Alles inklusive?!
Sie haben körperliche Behinderungen, Lernschwächen, geistige Einschränkungen - und trotzdem gehen die Kinder in die Regelschulklasse. Dieses Ideal der UN wird jetzt in Bayern umgesetzt. Seit September 2011 gibt es hier 41 Inklusionsschulen. Doch es gibt Zweifel: "Was wir jetzt machen, ist die Umsetzung der UN-Konvention zum Billigtarif", sagt Schulleiterin Simone Fleischmann, die ihre Schule zur Inklusionsschule machen möchte. Wir haben mit Eltern, Lehrern und Experten gesprochen, haben uns verschiedene Schulen angeschaut und gemerkt: Es gibt eben nicht alles immer inklusive!
Wie dieses Dossier entstanden ist
Dieses Dossier wurde von Hörfunk-Volontären des Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp) im Rahmen des Seminars "Online/Crossmedia" erstellt. Das ifp ist die Journalistenschule in Trägerschaft der Katholischen Kirche.

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Andrea Ritter, Dienstag, 13.März, 14:06 Uhr
7. Inklusion
Ich bin Lehrerin an der Realschule in Marktredwitz - Klassleitung einer 10. Klasse mit 26 Schülerinnen und Schüler. In dieser Klasse sind zwei behinderte Jungs integriert. Kevin ist so behindert, dass er Hausunterricht erhält. Er hat eine Muskelschwäche und wird heute sogar beatmet. Christian ist hörbehindert, sitzt aber ganz normal im Klassenzimmer. Einziger Unterschied - die jeweilige Lehrkraft trägt ein Mikrophon um den Hals, die mit Christians Hörgeräte verbunden sind. Nein, wir sind keine Inklusionsschule, aber wir betreiben Inklusion. Kevin und Christian sind seit der fünften Klasse bei uns und werden im Juli diesen Jahres ganz normal ihren Abschluss anstreben. Kevin ist, trotz Hausunterricht, auch mit der Klasse verbunden - per Facebook. Es war für die Klasse eine Selbstverständlichkeit, ein Abschluss T-Shirt mit zu bestellen. Es funktioniert - natürlich mit etwas Aufwand und etwas guten Willen seitens der Lehrkräfte. Wir machen es einfach - ohne groß darüber zu reden. (vom 08.03.2012)
Dorothee Hrubesch-Barta, Dienstag, 13.März, 14:06 Uhr
6.
Meine Erfahrung ist, dass die Lehrer überhaupt nicht auf Inklusion vorbereitet werden.
Schon der Umgang mit allen möglichen Verhaltensauffälligkeiten, wie ADHS zum Beispiel, ist äußerst problematisch. Zweistündige Lehrerfortbildungen reichen da nicht aus (Weder für ADHS noch für Asperger).
Kurze Lehrerfortbildungen reichen schon gar nicht bei der Intergrationvon Kindern mit Autismus. Das kann gut gehen, muss aber nicht.
Zummindest wäre aber einmal die Vorraussetzung, dass die Klassenstärke in der betreffenden Klasse nicht über 20 Kinder liegt.
Es kann nicht sein, dass eine Schuler erst offiziell den Titel, "Inklusionsschule" haben muss, um die Schülerzahl zu reduzieren.
Schulen, die schon länger Inklusion betreiben, dies schon vor Juli 2011 getan aben, sollten ebenfalls die gleichen Bedingungen bekommen wie offizielle "Inklusionschulen". Diese Titelsammelei ist doch nicht zielführend. Wichtig ist doch, was vor Ort getan wird!
Muss man den Nichtinklusionschulen solche Steine in den Weg legen?
Vor allem sind es doch die Kinder, die darunter leiden. Und zwar sowohl die, die nicht behindert sind, als auch die Behinderten selbst. Wenn Inklusion scheitert, und das tut sie mit großer Whrscheinlichkeit unter den gegebenen schlechten Voraussetzungen, ist doch Niemandem gediehnt. Warum funktionieren die Dinge in diesem Land nicht unbürokratischer und damit aber besser an der Lebenswirklichkeit orientiert??
Warum gibt es eigentlich keine Supervision an Schulen?
Warum schaut eigentlich niemand, wie die Vorgaben vor Ort werden können?
Warum fragt eigentlich niemand die Pädagogen selbst? Ich bin jedenfalls noch nicht zu einem Erfahrungsbericht eingeladen worden vom Kultusministerium.
Fast alle sind wirklich absolut bereit, Inklusion zu verwirklichen. Aber bisher habe ich damit viele schlechte Erfahrungen gemacht. Zum Teil liegt das allerdings auch an den Eltern, die zu viel von der Institution Schule erwarten. (vom 18.02.2012)
Mona Laub, Dienstag, 13.März, 14:05 Uhr
5. Inklusion
Ich habe selbst ein Handicap, bin aber auf eine Regelschule gegangen - von der Grundschule bis zum Ende der 9. Klasse. Obwohl meine Mitschüler und die Lehrer gewußt haben, dass ich ein Handicap habe und daher bei manchen Dingen länger brauche bzw. diese nicht so kann, wurde darauf wenig Rücksicht genommen. Nur im Sportunterricht war ich von der Benotung befreit, obwohl ein ärztliches Attest bestätigte, dass von einer Benotung von mir auch im Handarbeitsunterricht Abstand genommen werden sollte. Das wurde aber nicht gemacht.
Außerdem wurde ich aufgrund meines Handicaps ziemlich übel gemobbt - das hat sich über Jahre hingezogen. Inzwischen hab ich das zwar einigermaßen verdaut, aber wenn ich heute lese oder höre, dass sich Deutschland "bemüht", die UN-Behindertenrechtskonvention zum Thema Inklusion umzusetzen, kann ich nur müde lächeln. Warum soll das heute funktionieren, wenn es damals bei mir nicht funktioniert hat? Die Lehrer sollten mehr für dieses Thema sensibilisiert und besser dafür ausgebildet werden, damit Kinder mit Handicap in ihrer Klasse kein "Hindernis" mehr darstellen - so wie ich damals. Mich ließ man spüren, dass ich nicht erwünscht war und ich die anderen nur ausbremse. (vom 15.02.2012)
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