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Der IQ-Test Völlig überschätzt oder echt wichtig?

Der in Tests gemessene IQ der Menschen stieg jahrzehntelang an - aber auch ihre Intelligenz, die geistige Flexibilität, mit Wissen schnell und zielorientiert umzugehen? Ein US-Forscher bestreitet das jetzt. Was meinen Sie?

Stand: 14.11.2012

IQ-Messungen an ein- und zweieiigen Zwillingen haben bewiesen, dass die Intelligenzunterschiede von Menschen in unserem Kulturkreis mindestens zu 50 Prozent genetische Ursachen haben. Der andere Teil wird von Umweltfaktoren bestimmt, von Geschwistern, der Peer-Group und prägenden Ereignissen. Der Mensch kommt also nicht als fertiges Wesen auf die Welt, sondern hat noch viel Entwicklungspotenzial.

Fitnesstraining für die Intelligenz

Ist Intelligenz vererbbar? Diese Frage wurde inzwischen beantwortet: zu fünfzig Prozent.

Intelligenzforscher unterscheiden zwischen kristalliner und fluider Intelligenz. Die kristalline Intelligenz ist das Wissen, das man beispielsweise in der Schule lernen kann. Die fluide Intelligenz ist die Fähigkeit, auf neue Anforderungen angemessen zu reagieren. Dieser fluide Teil der Intelligenz wird als in hohem Maße angeboren betrachtet. Für Professor Walter Perrig von der Universität Bern bedeutet diese Art von Intelligenz vor allem: unbekannte Probleme lösen zu können. Mit einem speziellen Training konnte er beweisen, dass sich nicht nur die Leistung des Arbeitsgedächtnisses eines Menschen verbessern, sondern auch seine Gesamt-Intelligenz steigern lässt.

Was ist Intelligenz?

Intelligenztests

Gehirn im Schädel | Bild: colourbox.com

Intelligenz ist das, was sich mit IQ-Tests messen lässt. Manche Tests ermitteln die Geschwindigkeit, mit der Probleme gelöst werden. Andere spüren dem Sprachverständnis, dem Allgemeinwissen, dem räumlichen Vorstellungsvermögen oder dem logischen Denken nach.

Erblichkeit von Intelligenz

Gehirn | Bild: colourbox.com

Verkürzt heißt es häufig, die Anlage für Intelligenz sei zu mindestens 50 Prozent erblich. Erreicht ein Mensch in einem Intelligenztest 100 Punkte, heißt das aber nicht, dass er 50 Punkte seinen Genen und 50 Punkte der Umwelt zu verdanken hat. Intelligenz ist keine absolute Größe.

Abhängig von Alter und Kulturkreis

Doktorhut | Bild: colourbox.com

Die Erblichkeit von Intelligenz ist nur in einer homogenen Gruppe mit gleichaltrigen Personen aus dem gleichen Kulturkreis messbar. Man vergleicht dabei die relativen Unterschiede jedes Einzelnen vom Durchschnittswert 100 - das entspricht dem Intelligenzquotienten.

"Eine sehr hohe Intelligenz ist das Ergebnis glücklicher Zufälle bei der Bildung von Eizellen und Spermien sowie der Befruchtung. Deshalb ist das Kind hochintelligenter Eltern mit hoher Wahrscheinlichkeit weniger intelligent als diese. Umgekehrt können auch weniger intelligente Eltern Erbsubstanz in sich tragen, die ihrem Nachwuchs in einer gerechten Gesellschaft zu ungeahnten Höhenflügen verhilft."

Elsbeth Stern, Lern- und Intelligenzforscherin an der ETH Zürich

Intelligenz ist objektiv nicht messbar

Gute Testergebnisse in einem IQ-Test kann man nicht per Zufall erzielen, sehr wohl aber schwächere.

Seine Intelligenz zu trainieren ist eine Sache, aber sie zu messen, eine andere. So hat zum Beispiel der neuseeländische Intelligenzforscher James Robert Flynn 1987 herausgefunden, dass die Menschen der Industrienationen seit Anfang des 20. Jahrhunderts im Durchschnitt immer klüger werden - gemessen an dem in IQ-Tests errechneten Intelligenzquotienten (Flynn-Effekt). Aber wird man wirklich klüger oder haben die Menschen einfach gelernt, in der Logik der Tests zu denken? Selbst der Erfinder der Intelligenztests, der französische Psychologe Alfred Binet, hat zugegeben, dass Intelligenz nicht messbar ist. Viele andere Kritiker folgten ihm, wie etwa der renommierte Biologe und Evolutionsforscher Stephen Jay Gould. Er ist überzeugt: "Die Messergebnisse, die ein IQ-Test liefert, sind weiter nichts als statistische Artefakte."

Gewagte These: Die Menschen werden immer dümmer

Der amerikanische Entwicklungsbiologe Gerald Crabtree von der Stanford University behauptet, die durchschnittliche Intelligenz des Menschen schwinde allmählich. Seine Begründung: Vor tausenden Jahren, als die Menschen noch in kleinen Gruppen durch die Wildnis streiften, hätten die Klügsten die höchsten Überlebenschancen gehabt. Doch seitdem die Menschheit Ackerbau betreibe und in größeren Gemeinschaften zusammenlebe, sei die Intelligenz des Einzelnen weniger wichtig geworden. Die menschliche Intelligenz hatte ihren Gipfel möglicherweise vor etwa 6.000 bis 2.000 Jahren erreicht – von da an ging's kontinuierlich bergab, meint Crabtree. Er vermutet sogar, dass ein Bürger des antiken Athen uns heutigen Menschen geistig deutlich überlegen war.
==> Provokantes Gedankenspiel: Sehen Sie das auch so? Diskutieren Sie mit!


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L.Westphal, Donnerstag, 15.November, 08:55 Uhr

1. Sind wir dümmer geworden

Zu 50% hat er wohl recht, denn bei ihm geht es nur um vererbte Inteligenz.
Wir dürfen und müssen heute vielmehr mit dem Kopf und Informationen arbeiten.