Neue Datensatelliten Für die Wettervorhersage - und fürs Militär
Zwei neue Satelliten erweitern das europäische Datennetz. Sie schließen Lücken zwischen Erdbeobachtungs-Satelliten und Bodenstationen und sollen helfen, das Wetter zu überwachen - aber auch militärische Truppen unterstützen.
In Weßling im oberbayerischen Fünf-Seen-Land fiel heute der Startschuss: Vertreter des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), der Astrium GmbH und der luxemburgischen SES ASTRA TechCom S.A. unterzeichneten einen Vertrag über das Europäische Daten-Relais-System (EDRS). Dieses Kommunikationsnetz aus Satelliten und Bodenstationen soll eine extrem schnelle Datenübertragung vor allem von Erdbeobachtungssatelliten ermöglichen und Lücken zwischen diesen Satelliten und Bodenstationen schließen.
Datenverteiler in 36.000 km Höhe
Das Europäische Daten-Relais-System
Das Europäische Daten-Relais-System besteht aus zwei geostationären Orbitern und mehreren Bodenstationen zur Steuerung, Kontrolle und Datenübertragung. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie steckt mehr als 120 Millionen Euro in das Projekt. Weitere 7,5 Millionen Euro kommen jeweils von der Programmdirektion Weltraum des DLR in Köln und von der Bayerischen Staatsregierung.
Die Daten werden mit EDRS quasi über Bande gespielt. Die beiden Satelliten schaffen eine Art Umgehungsstraße für Hindernisse - etwa die gekrümmte Erdoberfläche, die den direkten Kommunikationsweg zwischen tieferfliegenden Satelliten oder zwischen diesen Satelliten und ihren Bodenstationen abschneiden. Über die optische Schnittstelle LCT können Daten laut DLR mit einer Geschwindigkeit von bis zu 1,8 Gigabit pro Sekunde übertragen werden, über 45.000 Kilometer Entfernung. Das entspräche etwa 100.000 bedruckten DIN-A-4-Seiten pro Sekunde. Auch eine Datenweiterleitung per Funk ist vorgesehen.
Wer profitiert von EDRS?
Erd- und Klimabeobachtung
Erdbeobachtungsprojekte, die etwa Bewegungen der Oberfläche wie Erdbeben feststellen, die Waldbrände, Überflutungen oder das Eis an den Polkappen überwachen.
Katastrophen- und Angriffsabwehr
Regierungen und Sicherheitsbehörden, die Daten vom weltumspannenden Umwelt- und Sicherheitsüberwachungssystem GMES empfangen.
Katastrophenrettung
Rettungskräfte, die schneller an Erdbeobachtungsdaten von Katastrophengebieten kommen.
Militärtechnik
Militärische Einheiten, die etwa Positionsdaten schneller an Spionagesatelliten, Flugzeuge oder unbemannte Drohnen übermitteln können.
Militärische Kommunikation
Bodentruppen, denen in von den normalen Kommunikationswegen abgeschnittenen Gebieten eine Telekommunikationsmöglichkeit gegeben wird.
Der erste neue Satellit soll 2014 starten, der zweite ein Jahr später. Sie werden in einem geostationären Orbit platziert, umkreisen die Erde also nicht, sondern stehen immer über derselben Stelle der Erdoberfläche, in 36.000 Kilometern Höhe. Satelliten, die in 200 bis 1.200 Kilometern Höhe etwa Weltraumaufnahmen von Katastrophengebieten machen, sollen ihre Daten damit künftig nahezu in Echtzeit übermitteln können, wo sie bisher aufgrund ihrer Position nicht ständig mit den Empfangsstationen auf der Erde in Kontakt stehen können. "Es können wesentlich größere Datenmengen schneller und über einen längeren Zeitraum vom All zur Erde übertragen werden", sagte DLR-Vorstandschef Johann-Dietrich Wörner. "Vor allem für die Umweltbeobachtung ist dies von großer Bedeutung, zum Beispiel für Notfalldienste, bei Naturkatastrophen oder auch für die Wettervorhersage", so Wörner.
Für die Wettervorhersage - und für das Militär
Neben schnellen und lückenlosen Datenkanälen bedeutet EDRS für Europa aber auch ein Stück Unabhängigkeit. Denn derzeit ist man beim Empfang von Satellitendaten nach ESA-Angaben auch auf die Dienste nicht-europäischer Bodenstationen angewiesen. Diese "potenzielle Bedrohung der strategischen Unabhängigkeit Europas" soll EDRS laut einer Mitteilung der ESA beseitigen. Auch der Einsatz zur Kommunikation von Bodentruppen und etwa zum Steuern unbemannter Drohnen wird ausdrücklich erwähnt - Aussagen, die unmissverständlich auch die militärische Dimension des Projekts aufzeigen.

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