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Special Lügen

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Lügenforschung Gehirn gewöhnt sich ans Schwindeln

Große Lügen beginnen oft mit einer Kette kleinerer Schwindeleien. Das kann man auch im Gehirn sehen: Wissenschaftler haben dessen Aktivitäten beobachtet und entdeckt, dass beim Lügen ein Gewöhnungseffekt einsetzt.

Stand: 30.01.2017

Lügen machen keine langen Nasen, doch tritt bei häufigen Lügnern schnell ein Gewohnungseffekt ein und die Hemmschwelle sinkt. Im Bild: Mann mit Schatten mit Pinocchionase | Bild: colourbox.com

Viele unehrliche Handlungen lassen sich auf eine Kette kleinerer Verstöße zurückführen, die mit der Zeit immer gravierender wurden. Ob Finanzbetrug oder Plagiat, Online-Schwindel oder Fälschung von wissenschaftlichen Ergebnissen: Im Nachhinein beschreiben viele Betrüger, dass kleinere unehrliche Taten schneeballartig zu immer bedeutenderen anschwollen. Doch trotz der dramatischen Auswirkungen auf Wirtschaft, Politik und Bildung wusste man bisher nicht, wie und warum kleinere Übertretungen moralischer Gebote allmählich zu größeren Lügen führen können.

Lügen in der Röhre

Wie viele Münzen sind wohl in dieser Flasche?

Um zu prüfen, ob es beim Lügen tatsächlich einen Gewöhnungseffekt gibt, schauten Forscher vom University College London achtzig Testpersonen ins Gehirn. Während die Probanden in einem funktionellen Magnetresonanztomografen (fMRT) lagen, sollten sie schätzen, wie viele Münzen sich in einem durchsichtigen Gefäß befanden. Diese Zahl schickten sie dann via Computer an einen ihnen unbekannten Spielpartner. Der Versuch hatte allerdings zwei Varianten: Bei der ersten gewannen beide Partner, wenn die Schätzung möglichst genau ausfiel. Bei der zweiten Variante erhielt hingegen die erste Testperson eine höhere Belohnung, wenn er einen zu hohen Schätzwert übermittelte. Mit dem fMRT beobachteten die Wissenschaftler, was im Emotionszentrum des Gehirns, der Amygdala, vor sich ging, wenn der Proband dies tat.

Übung macht den Betrüger

Bei der Auswertung der Daten erkannten die Forscher: Anfangs schummelten die Testteilnehmer nur ein wenig und gaben leicht erhöhte Schätzwerte an. Dabei war die Aktivität der Amygdala aber deutlich erhöht: Das schlechte Gewissen meldete sich. Doch je länger das Expermiment dauerte, desto stärker logen die Probanden bei den Schätzwerten. Die Reaktion der Amygdala wurde dagegen immer schwächer. Dieses Ergebnis zeigt nach Angaben der Wissenschaftler, wie die Gewohnheit kleine moralische Abweichungen von der Norm in handfesten Betrug verwandeln kann.

  • "Wie sich Lügner verraten": am 17. Oktober 2017 um 15 Uhr in "Planet Wissen", ARD-alpha

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