Hightech-Roboter Unkraut jäten à la Star Wars
Ziel erfasst und Laser losgeschickt: Was sich martialisch anhört, ist Unkraut jäten im modernen Stil. Statt chemischer Keule gibt es eine heiße Ladung auf die störende Pflanze. Diese verdampft. So wird Gift gespart und die Umwelt geschont.
Gärtner kennen das Problem: Da bauen sie Kulturpflanzen an und dazwischen wachsen Vogelmiere, Löwenzahn oder Hirtentäschel. In Landwirtschaft und Gartenbau wird das ungeliebte Unkraut meist mit der chemischen Keule, sprich mit Herbiziden, bekämpft. Rund 20.000 Tonnen an Unkrautvernichtern pro Jahr werden alleine in Deutschland auf Tomaten, Gurken und Blattsalat verteilt. Das Gift gelangt über den Boden ins Grundwasser, in Seen und Flüsse. Und über die Nahrung nimmt es der Mensch auf. Zeit, sich eine gesündere und umweltschonendere Alternative zu überlegen. Ein Forscherteam der Leibniz Universität Hannover und des Laser Zentrums Hannover (LZH) schießen jetzt mit Laserstrahlen auf das lästige Grünzeug: heftig aber effektiv.
Mitten ins Herz der Pflanze
Zwei Jahre hat Christian Marx vom Institut für Biologische Produktionssysteme der Uni Hannover an dem System getüftelt: Mit einem Laserstrahl beschießt er die Pflanzen an ihrer empfindlichsten Stelle, dort wo die Keimblätter sprießen. Im besten Falle verdampft die Knospe, das Unkraut verwelkt. Doch die Unkrautbekämpfung à la Star Wars geht noch besser: Ein Roboter hängt an Schienen unter der Gewächshausdecke und gleitet über die keimenden Pflanzen hinweg. Eine Kamera an Bord des Roboters erkennt anhand ihrer spezifischen Merkmale genau, was Unkraut und was Nutzpflanze ist. Ein entsprechendes Programm wertet die Kameradaten in Echtzeit aus.
Gezielt und umgelenkt: der Laserstrahl
Mit Spiegeln wird der Laserstrahl auf den Millimeter genau auf das zu vernichtende Unkraut gelenkt. Schneller arbeiten würden chemischen Vernichtungsmittel, das ist den Wissenschaftlern schon klar. Aber beispielsweise an Bahndämmen in Naturschutzgebieten ist das tabu. Schwierig ist nur, die Gleisanlagen oder die Elektronik mit dem Laser nicht zu schädigen. Doch für den Institutsleiter Thomas Rath ist das Verfahren im Augenblick konkurrenzlos in seiner selektiven Wahrnehmung.
Der große Vorteil: giftfreies Gemüse
Im Glashaus arbeitet der Roboter bereits sehr präzise. Und ist somit für Betreiber von Gewächshäusern interessant. Denn die Verbraucher von Tomaten, Gurken oder Salaten stehen nach Meinung von Thomas Roth wohl eher auf Laser-Lollo als auf Herbizid-Hülsenfrüchte. In drei bis vier Jahren könnte das System ausgereift sein und zum Einsatz kommen in Gewächshäusern, Baumschulen und an Bahndämmen.
Für gartelnde Techies ungeeignet
Auf dem Acker wird die Apparatur so schnell nicht zum Einsatz kommen, da die Erschütterungen auf einem Traktor die Zielgenauigkeit des Lasers stören. Und noch eine Gruppe geht leer aus: die Hobbygärtner. Da bereits mit den vergleichsweise harmlosen Laserpointern Flugzeugpiloten attackiert wurden, würden Laser für den Heimgebrauch wohl unter das Waffengesetz fallen. Für Techies gilt: Im Garten wird man sich beim Unkraut zupfen wohl weiterhin bücken müssen.

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