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Folgen des Klimawandels Neue Stadtbäume braucht das Land

Ulme, Linde, Esche, Eiche oder Platane - diese Bäume prägen das Bild unserer Städte. Doch unsere altbekannten Baumarten leiden. Sie kämpfen mit den Folgen des Klimawandels. Deshalb suchen Forscher nach geeigneten Baumarten für die Zukunft.

Stand: 01.10.2012
Eine Esche mit abgestorbenen Ästen | Bild: picture-alliance/dpa

Strenger Frost im Wechsel mit Hitze und Trockenheit. Die Folge: Immer öfter reißen die Stämme der Bäume. Unsere bekannten Stadtbäume werden anfälliger für Krankheiten und Schädlinge. Deshalb wird nach neuen Baumarten gesucht, die besser mit den veränderten Bedingungen zurechtkommen. Getestet werden sie auch in dem langfristig angelegten Forschungsprojekt "Stadtgrün 21" der Bayerischen Landesanstalt für Wein und Gartenbau in Veitshöchheim.

Das Leiden der Stadtbäume

Schadstoffe in der Luft, belastete Böden, fehlende Nährstoffe und Verletzungen durch Bauarbeiten und Unfälle gefährden unsere Stadtbäume. Besonders empfindlich reagieren sie auch auf Wassermangel, der zum einen durch versiegelte Böden und zu wenig Raum für die Wurzeln kommt. Zum anderen fällt zu wenig Niederschlag. Gerade diese Probleme haben sich in den letzten Jahren in Deutschland extrem verstärkt.

Gefahr: Pilzbefall

Eine weitere Folge des Klimawandels: Bestimmte Baumarten leiden verstärkt an Pilz- und Schädlingsbefall.

Baumarten und "ihre" Schädlinge

Massaria-Pilz

Platanen-Allee in Wiesbaden | Bild: picture-alliance/dpa

Von der trocken-heißen Witterung und dem damit verbundenen Wassermangel profitieren Pilze wie der Massaria-Pilz, der Platanen befällt. Bei älteren Platanen bildet sich dadurch verstärkt Totholz, das leichter bricht. Bis vor zehn Jahren war der Massaria-Pilz in Deutschland noch unbekannt. Doch in den letzten Jahren hat er durch die veränderte Witterung massiv zugenommen.

Kastanienminiermotte

Von Kastanienminiermotte geschädigter Baum | Bild: picture-alliance/dpa

In den letzten Jahren ist aus Süd-Ost-Europa die Kastanienminiermotte zugewandert. Sie ist in der Wahl ihres Wirts sehr spezialisiert: Bisher hat sie fast ausschließlich der weißblühenden Rosskastanie zugesetzt. Befallen die Raupen über mehrere Jahre einen Baum, bekommen seine Blätter nicht nur braune Flecken und Löcher, auch der gesamte Baum verliert an Kraft und kämpft ums Überleben.

Eschentriebsterben

Eine Esche mit abgestorbenen Ästen | Bild: picture-alliance/dpa

Gerade in Bayern wurden viele Eschen von einem Schlauchpilz befallen, der für ein erschreckendes Eschensterben sorgte und sorgt. Der Pilz befällt nicht nur Jungpflanzen, sondern setzt auch den älteren Eschen zu. Vor allem die jungen Triebe der Bäume werden befallen.

Ulmensterben

Eine abgestorbene alte Ulme | Bild: picture-alliance/dpa

Eine andere Baumart, die gefährdet ist: die Ulme. Fast 90 Prozent aller Ulmen in deutschen Städten mussten in den letzten zehn Jahren gefällt werden, weil sie ebenfalls von einem Pilz befallen worden waren. Außer gegen den asiatischen Schlauchpilz kämpfen die Ulmen vor allem noch mit zwei Käferarten: der Kleine und der Große Ulmensplintkäfer, die beide zu den Borkenkäfern gehören.

"Stadtgrün 2021"

Um dem Baumleiden und - sterben in deutschen Städten Einhalt zu gebieten, suchen Forscher nach alternativen Baumarten, die das Stadtklima der Zukunft besser vertragen sollen. So testet die Biologin Susanne Böll von der Bayerischen Landesanstalt für Wein und Gartenbau unterschiedliche Baumarten auf ihre Eignung. Sie arbeitet an dem groß angelegten Forschungsprojekt "Stadtgrün 2021" in drei bayerischen Städten: in Kempten, Hof/Münchberg und Würzburg.

Drei bayerische Städte - unterschiedliche Klimabedingungen

Die drei Städte wurden ausgewählt, weil sie urbane Standorte mit unterschiedlichen klimatischen Bedingungen repräsentieren: Während das wärmebegünstigte Würzburg überdurchschnittlich hohe Trockenperioden und Temperaturbedingungen hat, wird Münchberg bei Hof mit seinem kontinentalen Klima mit viel Frost auch als "bayerisch Sibirien" bezeichnet. Kempten zeichnet sich dagegen durch ein gemäßigtes Voralpenklima mit ausreichend Niederschlägen aus.

Der neue Stadtbaum

Auch Gingkobäume wurden getestet

Auf der Suche nach dem Baum der Zukunft hat Susanne Böll zwanzig neue Baumarten gepflanzt: Zürgelbäume aus Nordafrika, der Französische Ahorn, die spanische Eiche, die nordamerikanische Zelkove oder auch den asiatischen Gingkobaum. Alle diese Baumarten sollen besser mit dem Frost und der Trockenheit klarkommen. Um die Entwicklung der Bäume vergleichen zu können, wurden sie gleichzeitig im Herbst 2009 und Frühling 2010 an vorher ausgewählten Standorten gepflanzt. Alle Bäume waren aus demselben Quartier der Baumschule, hatten einen ähnlichen Umfang. Sie wurden in Reihen gepflanzt und werden alle gleich gepflegt. Außerdem werden Mittel gegen Pilzbefall getestet.

"Was wir überhaupt nicht anstreben ist, dass man grundsätzlich sagt, die alten Baumarten taugen nichts mehr oder geben nichts mehr her. Sondern was wir wollen, ist einfach die Diversität zu erweitern. Damit man eben an speziellen Trockenstandorten - schwierigen Standorten in den Städten - das Repertoire erweitern und ergänzen kann."

Biologin Susanne Böll, Bayerische Landesanstalt für Wein und Gartenbau

Einige Städte wie Heilbronn oder München haben schon damit begonnen, ihre Grünflächen und Baumbestände umzubauen. Ein Prozess, der Jahrzehnte dauert und noch ist nicht klar, welche Bäume tatsächlich die werden, die unsere Städte in Zukunft begrünen werden. Denn auch bei den neuen Arten sind Schädlinge noch nicht auszuschließen.


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