Der Letzte seiner Art Lonesome George ist tot
Eigentlich hätte der Hundertjährige noch einige Jahrzehnte vor sich gehabt. Jahre, in denen er sich vielleicht doch noch fortgepflanzt hätte. Doch Ende Juni ist die Riesenschildkröte Lonesome George überraschend gestorben. Damit ist seine gesamte Unterart für immer verschwunden.
Die berühmteste Schildkröte der Welt wurde vor allem durch ihren Unwillen zur Fortpflanzung bekannt. Weil George der Letzte der Riesenschildkröten-Unterart Chelonoidis abingdoni war - und auch schon mehr als hundert Jahre auf dem Panzer hatte - hatten es die Forscher der Zuchtstation in Puerto Ayora auf der Galapagos-Insel Santa Cruz einigermaßen eilig, seine Gene weiterzugeben. Doch selbst über Jahrzehnte ließen das tropische Klima und die romantische Kulisse das Männchen unberührt: Gut 30 Jahre lang versuchten Forscher, es mit verschiedenen artverwandten Weibchen zusammenzubringen. Vergeblich, George blieb "lonesome" - einsam: Er zeigte zunächst kein Interesse, reagierte später sogar aggressiv auf die ihm zugeführten Schildkrötendamen. Als die Weibchen nach Jahren des frustrierenden Zusammenlebens endlich Eier legten, waren sie alle unbefruchtet. Und jetzt ist es zu spät: Lonesome George ist tot - und mit ihm die ganze Unterart ausgestorben.
Woran ist George gestorben?
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Der Wärter Fausto Llerena fand das 90 Kilogramm schwere Tier am 24. Juni 2012 leblos in seinem Gehege vor seinem Trinknapf. Zwar war die Schildkröte mit dem langen Hals und dem dunkel gefärbten, etwa einen Meter langen Panzer nach Expertenmeinung schon mehr als hundert Jahre alt. Doch weil Riesenschildkröten bis zu 180 Jahre alt werden können, kam sein Ableben doch überraschend. Nach einer genauen Untersuchung wurde die genaue Todesursache geklärt: Das einsame Tier starb an einem Infarkt, weitere Anomalien konnten nicht festgestellt werden.
Der erste, einzige und letzte seiner Art
Galapagos-Inseln
Die Galapagos-Inseln liegen im Pazifik, etwa 1.000 Kilometer vor der Küste Südamerikas. Sie gehören zu Ecuador und haben mit ihrer einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt Charles Darwin im 19. Jahrhundert zu seiner Evolutionstheorie inspiriert. Entdeckt wurden sie im frühen 16. Jahrhundert von den Spaniern. Seit 1978 sind sie UNESCO-Weltkulturerbe.
George wurde 1972 von Ziegenhirten auf der nördlichen Galapagos-Insel Pinta entdeckt. Bis dahin galt seine Unterart bereits als ausgestorben. Weitere Artgenossen wurden auf der unbewohnten Insel nie gefunden. Mit seinem Tod sind nunmehr fünf der einst 15 Unterarten von den Galapagos-Inseln verschwunden. Georges Artgenossen wurden über Jahrhunderte hinweg ausgerottet: Seefahrer, darunter Walfänger und Piraten, luden die Tiere als lebendige und pflegeleichte Nahrungsmittelvorräte auf ihre Boote. Die zähen Tiere überlebten Monate ohne Nahrung. "Gut möglich, dass die Urgroßeltern von George im Magen von Matrosen endeten. Aber für das Aussterben sind nicht allein die Seefahrer verantwortlich", sagt Volker Homes vom WWF.
Hier kam die Riesenschildkröte her
Von Mensch und Tier verdrängt
Nach ihnen kamen Siedler und brachten Ziegen und andere auf den Inseln nicht heimische Tiere mit. Diese konkurrierten mit den Schildkröten nicht nur um Nahrung, sondern ließen sich auch deren Nachwuchs schmecken. Eingeschleppte Ratten und Katzen zum Beispiel machten sich über die Eier der urtümlichen Reptilien her. Vielerorts verdrängte sie der Mensch aus ihrem angestammten Lebensraum. Mit dem Tod von Lonesome George haben die Galapagos-Inseln nun nicht nur das letzte Tier einer Art, sondern auch ihren berühmtesten Bewohner verloren.
Galapagos-Riesenschildkröten
Art
Die Galapagos-Riesenschildkröte (Chelonoidis nigra) gehört zur Familie der Landschildkröten. Fünf ihrer einst 15 Unterarten sind bereits ausgestorben. Normalerweise können die Tiere bis zu 180 Jahre alt werden.
Speiseplan
Die sanften Riesen sind Vegetarier und verputzen Gräser, Kräuter, Büsche, Flechten, Kakteen und Beeren.
Aussehen
Auf welche Nahrung sich die einzelnen Unterarten spezialisiert haben, sieht man an ihrem Panzer: Diejenigen, die sich von Bodenpflanzen ernähren, besitzen einen kuppelförmigen Panzer. Unterarten, die höher gelegene Blätter erreichen müssen, haben einen sattelförmigen Panzer. Er lässt ihrem Hals genügend Bewegungsfreiheit, um das Grün von größeren Büschen zu zupfen.
In freier Natur erreichen Weibchen eine Panzerlänge von 80 Zentimetern, Männchen von 95 Zentimetern. Sie werden rund 300 Kilogramm schwer. Ein in Gefangenschaft lebendes Männchen brachte es sogar auf mehr als 400 Kilogramm. Bei ihrer Geburt wiegen die Tiere keine hundert Gramm.
Gefährdung
Die Galapagos-Riesenschildkröte ist in Anhang A des Washingtoner Artenschutzabkommens gelistet, unterliegt also der höchsten Schutzstufe. Seit der Entdeckung der Galapagos-Inseln im frühen 16. Jahrhundert wurde die Population stark dezimiert. Allein in den letzten zwei Jahrhunderten wurden 100.000 bis 200.000 Tiere getötet.
Mithilfe des Zuchtprogramms des Galapagos-Nationalparks und der Charles-Darwin-Stiftung erholte sich der Bestand wieder: Die Zahl der Tiere stieg von 3.000 Exemplaren im Jahr 1974 auf heute 20.000 Tiere. Sie schwankt allerdings je nach Unterart erheblich. Vertreter von Chelonoidis abingdoni, der Lonesome George angehörte, sucht man jetzt vergeblich.

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