Raben und Krähen zählen zur Gattung Corvus mit 42 Arten.
Intelligenz der Tiere Raffinierte Rabenvögel
Raben gelten als hinterhältig, diebisch und gemein. Der schwarze Vogel hat einen schlechten Ruf. Zu Unrecht: Forscher haben dem Unglücksraben auf die Krallen geschaut. Rabenvögel sind mehr als ausgesprochen schlau ...
Rabenvögel gelten als besonders intelligent: Sie lernen schnell, benutzen Werkzeuge zielgerichtet - und begreifen auch versteckte Zusammenhänge. Das war bislang nur bei Menschen bekannt. "Stellen Sie sich vor, Sie blicken von oben auf einen Wald hinab und sehen, wie sich die Äste und Blätter eines Baumes bewegen, obwohl kein Wind weht", schreiben Alex Taylor von der University of Auckland in Neuseeland und seine Kollegen. Der Mensch verstehe instinktiv, dass es eine für ihn nicht sichtbare Ursache für dieses Phänomen geben müsse - zum Beispiel einen Affen, der sich durch die Baumkronen schwingt und sie bewegt. Ähnlich abstraktes Denken war von den Rabenvögeln in einem Experiment gefordert: Sie begriffen den Zusammenhang zwischen einem Stock, der sich scheinbar von selbst bewegt und einem Menschen, der kurz darauf ein Versteck in der Nähe des Stockes verlässt. In freier Wildbahn kann ihnen solch abstraktes Denken einen großen Überlebensvorteil verschaffen.
Drei Werkzeuge im Gebrauch
Bei der Nahrungssuche verhelfen sich die Vögel ganz praktisch zu ihrem Vorteil: indem sie drei Werkzeuge zielgerichtet hintereinander nutzen. Das fanden Forscher der Universität Oxford 2009 heraus, indem sie Nahrung in einem Loch versteckten. Nur mit einem speziellen Werkzeug konnte der Leckerbissen herausgefischt werden. Doch um dieses zu bekommen, mussten die Vögel erst zwei andere Werkzeuge nutzen. Einige Krähen schafften diese Aufgabe schon beim ersten Versuch. Dieses zielgerichtete Nutzen von Werkzeugen gilt eigentlich ebenfalls als Zeichen menschlicher Intelligenz.
Die Intelligenz der Rabenvögel
Petzer
Gesichtserkennung
Raben erkennen Gesichter – und identifizieren so zum Beispiel noch fünf Jahre nach einer Fangaktion "böse" Menschen. Auch Raben, die das Ganze nur beobachtet hatten, hatten später Angst vor diesen Gesichtern. Doch nicht nur das: Petzen können die Vögel auch. Unbeteiligten Raben stecken sie, vor wem die sich in Acht nehmen müssen.
Nahrung
Menschlicher Nussknacker
Der britische Verhaltensforscher Nathan Emery erforschte japanische Krähen, die Nüsse auf die Straße werfen, um die Leckerbissen von darüber rollenden Autos knacken zu lassen. Doch damit nicht genug: Sie werfen ihre Nüsse gezielt auf Zebrastreifen oder vor Ampeln und ernten ihre Nuss-Beute, wenn die Autos anhalten.
Zukunft
Zukunftsplanung
Immer wieder zeigen Futterexperimente, dass die Tiere schlauer sind als allgemein bekannt: "Krähen planen für den nächsten Tag", so das Ergebnis der Wissenschaftler. Das zeuge von hoch entwickelten und komplizierten Gedankengängen.
Vorsorge
Komplizierte Vorratshaltung
In mehreren Experimenten hatten die Forscher Rabenvögel in durch Wände teilbare Räume gesperrt. In einigen Räumen gab es täglich "Frühstück", in anderen nicht und wiederum in anderen nur eine einzige Sorte Nahrung. Gab man den Tieren die Möglichkeit, nach Belieben Nahrung zu verstecken, deponierten sie Nahrung dort, wo es nie "Frühstück" gab und versorgten außerdem die Räume mit eingeschränktem Nahrungsangebot durch das jeweilige Futter, was dort gewöhnlich "fehlte". Zudem weiß ein Rabe beim Verstecken des Futters, dass seine Beute nur dann sicher ist, wenn ihn keiner beobachtet hat.
Partner
Taktik
Im Sozialleben mit Artgenossen vollziehen sie gewiefte taktische Manöver, die beweisen: Raben wissen, was im Kopf des Partners vorgeht, und versuchen ihn - beispielsweise bei der Nahrungsbeschaffung - "auszutricksen" -, das hat der Biologe Thomas Bugnyar herausgefunden.
Tricks
Steinwurf
Britische Forscher stellten Saatkrähen einen schmalen, hohen Becher in den Käfig. Darin schwamm ein Wachswurm - allerdings so tief, dass die Vögel ihn nicht schnappen konnten. Neben den Becher legten die Forscher kleine Steine. Um an den Wurm zu kommen, warfen die Vögel einzelne Steine ins Gefäß. So lange, bis der Wurm nach oben kam und sie ihn fassen konnten.
Fürsorgliche Rabeneltern
Raben leben übrigens lebenslang mit dem gleichen Partner zusammen. Jedes Jahr zieht das Paar zwei bis fünf Junge heran, um die sich die Rabeneltern sehr fürsorglich kümmern. Doch junge Raben und Krähen fallen schnell mal aus dem Nest und hüpfen dann scheinbar verlassen auf dem Boden herum – was wohl den Ausdruck "Rabeneltern" prägte. Doch Mama und Papa Rabe sind stets in der Nähe, füttern und verteidigen ihren Nachwuchs.
Als Raubvogel gefürchtet
Doch trotz der vielen Beweise ihrer Intelligenz waren und sind Raben nicht besonders beliebt. Als Galgenvogel war der Rabe verschrien, weil man den Aasfresser auf Schlachtfeldern als Leichenfledderer beobachten konnte. Heute plündern die größten unserer heimischen Singvögel eher Mülldeponien. Außerdem gelten sie auch als Lämmer- und Ferkelmörder. Meist treiben sie sich aber aus anderem Grund zwischen Ferkeln herum: Was die Schweinchen mögen, essen auch Raben gern – und das liegt oft frei zugänglich auf dem Boden herum. Übrigens: Lämmer gehören zwar in das natürliche Beutespektrum der Raben, sie bevorzugen allerdings Tot- und Nachgeburten.
Schwarze Gesundheitspolizei
Raben scheinen einen sechsten Sinn für schwache und kranke Tiere zu haben. Landwirte haben beobachtet: Tage bevor bei einem Nutztier eine Lungenentzündung oder eine Durchfallerkrankung diagnostiziert wird, wird es schon von Raben gepiesackt. So gesehen, könnte der Vogel auch eine Hilfe bei der Nutztierhaltung sein, betont der Zoologe und Raben-Experte Hans-Dieter Wallschläger von der Universität Potsdam.
Zum Anhören
Unter den gefiederten Genies sind die Rabenvögel Spitzenreiter. Kolkraben können sogar sprechen, wenn ihnen einzelne Sätze lange genug vorgesprochen werden. Auch der Dialekt ihres Lehrmeisters ist dann noch zu erkennen. Den Inhalt ihrer Worte verstehen die Raben aber nicht. Noch nicht - zumindest wurde dies noch nicht nachgewiesen.
Was ist eigentlich ...
... der Unterschied zwischen Raben und Krähen?
Biologisch gesehen gar keiner. Beide gehören zur Gattung "Corvus" in der Familie der Rabenvögel (Corvidae). Raben nennen wir die großen Vögel, Krähen dagegen die kleineren. Auch Dohle und Kolkrabe gehören zur Gattung. Zur Familie der Rabenvögel zählen unter vielen anderen auch die Elstern und Eichelhäher.
Trotz des typischen Gekrächze gehören Rabenvögel übrigens zu den Singvögeln.

Wetter




