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Montessori-Schule Private Alternative

Seit einigen Monaten gibt es in Bayern Inklusionsschulen. Das, was an diesen staatlichen Schulen jetzt mühsam umgesetzt wird, macht die Montessori-Schule an der Münchner Balanstraße schon seit Jahren. Und das erfolgreich. Die Anmeldezahlen übersteigen die Schulkapazität um ein weites.

Von: Sebastian Grom Stand: 02.02.2012
Junge sitzt in der Klasse und sortiert seine Unterlagen | Bild: Sebastian Grom/ifp

Ruhig liegen sie auf einem Teppich. Konzentriert schauen sie in ihre Bücher. Es ist ganz leise im Klassenraum der Jahrgangsklasse "Türkis". Jedes Kind weiß, was gerade zu tun ist. Lehrerin Anna Usadel läuft durch den Saal. Mal hilft sie einem Kind beim Schreiben von Buchstaben, mal erkundigt sie sich bei einem Schüler, was er gerade liest. An einem kleinen Tisch sitzen Moritz und Eva. Die beiden Kinder haben das Down-Syndrom. Bei Ihnen sitzt ein Schulbegleiter, der ihnen bei ihren Arbeiten hilft.

"Wie heißt das Buch?"

Anna Usadel ruft die Kinder zu einer Buchvorstellung zusammen. Alle sitzen im Kreis. Eva sitzt auf dem Schoß des Schulbegleiters, Moritz auf dem von Anna Usadel. Die siebenjährige Marie stellt ein Buch von Astrid Lindgren vor. Die Kinder aus der Krachmacherstraße. Als sie fertig ist, geben ihr die Kinder Rückmeldung. "Du hast schön gelesen", sagt ein kleiner Junge mit strubbligen Haaren. Auch Moritz und Eva melden sich. "Schön", murmelt Moritz vor sich. Eva möchte noch einmal genau wissen, wie das Buch heißt. "Die Kinder aus der Krachmacherstraße", antwortet Marie fröhlich.

Kein Besonderheitsstatus

Dass Moritz und Eva bei der Lehrerin und dem Schulbegleiter auf dem Schoß sitzen dürfen, stört die anderen Kinder nicht. Auch wenn Moritz seine Wortmeldung leise vor sich hinmurmelt, sind die Kinder aufmerksam und fragen noch einmal nach, was er genau gesagt hat. Der Umgang untereinander ist liebevoll. Moritz und Eva sind vollwertige Mitglieder der Klasse. Hat ein Kind eine Behinderung, so würde an anderen Schulen oft der „Besonderheitsstatus“ hervorgehoben. „Bei uns ist das eben völlig normal“, macht Anna Usadel deutlich. Mit jedem Kind sei das Lernen ganz speziell. So auch bei Moritz und Eva.

"Mit jedem Kind ist das Lernen ganz speziell. So auch bei den beiden Kindern. Sie haben ihre Eigenarten, ihre besonderen Schwierigkeiten. Man braucht etwas mehr Geduld und mehr Unterstützung. Aber es ist sehr schön, weil die zwei besonders intensiv und unvoreingenommen an die Dinge rangehen."

Anna Usadel, Lehrerin Montessori-Schule

Heute sind 17 Kinder in der Klasse. Kinder aus den Klassenstufen eins bis drei. Neben Anna Usadel sind noch eine weitere Lehrerin sowie ein Schulbegleiter im Klassenraum. Die Pädagogen haben somit viel Zeit, sich individuell um die Kinder zu kümmern. Diese besondere individuelle Förderung ist auch der Grund, warum Anna Usadel inzwischen an der Montessori-Schule an der Balanstraße unterrichtet. Zuvor hat sie einige Jahre an einer staatlichen deutschen Schule in Spanien gearbeitet. Dort habe sie zwar immer individueller arbeiten sollen, aber am Ende die gleichen Tests geschrieben und Noten gegeben. "Da beißt sich die Katze in den Schwanz", sagt sie.

Montessori nur für Reiche?

Doch das spezielle Lernen an der Montessori-Schule hat seinen Preis. Etwa 450 Euro müssen Eltern pro Monat für einen Schulplatz bezahlen (inklusive Hortbetreuung und Mittagessen). "Wir müssen dieses Schulgeld erheben, weil wir von Seiten öffentlicher Träger nicht so bedacht werden", erklärt die Geschäftsführerin der Schule, Monika Nadler. Pro Kind gäbe es zwar eine Pauschale vom Land, die um die 1.000 Euro liege, aber dies reiche nicht aus, um die Kosten zu decken. Dass besonders förderbedürftige Kinder, die aus armen Familien kommen, durch das Schulgeld ausgeschlossen werden, das möchte Monika Nadler nicht gelten lassen. "Wenn ein Kind aber eine entsprechende Diagnose vorlegt, dann wird der Bezirk Oberbayern dem Schulplatz zustimmen und das Schulgeld für die Familie übernehmen."

"Mich freut es eher, dass es jetzt diese Inklusionsschulen gibt. Wir können nämlich viele Kinder nicht aufnehmen. Außerdem wollen viele Eltern ihre Kinder gerne auf eine Regelschule in ihrer Umgebung schicken. Darum freue ich mich über jede Schule, die Kinder aufnehmen kann."

Monika Nadler, Geschäftsführerin

Dass es in Bayern inzwischen 41 Inklusionsschulen gibt, freut Monika Nadler. Sie glaubt nicht, dass dadurch die Anmeldezahlen an ihrer Schule zurückgehen. Viele Kinder könne die Montessori-Schule nämlich gar nicht aufnehmen, sie müssten abgelehnt werden, weil die Kapazitäten erschöpft sind. „Darum freue ich mich über jede Schule, die förderbedürftige Kinder aufnehmen kann.“

Integrative Montessori-Schule an der Balanstraße

Am 16. September 2008 hatten 72 Monte-Balan-Kinder ihren ersten Schultag in der Balanstraße 73. Heute besuchen 198 Kinder die Montessori-Schule, 25 sind sogenannte „Inklusionskinder“. Unterrichtsinhalte orientieren sich an dem jeweils gültigen Bayerischen Lehrplan. Das vernetzte und fächerübergreifende Lernen setzt die Schule mit Hilfe der Schulpädagogik nach Maria Montessori um. Demnach soll kindlichem Forschungs- und Entwicklungsdrang Raum gegeben und selbst bestimmtes Lernen ermöglicht werden. Kinder mit unterschiedlichen Fähigkeiten sollen gefördert. Daher bietet sich hier auch eine Förderung von Kindern mit Behinderungen an.


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