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Klimawandel Am Mittelmeer wird das Wasser knapp

Rund um das Mittelmeer steigen die Temperaturen und der Meeresspiegel ebenso. Im Nildelta lässt sich beobachten, welche Folgen das hat. Der Klimawandel im Süden wird sich aber in Zukunft auch auf Bayern auswirken - indirekt.

Stand: 16.02.2012

Wassertropfen mit Mittelmeerraum darin | Bild: CLIWASEC

Seit Anfang 2010 untersucht das Forschungsprojekt CLIWASEC (Climate Change Impacts on Water and Security, "Einflüsse des Klimawandels auf Wasser und Sicherheit") die Auswirkungen des Klimawandels im Mittelmeerraum. Besonderes Augenmerk liegt auf der zunehmenden Wasserverknappung in dieser Region. Bei einer Tagung in München an der Ludwig-Maximilians-Universität wurden nun aktuelle Forschungsergebnisse präsentiert.

Mehr Starkregen, weniger Niederschlag

Starkregen am Mittelmeer verwüstete im Oktober 2011 den Ort Monterosso bei La Spezia.

Die Länder rund um das Mittelmeer müssen in Zukunft mit höheren Temperaturen insbesondere der Minimum- und Nachttemperaturen in allen Jahreszeiten rechnen. Außerdem wird es öfter Starkregen geben. Insgesamt wird die Niederschlagsmenge aber deutlich abnehmen. In Verbindung mit einem steigenden Meeresspiegel wird das zu stärkeren Überschwemmungen führen. Küstennahes Grundwasser wird stärker versalzen und fruchtbare Böden dort werden verloren gehen.

Blick in die Zukunft im Nildelta

Auf der Satellitenaufnahme ist zu erkennen, wie fruchtbar das Nildelta ist.

Im westlichen Nildelta lassen sich die ökologischen, ökonomischen und sozialen Folgen des Klimawandels bereits heute beobachten. Seit der Inbetriebnahme des Assuan-Staudamms liefert der Nil deutlich weniger Sediment in das Delta. Dadurch fehlen nicht nur wichtige Nährstoffe für die Landwirtschaft, sondern vor allem der Nachschub für die Sicherung der stark erosionsanfälligen Küstenlinie. Seit einigen Jahrzehnten steigt der Meeresspiegel messbar an. Die Förderung von Erdgas und die starke Entnahme von Grundwasser für die Trinkwasserversorgung und landwirtschaftliche Bewässerung führen gleichzeitig dazu, dass sich der Boden deutlich senkt. Beide Effekte zusammen verursachen einen immer schnelleren Landverlust. Außerdem beschleunigen sie die Versalzung des Grundwassers. Bereits jetzt reicht diese kilometerweit in das Nil-Delta hinein.

Komplettumbau der Landwirtschaft

Auch Weintrauben werden im Nildelta angebaut - noch.

Um das Jahr 2050 werden im Nildelta die Temperaturen vermutlich 1,9 bis 2,8 Grad Celsius höher als heute liegen - bei insgesamt reduziertem Niederschlag. Die höhere Verdunstung wird zu einem noch größeren Wasserdefizit führen, das nur durch verstärke Bewässerung ausgeglichen werden kann. Das wird das Wasser noch knapper machen. Mittelfristig werden die Menschen die Art und Weise, wie sie ihre Felder bewirtschaften, an die neuen klimatischen Bedingungen anpassen müssen. Ein erster Schritt wäre die Entwicklung deutlich effizienterer Bewässerungsstrategien. In Ägypten wird aber bereits über den Umbau der Landwirtschaft nachgedacht. Statt Reis sollen etwa Gerste und Weizen angebaut werden. Diese Getreidearten kommen mit deutlich weniger Wasser aus.

Wie viel Wasser wir virtuell verbrauchen

Auch Bayern betroffen - indirekt

Selbst Regionen, die von den Folgen des Klimawandels nicht so stark betroffen sind, bekommen seine Auswirkungen zu spüren. Besonders, wenn sie mit den Mittelmeeranrainern ökonomisch und politisch vernetzt sind - so wie Bayern. Die zu erwartenden Schwierigkeiten in der Landwirtschaft im Mittelmeerraum werden zu häufigeren Ernteausfällen und Lieferengpässen führen. Andere Länder und Regionen wie Bayern könnten diese Ausfälle gegebenenfalls kompensieren. Dazu muss sich die Landwirtschaft aber frühzeitig darauf einstellen, die südlichen Regionen mitzuversorgen. Nach so einem Umbau der Landwirtschaft werden bei uns aber nicht mehr alle Produkte zu jeder Jahreszeit verfügbar sein.

Expertenwissen für den Süden

Ein Wasserbecken in Tunesien. An ihm untersuchen Forscher, wie sich Wasser im Untergrund ausbreitet.

Bayern könnte aber auch mit Fachwissen bei erneuerbaren Energien und Umwelttechnik einen großen Beitrag zur Verbesserung der Ressourcenwirtschaft und des Umweltschutzes in den betroffenen Regionen leisten. Eine stärkere Nutzung der Sonnenenergie zur Stromerzeugung würde die Abhängigkeit der Mittelmeeranrainer vom Erdgas verringern und somit Wasserressourcen und Böden schonen. Und auch bei der der Trinkwasseraufbereitung gibt es in Bayern Know-how, das rund ums Mittelmeer die Wasserversorgung verbessern könnte.


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