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Die Wahrheit über Schwindeln, Flunkern & Co.

Stand: 17.10.2017 | Archiv

Illustration: Baron Münchhausen - wird oft als "Lügenbaron" bezeichnet | Bild: BR

Lügen haben kurze Beine und der Schwindler verrät sich durch eine lange Nase. Dann hätten wir alle ziemlich lange Nasen: Jeder Mensch lügt mehrmals am Tag. Natürlich nicht immer vorsätzlich. Oft lügen wir aus Höflichkeit, Bescheidenheit oder um besser dazustehen. Der Hauptgrund für eine Lüge aber ist die Angst. Wir lügen, wenn wir uns nicht sicher fühlen oder uns selbst beruhigen müssen. Dabei schwindeln wir nicht nur andere Menschen an, sondern auch uns selbst.

Am Abend wird bevorzugt geschwindelt

Frühstück machen, in die Arbeit hetzen, dort Höchstleistungen vollbringen, danach schnell zum Einkaufen und ab nach Hause, Haushalt und Familie warten schon ... Der Alltagsstress zehrt an uns - so sehr, dass wir abends keine Kraft mehr haben, unsere moralischen Grundsätze aufrecht zu erhalten. Während wir morgens noch an uns arbeiten und versuchen, uns so untadelig wie möglich zu verhalten, sind wir - und damit auch unsere Selbstkontrolle - abends einfach erschöpft. Das haben Maryam Kouchaki von der Harvard University und Isaac Smith von der University of Utah herausgefunden. In verschiedenen Tests konnten die Teilnehmer zum Beispiel mehr Geld für ermogelte statt für ehrliche Antworten einheimsen. Die Versuchspersonen, die am Vormittag getestet wurden, verhielten sich durchweg korrekter als die Abendgruppe. Die Wissenschaftler folgern daraus, dass wir am Abend einfach eher zum Lügen neigen. Macht ja oft auch manches leichter, nach all dem Stress.

Männer und Frauen lügen anders

War da wohl jemand doch nicht beim Laufen?

Männer lügen, wenn es um den Job, das Auto und die Freizeitaktivitäten geht. Frauen nehmen es nicht so genau, wenn es um ihr Alter, ihr Gewicht und ihre Einkäufe geht. Der Sozialpsychologe Peter Stiegnitz aus Wien schätzt, dass Frauen zwanzig Prozent weniger lügen als Männer: "Wenn eine Frau das Gefühl hat, irgendetwas stört sie, sagt sie es offen. Der Mann schweigt und führt Selbstgespräche." Frauen seien offener und offensiver. Und wenn sie doch lügen? "Dann geschickter und intelligenter als Männer", meint Stiegnitz.

Lügen will gelernt sein

Aber auch Kinder können wahre Meister des Lügens sein: Schon mit etwa vier Jahren beginnen sie, bewusst zu schwindeln. Wissenschaftler sind sich sicher: "Lügen lernen" ist Teil unserer geistigen Entwicklung.

"Lügen zu verstehen ist sehr wichtig: Wenn in unserer Gesellschaft jemand lügen kann, hat er einen sehr großen Vorteil. Deshalb müssen alle anderen auch verstehen lernen, was da geschieht, wenn man lügt, um dem entgegenhalten zu können. Das ist auch einer der Hauptansätze, wie die Evolutionstheorie erklärt, warum wir ein Verständnis des menschlichen Geistes entwickelt haben: Um eben lügen zu können und Lügen entgehen zu können."

Prof. Dr. Josef Perner, Lügenforscher, Universität Salzburg

Das Salz des Lebens

Für den Sozialpsychologen Peter Stiegnitz ist die Lüge "das Salz des Lebens": Eine Prise macht das Leben leichter, zu viel macht es jedoch ungenießbar. Er sagt: "Lügen ist bequem, gut und nützlich - solange wir damit uns und anderen nicht Schaden zufügen." Ohne Lügen würde unsere Gesellschaft vielleicht nicht funktionieren.

Erfahren Sie, warum und wie Kinder und sogar Haustiere lügen, warum Notlügen so wichtig sind - und wie Sie selbst im Falle eines Falles richtig lügen.

  • "Wie sich Lügner verraten": am 17. Oktober 2017 um 15 Uhr in "Planet Wissen", ARD-alpha

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