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Klima-Risiko-Index 2018 Kleine Inselstaaten von Extremwetter besonders betroffen

Kleine Inselstaaten sind weltweit am stärksten von Extremwetter betroffen. Am schlimmsten steht es derzeit um Haiti, gefolgt von Simbabwe und den Fidschi-Inseln. Doch auch in Deutschland steigt die Gefahr vor Extremwetter.

Stand: 09.11.2017

Extremwetter: Extremwetter: Am 6. Oktober 2016 tobt Hurrikan Matthwe über Haiti und zerstört die Insel | Bild: picture-alliance/dpa

Beim Klimagipfel in Bonn hat die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch am Donnerstag, den 9. November 2017, ihren neuen Globalen Klima-Risiko-Index 2018 vorgestellt. Der aktuelle Index macht deutlich: Besonders kleine Inselstaaten gehören zu den am stärksten von Extremwetter betroffenen Ländern weltweit.

"Haiti wurde 2016 vom stärksten Hurrikan seit über 50 Jahren heimgesucht und Fidschi vom stärksten je dort gemessenen Wirbelsturm. Damit steht Haiti auf Platz 1 und Fidschi auf Platz 3 im Index der am stärksten betroffenen Staaten im Jahr 2016."

David Eckstein, Autor der Studie von Germanwatch

Globaler Klima-Risiko-Index 2018

Der Index basiert auf den Daten von 1997 bis einschließlich 2016 und nennt die Anzahl der Todesopfer durch Extremwetterlagen sowie die direkten ökonomischen Verluste. Die Zahlen basieren auf Daten der NatCatSERVICE-Datenbank des Rückversicherers Munich Re sowie auf sozioökonomischen Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF). Eine Zusammenfassung der Studie "Globaler Klima-Risiko-Index 2018" findet sich als pdf hier:

In vielen der im vergangenen Jahr am stärksten von Unwetterkatastrophen betroffenen Ländern gingen extremen Regenfällen Dürren voraus. Dies führte zum Beispiel in Simbabwe, 2016 auf Rang zwei, zu dramatischen Überschwemmungen mit rund 250 Todesopfern und Tausenden Obdachlosen. Und 2016 waren Stürme und deren direkte Folgen wie Starkregen, Überflutungen und Erdrutsche die Hauptursachen der wirtschafltichen Schäden.

Von Rang 98 im Jahr 2015 schoss Sri Lanka 2016 auf Rang vier vor, gefolgt von Vietnam und Indien. Nach Ansicht von Germanwatch wurden Länder wie Haiti, Indien, Sri Lanka und Vietnam in den vergangenen Jahren so oft von extremen Wetterereignissen heimgesucht, dass sie kaum mehr Zeit hätten, sich zu regenerieren.

USA: Verursacher und Leidtragender des Klimawandels

Neben einigen Entwicklungs- und Schwellenländern, die mittlerweile regelmäßig mit Wetterkatastrophen zu kämpfen haben, trifft es nun auch immer häufiger große Industrienationen. So ist 2016 auf Rang zehn die USA zu finden, die im Jahr zuvor noch auf Platz 21 des Index lag. "Sie sind also nicht nur einer der Verursacher des Klimawandels, sondern auch Leidtragende", urteilte Vera Künzel, eine Autorin des Berichts. 2016 verzeichneten die USA 267 Todesopfer und 47 Milliarden Dollar Schäden.

Mehr Extremwetter in Deutschland

Auch in Deutschland nehmen die extremen Wetterereignisse zu. So rückte Deutschland im vergangenen Jahr auf dem Klima-Risiko-Index von Rang 64 auf Platz 42 vor. 15 Menschen starben demnach durch Extremwetter wie Stürme und Überschwemmungen. Der Schaden betrug rund 3,5 Milliarden Dollar, so Germanwatch. Im Langfrist-Index der vergangenen 20 Jahre liegt Deutschland auf Rang 23. Die Bundesrepublik ist in diesem Index damit nach Frankreich und Portugal die am drittstärksten betroffene Industrienation.

Langzeit-Index: mehr als 520.000 Tote

Im Langfrist-Index über die vergangenen 20 Jahre von 1997 bis 2016 betrachtet, sind Honduras, Haiti und Myanmar die am härtesten getroffenen Länder. Insgesamt kamen, so Germanwatch, in dieser Zeitspanne weltweit mehr als 520.000 Menschen als direkte Konsequenz von über 11.000 Extremwetterereignissen zu Tode. Die wirtschaftlichen Schäden beliefen sich auf etwa 3,16 Billionen US-Dollar. Auch im Langfrist-Index zeige sich vor allem die große Verwundbarkeit ärmerer Länder, so die Studie: Neun der zehn von 1997 bis 2016 meistbetroffenen Staaten sind Entwicklungsländer mit niedrigem oder unterem mittleren Pro-Kopf-Einkommen.

"Doch auch Industrienationen müssen aktiver werden im Umgang mit Klimafolgen. Außerdem ist effektiver Klimaschutz auch im Eigeninteresse dieser Länder. Das sieht man zum Beispiel an den USA [...]."

David Eckstein, Autor der Studie von Germanwatch

"Extreme werden extremer"

Aus dem Index geht laut Studie hervor, dass man die betroffenen Länder insgesamt in zwei Kategorien einteilen könne: Die Länder, die einmalig von sehr heftigen Ereignissen getroffen werden, so wie Honduras 1998 durch Hurrikan Mitch. Diese Katastrophe habe das Land um 20 Jahre in der Entwicklung zurückgeworfen, so Künzel. Und dann gebe es Länder, die regelmäßig von Extremwetterereignissen betroffen sind und die keine Zeit hätten, sich dazwischen zu regenerieren. Für sie werde es jedes Mal schwieriger sich zu erholen. Das Fazit von Künzel: "Die Extreme werden extremer."


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