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Weltraumteleskop Kepler findet achten Planeten in fernem Sonnensystem

Das Weltraumteleskop Kepler ist ein Planeten-Jäger: Mehr als 2.500 Exoplaneten hat es bislang aufgespürt. Die neueste Entdeckung: Kepler 90i - und damit ein Sonnensystem, in dem wie bei uns acht Planeten um eine Sonne kreisen.

Stand: 15.12.2017

Das Weltraumteleskop Kepler fand neben unserem Sonnensystem ein weiteres, in dem acht Planeten um eine Sonne kreisen: Kepler-90. | Bild: NASA/Wendy Stenzel

Das nach dem deutschen Astronomen Johannes Kepler benannte Weltraumteleskop spürt ferne Planeten auf: Mehr als 5.000 Planeten-Kandidaten zeigt der Zähler auf der Kepler-Webseite der NASA an. Davon wurden nach genauer Analyse bislang über 2.500 als echte Planeten klassifiziert. Keplers neueste Entdeckung: Das heiße Kerlchen Kepler-90i. Auf seiner Oberfläche herrschen Temperaturen von mehr als 420 Grad Celsius. Mehr als 2.500 Lichtjahre von der Erde entfernt umkreist der Planet zusammen mit sieben anderen den Stern Kepler-90. Damit wurde im Dezember 2017 neben unserem Sonnensystem ein weiteres entdeckt, in dem acht Planeten eine Sonne umkreisen. Wie die Erde zu unserer Sonne ist Kepler-90i der drittnächste zu seiner Sonne. Für deren Umrundung braucht er allerdings nur 14 Tage.

Exoplanetarischer Rekord: 1.284 neue Planeten im Mai 2016

Weltraumteleskop Kepler hat mehr als 2.300 Planeten neue Planeten entdeckt.

Wie erfolgreich das Weltraumteleskop auf seiner Suche ist, machte die NASA am 10. Mai 2016 deutlich, als sie nach genauer Analyse verkündete: Bei von 4.302 bis zum Juli 2015 von Kepler entdeckten Planeten-Kandidaten handelt es sich bei 1.284 tatsächlich um echte Planeten. Unter ihnen sind nach NASA-Angaben rund 550 so klein, dass sie Gesteinsplaneten sein könnten – wie die Erde. Neun Planeten davon umkreisen ihren Stern in der sogenannten bewohnbaren Zone. Dort könnte flüssiges Wasser existieren. Anzeichen von Leben haben die Forscher auf diesen Planeten allerdings nicht gefunden.

Es sei die größte Zahl von neu entdeckten Exoplaneten, die je bekanntgegeben wurde, so Timothy Morton von der Princeton University und Hauptautor der Analyse damals.

"Das macht uns Hoffnung, dass wir irgendwann da draußen bei einem Stern ähnlich unserem eigenen eine weitere Erde entdecken."

Nasa-Chefwissenschaftlerin Ellen Stofan

Kepler auf der Suche nach der "zweiten Erde"

Wenn ein Planet vor seinem Zentralstern vorbeizieht, verursacht er minimale Lichtschwankungen. Diese registriert Kepler und kann so Exoplaneten aufspüren. Viele der von ihm entdeckten Planeten und -kandidaten sind Gasriesen oder sehr nahe an ihrer Sonne. Leben, wie wir es kennen, ist auf ihnen nicht möglich. Doch einige der Exoplaneten haben etwa Erdgröße und manche von ihnen kreisen sogar in der Zone um ihre Sonne, in der irdisches Leben entstehen könnte. Die Daten, die Kepler gesammelt hat, sind noch lange nicht ausgewertet. Möglicherweise finden sich in ihnen noch Hinweise auf eine mögliche "zweite Erde".

Kepler nimmt Sterne ins Visier

Kepler beobachtet ein vergleichsweise kleines Areal der Milchstraße, das aber ganz genau.

Im Gegensatz zu anderen Teleskopen konzentriert sich Kepler auf einen kleinen Ausschnitt der Milchstraße: Es beobachtet ein Feld zwischen den Sternbildern Schwan und Leier. Das Teleskop nimmt nur ein Vierhundertstel des Sternenhimmels unter die Lupe, doch das dafür ganz genau. Etwa 190.000 Sterne hatte das Teleskop während seiner Hauptmission mit seiner 95-Mega-Pixel-Kamera genau im Blick.

Probleme mit der Steuerung

Ein Kandidat für einen bewohnbaren Exoplaneten: der nach dem Weltraumteleskop benannte Kepler-69c.

Am 7. März 2009 startete Weltraumteleskop Kepler ins All, um nach weit entfernen Planeten zu suchen. Doch Mitte Mai 2013 ließ sich das rund eine Tonne schwere Forschungsinstrument nicht mehr präzise genug ausrichten, um seine Aufgabe zu erfüllen. Von den vier Trägheitsrädern, mit denen Kepler seine Position im All steuerte, war eines seit Juli 2012 defekt. Im Mai 2013 fiel ein zweites aus. Die beiden noch funktionierenden Räder reichten für eine exakte Steuerung nicht mehr aus. NASA-Ingenieure versuchten mehrmals von der Erde aus, das defekte Trägheitsrad wieder zum Rotieren zu bringen. Das gelang ihnen aber nicht.

Im Schlepptau der Erde

Astronauten konnte die NASA nicht zur Reparatur ins All schicken: Kepler kreist nämlich nicht wie das Weltraumteleskop Hubble um die Erde, sondern folgt ihr mit einem Abstand von vielen Millionen Kilometern. Kepler braucht für eine Runde um die Sonne 371 Tage. Das bedeutet: Der Abstand zur Erde wächst kontinuierlich. Irgendwann wird die Distanz zu groß sein, um Signale von Kepler zu empfangen.

Kepler startet neue Mission

Die NASA erklärte daher Mitte August 2013 die rund 600 Millionen Dollar teure Mission für beendet. Wissenschaftler und Ingenieure gaben aber Ende 2013 bekannt, dass sie eine Möglichkeit entwickelt hätten, Kepler weiter nutzen zu können: Der Druck der Photonen des Sonnenlichts sollte als Ersatz für die ausgefallenen Trägheitsräder dienen und so das Weltraumteleskop stabilisieren. Im Mai 2014 begann diese Mission unter dem Namen K2. Die Entdeckung neuer Exoplaneten zeigte, dass dieser Ansatz erfolgreich war.

Nach Aussage der NASA könnte die Mission noch bis Ende 2018 dauern - dann werde der Treibstoff verbraucht sein.

Keplers Nachfolger: Plato

Mit einer neuen Raumsonde namens "Plato" will die europäische Weltraumagentur Esa in den Tiefen des Weltraums nach "Zwillingen der Erde" suchen. Die Sonde soll spätestens 2024 vom Raumflughafen in Kourou an Bord einer Sojus-Rakete starten. Plato soll mit Hilfe von 34 Teleskopen und Kameras bei etwa einer Million Sternen Ausschau nach Planeten halten. Die Daten sollen ermöglichen, Masse und Radius von Planeten zu berechnen. Damit wollen die Forscher Rückschlüsse auf deren Zusammensetzung ziehen.


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