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Das Eis verschwindet Schmelzende Polkappen, steigende Pegel

Die Klimaerwärmung lässt die Polkappen schmelzen. Forscher haben die Daten zahlreicher Satellitenmissionen ausgewertet - und kamen auf 4.000 Milliarden Tonnen Eis, die seit 1992 verschwunden sind.

Stand: 30.11.2012

Es muss nicht erst ein Eisberg am Nordseestrand vorbeidriften, bis wir merken, wie eng unser Verhältnis zu Arktis und Antarktis ist. Die Polarregion spürt sie längst, die Gegenwart des Menschen: Der Klimawandel lässt sie buchstäblich verschwinden.

Das Eis schmilzt

Die Eisschilde in der Antarktis und in Grönland haben in knapp zwanzig Jahren etwa 4.000 Milliarden Tonnen an Masse verloren. Deren Schmelzwasser hat den Meeresspiegel um rund elf Millimeter steigen lassen, was etwa einem Fünftel des Gesamtanstiegs entspricht. Das geht aus einer Studie hervor, an der unter anderem Forscher der Technischen Universität München und der Universität München beteiligt waren. Das Team analysierte die Daten von mehr als dreißig auf Satellitenbeobachtungen basierenden Untersuchungen zur Eisdicke an den Polkappen aus den Jahren 1992 bis 2011. Diese belegen auch, dass die Eisdicke in manchen Regionen zunimmt, in anderen jedoch rapide sinkt. In Grönland beispielsweise schmilzt etwa fünfmal so viel Eis ab wie in den 1990er Jahren, während in der Antarktis die Beschleunigung etwas langsamer vor sich geht.

Das Wasser steigt

Doch auch die Gletscher der Antarktis wandern immer schneller zum Meer und verlieren in jedem Jahr über 100 Milliarden Tonnen Eismasse. Das entspricht 100 Billionen Liter Wasser. Schon jetzt steigt der Meeresspiegel jährlich um drei Millimeter. Und es wird noch schlimmer: Eine Studie vom Mai 2011 sagt Furchterregendes voraus: Bis zum Ende des Jahrhunderts soll der Meeresspiegel laut der Prognose des Arctic Monitoring and Assessment Programme (AMAP) um 0,9 bis 1,6 Meter steigen.

Bis 2300 ist ein Anstieg von 3,5 Metern möglich

Einen globalen Anstieg um 80 Zentimeter bis zum Jahr 2100 sagt auch ein internationales Forscherteam in einer Studie vom Juni 2012 voraus: Die Wissenschaftler vom Forschungsinstitut Climate Analytics in Berlin, vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, der Universität Wageningen in den Niederlanden und der Aalto-Universität in Finnland haben für ihre Prognosen Klimamodelle mit Messwerten des Meerresspiegelanstiegs der letzten tausend Jahre verknüpft. Damit ermittelten sie auch Langzeitprognosen für die Pegel bis zum Jahr 2300: Wird die Erwärmung auf zwei Grad begrenzt, würde der Meeresspiegel immer noch rund 2,7 Meter über dem Niveau des Jahres 2000 liegen. Wenn es gelänge, die Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, würden die Pegel bis 2300 um etwa 1,5 Meter ansteigen, nur gut halb so viel. Eine Katastrophe wäre dagegen eine Erwärmung um zwei bis drei Grad: Dann wäre mit einem Anstieg von durchschnittlich 3,5 Metern zu rechnen. Als Hauptgrund für den rasanten Anstieg wird vor allem das beschleunigte Abschmelzen der arktischen Gletscher und des grönländischen Inlandeises ausgemacht.

Flutkatastrophen und Klimaflüchtlinge

Wenn die zwei großen Süßwasserreservoirs der Erde schmelzen, drohen weltweit Flutkatastrophen. Tief liegende Regionen wie Bangladesch könnten komplett überflutet werden. Aber auch die flachen Küstenregionen Polens sind gefährdet. Und die deutsche Insel Sylt muss schon jetzt jedes Jahr frischen Sand heranbaggern, weil die Fluten die Insel buchstäblich abtragen. Dazu wird das Ökosystem Ozean aus dem Gleichgewicht gebracht, weil beispielsweise der Salzgehalt des Wassers abnimmt.

Landunter: Die ersten Klimaflüchtlinge

  • Wie viele Menschen genau ihre Heimat verlassen, weil sich das Klima dort verändert hat, weiß niemand. Das liegt daran, dass es keine genaue wissenschaftliche Definition für Klimaflüchtlinge gibt. Unbestritten ist aber: Menschen nehmen reißaus, weil ihnen das Trinkwasser fehlt, Trockenheit den Böden zu schaffen macht oder ihr Hab und Gut immer wieder weggeschwemmt wird.
  • November 2005: 980 Menschen werden von den Carteret-Inseln (Papua Neuguinea) auf 100 Kilometer entfernte Inseln umgesiedelt - die ersten Klimaflüchtlinge.
  • 2005: Die 11.000 Bewohner der Inselkette Tuvalu (Pazifischer Ozean) erbitten Klimaasyl. Australien verweigert die Aufnahme.
  • 19. Februar 2007: Arktische Stürme überschwemmen wiederholt die Siedlung Shishmaref (Alaska). Die Bevölkerung gibt auf und packt die Koffer.
  • seit 2008: Der Präsident der Malediven spart, um Land in Indien oder anderswo im Ernstfall zu kaufen. Denn den 385.000 Maledivern steht das Wasser bis zum Halse.
  • Immer mehr Menschen verlassen die Südpazifikinsel Nauru wegen ständiger Überflutungen.
  • Indonesien will auf seinen unbewohnten Inseln Klimaflüchtlingen Zuflucht gewähren, obwohl rund 2.000 der insgesamt rund 17.000 indonesischen Inseln bis Mitte des Jahrhunderts ebenfalls verschwinden könnten.

Bedrohtes Paradies

Die Malediven gelten als Urlaubsparadies. Doch die Inseln im Indischen Ozean sind bedroht. Der Klimawandel lässt den Meeresspiegel steigen und Stürme stärker werden. Das hat schon jetzt Auswirkungen.


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