch eine Gruppe von Äffchen, bei denen die Männchen maximal neun Kilogramm schwer werden. Auch der Hahn hat sich etwas einfallen lassen - nicht zum Überleben, sondern um seine Fortpflanzung zu sichern. Dazu lockt er die Henne mit einem Futterruf, obwohl weit und breit kein Körnchen zu finden ist - eine richtig klassische Lüge also.

Pflanzenwelt ist keine Ausnahme

Süßigkeitenfalle Sonnentau

Auch bei den Pflanzen wird getäuscht, was das Zeug hält. Der fleischfressende Sonnentau lockt mit süßem Duft und glitzernden Tropfen, die wie Tau aussehen. Doch der Lockstoff entpuppt sich als zähes Drüsensekret, das wie Klebstoff wirkt. Die Fliege hat keine Chance zu entkommen. Sie klebt fest und wird verdaut. Einen anderen Trick hat eine Orchideenart auf Lager: Sie duftet wie ein Wespenweibchen und lockt damit männliche Wespen zur Bestäubung an.

Kein schlechtes Gewissen beim Lügen

Natürlich ist der Begriff "lügen" eigentlich nur anwendbar, wenn es sich um das Verbreiten einer Unwahrheit als bewusste Tat handelt. Dieses Verhalten ist im Tierreich bestenfalls bei hochentwickelten Affen zu beobachten. Im Versuch verschweigen rangniedrige Affen ihrer Sippe beispielsweise den Fund köstlicher Nahrung, um sie anschließend - ausdrücklich gegen den artgemäßen Kodex - ungestört verspeisen zu können. Über ein schlechtes Gewissen bei Tieren ist jedoch noch nichts bekannt und irgendwie brauchen sie auch gar keines: Wer kann seinem Hund länger als fünf Minuten böse sein, wenn er nach begangener Missetat mit großen Augen treuherzig dreinblickt? Das Unschuldslamm ...

  • "Wie Tiere täuschen, tricksen und schummeln": am 1. April 2017 um 16 Uhr in "W wie Wissen", ARD

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